
Iloff, AfD Diepholz, (links) mit dem ehemaligen Bremer AfD-Abgeordneten Frank Magnitz.Bildquelle: Recherche Nord.
Andreas Iloff: Völkische Kontinuitäten in der AfD Diepholz
Einladungen für einen rechtsextremen Bund, Treffen im Neonazimilieu, Auftritte mit Bremer AfD-Funktionären: Andreas Iloffs politische Biografie reicht weit über die Kommunalpolitik hinaus. Heute führt er den AfD-Kreisverband Diepholz und verteidigt Kandidaten gegen Kritik an ihren rechtsextremen Bezügen. Sein Werdegang zeigt, wie völkische Akteure innerhalb der AfD politische Macht gewinnen und behaupten.
Andreas-Dieter Iloff gehört zum Führungspersonal der AfD im Bremer Umland. Der Kreisverband führt ihn als Vorsitzenden, die Kreistagsfraktion als Fraktionschef. Zur Bundestagswahl 2025 nominierte ihn seine Partei nach einem Bericht der taz einstimmig. Im Wahlkreis Diepholz–Nienburg I erhielt er 27.351 Erststimmen, entsprechend 17,0 Prozent. Das Direktmandat gewann die CDU. Die Nominierung zeigte gleichwohl: Die seit Jahren öffentlich dokumentierten rechtsextremen Verbindungen standen seinem innerparteilichen Aufstieg nicht entgegen.
Völkische Politik vor und mit der AfD
Iloffs politische Vorgeschichte führt zum „Freundeskreis Deutschland“. Der niedersächsische Verfassungsschutz erklärte 2017 gegenüber der Kreiszeitung, Iloff sei ihm wegen rechtsextremistischer Aktivitäten in diesem Zusammenhang bekannt. Die Behörde beschrieb eine Fortsetzung der Aktivitäten unter der Bezeichnung „Deutscher Bund“. Bereits der Verfassungsschutzbericht 1999, Seiten 77–78, analysierte das Weltbild des Freundeskreises: eine ethnisch homogene Volksgemeinschaft, die Unterordnung individueller Rechte und ein Politikverständnis, das sich an Gefolgschaft und Führertum orientierte. Brauchtum sollte dabei der politischen Formierung dienen. Hinter der Pflege vermeintlich deutscher Eigenart stand ein antipluralistisches Gesellschaftsmodell.
Im März 2013 trat Iloff der AfD bei. Ein Jahr später verschickte er unter dem Namen „Adrich“ Einladungen für den „Deutschen Bund“. Andrea Röpke und Andreas Speit dokumentierten seine Rolle als „Gemeinschaftssprecher“. Die Gruppe verband völkische Vorstellungen mit Reichsideologie und antisemitischen Deutungen. Die taz beschrieb, wie der Bund die Bundesrepublik als besetztes Land betrachtete und vom Fortbestand des Deutschen Reiches ausging. Für interne Treffen verlangte Iloffs Einladung, Telefone und Kameras im Auto zu lassen. AfD-Mitgliedschaft und völkische Organisationsarbeit überschnitten sich nach diesen Recherchen ausdrücklich.
Sonnenwendfeiern und Neonazikontakte
Die Verbindungen bestanden auch in gemeinsamen Aktivitäten. Röpke und Speit berichteten über eine Wintersonnenwendfeier Ende 2013 auf dem Auehof in Kirchdorf, an der ein früherer Aktivist der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ teilnahm. Im Juni 2014 folgte ein Zeltlager in einem Waldstück nahe Iloffs Anwesen. Iloff sicherte demnach das Gelände mit Quad und Fernglas; zu den Anwesenden gehörte ein früherer Kader des verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“. Für 2011 dokumentierten die Journalist:innen Iloffs Teilnahme an einem Treffen auf dem Anwesen des Neonazifunktionärs Thorsten Heise, für 2014 seine Anwesenheit bei „Hooligans gegen Salafisten“ in Hannover. Diese zeitlich benannten Aktivitäten verorten ihn in organisierten Strukturen der extremen Rechten.
Iloff weist die gegen ihn gerichtete Kritik zurück. Im Februar 2025 erklärte er gegenüber der Kreiszeitung: „Gegen mich liegt nichts vor“. Den taz-Bericht über seine Bundestagskandidatur bezeichnete er als Hexenjagd und kündigte anwaltliches Vorgehen an. Seine Äußerungen seien von der Meinungsfreiheit gedeckt. Auf die Frage nach einer Distanzierung vom sächsischen AfD-Landesverband antwortete er: „Ich distanziere mich nicht vom Landesverband Sachsen“. Die AfD sei nicht extremistisch, der Verfassungsschutz politisch instrumentalisiert. Eine politische Aufarbeitung seiner dokumentierten Organisationsarbeit ergibt sich aus diesen Antworten nicht.
Gemeinsame Bühnen im Bremer Umland
Für die AfD organisierte Iloff öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen. Am 24. August 2017 holte er Alexander Gauland zu einem Wahlkampfauftritt nach Brinkum. Wenige Monate später trat die Verbindung zur Bremer AfD konkret hervor: Am 10. März 2018 beteiligte sich Iloff in Kirchweyhe an einer rechten Kundgebung zum Todestag von Daniel S. Mit ihm kamen der damalige Bremer AfD-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz sowie der Vegesacker Beiratspolitiker Marvin Mergard. Die Kreiszeitung dokumentierte ihre Teilnahme. Initiator Lars Steinke nutzte die Gewalttat für pauschale Aussagen über in Deutschland lebende Türk:innen. Ein lokales Bündnis hatte sich gegen diese politische Instrumentalisierung des Gedenkens versammelt.
Auch im Wahlkampf arbeiteten die Parteigliederungen zusammen. Für eine Veranstaltung am 22. März 2019 in Sulingen nennt das eigene Archiv der AfD Diepholz Magnitz als Gastredner, gemeinsam mit dem damaligen Landratskandidaten Harald Wiese und dem Bundestagsabgeordneten Dietmar Friedhoff. Iloffs Kreisverband bot damit auch Bremer Funktionären eine Bühne. Die Landesgrenze begrenzte den politischen Aktionsraum nicht: Kundgebungen und Wahlkampfveranstaltungen schufen gemeinsame Öffentlichkeit und persönliche Arbeitskontakte.
Straßenprotest als Parteiaufbau
In Bassum gehört die regelmäßige Mobilisierung zu Iloffs politischer Arbeit. Im Februar 2025 sprach er gegenüber der Kreiszeitung von seiner 129. Demonstration und erklärte, darüber kämen neue Unterstützer:innen und Mitglieder hinzu. Damit benannte er selbst die Funktion des Protests für den Parteiaufbau. Die Kreisverbandswebsite bewirbt die Montagsveranstaltungen weiterhin und zeigt Eindrücke aus Juni 2026.
Der Ausbau sollte sich in kommunalen Mandaten niederschlagen. Im April 2026 meldete der Kreisverband 23 gewählte Bewerber:innen für die Kreistagsliste und insgesamt 70 besetzte Kandidaturen für die anstehenden Kommunalwahlen. Iloff hob den Zulauf neuer Mitglieder hervor. Regelmäßige Versammlungen, Mitgliederwerbung und die Besetzung von Wahllisten greifen hier ineinander. Wer diesen Kreisverband führt, trägt Verantwortung dafür, welche Personen auf diesem Weg Zugang zu öffentlichen Ämtern erhalten sollen.
Abgrenzung nach rechts als Verhandlungssache
Wie Iloff diese Verantwortung ausübt, zeigte sich 2026 am Fall Dennis Lier. Der AfD-Bürgermeisterkandidat für Weyhe hatte auf Instagram ein antisemitisches Video und einen weiteren Beitrag mit Ausschnitten der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck geteilt. Die Videos lagen der Kreiszeitung vor. Lier erklärte, die Inhalte entsprächen nicht seiner Meinung; Haverbeck habe er beim Teilen nicht erkannt. Er habe die Beiträge entfernt und distanziere sich von Holocaustleugner:innen. Iloff sah in der Gesamtbetrachtung des Accounts dennoch ein „unproblematisches Bild“. Der Kreisverband hielt an Liers Kandidatur fest und wertete die Kritik des Bündnisses „Wir sind mehr!“ als Stimmungsmache.
Ein weiterer Fall betraf Matthias Körper, Beisitzer im Kreisvorstand und Kommunalwahlkandidat. Im August 2026 berichtete die Kreiszeitung über seinen Besuch eines Neonazi-Konzerts in Neumünster im März 2023. Die Staatsanwaltschaft Kiel bestätigte der Zeitung, dass seine Personalien dort aufgenommen worden waren. Das Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs gegen ihn wurde eingestellt. Körper erklärte, die Musik habe nicht seinen Erwartungen entsprochen; er sei froh über das Ende der Veranstaltung gewesen. Der Rechtsrockforscher Thorsten Hindrichs verwies dagegen auf die gezielte Werbung im Neonazimilieu und die konspirativ organisierte Anreise. Seine Einschätzung: „Auf solch ein Konzert geht man nicht aus Versehen“.
An Körper und Lier hielt die AfD fest, während sie Uwe Mühlenhardt nach dem Verbreiten von Neonazimusik den Rückzug von seinen Kandidaturen nahegelegt hatte. Mühlenhardt verließ anschließend auch die Partei und beklagte eine Ungleichbehandlung. Iloff widersprach. Gegenüber der Kreiszeitung erklärte er im September 2026: „Wir wägen ab, was wir als Kreisverband und Partei tragen können“. Damit formulierte er einen Maßstab politischer Tragbarkeit. In den beschriebenen Fällen reichten ihm die Erklärungen der Kandidaten, um sie weiter zu unterstützen. Die Folge ist eine Abgrenzung, die rechtsextreme Bezüge zur verhandelbaren Personalfrage macht. Iloff steht dabei selbst für die Kontinuität, die sein Kreisverband duldet: Ein Akteur mit dokumentierter völkischer Organisationsgeschichte entscheidet heute mit darüber, wie viel Nähe zur extremen Rechten für eine AfD-Kandidatur akzeptabel bleibt.
Redaktion
AfD Watch Bremen

Hallmann (links) mit Iloff (rechts) in Hannover beim HoGeSa Aufmarsch. Bildquelle: Recherche Nord.

Manuel Ochsenreiter wurde von Iloff im Februar 2018 als Referent geladen. Ochsenreiter steht unter Verdacht Anstifter und Finanzier eines Terroranschlags zu sein. Bekannt ist Ochsenreiter als Chefredakteur des extrem rechten Magazins ZUERST!. Diesem Medium gab Frank Magnitz im März 2018 kurz nachdem Ochsenreiter beim KV Diepholz geladen war, ein Interview, mit dezidiert völkisch-nationalistischen Tönen. Bildquelle: LV AfD Diepholz 2018.

Andreas Iloff, ohne seine bürgerliche Verkleidung. Völkische Symbolik wird ganz offen getragen. Bildquelle: Recherche Nord.
