Verbandschef Andreas Illoff (ganz rechts) und Heiner Löhmann (neben Iloff) mit ihrem Kreisverband Diepholz (Osterholz). Trotz Mitgliedschaft in diesem Kreisverband und Lebensmittelpunkt in Syke, gibt Löhmann vor in Bremen wohnhaft zu sein. Bildquelle: AfD KV Osterholz, 2018

Der neonazistische AfD-Akteur Andreas Iloff, schickt Heiner Löhmann nach Bremen.

Mit diesem Akteur rückt das völkisch-nationalistische Netzwerk aus dem Hinterland näher ans Bremer Landesparlament. 2021 wurde Löhmann durch den Todesfall eines AfD-Akteurs zum nachrückenden Abgeordneten der Bremer Bürgerschaft. Mit Beginn der Pandemie erschien Löhmann als umtriebiger Akteur der “Querdenker“-Szene. Bei parteiinternen Wahlaufstellungen für Vorstandsposten auf Landes- und Bundesebene, scheitert der Abgeordnete bisher.

AfD-Akteur Heinrich (Heiner) Löhmann wurde 2019 auf Platz 6 der KandidatInnen-Liste des Bremer Landesverbandes aufgestellt. Ein darüber hinaus angestrebtes Mandat für den Beirat Hemelingen, war für ihn nicht zu erreichen. Nach der Wahl 2019 trat Löhmann lediglich im Beirat für die AfD als “Sachkundiger Bürger” in Erscheinung. In der Konsequenz, um sich auf die Landesliste zu setzen, hätte Löhmann, laut Wahlgesetz, vor der Wahl seinen Lebensmittelpunkt in Bremen haben müssen. Unsere Recherchen dokumentierten. einige Wochen vor der Abgabe der AfD KandidatInnen-Liste zur Bürgerschaftswahl 2019, dass Löhmann seit Jahrzehnten in Syke lebt und nichts darauf hindeutet, er habe sein Haus im Grünen ernsthaft gegen wenige staubige Quadratmeter im Gewerbegebiet von Hemelingen eingetauscht. Ein paar Quadratmeter, die Löhmann auch noch mit einigen AkteurInnen der Partei teilen würde. 

Löhmann versicherte im März 2019 bei Abgabe der Wahlunterlagen, an Eides statt, in Bremen zu wohnen und hätte lediglich sich “zu spät umgemeldet“. – Bis zur Prüfung und Verabschiedung der eingereichten AfD-Kandidaturen bei der zuständigen Behörde, ließ sich nicht eindeutig klären, ob Löhmann tatsächlich an der Adresse, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Bremer AfD Beiratskandidatin Beata Linka, lebt oder beide nur eine Scharade vollziehen, die bis nach der Wahl für Behörden und Presse aufrecht erhalten werden soll. Bis zum Bundestagswahlkampf 2021, war Löhmann durch unser Recherche-Netzwerk nicht mehr in dem Gebäude anzutreffen. Der Verdacht legt eine Schein-Adresse und damit Wahlbetrug nahe. Bremer Behörden zeigten bislang kein Interesse die dubiosen Methoden von AfD-KandidatInnen zu unterbinden. Obgleich bei weiteren AkteurInnen der AfD 2013, 2015 und 2018 zu den Wahlen dieselben Verdachtsmomente im Raum standen. 

Löhmanns politische Biografie

Der im Elektronik-Gewerbe tätige Löhmann wollte 2013 Bürgermeister von Syke werden. Nach seinem Scheitern trat er aus der CDU aus, um 2016 dem völkisch-nationalistischen AfD Kreisverband unter Andreas Iloff, in Diepholz beizutreten. Sein Lebensmittelpunkt hat der 1961 geborene Löhmann seit seiner Jugend im niedersächsischen Syke. Mit Bremen hat Löhmann, der sich selbst “Syker Junge” nennt und sogar seinen Namen zeitweise unter “Heiner Syke” ins Firmenregister eintragen ließ, nur soviel zutun, dass seine damalige Firma ETIB GmbH unter anderem in Bremen ansässig war. Das Unternehmen war über die letzten Jahre insolvent und wurde inzwischen gelöscht. Der letzte offizielle Sitz des gelöschten Unternehmens ETIB in Bremen, ist die jetzige von Löhmann angegebene Meldeadresse. Was seine früheren Angestellten vom Unternehmer Löhmann hielten, kann in diesem offenen Brief seiner Angestellten von 2003 nachgelesen werden. 

Löhmann, beim AfD Aufmarsch in Stuhr an denen einschlägige Neonazis der “IB Bremen” beteiligt waren. Kein Problem für Löhmann, schließlich ist sein Kreisverbandschef Andreas Iloff, ein vom VS Beobachteter AfD Atkeur mit besten Kontakten ins militante Neonazi-Milieu. Bildquelle: Recherche Nord, 2017

Wie weit weg Löhmann von einer Befähigung ist, Berufspolitiker zu sein, demonstrierte er im aktuellen Wahlkampf. Bei einem Auftritt in einer Schule im März 2019, vor SchülerInnen auf einem Podium, konnte Löhmann keine der Fragen sachgemäß beantworten und demonstrierte keinen Bezug zur Fakten zu haben. Stattdessen wurde die falschen Behauptungen zu Klima, Migration und Sicherheitspolitik, die bundesweit von der AfD propagiert werden, in den Raum geworfen. Die SchülerInnen waren jedoch nicht zu täuschen und wiesen alle Behauptungen als Propaganda ewig gestriger AfD-AkteurInnen zurück. Gleiches war schon den AfD-AkteurInnen Alexander Tassis und Ann-Katrin Magnitz an anderen Schulen auf Podiumsdiskussionen zum Wahlkampf 2019 passiert. Auch sie konnten nichts sachliches auf den Podien beitragen, schwiegen überwiegend und wurden bei ihren wenigen Antworten promt demaskiert. Löhmann’s Auftritt war jedoch derart unprofessionell, dass er sich sogar genötigt sah, die Peinlichkeit in einem Facebook-Kommentar zu entschuldigen.

Alte Bekannte aus dem Hinterland

Iloff, AfD Diepholz, (links) mit Abgeordneten und Bremer AfD Landeschef Frank Magnitz, AfD Bremen. Gemeinsamer Aufmarsch in Kirchweyhe. Statt Trauer für einen Toten fotografierten die Akteure fröhlich den Gegenprotest für ihre Kreise und spuckten auf die Interessen von Gemeinde und Hinterbliebenen. Bildquelle: Recherche Nord

Dass ausgerechnet Löhmann, der seit Jahren zum völkisch-nationalistischen AfD-Kreisverband Diepholz gehört, nach Bremen entsendet wird, ist nicht überraschend. Der Kreisverband, unter Führung des bekannten Neonazis und AfD-Akteur Andreas Iloff, ist seit Jahren eng mit dem Bremer Landesverband verbunden. Gegenseitige Wahlkampfhilfe gehörte in der Vergangenheit ebenso dazu, wie wechselseitige Unterstützung bei öffentlichen Veranstaltung der AfD im Wahlkampf. 2018 versuchte die “Identitäre Bewegung (IB)” sich zu etablieren. In dieser Zeit war die extrem rechte Aktionsgruppe bereits bestens vernetzt in der Region. So wundert auch nicht Löhmann’s Begeisterung für Medieninhalte der “IB”. Meist besuchen sich die Verbände gegenseitig, um den Eindruck zu erwecken, die AfD wäre auch im norddeutschen Raum so populär wie im Osten der Republik.

In den letzten Jahren kamen fast ausnahmslos FunktionärInnen und Mitglieder zu den wenigen öffentlichen Veranstaltungen der AfD. Nicht selten in Begleitung von AkteurInnen der “Identitären Bewegung”, bzw. ehemaliger JN-Kader (NPD). Ein Publikum außerhalb der eigenen Filterblasen anzusprechen, gelingt der AfD in Bremen und den Kreisverbänden im Umland weiterhin nicht. Die Parteijugend ist in den Osten abgewandert. Andreas Iloff, der seit vielen Jahren in der Neonazi-Szene aktiv und konspirative Veranstaltungen organisiert, war u.a. 2018 mit dem Landeschef Frank Magnitz zusammen mit “IB”-Akteuren, wie Lars Steinke, Marvin Mergard, in Kirchweyhe aufgeschlagen. Um dort erfolglos eine Tragödie, bei dem ein Jugendlicher gewaltsam zu Tode kam, rassistisch auszuschlachten. Die AfD schloss direkt an einem Ereignis an, über das in den Jahren zuvor militante Neonazi-Strukturen, wie in Teilen die “IB”, NPD-Kreise und militante Kameradschaften, versuchten politisches Kapital zu schlagen. Die Zusammenkünfte zwischen Magnitz und Iloff finden immer wieder statt. Ein Bindeglied für diese Beziehung ist Heiner Löhmann.

In Stuhr half Magnitz und sein Verband, eine Veranstaltung von Iloff zu organisieren. Bei einer Bremer AfD Veranstaltung in der Bürgerschaft 2018, unterstütze Iloff’s AfD-Verband die Veranstaltung unter Magnitz Federführung, bei der auch bundesweit bekannte Neonazis als Referenten und “IB”-Akteure als Gäste auftragen. Im März 2019 war Magnitz Gastredner auf einer Veranstaltung von Andreas Iloff bei der die gemeinsame Zusammenarbeit von ihnen betont wurde. Heinrich Löhmann nun als Bürgerschaftskandidaten einzubringen, lässt die extrem rechten Strukturen und AkteurInnen von Iloff, noch näher an den Bremer Landesverband rücken.

Der heutige AfD Akteur und ehemalige stell. Vorstandsvorsitzende Wiese für die REP Bremen, beim AfD Aufmarsch in Stuhr 2017. Im Hintergrund, die von der AfD Bremen mitgebrachte Wahlkampf-Propaganda. Bildquelle: Recherche Nord

Iloff’s Kreisverband anzugehören und sich in seinem Netzwerk zu bewegen, bedeutet ganz offen völkisch-nationalistische Positionen zu vertreten und die Aktivitäten von Iloff ins militante neonazistische Milieu zu billigen und unterstützen. Löhmann muss wissen, dass Iloff seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird und in welche Strukturen Iloff verstrickt ist. Unter anderem seine neonazistischen Aktivitäten, die bis zum NPD Chef Thorsten Heise und zu verbotenen Organisationen, wie der HDJ reichen. Neben Iloff findet sich in diesem AfD Kreisverband auch ein weiterer, nicht unbekannter Akteur der extrem rechten Szene.

Harald Wiese ist Vorstandsmitglied neben Iloff im AfD-Verband Diepholz. Wiese war in Bremen lange Zeit für die Republikaner (REP) aktiv. Zeitweise war Wiese der stellvertretende Landesvorsitzende der REP Bremen, bis zu deren Auflösung 2009. Harald Wiese saß 2008 im Beirat Gröpelingen für die REP. Wiese ist zudem in völkisch-nationalistischen Vereinen “Auehof e.V., im Vorstand organisiert. Der Verein wird nachweislich von seinem Parteichef Iloff angeführt. Zudem ist Wiese im ähnlich organisierten Freundeskreis Deutschland e.V. im Vorstand. Bei den Vereinen wird ein deutlich NS bezogener “Germanenkult” betrieben, der über die Jahre militante Strömungen sowie AkteurInnen der DVU, REP, NPD eingliederte und seit 2013 mit der AfD den Kreis erweitert. Die Aktivitäten des neonazistischen Vereins “Auehof” unter Federführung von Iloff, sind Rechtsextremismus-ExpertInnen und dem Verfassungsschutz seit Ende der 90er Jahre bekannt.

Dass Löhmann nun aus dem von Iloff geführten Kreisverband, für die AfD Bremen in die Bürgerschaft und in den Beirat Hemelingen einziehen will, demonstriert zum einen, wie eng die AfD Bremen mit den alten Strukturen im Hinterland verbunden ist. Zum anderen, dass im Hintergrund zum Akteur Löhmann, Iloff und seine militanten Neonazi-Kreise, die im Kontext zu diesen AfD-Verbänden auftreten, in Wartestellung sind. In anderen Bundesländern ist der Sprung in die Parlamente für extrem rechte bis neonazistischer Kreise schon vollzogen. Bremen bildet für diese AkteurInnen einen Schlussstein. Um unter dem bürgerlichen Deckmantel der AfD auch in Bremen offen auftreten zu können. Wie AfD-Aufmärsche in Stuhr 2017 und in Delmenhorst 2018 bereits vor Augen geführt haben.

Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft

Am 15.07.2021 teilte die Bremische Bürgerschaft mit, dass der Bürgerschaftsabgeordnete Mark Runge überraschend im Alter von 38 Jahren verstorben sei. Runge war von 2019 bis 2021 AfD-Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft in der “Gruppe M.R.F.”. Nach längerer Phase ohne Ersatz für Runge, folgte Heiner Löhmann auf den Posten. Zudem soll Löhmann im Gremium “Ausschuss für Bürgerbeteiligung, bürgerschaftsliches Engagement und Beiräte” vertreten sein. Laut veröffentlichungspflichtiger Angaben der Geschäftsordnung der Bremer Bürgerschaft, sei Heiner Löhmann “Facility Manager” bei der Robens GmbH in Stuhr. Diese Betreibt Shell-Autobahntankstellen.

Umtriebiger Akteur der “Querdenker”-Szene

Bereits zu Beginn der sogenannten “Hygiene-Demos” war Löhmann als Teilnehmer der Aufmärsche auf dem Bremer Marktplatz erkannt worden. Beim rechtswidrigen Aufmarsch einer bundesweit beworbenen “Querdenken”-Versammlung am 05.12.2020, war Löhmann im Bremer Bürgerpark mit einigen weiteren bekannten AkteurInnen der Szene polizeilich festgesetzt worden. Seine Unterstützung für verschwörungsideologische Propaganda und Fakenews in den sozialen Medien zum Pandemiegeschehen, sind hinreichend dokumentiert. Zuletzt nahm Löhmann 2022 im Stadtteil Findorff an einer “Querdenken 421“-Versammlung teil, unter anderem im Kreise von einschlägig bekannten AkteurInnen der Reichsbürger-Szene.

Am 30.03.2022 marschierte Löhmann mit Neonazi und AfD-Funktionär Andreas Iloff, sowie Michael Schnieder, aus dem AfD-Kreisverband Diepholz, gemeinsam mit einer Mischszene aus Reichsbürgern, rechtsoffenen EsoterikerInnen, AfD-Fans und weiteren Neonazis durch die niedersächsische Ortschaft Syke. Beobachtungen nach, zielen die regionalen AfD-Verbände hier auf Vernetzung und Abfischen des verschwörungsideologischen Klientels für partei-strategische Zwecke. Des Weiteren lassen Äußerungen des Abgeordneten Löhmann auf seinen Social-Media-Kanälen den Schluss zu, dieser sympathisiere wie viele AkteurInnen der “Querdenker”-Szene mit der Politik des russischen Diktators und Kriegsverbrechers Wladimir Putin.

Außer durch Zufall an ein Mandat zu kommen, nichts erreicht.

Löhmann gehört zu den Glücksrittern der Partei. Bewirbt sich um jeden Posten der im Raum steht. Doch bisher endeten alle Wahlen in einer Blamage für den nun (noch) Abgeordneten der Bürgerschaft. Nicht einmal in dieses Amt wurde Löhmann gewählt. Lediglich ein überraschender Todesfall brachte ihn in die Bürgerschaft. Wo er statt mit Sacharbeit, mit Abwesenheit glänzt. Seine Kandidatur zum Beirat im Stadtteil  Hemelingen, war 2019 gescheitert.

Das Bundesland Bremen ist aktuell das einzige ohne einen AfD-Abgeordneten im Bundestag. Die Parteispitze ist seit Jahren in Bremen ist nicht besetzt. Im Vorstand wird Löhmann lediglich als “Beisitzer” genannt. Die Landespartei droht 2023 unter die 5%-Hürde zu rutschen. Offenbar völlig unbeeindruckt von dieser Realität, setzte sich Löhmann beim Bundesparteitag der AfD im sächsischen Riesa, am 18.06.2022 auf die Wahlliste zum “1. stellv. Bundessprecher” der Partei. Die Klatsche folgte promt. Lediglich die Bremer Delegation wählte Löhmann. So erhielt er lachhafte 0,98 Prozent der Gesamtstimmen.

Redaktion
AfD Watch Bremen