Kein Bock auf AfD-Büro
Archivbeitrag · Erstveröffentlichung: 11. Juni 2018
Mehr als 2.000 Menschen unterschrieben beim Waller Straßenfest 2018 gegen das geplante AfD-Büro. Die Nachbarschaft widersprach der rechten Verankerung im Stadtteil. Frank Magnitz beantwortete den Protest mit dem Feindbild des angeblichen linken Terrors.

Am 10. Juni 2018 sammelte das überparteiliche Bündnis „AfD Büro? Nirgendwo!“ beim Waller Straßenfest Unterschriften gegen das geplante Wahlkreisbüro von Frank Magnitz in der Helgolander Straße 3. Die taz berichtete fünf Tage später von mehr als 2.000 Unterzeichner:innen an einem Nachmittag. Auf einem Anhänger stand eine große Tafel, an der Besucher:innen ihre Ablehnung sichtbar machten. [1]
Der Protest kam aus der Nachbarschaft. Ein späterer Bericht des Projekts „Traces of Protest“ beschreibt, wie Anwohner:innen mit unterschiedlichen Parteibindungen und parteilose Waller:innen zusammenfanden. Ihr Anliegen war ein Stadtteil, in dem unterschiedliche Herkünfte und Lebensweisen Platz haben. Das Bündnis stellte sich gegen die Verankerung einer Partei, deren menschenfeindliche Politik dieses Zusammenleben angreift. [2]
Unterschriften wurden zum angeblichen Terror erklärt
Magnitz reagierte auf den Widerstand mit einem Flugblatt an die Nachbarschaft. Die taz dokumentierte, wie er Gegner:innen des Büros als „linksradikale Demokratiefeinde“ und „linke Gesinnungsterroristen“ beschimpfte und ihre Aktionen mit der Vorbereitung eines Anschlags verband. [1] Das ist eine Täter-Opfer-Umkehr: Die AfD stellte sich als bedrohte Kraft dar und rückte zivilgesellschaftlichen Protest in die Nähe von Terror. Aus Nachbar:innen, die öffentlich widersprachen, machte sie ein Feindbild.
Die Unterschriftentafel wurde nach dem Straßenfest vor dem Büro aufgestellt. Für den 16. Juni 2018 hatte das Bündnis dort ein Kundgebungsfrühstück angekündigt. Nach der späteren Vor-Ort-Dokumentation von „Traces of Protest“ beteiligten sich daran rund 200 Menschen: Familien, Studierende und Nachbar:innen verschiedener Generationen. [2] Der Protest setzte sich mit weiteren Aktionen und sichtbaren Zeichen im Stadtteil fort.
Den politischen Hintergrund des damaligen Landesvorsitzenden und die dokumentierten Verbindungen seines Büroumfelds zur Identitären Bewegung behandelt unser Dossier zu Frank Magnitz. Der zeitgleiche Protest-Rave des Zucker-Kollektivs dokumentiert einen weiteren Konflikt um rechte Angriffe und eine solidarische Stadt.
Redaktion
AfD Watch Bremen
Quellen und weiterführende Recherchen
Zeitgenössische Berichte, Originaldokumentation und weiterführende Recherchen zum damaligen Konflikt.
Protest gegen AfD-Büro in Bremen: Linker Terror in Walle
Belegt mehr als 2.000 Unterschriften beim Stadtteilfest, den Standort des geplanten Büros, Magnitz’ Flugblatt und die Ankündigung des Kundgebungsfrühstücks.
Protest gegen das AfD-Büro in Walle
Beobachtungsbericht mit Fotos und Gesprächen zu Entstehung, nachbarschaftlicher Zusammensetzung und weiteren Aktionen des Bündnisses; nennt rund 200 Teilnehmende beim ersten Frühstück.
Unterschriftentafel beim Waller Straßenfest
Erhaltene Bilddokumentation aus dem ursprünglichen Beitrag vom 11. Juni 2018.
