
Korol stets an der Seite von Akteuren des völkischen AfD Flügels. V.l.n.r. Alexander Tassis, Robert Teske, Martin Korol. Beiratssitzung Walle, 2018
Meinungsfreiheit als Schutzschild gegen Kritik
Martin Korols Weg vom SPD-Ausschluss über Bürger in Wut bis in das Umfeld der AfD zeigt, wie rassistische Positionen, rechte Selbstviktimisierung und extrem rechte Netzwerke in eine vermeintlich bürgerliche Kommunalpolitik übersetzt werden. Heute sitzt Korol wieder im Beirat Findorff.
Martin Korol ist kein AfD-Mitglied. Für die politische Einordnung seiner Person ist diese formale Abgrenzung notwendig – sie erzählt jedoch nur einen Teil der Geschichte. Korols Laufbahn führt von der SPD über Bürger in Wut zu Bündnis Deutschland. Zugleich dokumentieren öffentliche Quellen und Recherchen von AfD Watch Bremen über Jahre hinweg seine politische Nähe zu Akteur:innen der Bremer AfD, Auftritte im Umfeld ihrer damaligen AfD-Jugendorganisation und Veranstaltungen, bei denen extrem rechte und verschwörungsideologische Positionen verbreitet wurden.
Korol ist damit weniger als klassische AfD-Personalie einzuordnen denn als politischer Scharnierakteur. Er steht für ein Milieu, in dem die Grenzen zwischen rechtskonservativer Selbstdarstellung, rassistischer Law-and-Order-Politik, neurechter Rhetorik und der extremen Rechten durchlässig werden. Diese Entwicklung ist keineswegs abgeschlossen. Nach der Beiratswahl 2023 kehrte Korol in ein öffentliches Mandat zurück. Die aktuelle Mitgliederübersicht des Ortsamtes West führt ihn als einziges Mitglied von Bündnis Deutschland im Beirat Findorff und bezeichnet ihn sogar als „Fraktionssprecher“. Dass die offizielle Seite diesen Begriff auch bei einer Einzelvertretung verwendet, ist erklärungsbedürftig; gesichert ist jedoch: Korol besitzt wieder ein kommunalpolitisches Mandat.
Der Name der Partei befindet sich derzeit erneut im Wandel. Aus Bürger in Wut war 2023 durch den Zusammenschluss mit Bündnis Deutschland der Bremer Landesverband von Bündnis Deutschland geworden. Im August 2026 wurde schließlich bekannt, dass die Bremer Organisation bei der Bürgerschaftswahl 2027 wieder unter dem Namen Bürger in Wut antreten will. Nach Angaben von Radio Bremen soll zugleich eine partnerschaftliche Verbindung zu Bündnis Deutschland bestehen bleiben. Korol wird auf der amtlichen Beiratsseite bislang weiterhin Bündnis Deutschland zugerechnet. Die organisatorischen Etiketten wechseln. Korols politische Grundmuster zeigen dagegen eine auffällige Kontinuität.
Der Bruch von 2013 war kein Missverständnis
Korol gehörte jahrzehntelang der SPD an. Im Februar 2013 rückte er in die Bremische Bürgerschaft nach. Nur wenige Wochen später wurden Texte bekannt, in denen er Roma pauschal abwertete und ihnen unter anderem Kriminalität, Rückständigkeit und Gewalt innerhalb ihrer Familien zuschrieb. Es handelte sich nicht um eine zugespitzte Kritik an einer konkreten politischen Entscheidung, sondern um die Übertragung negativer Eigenschaften auf eine gesamte Minderheit. Daneben veröffentlichte Korol Texte, in denen er die gesellschaftliche Gleichstellung und berufliche Selbstbestimmung von Frauen angriff. Die taz dokumentierte damals sowohl seine antiziganistischen Aussagen als auch seine Polemik gegen die „Selbstverwirklichung der Frau“, Kinderbetreuung und Schwangerschaftsabbrüche.
Die SPD-Bürgerschaftsfraktion schloss Korol im April 2013 einstimmig aus. Im September desselben Jahres bestätigte die Bundesschiedskommission der Partei seinen Ausschluss. Korol wurde damit nicht wegen einer unbequemen Einzelmeinung sanktioniert, sondern wegen öffentlicher Äußerungen, die Menschen aufgrund ihrer zugeschriebenen Herkunft und ihres Geschlechts pauschal abwerteten. Auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung distanzierte sich von seinen rassistischen Aussagen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft leitete später ebenfalls ein Ausschlussverfahren ein; dessen endgültiger Ausgang ist in den öffentlich zugänglichen Quellen allerdings nicht zweifelsfrei dokumentiert.
Korol deutete die Auseinandersetzung von Beginn an anders. Nicht seine Aussagen, sondern deren öffentliche Kritik rückten in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Er inszenierte sich als Opfer einer angeblich eingeschränkten Meinungsfreiheit. Dieses Muster sollte seine weitere politische Entwicklung prägen: Diskriminierende Äußerungen werden zur bloßen „Meinung“ umgedeutet, während Widerspruch, Parteiausschluss und gesellschaftliche Konsequenzen als Unterdrückung erscheinen.
Der direkte Wechsel zu Bürger in Wut
Nur wenige Wochen nach seinem endgültigen SPD-Ausschluss trat Korol im Oktober 2013 Bürger in Wut bei. Die Partei erhielt dadurch ein zweites Bürgerschaftsmandat. Die taz beschrieb den Vorgang damals unter der Überschrift „Martin Korol ist jetzt Wutbürger“.
Der Wechsel war politisch folgerichtig. Bürger in Wut verband eine bürgerliche Law-and-Order-Inszenierung mit Kampagnen gegen Geflüchtete, Muslim:innen, Sinti:zze und Rom:nja sowie gegen antifaschistische Initiativen. Das Antifaschistische Infoblatt dokumentierte, dass parlamentarische Anfragen von Korol und dem Parteivorsitzenden Jan Timke wiederholt darauf zielten, Sinti:zze und Rom:nja oder vermeintliche „arabische Clans“ pauschal mit Kriminalität in Verbindung zu bringen. Damit setzte sich die politische Stoßrichtung fort, die bereits zu Korols SPD-Ausschluss geführt hatte. Die abwertende Verallgemeinerung gegenüber Minderheiten verschwand nicht. Sie wurde in das parlamentarische Instrumentarium einer Rechtsaußenpartei übersetzt.
Zur Bürgerschaftswahl 2015 trat Korol als Spitzenkandidat von Bürger in Wut für den Wahlbereich Bremen an. Das einzige Bürgerschaftsmandat der Partei wurde jedoch in Bremerhaven errungen und fiel an Jan Timke. Korol verlor seinen Sitz. 2019 kandidierte er mit einer eigenen Einzelbewerberliste für den Beirat Findorff, blieb jedoch ohne Mandat. Auch diese parteilose Kandidatur bedeutete keinen erkennbaren Bruch mit seinem bisherigen politischen Umfeld. Recherchen von AfD Watch Bremen dokumentierten Korol weiterhin bei Veranstaltungen und an der Seite von Akteuren aus Bürger in Wut und der AfD. 2023 kandidierte er erneut für Bürger in Wut. Dieses Mal zog er in den Beirat Findorff ein. Durch die spätere organisatorische Verschmelzung der Partei mit Bündnis Deutschland wird er heute amtlich dieser Partei zugerechnet.

Martin Korol mit Vorstandsmitgliedern der vom VS beobachteten Bremer AfD Jugendorganisation. Korol referierte zur angeblichen Unterdrückung von Meinungsfreiheit und machte sich selbst zum Thema, er sei 2013 „Mundtot gemacht“ worden, als seine antiziganistische Hetze kritisiert wurde. Bildquelle: FB, JA Bremen, 2018. (Abgerufen 2018).
Der Auftritt bei der Jungen Alternative
Besonders aufschlussreich für Korols politische Vernetzung ist ein Auftritt aus dem Jahr 2018. Eine von AfD Watch Bremen archivierte Aufnahme zeigt ihn mit damaligen Vorstandsmitgliedern der Bremer Jungen Alternative. Nach der dazugehörigen Veranstaltungsankündigung referierte Korol über die vermeintliche Unterdrückung der Meinungsfreiheit und stellte seinen Ausschluss aus der SPD als Beispiel dafür dar, dass er „mundtot“ gemacht worden sei.
Der Auftritt fand nicht in einem politisch neutralen Umfeld statt. Der Bremer Senat berichtete im September 2018 über rassistische Veröffentlichungen führender JA-Akteure und deren Unterstützung für die Identitäre Bewegung. Die Junge Alternative bildete zu diesem Zeitpunkt eine zentrale Nachwuchs- und Radikalisierungsstruktur der AfD. Korols Entscheidung, ausgerechnet diesem Publikum seine Selbsterzählung vom unterdrückten Dissidenten zu präsentieren, war deshalb politisch bedeutsam. Er trat dort nicht als kritischer Beobachter der AfD auf. Seine Erzählung bestätigte vielmehr ein Kernelement rechter Kommunikation: Die extreme Rechte erscheint als Opfer eines angeblich totalitären Meinungsklimas, während Rassismus, Antisemitismus oder völkischer Nationalismus zu missverstandenen Positionen verharmlost werden.
Weitere Aufnahmen aus dem Archiv von AfD Watch Bremen zeigen Korol 2018 bei einer Beiratssitzung in Walle gemeinsam mit den damaligen AfD-Akteuren Alexander Tassis und Robert Teske. Zudem wurde eine politische Verbindung zum damaligen AfD-Beiratsmitglied Gerald Höns dokumentiert. Korol verteidigte Höns öffentlich und griff dessen Kritiker:innen an. Korol bewegte sich zwischen Bürger in Wut und AfD nicht als zufälliger Besucher, sondern als Akteur, der deren Konfliktdeutung teilte und öffentlich verstärkte.
Wenn Gegenrede zur „Diktatur“ erklärt wird
Auf seinem Blog und im Umfeld des von ihm betriebenen „Bremer Meinungsforums“ erhob Korol die vermeintlich bedrohte Meinungsfreiheit zu einem zentralen Thema. Dabei ging es nicht allein um die legitime Verteidigung kontroverser Positionen. Korol stellte vielmehr die Kritik an rechten und extrem rechten Äußerungen als autoritäre Unterdrückung dar.
Gegenproteste zu AfD-Veranstaltungen bezeichnete er sinngemäß nicht mehr als Demonstrationen im Sinne des Grundgesetzes, sondern als „Aufmärsche zugunsten der herrschenden Parteien“, wie sie ansonsten nur in Diktaturen vorkämen. Damit kehrte er die demokratischen Verhältnisse um: Nicht eine Partei mit völkisch-nationalistischen und rassistischen Positionen erschien als Gefahr, sondern Bürger:innen, die von ihrem Grundrecht Gebrauch machten, gegen diese Partei zu demonstrieren. Diese Rhetorik folgt einem bekannten Mechanismus neurechter Politik. Meinungsfreiheit wird nicht als Recht aller verstanden, eine Position zu äußern und ihr zu widersprechen. Sie wird zum Anspruch auf gesellschaftliche Folgenlosigkeit umgedeutet. Wer rassistischen Aussagen widerspricht, gilt dann nicht als Teilnehmer:in einer demokratischen Debatte, sondern als Zensor:in. Wer gegen die AfD demonstriert, wird nicht als Träger:in von Versammlungsfreiheit betrachtet, sondern zum Werkzeug einer angeblich herrschenden Parteienordnung erklärt.
Korol sprach in diesem Zusammenhang sogar von „Gedankenkontrolle“. Derartige Begriffe erzeugen das Bild eines unsichtbaren Machtapparates, der abweichende Überzeugungen steuere oder unterdrücke. Belege für eine solche systematische Unterdrückung lieferte er nicht. Demokratische Meinungsfreiheit schützt Korol davor, wegen einer politischen Ansicht staatlich verfolgt zu werden. Sie schützt ihn nicht vor Kritik, Widerspruch, dem Verlust parteipolitischer Ämter oder der öffentlichen Einordnung seiner Aussagen als rassistisch. Gerade diese Unterscheidung verwischt seine Selbstdarstellung.

Das von Akteur:innen von AfD und BiW genutzte Gasthaus in Woltmershausen. In einem separierten Tagungsraum wird sich gegenseitig das „Opfer“ sein bestätigt. Foto: AfD Watch Bremen
Das „Bremer Meinungsforum“ als Resonanzraum
AfD Watch Bremen dokumentierte zwischen 2017 und 2019 mehrere Veranstaltungen des „Bremer Meinungsforums“ in Woltmershausen. Als Veranstaltungsort diente unter anderem das Gasthaus „Zum Pusdorper Leuchtturm“, das auch von Akteur:innen aus Bürger in Wut und der AfD genutzt wurde. Auch Rechtsrock-Konzerte und Auftritte von Neonazis wurden in diesem Gasthaus dokumentiert. Zweite Vorsitzende des gleichnamigen Vereins war nach damaligen öffentlichen Angaben die BiW-Funktionärin Heike Boll.
Über das Forum wurden nicht nur konservative oder sprachpolitische Debatten organisiert. Eingeladene Referenten verbreiteten Inhalte aus dem Repertoire der extremen Rechten. Besonders deutlich wurde dies bei Wolfgang Hockenbrink. Ein für das Meinungsforum veröffentlichtes Vortragsmanuskript behauptete, eine angeblich „indigene deutsche Bevölkerung“ solle durch eine „Fremdbevölkerung“ ersetzt werden. Zugleich war von Medien in den Händen einer „internationalen Finanzmafia“ die Rede. Beide Motive sind politisch klar einzuordnen. Die Vorstellung eines planmäßig organisierten Bevölkerungsaustausches gehört zum Kern der extrem rechten Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“. Die Rede von einer geheim operierenden internationalen Finanzmacht greift auf ein historisch antisemitisch codiertes Feindbild zurück. Auch wenn in solchen Formulierungen nicht ausdrücklich von Jüd:innen gesprochen wird, stammen Begriffe, Struktur und Schuldzuweisung aus einem antisemitischen Verschwörungsrepertoire. Hockenbrink war zudem als Referent beim Verein „Gedächtnisstätte“ in Guthmannshausen angekündigt. Die Einrichtung gilt seit Jahren als überregionaler Treffpunkt für Geschichtsrevisionist:innen, Holocaustleugner:innen und weitere Akteur:innen der extremen Rechten. Für April 2019 wurde dort ein Vortrag Hockenbrinks unter dem Titel „Deutsch für Deutsche“ angekündigt.
Entscheidend ist nicht, ob Korol jede einzelne Aussage eines eingeladenen Referenten persönlich übernommen hat. Politisch verantwortlich ist ein Veranstalter auch für die Auswahl seiner Gäste, den bereitgestellten Raum und die fehlende erkennbare Abgrenzung. Wer einem Referenten ein Forum bietet, dessen Texte Austausch- und Finanzverschwörungen verbreiten und der zugleich in einem geschichtsrevisionistischen Netzwerk auftritt, organisiert keinen offenen demokratischen Diskurs. Er verschafft extrem rechten Deutungen gesellschaftliche Anschlussfähigkeit. Auch andere damals dokumentierte Bezüge des Meinungsforums weisen in diese Richtung. Beworben wurden Medien aus dem verschwörungsideologischen Kopp-Verlag sowie Schriften von Karlheinz Weißmann, einem maßgeblichen Stichwortgeber der Neuen Rechten. Hinzu kamen Überschneidungen mit dem „Gesprächskreis für Kultur und Gesellschaft“, der Gruppierung „Artikel 5 Grundgesetz“ um den BiW-Akteur Oliver Meier und einzelnen Mitgliedern des Vereins Deutsche Sprache.
Für eine unverändert fortbestehende Veranstaltungsarbeit des Meinungsforums nach 2019 finden sich derzeit allerdings keine ausreichend belastbaren öffentlichen Nachweise. Der historische Befund bleibt davon unberührt: Unter dem positiv klingenden Begriff der Meinungsfreiheit entstand ein Resonanzraum, in dem sich Parteirechte, AfD-nahe Akteure und Referenten aus der extremen Rechten begegnen konnten.
Das Antisemitismusproblem, das angeblich keines war
Ein von AfD Watch Bremen archivierter Kommentar aus dem Jahr 2018 zeigt, wie Korol das Antisemitismusproblem in Bremen bestritt beziehungsweise erheblich relativierte. Da der ursprüngliche Beitrag heute nicht mehr zuverlässig öffentlich abrufbar ist, muss dieser Befund als archivierte Eigenrecherche gekennzeichnet werden.
Die spätere Entwicklung widerspricht einer solchen Verharmlosung deutlich. Der Bundesverband RIAS veröffentlichte im Dezember 2025 eine eigene Problembeschreibung zu Antisemitismus in Bremen. Darin berichten jüdische Bremer:innen von Beleidigungen, Bedrohungen, Angriffen und einem Alltag, in dem Sicherheitsmaßnahmen vor Synagogen selbstverständlich geworden sind. RIAS kritisierte zugleich das Fehlen einer dauerhaft arbeitenden zivilgesellschaftlichen Meldestelle und verwies auf ein erhebliches Dunkelfeld. Der Unterschied ist grundlegend: Eine fachliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus beginnt bei den Erfahrungen der Betroffenen und der Analyse antisemitischer Ideologien. Korols damalige Darstellung behandelte dagegen bereits die Benennung des Problems als Übertreibung. Diese Haltung fügt sich in sein wiederkehrendes Muster ein: Nicht rassistische oder antisemitische Strukturen werden als Gefahr wahrgenommen, sondern ihre öffentliche Thematisierung.
Vom Tabubruch zum Mandat
Korols heutiges Mandat im Beirat Findorff darf deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Es ist der vorläufige Endpunkt einer politischen Entwicklung, die 2013 nicht abgebrochen, sondern nach rechts fortgesetzt wurde. Auf den Ausschluss wegen antiziganistischer und frauenfeindlicher Äußerungen folgte der Eintritt bei Bürger in Wut. Auf die parlamentarische Zusammenarbeit mit einer Rechtsaußenpartei folgten eine Spitzenkandidatur, die Verteidigung von AfD-Akteuren, ein Auftritt bei der Jungen Alternative und Veranstaltungen mit Referenten aus extrem rechten und geschichtsrevisionistischen Zusammenhängen. Schließlich kehrte Korol über Bürger in Wut und Bündnis Deutschland in ein kommunales Mandat zurück.
Die Kontinuität liegt dabei nicht nur in einzelnen Kontakten. Sie liegt in einem politischen Deutungsmuster: Minderheiten werden problematisiert, Kritik an rechten Positionen wird zur Unterdrückung erklärt, antifaschistischer Protest wird delegitimiert und Akteuren aus der extremen Rechten wird unter dem Etikett der Meinungsfreiheit eine Bühne geboten. Martin Korol ist kein AfD-Funktionär. Gerade deshalb ist seine Rolle für die Beobachtung der Bremer Rechten bedeutsam. Politische Radikalisierung vollzieht sich nicht ausschließlich innerhalb einer Partei. Sie benötigt Brücken, Veranstaltungsräume und Personen, die extrem rechte Positionen in eine vermeintlich bürgerliche Sprache übersetzen.
Korol verkörpert diese Scharnierfunktion seit Jahren. Sein Weg zeigt, wie aus einem öffentlich sanktionierten rassistischen Tabubruch eine dauerhafte rechte Selbsterzählung entstehen kann – und wie diese Erzählung am Ende wieder zu einem demokratisch legitimierten Mandat führt. Nicht der Name der jeweiligen Partei ist deshalb der entscheidende Befund. Entscheidend ist die politische Kontinuität hinter den wechselnden Etiketten.
Redaktion
AfD Watch Bremen
