Archiv · Historisches Dossier

Junge Alternative Bremen: Der Verband zerfiel, die rechten Karrieren gingen weiter

Die Bremer Junge Alternative verbreitete völkische Propaganda, marschierte mit Identitären und brachte ihre Funktionäre in den AfD-Landesvorstand. Nach dem Zerfall des Verbandes setzten zentrale Akteure ihre Laufbahnen fort: Robert Teske gelangte über Höckes Büro in den Bundestag, Marvin Mergard führt heute in Partei und Jugendorganisation mit.

Stand: September 2026

In Farge gegründet, in der extremen Rechten vernetzt

Am 16. Oktober 2016 gründete sich in Bremen-Farge der Landesverband der Jungen Alternative (JA). Robert Teske übernahm den Vorsitz, Marvin Mergard wurde sein Stellvertreter. Auf dem Gründungsfoto stand auch Lars Steinke, dessen Kontakte zur Identitären Bewegung und zu militanten Neonazis wir 2017 dokumentierten. Der Aufbau der Bremer Parteijugend war damit von Beginn an in ein überregionales rechtes Netzwerk eingebunden. [1] [2]

Teske brachte Verbindungen in die Berliner JA mit. Zugleich orientierte sich die Bremer Führung an der öffentlichkeitswirksamen Aktionspolitik der Identitären Bewegung (IB). Das gemeinsame politische Angebot verband nationalistische Gemeinschaftsversprechen mit rassistischen Feindbildern und dem Anspruch, junge Menschen für die extreme Rechte zu organisieren. [1] [4]

Mit Identitären auf der Straße, mit Magnitz im Wahlkampf

Am 17. Juni 2017 nahmen Teske und Mergard am Aufmarsch der Identitären Bewegung in Berlin teil. AfD und JA hatten zuvor Unvereinbarkeitsbeschlüsse zur IB gefasst. Gegenüber der taz rechtfertigte Mergard die Teilnahme mit dem Demonstrationsrecht; der Beschluss untersage seiner Lesart nach herausgehobene Funktionen wie Ordner- oder Rednerauftritte. Der stellvertretende JA-Bundesvorsitzende widersprach dieser Auslegung gegenüber der Zeitung. [3] [4]

Am 15. August 2017 wurde die Zusammenarbeit auch auf dem Bremer Marktplatz sichtbar. Beim Wahlkampfauftritt Angela Merkels verteilten Teske, Mergard und AfD-Landeschef Frank Magnitz gemeinsam mit Identitären Protestmaterial. Unsere damalige Fotodokumentation und die Analyse des Antifaschistischen Infoblatts zeigen die Verbindung zwischen Parteiführung, Jugendverband und außerparlamentarischer Rechter. [5] [6]

Die gemeinsamen Auftritte verschafften den Identitären Zugang zum Umfeld einer parlamentarisch vertretenen Partei. Umgekehrt konnte die AfD auf Aktivisten aus einem Milieu zurückgreifen, das rassistische Mobilisierung als jugendliche Protestkultur inszenierte. Teske und Mergard verbanden diese politischen Räume durch ihre eigene Tätigkeit.

Die AfD beförderte den identitären Nachwuchs

Im Dezember 2017 wählte die Bremer AfD drei JA-Mitglieder in ihren Landesvorstand: Teske wurde zweiter stellvertretender Vorsitzender, Mergard Schriftführer und Jens Schäfer Beisitzer. Ihre Führungskräfte gewannen damit Einfluss auf die Mutterpartei, nachdem die gemeinsamen Auftritte mit Identitären bereits öffentlich geworden waren. [7]

Die Bremer AfD integrierte die JA-Spitze in ihre eigene Führung. Wer den Jugendverband als abgetrenntes Nachwuchsproblem behandelte, blendete diese Machtverteilung aus. Die Funktionäre konnten zugleich die Jugendorganisation führen, in der Partei Entscheidungen treffen und Kontakte in das identitäre Milieu pflegen.

Herkunft als Ausschlusskriterium, Seenotrettung als Feindbild

Die Bremer JA verbreitete die rassistische Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“. In einem Beitrag vom 20. Februar 2017 erklärte sie Gröpelingen zum Schauplatz einer angeblichen Verdrängung der deutschen Bevölkerung. Menschen mit Einwanderungsgeschichte wurden so zu einer Bedrohung für den Stadtteil und für Deutschland erklärt. Der Bremer Verfassungsschutzbericht 2018 dokumentiert den damaligen Beitrag. [8]

Am 23. Mai 2018 kommentierte die JA eine Aussage über die Integration zugewanderter Kinder mit dem Satz: „Man kann aus Arabern keine Deutschen zaubern.“ Zugehörigkeit sollte von zugeschriebener Herkunft abhängen. Diese Vorstellung spricht Menschen die Möglichkeit ab, gleichberechtigt Teil der Gesellschaft zu werden. Sie verbindet völkischen Nationalismus mit der Verschwörungserzählung eines bedrohten, ethnisch gedachten Volkes. [8]

Wie die JA gegen Solidarität mit Geflüchteten vorging, zeigte sich im August 2018. Nachdem bei einer Bremer Aktion der Seebrücke ein Transparent entwendet worden war, veröffentlichte die JA ein Foto davon auf Facebook. Teske rechtfertigte das Entfernen gegenüber der taz und behauptete, die Banner seien illegal gewesen. Seenotrettung erklärte er zwar für notwendig; würden die Geretteten anschließend nicht in ihre Herkunftsländer zurückgebracht, handele es sich nach seiner Darstellung um „Schlepperei“. [22]

Damit griff die JA sowohl die öffentliche Präsenz einer Solidaritätsinitiative als auch die Legitimität ihrer Arbeit an. Die Rettung von Menschen wurde an eine Abschiebungsforderung gekoppelt. Aus Hilfe für Schutzsuchende machte Teske einen Vorwurf gegen die Helfer:innen.

NS-Erinnerung abwehren, rechte Gegenöffentlichkeit aufbauen

Auch die Erinnerung an NS-Verbrechen wurde zum Angriffsziel. Am 24. November 2017 wandte sich die JA gegen die Einbeziehung ehemaliger Zwangsarbeitslager in das Gedenkkonzept zum Bunker Valentin. Sie diffamierte das Vorhaben als Ausbau eines „Schuldkults“. Das Antifaschistische Infoblatt dokumentierte die Stellungnahme. Die Auseinandersetzung mit Verfolgung und Zwangsarbeit wurde damit zur angeblichen Belastung der deutschen Gegenwart erklärt. [6]

Parallel verbanden Medienprojekte die beteiligten Milieus. Jonas Schick trat nach seinem Ausscheiden aus der JA 2017 öffentlich als IB-Aktivist auf. In seinem Podcast „90 Grad“ wirkte unter anderem Teske mit. Identitäre Kanäle verbreiteten das Format. So blieb der Kontakt zur JA-Führung auch in einem publizistischen Projekt bestehen, das völkische Deutungen und neurechte Themen transportierte. [10]

Gemeinsame Aufmärsche, geteilte Medienangebote und übereinstimmende Feindbilder ergänzten sich. Sie schufen Verbindungen, über die Personal und Propaganda zwischen Jugendverband, Partei und identitärem Aktivismus zirkulierten.

Die Beobachtung setzte die Führung unter Druck

Am 3. September 2018 gab die Bremer Innenbehörde bekannt, die JA seit der Vorwoche zu beobachten. Sie verwies auf rassistische Veröffentlichungen und vielfältige Verbindungen zur Identitären Bewegung. Antifaschistische Recherchen und Medienberichte hatten die gemeinsamen Auftritte und personellen Überschneidungen bereits zuvor öffentlich gemacht. [4] [6] [9]

Teske nutzte die Auseinandersetzung für einen Auftritt beim rechten Kampagnenprojekt „Ein Prozent“. In dem von uns im September 2018 dokumentierten Interview deutete er die Beobachtung als parteipolitisch motivierten Angriff um und rief zum engeren Zusammenstehen von JA und AfD auf. Das neurechte Netzwerk bot ihm eine Bühne, um die Kritik an seiner Organisation in eine Opfererzählung zu verwandeln. [11]

Am 4. November 2018 beschloss der JA-Bundeskongress die Auflösung des niedersächsischen Landesverbandes. Die Bremer JA bestand zunächst weiter. [12] [13]

Im Streit um die Auflösung ging es auch um Listenplätze

Am 20. Dezember 2018 empfahl der Bremer AfD-Landesvorstand seiner Jugendorganisation die Selbstauflösung. Die JA wies die Empfehlung noch am selben Abend zurück. Nach dem Bericht der taz wurde sie „dankend abgelehnt“. [13]

Die Zeitung sah hinter dem Konflikt auch Konkurrenz um aussichtsreiche Listenplätze zur Bürgerschaftswahl. Teske bestätigte, einen Platz unter den ersten drei anzustreben. Mergard wurde auf einer parteiinternen Wunschliste auf Platz vier geführt. Der damalige AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis stellte sich öffentlich hinter Teske. [13]

Damit stritten Akteure um Macht, die zuvor politisch zusammengearbeitet hatten. Magnitz hatte mit der JA-Führung und Identitären Wahlkampf gemacht; nun verlangte sein Vorstand die Auflösung des Jugendverbandes. Die Auseinandersetzung betraf zugleich den Ruf der Partei, ihre inneren Bündnisse und den Zugang zu Mandaten.

Wahlkampfhilfe aus dem Neonazimilieu

Im März 2019 folgte Mergard nach unseren damaligen Recherchen Teske als Vorsitzender der Bremer JA. Mertcan Karakaya gehörte 2019 als stellvertretender Vorsitzender zur Jugendführung und war zugleich Schatzmeister der Bremer AfD. Teske wechselte nach Thüringen und arbeitete dort ab 2019 als Büroleiter Björn Höckes. [14] [15] [17]

Im Wahlkampf im Mai 2019 nahm Karakaya Hilfe aus dem Neonazimilieu an. Ein von uns dokumentiertes Foto zeigte ihn mit Michael Osterloh und Nicolai Salander, die später öffentlich als Akteure von „Phalanx 18“ auftraten. Der begleitende Kommentar prahlte mit „Begleitschutz“ für AfD-Plakatierer. [16]

Der damalige AfD-Landesvorsitzende Peter Beck bestätigte gegenüber der taz, Karakaya habe einen der Männer bereits gekannt und das Hilfsangebot angenommen. Nach Becks Darstellung brach Karakaya das gemeinsame Plakatieren am Abend wegen einer aggressiven Grundstimmung ab; Beck bezeichnete den Kontakt als einmalig und erklärte eine grundsätzliche Distanzierung von Neonazis. [17]

Der Vorgang zeigt, wie ein Funktionär von Partei und Jugendverband im Wahlkampf auf Unterstützung aus diesem Milieu zurückgriff. Die praktische Zusammenarbeit reichte damit bis zu Personen, die wenig später unter dem Namen einer offen neonazistischen Gruppe auftraten.

Der Verband verstummte, seine Funktionäre stiegen weiter auf

Seit 2019 trat die Bremer JA kaum noch öffentlich auf. Der Bremer Verfassungsschutzbericht 2021 beschrieb einen durch den Wegzug von Führungspersonen zusätzlich geschwächten Verband. Für 2020 und 2021 hielt er fehlende öffentliche Aktivitäten und personelle wie strukturelle Handlungsunfähigkeit fest. Einzelne Mitglieder blieben dem Bericht zufolge innerhalb der AfD aktiv. [18]

Für zentrale Funktionäre ging die politische Laufbahn weiter. Teske gewann bei der Bundestagswahl 2025 den Südthüringer Wahlkreis 195 und zog in den Bundestag ein. Mergard blieb in der Bremer AfD aktiv und übernahm später erneut eine Führungsrolle in ihrer Jugendorganisation. Die JA hatte ihnen Kontakte, Sichtbarkeit und innerparteiliche Positionen verschafft. [14] [15] [21]

Die neue Parteijugend übernahm Führungspersonal der alten

Auf Bundesebene bestand die JA noch mehrere Jahre. Das Bundesamt für Verfassungsschutz führte sie ab 2019 als Verdachtsfall und stufte sie 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Im Februar 2024 wies das Verwaltungsgericht Köln einen Eilantrag gegen die Einstufung zurück. Zum 31. März 2025 löste sich der bundesweite Verband auf. [19] [20]

Im November 2025 entstand die Nachfolgeorganisation Generation Deutschland (GD). Am 31. Januar 2026 gründete sich ihr Bremer Landesverband. Die Mitglieder wählten Marcel Fetke zum Vorsitzenden; AfD-Landeschef Sergej Minich hielt ein Grußwort. Mergard übernahm den stellvertretenden Vorsitz. [21]

Mit Mergard erhielt ein früherer JA-Vorsitzender erneut Verantwortung für den Bremer Parteinachwuchs. Seine Laufbahn verbindet den identitären Aufmarsch von 2017, die Führung der beobachteten JA und die heutige Jugendstruktur. Die AfD setzt damit beim Neuaufbau auf einen Funktionär, der diese Vorgeschichte selbst mitgeprägt hat.

Die Geschichte der Bremer JA zeigt, wie ein kleiner Jugendverband zum politischen Ausbildungs- und Verbindungsraum der extremen Rechten werden konnte. Seine organisatorische Schwäche ging mit fortgesetzten Karrieren seiner Führung einher. Die aktuellen Strukturen und Aktivitäten erschließt unsere Übersichtsseite zur Generation Deutschland Bremen.

Die wichtigsten Stationen

Von der Gründung 2016 bis zur neuen Bremer Parteijugend 2026

2016

Gründung in Bremen-Farge; Teske wird Vorsitzender, Mergard Stellvertreter. [1] [2]

2017

IB-Aufmarsch in Berlin, gemeinsamer Wahlkampf in Bremen und Aufstieg von JA-Funktionären in den AfD-Landesvorstand. [3] [5] [7]

2018

Beobachtung durch den Bremer Verfassungsschutz; die JA weist im Dezember die Empfehlung zur Selbstauflösung zurück. [9] [13]

2019

Mergard übernimmt den JA-Vorsitz. Karakaya nimmt im Wahlkampf Hilfe von späteren „Phalanx 18“-Akteuren an. [14] [16] [17]

2020–2021

Der Bremer Bericht beschreibt die JA als personell und strukturell handlungsunfähig; einzelne Mitglieder bleiben in der AfD aktiv. [18]

2023–2024

Die bundesweite JA wird als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und scheitert mit einem Eilantrag gegen diese Einstufung. [19]

31. März 2025

Auflösung des JA-Bundesverbandes. [20]

31. Januar 2026

Gründung der GD Bremen mit Fetke als Vorsitzendem und Mergard als Stellvertreter. [21]

Die Akteure und ihre weiteren Wege

Redaktion

AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Zeitgenössische Recherchen, Fotodokumentationen und Medienberichte zur Bremer JA. Die ergänzenden Behördenunterlagen dokumentieren damalige Veröffentlichungen, Einstufungen und den späteren Zustand des Verbandes.

[4] Simone Schnase / Sebastian Sirk · taz · 21. Juni 2017

Seit’ an Seit’ mit Identitären

Bericht über den IB-Aufmarsch und die Stellungnahme Mergards zum Unvereinbarkeitsbeschluss.

[6] Antifaschistisches Infoblatt · AIB 117 · online 30. März 2018

AfD, JA und IB in Bremen: Ein und das Selbe?

Antifaschistische Analyse der personellen Überschneidungen und der geschichtspolitischen Positionierung der JA.

[7] Gareth Joswig · taz · 14. Dezember 2017

Die identitäre AfD

Wahl Teskes, Mergards und Schäfers in den Bremer AfD-Landesvorstand.

[8] Landesamt für Verfassungsschutz Bremen · Bericht 2018 · S. 28–29

Dokumentierte Veröffentlichungen der JA Bremen

Historischer Beleg für die hier behandelten Originaläußerungen, insbesondere vom 20. Februar 2017 und 23. Mai 2018. PDF.

[9] Bremer Innenressort · 3. September 2018

Bekanntgabe der Beobachtung der JA Bremen

Zeitpunkt und damalige Begründung der Beobachtung; dokumentiert rassistische Veröffentlichungen und Verbindungen zur Identitären Bewegung.

[12] Andreas Speit · taz · 5. November 2018

AfD-Nachwuchs zerbröckelt

Bericht über den Auflösungsbeschluss für den niedersächsischen Landesverband vom Vortag.

[13] Gareth Joswig · taz · 21. Dezember 2018

Die Reihen fast geschlossen

Selbstauflösungsempfehlung und Ablehnung am 20. Dezember sowie der Konflikt um Listenplätze.

[16] AfD Watch Bremen · zuerst 9. Oktober 2019

Wahlkampf mit militanten Neonazis

Unsere Dokumentation des Wahlkampffotos vom Mai 2019 mit Karakaya, Osterloh und Salander; später aktualisierter Archivbeitrag.

[17] Andreas Speit / Andrea Röpke · taz · 8. Oktober 2019

Rechte schlagen in Bremen zu

Bericht über „Phalanx 18“ und die Stellungnahme des damaligen AfD-Landesvorsitzenden Peter Beck zur Wahlkampfhilfe.

[22] Jean-Philipp Baeck · taz · 7. August 2018

Auf menschenfeindlichem Kurs

Bericht über das entwendete Seebrücke-Transparent, seine Präsentation auf der JA-Seite und Teskes Rechtfertigung gegenüber der Zeitung.