
Was ist völkischer Nationalismus?
Wer Zugehörigkeit an Abstammung bindet, teilt Menschen in vermeintlich echte und nur geduldete Mitglieder der Gesellschaft. Völkischer Nationalismus macht Herkunft zur politischen Rangordnung. Diese Seite erklärt seine Geschichte, seine modernisierte Sprache und seine Bedeutung für die extreme Rechte und die AfD.
Darum geht es auf dieser Seite
- Erkennen: Wann aus dem Bezug auf Heimat oder Kultur eine Ideologie der Ausgrenzung wird.
- Verstehen: Wie historische Feindbilder in heutigen Begriffen und politischen Forderungen weiterwirken.
- Einordnen: Warum gleiche Rechte nicht von Abstammung, Religion oder zugeschriebener Herkunft abhängen dürfen.
01 · Begriffe
Aus der Bevölkerung wird ein ausgewähltes „Volk“
Das Wort „Volk“ ist nicht schon für sich völkisch. Entscheidend ist, wer damit gemeint ist und welche politischen Ansprüche daraus folgen. Völkisches Denken behandelt Zugehörigkeit als natürliche, vererbte und kaum veränderbare Eigenschaft. Die tatsächliche Vielfalt der Gesellschaft erscheint dann als Abweichung von einem angeblich ursprünglichen Zustand.
- Bevölkerung
- Die Menschen, die in einem Gebiet leben – mit unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten, Lebensweisen und Zugehörigkeiten.
- Staatsvolk
- Die Staatsangehörigen als rechtlich bestimmte politische Gemeinschaft. Ihre Zugehörigkeit wird nicht durch eine vermeintlich gemeinsame biologische Herkunft begründet.
- Völkisches „Volk“
- Ein konstruiertes Kollektiv, dessen Mitglieder nach Abstammung oder einer als vererbt dargestellten Kultur ausgewählt werden sollen.
Die abwertende Bezeichnung „Passdeutsche“ kann diese Rangordnung ausdrücken: Der Pass wird anerkannt, die gleichwertige Zugehörigkeit bestritten. Ob eine Aussage völkisch ist, ergibt sich aus ihrem Zusammenhang. Heimatverbundenheit, eine Sprache oder die Pflege einer Tradition reichen als Beleg nicht aus. Zur Kritik ethnischer und kultureller Hierarchien
Prüffrage: Kann ein Mensch unabhängig von den Vorfahren gleichberechtigt dazugehören – oder bleibt er in dieser Vorstellung dauerhaft fremd?
02 · Geschichte
Die völkische Bewegung begann vor Hitler
Die völkische Bewegung formierte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie bestand aus unterschiedlichen Vereinen, Bünden, Verlagen, religiösen Strömungen und politischen Zusammenschlüssen. Industrialisierung und gesellschaftlichen Wandel deuteten ihre Anhänger:innen als Verlust einer angeblich natürlichen deutschen Ordnung.
Der Historiker Uwe Puschner beschreibt den organisierten Antisemitismus, die alldeutsche Bewegung und Teile zeitgenössischer Reformbewegungen als wichtige Entstehungszusammenhänge. Völkische Akteur:innen verbanden aggressiven Nationalismus mit Rassismus und der Vorstellung eines zu bewahrenden oder wiederherzustellenden „Volkstums“. Ihre Netzwerke reichten über die eigenen Organisationen hinaus. Zur historischen Forschung
Diese Bewegung war mit dem späteren Nationalsozialismus nicht identisch. Sie stellte aber Begriffe, Feindbilder und politische Vorstellungen bereit, die die NSDAP aufgriff und radikalisierte. Die Verbindung ist historisch konkret; sie lässt sich weder auf eine bloße Wortähnlichkeit reduzieren noch durch eine Gleichsetzung aller damaligen Strömungen erklären.
03 · Nationalsozialismus
„Volksgemeinschaft“: Zusammenhalt durch Ausschluss
Die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ versprach Einheit über soziale Gegensätze hinweg. Zugleich bestimmte das Regime rassistisch und politisch, wer dazugehören durfte. Jüdinnen und Juden sowie Sinti:zze und Rom:nja wurden aus der behaupteten Gemeinschaft ausgeschlossen. Auch politische Opposition galt als Feindschaft gegen das Kollektiv. Zum Begriff „Volksgemeinschaft“
Die nationalsozialistische Herrschaft setzte Ausgrenzung in Entrechtung, Verfolgung und Massenmord um. Sie verfolgte auch Menschen mit Behinderungen, Schwarze Menschen und Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Lebensweise. Die Verfolgungsformen und ihre rechtlichen Grundlagen unterschieden sich; sie dürfen historisch nicht unterschiedslos zusammengefasst werden.
Die autoritäre Konsequenz des Gemeinschaftsversprechens ist zentral: Einzelne sollen sich einem angeblich einheitlichen Volksinteresse unterordnen. Wer widerspricht oder nicht in das vorgegebene Bild passt, wird zum Störfaktor. Pluralismus wird so nicht als Voraussetzung demokratischer Freiheit anerkannt, sondern als Gefahr bekämpft.
Historisch präzise bleiben: Heutige völkische Aussagen sind nicht automatisch mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gleichzusetzen. Ihre Abstammungs- und Ausschlusslogik muss dennoch klar benannt werden. Vertiefend: NS-Ideologie.
04 · Demokratie und Rechte
Keine Staatsbürger:innen zweiter Klasse
Völkischer Nationalismus stellt der rechtlichen Staatsangehörigkeit eine angeblich wichtigere ethnische Zugehörigkeit gegenüber. Damit wird selbst unter deutschen Staatsangehörigen eine Rangordnung geschaffen: Die einen gelten als selbstverständlich zugehörig, die anderen sollen ihren Platz dauerhaft rechtfertigen müssen.
| Prüfpunkt | Demokratischer Maßstab | Völkische Vorstellung |
|---|---|---|
| Zugehörigkeit | Staatsangehörigkeit begründet die Mitgliedschaft im Staatsvolk. | Eine behauptete Abstammung oder Herkunft steht über dem rechtlichen Status. |
| Vielfalt | Verschiedene Religionen, Lebensweisen und Familiengeschichten gehören zur Gesellschaft. | Die Bevölkerung soll einem möglichst einheitlichen ethnischen oder kulturellen Bild entsprechen. |
| Rechte | Herkunft darf keine Rangordnung staatsbürgerlicher Rechte begründen. | Als fremd markierten Menschen wird gleichwertige Zugehörigkeit abgesprochen. |
Das Deutsche Institut für Menschenrechte erläutert anhand der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, warum ein auf rassistischer Ausgrenzung beruhendes Volksverständnis Menschenwürde und demokratische Gleichheit verletzt. Dazu gehört das NPD-Urteil vom 17. Januar 2017. Die menschenrechtliche Analyse
Menschenrechte sind nicht an einen deutschen Pass gebunden. Auch Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen unter ihrem Schutz. Staatsbürgerliche Beteiligungsrechte und universelle Menschenrechte sind zu unterscheiden. Artikel 3 des Grundgesetzes verbietet unter anderem Benachteiligungen wegen Abstammung, Herkunft oder Glauben. Der Gleichheitsgrundsatz
Über Einbürgerungsverfahren oder Migrationspolitik kann demokratisch gestritten werden. Völkisch wird eine Position, wenn sie Menschen aufgrund ihrer Herkunft grundsätzlich aus gleichberechtigter Zugehörigkeit ausschließt. Das ist eine andere Frage als die Ausgestaltung einzelner gesetzlicher Voraussetzungen.
05 · Feindbilder
Die Grenze im Kopf wird zur Grenze zwischen Menschen
Völkische Ideologie erklärt politisch gezogene Grenzen zu Naturgegebenheiten. Die Jenaer Erklärung aus der Biologie und Wissenschaftsgeschichte wendet sich ausdrücklich gegen die Einteilung von Menschen in biologische „Rassen“. Genetische Unterschiede existieren; sie begründen aber keine solchen starren Menschengruppen und keine Rangordnung von Rechten. Jenaer Erklärung, 2019
Rassistische Ausgrenzung braucht das Wort „Rasse“ nicht. Auch Kultur oder Religion können wie unveränderliche, vererbte Eigenschaften behandelt werden. Aus unterschiedlichen Menschen wird dann eine angeblich wesensgleiche Gruppe, deren Mitgliedern bestimmte Fähigkeiten, Gefahren oder eine dauerhafte Fremdheit zugeschrieben werden.
Antisemitismus konstruiert den angeblichen Zerstörer des „Volkes“
Für die historische völkische Bewegung war Antisemitismus zentral. Jüdinnen und Juden wurden als fremdes, schädigendes Kollektiv markiert und für gesellschaftlichen Wandel verantwortlich gemacht. In heutigen Erzählungen eines gesteuerten „Bevölkerungsaustauschs“ erscheint Migration wiederum als geheimer Angriff auf das vermeintlich ursprüngliche Volk. Historischer Hintergrund
Solche Erzählungen können rassistische und antisemitische Feindbilder verbinden. Nicht jede Variante benennt dieselben vermeintlichen Drahtzieher:innen. Für die antisemitismuskritische Einordnung sind konkrete Zuschreibungen, Codes und ihr Zusammenhang entscheidend. Die rassistische Funktion liegt bereits darin, Menschen mit Einwanderungsgeschichte als Bedrohung einer angeblich natürlichen Bevölkerungsordnung darzustellen. Mehr zu Verschwörungsideologie und Antisemitismus
06 · Neue Rechte
„Ethnopluralismus“: Vielfalt nur hinter getrennten Zäunen
„Ethnopluralismus“ klingt nach Anerkennung unterschiedlicher Kulturen. Das Konzept der Neuen Rechten ordnet Menschen jedoch vermeintlich homogenen, weitgehend unveränderlichen Kollektiven zu. Diese sollen in jeweils angestammten Räumen getrennt bleiben. Migration und gesellschaftliche Durchmischung gelten als Bedrohung ihrer Identität. Die Einordnung von IDA
Demokratischer Pluralismus
Menschen mit verschiedenen Überzeugungen und Lebensweisen können innerhalb derselben Gesellschaft gleichberechtigt zusammenleben.
„Ethnopluralismus“
Menschen sollen den ihnen zugeschriebenen Kulturen und Räumen zugeordnet bleiben. Eine behauptete Gruppenidentität begrenzt ihre Freiheit.
Die Behauptung, alle Kulturen seien gleichwertig, löst dieses Problem nicht. Wenn Herkunft bestimmt, wo jemand leben darf und ob er dazugehört, wird aus einem vermeintlichen Recht auf Unterschiedlichkeit eine Pflicht zur Trennung. Mehrfachzugehörigkeiten und selbst gewählte Lebenswege passen nicht in dieses Modell.
Prüffrage: Werden unterschiedliche Menschen innerhalb einer Gesellschaft anerkannt – oder soll die Gesellschaft nach zugeschriebener Herkunft getrennt werden?
07 · Politische Konsequenzen
„Remigration“: Wer aussortiert, muss sagen, was er vorhat
In der Migrationsforschung bezeichnet Remigration Rückwanderung. In extrem rechten Konzepten kann derselbe Ausdruck ein umfassendes Programm ethnischer Neuordnung verbergen. Dann geht es nicht nur um die Durchsetzung einer rechtlich festgestellten Ausreisepflicht, sondern auch um Menschen mit gesichertem Aufenthalt oder deutscher Staatsangehörigkeit.
Der Politikwissenschaftler Frank Decker beschreibt 2026, dass sich entsprechende Forderungen gegenüber deutschen Staatsangehörigen mit Einwanderungsgeschichte anhand öffentlicher Äußerungen wichtiger AfD-Funktionsträger belegen lassen. Er unterscheidet diese Äußerungen ausdrücklich von den offiziellen Parteiprogrammen. Zur Analyse der AfD-Programmatik
Eine sachliche Prüfung muss deshalb das jeweilige Konzept lesen: Welche Menschen werden erfasst? Welche Rechte sollen verändert werden? Welche Form von Druck soll sie zum Verlassen des Landes bringen? Ein Verwaltungswort beantwortet diese Fragen nicht.
- Die Zielgruppe prüfen: Geht es um einen individuellen aufenthaltsrechtlichen Status oder um zugeschriebene Herkunft?
- Die Maßnahmen benennen: Was wird konkret verlangt – und welche Folgen hätte es für die Betroffenen?
- Die behauptete Freiwilligkeit prüfen: Eine Ausreise wird nicht dadurch frei gewählt, dass sie unter dem Druck gezielter Entrechtung erfolgt.
Auch Ausnahmen für wirtschaftlich „nützliche“ oder besonders angepasste Menschen beseitigen eine ethnische Hierarchie nicht. Menschenwürde ist weder Leistungsprämie noch Belohnung für kulturelle Anpassung. Politische Kritik muss deshalb über das Schlagwort hinaus zu den vorgesehenen Eingriffen vordringen.
08 · Alltag und Strukturen
Die Ideologie zieht auch ins Dorf, in die Familie und den Verein
Völkische Politik lebt nicht nur von Parteiprogrammen. Sie kann über Erziehung, Jugendbünde, Brauchtum, Landwirtschaft und nachbarschaftliches Engagement vermittelt werden. Völkische Siedlungsprojekte wollen langfristig eigene Gemeinschaften und wirtschaftliche Netzwerke aufbauen. Die Amadeu Antonio Stiftung beschreibt diese Einflussnahme auf Alltagskultur seit Jahren. Grundlagen zu völkischen Siedlungsprojekten
Familie als Dienst am vermeintlichen „Volk“
Die Mobile Beratung Niedersachsen dokumentiert starre Geschlechterrollen: Frauen sollen als Mütter und Erzieherinnen den Fortbestand des Kollektivs sichern, Männer als starke Verteidiger auftreten. Diese Ordnung richtet sich gegen Selbstbestimmung, Feminismus und geschlechtliche Vielfalt. Frauen können dabei selbst überzeugte Organisatorinnen und Trägerinnen der Ideologie sein. Kinder dürfen nicht auf die politischen Überzeugungen ihrer Eltern reduziert werden. Die Broschüre der Mobilen Beratung
Naturverbundenheit ist kein politischer Unbedenklichkeitsnachweis
Die Fachstelle FARN zeigt, wie Umwelt- und Naturschutz mit völkischen Vorstellungen verbunden werden können: Landschaft, Abstammung und „Volk“ erscheinen als organische Einheit, die gegen angeblich fremde Einflüsse verteidigt werden müsse. Die politische Frage lautet dann, wessen Natur und wessen Lebensgrundlagen geschützt werden sollen. FARN zu Umwelt- und Naturschutz von rechts
Ökologischer Anbau, ein traditionelles Familienleben oder ein Wohnort auf dem Land belegen für sich keine völkische Orientierung. Belastbar wird die Einordnung durch konkrete Aussagen, Erziehungspraktiken und organisatorische Verbindungen. Bei Konflikten können Fachberatungsstellen helfen, lokale Bündnisse und den Schutz angegriffener Menschen zu stärken. Handlungsoptionen der Mobilen Beratung
09 · AfD und Bremen
Völkisches Denken steht nicht nur am Rand der AfD
Frank Decker kommt in seiner am 16. Mai 2026 veröffentlichten Analyse zu dem Ergebnis, dass ein ethnisch-völkisches Nationsverständnis im von der Führungsspitze und der Mehrheit der Funktionsträger repräsentierten Mainstream der AfD dominiert. Er verbindet diesen Befund mit „Ethnopluralismus“ und Erzählungen eines angeblichen „Bevölkerungsaustauschs“. Die politikwissenschaftliche Einordnung
Das Deutsche Institut für Menschenrechte untersuchte bereits 2021, wie die AfD Menschen anhand zugeschriebener Kultur in ein „Wir“ und „die anderen“ einteilt und hierarchisiert. Die Kritik betrifft damit politische Inhalte und deren Verhältnis zu gleichen Rechten. Die Analyse von Hendrik Cremer
Bremen: gemeinsame Aufmärsche, gemeinsame Feindbilder
Die taz berichtete am 21. Juni 2017, dass die damaligen Bremer JA-Funktionäre Robert Teske und Marvin Mergard an einer Demonstration der Identitären Bewegung in Berlin teilnahmen. Der Bericht dokumentierte außerdem die Verwendung des identitären Kampfbegriffs „großer Austausch“ durch beide. Die damalige Recherche
Das Antifaschistische Infoblatt analysierte anschließend weitere Überschneidungen zwischen AfD, Junger Alternative und Identitärer Bewegung in Bremen. Die dokumentierten Verbindungen zeigen, wie sich Parteipolitik und außerparlamentarische völkische Mobilisierung berühren. Sie sind zeitlich einzuordnen und ersetzen keine Prüfung späterer Entwicklungen. Die zivilgesellschaftliche Recherche
Am 17. Juni 2022 teilte die Bremer Senatspressestelle mit, dass der Landesverband zum Verdachtsobjekt erklärt worden sei. Zur Begründung verwies sie unter anderem auf öffentliche Verlautbarungen, die teilweise ein ethnisch homogenes Volksverständnis erkennen ließen. Das ist eine datierte behördliche Bewertung. Die inhaltliche Analyse muss ihre Belege zusätzlich offenlegen. Die Mitteilung von 2022
Behördliche Einstufung und fachliche Analyse unterscheiden
Mit Beschluss vom 20. Mai 2025 wies das Bundesverwaltungsgericht die Nichtzulassungsbeschwerde der AfD zurück. Das Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen zur Beobachtung der Bundespartei als Verdachtsfall wurde damit rechtskräftig. Beschluss 6 B 23.24
Die spätere Höherstufung zur „gesichert rechtsextremistischen Bestrebung“ ist davon zu unterscheiden. Das Verwaltungsgericht Köln untersagte dem Bundesamt mit Beschluss vom 26. Februar 2026 vorläufig, die Bundespartei bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens in erster Instanz entsprechend einzustufen und zu behandeln. Beschluss 13 L 1109/25
Diese Entscheidungen betreffen das behördliche Vorgehen. Eine journalistische oder wissenschaftliche Einordnung untersucht Programme, Aussagen und Handlungen nach offengelegten fachlichen Kriterien. Wer eine Position als völkisch bezeichnet, muss die behauptete Abstammungsordnung und ihre Folgen belegen.
Vertiefend zum Bremer Akteur: Dossier Marvin Mergard.
Lernbeispiele
Drei Situationen: Wo verläuft die Grenze?
Die folgenden Beispiele sind erfunden. Sie veranschaulichen Argumentationsmuster und sind keine Zitate realer Personen.
1. Ein Verein pflegt regionale Bräuche und lädt neue Nachbar:innen ein.
Das belegt keine völkische Orientierung. Traditionen können offen und veränderbar gelebt werden. Entscheidend wäre, ob Menschen wegen ihrer Herkunft ausgeschlossen werden oder ob der Verein gleiche Zugehörigkeit anerkennt. Ein Brauch allein ersetzt keine Prüfung der politischen Inhalte.
2. Einer deutschen Staatsbürgerin wird wegen ihrer Großeltern das Dazugehören abgesprochen.
Hier wird Herkunft über Staatsangehörigkeit gestellt. Die Person soll trotz desselben rechtlichen Status nicht als gleichwertiges Mitglied des Gemeinwesens gelten. Genau diese dauerhafte Abstammungsgrenze ist ein Kern völkischen Denkens.
3. Ein Konzept erklärt alle Kulturen für gleichwertig, fordert aber ihre räumliche Trennung.
Hier zeigt sich die Logik des „Ethnopluralismus“. Die freundliche Formulierung verdeckt die Zwangszuordnung von Menschen zu Kollektiven. Zu fragen ist: Wer definiert die Gruppen? Was geschieht mit Menschen, die mehrere Zugehörigkeiten haben? Welche Rechte sollen ihnen bei Widerspruch verbleiben?
Zum Weiterdenken: Wer entscheidet über Zugehörigkeit? Kann sie selbst gewählt oder erworben werden? Welche Rechte werden den als fremd markierten Menschen zugestanden?
Nachlesen & vertiefen
Quellen und weiterführende Literatur
Wissenschaftliche Analysen, zivilgesellschaftliche Fachstellen und journalistische Recherchen stehen im Mittelpunkt. Gesetzestext und Gerichtsentscheidungen belegen die rechtlichen Maßstäbe; die Bremer Behördenmitteilung dokumentiert eine historische Einstufung.
Definition, rassistischer Volksbegriff und Unterordnung individueller Rechte unter das völkische Kollektiv.
Zur neurechten Vorstellung statischer, homogener Kulturen und ihrer behaupteten räumlichen Trennung.
Historische Forschung zu Entstehung, Organisationen, Ideologie und Verbindungen zum Nationalsozialismus.
Rassistische und politische Ausschlusslogik des Gemeinschaftsbegriffs und seine Bedeutung für die extreme Rechte.
Wissenschaftliche Erklärung gegen die biologische Einteilung von Menschen in „Rassen“, unterstützt von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und der Universität Jena. PDF.
Nicht auf dem Boden des Grundgesetzes
Menschenrechtliche Maßstäbe und Analyse der national-völkischen Ausrichtung der AfD. Behandelt auch die einschlägige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.
Politikwissenschaftliche Einordnung des ethnisch-völkischen Nationsverständnisses. Unterscheidet Parteiprogramme und öffentliche Äußerungen von Funktionsträgern.
Völkische Siedler/innen im ländlichen Raum
Basiswissen zu langfristigen Siedlungsstrategien, Alltagskultur und Handlungsmöglichkeiten. Die historische Grundlagenbroschüre ist als PDF verlinkt.
Fachbroschüre zu Strukturen, Geschlechterrollen, Erziehung, Esoterik und Handlungsoptionen für die Zivilgesellschaft.
Bildungsbroschüre zu Umwelt- und Naturschutz von rechts, völkischer Esoterik und demokratischen Gegenentwürfen. PDF.
„Junge Alternative“ in Bremen: Seit’ an Seit’ mit Identitären
Zeitgenössische Recherche zu Teske und Mergard, ihrer Teilnahme an einer IB-Demonstration und identitären Kampfbegriffen.
AfD, JA und IB in Bremen – Ein und das Selbe?
Zivilgesellschaftliche Recherche zu personellen und politischen Überschneidungen im Bremer Wahlkampf 2017.
Gleichheit vor dem Gesetz und Diskriminierungsverbote
Verfassungsrechtlicher Maßstab gegen Benachteiligung unter anderem wegen Abstammung, Herkunft oder Glauben.
Zustimmung zur Beobachtung der Bremer AfD
Mitteilung zur damaligen Einstufung als Verdachtsobjekt und zu Anhaltspunkten für ein ethnisch homogenes Volksverständnis.
Beschluss zur Beobachtung der AfD als Verdachtsfall
Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde. Das zugrunde liegende Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen wurde rechtskräftig.
Eilentscheidung zur gesicherten Einstufung der Bundespartei
Vorläufige Untersagung der Höherstufung durch das Bundesamt bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens in erster Instanz.
