Bremer AfD-Akteur Frank Magnitz (links) mit Björn Höcke und André Poggenburg zusammen in Thüringen – Bildquelle:, Screenshot: ZDF

Untersuchungsfelder für die laufende Legislaturperiode 2019 – 2023 zur AfD Bremen, ihres Landesverbandes und ihrer Kreisverbände in Bremerhaven und Bremen Nord. 

Im Vordergrund der Beobachtung stehen die AfD-Abgeordneten in den jeweiligen Parlamenten (Bürgerschaft und Stadtverordneten-Versammlung, Beiräte), ihr beruflicher und sozialer Hintergrund, ihre bisherigen politischen Funktionen und Tätigkeiten. Sowie ihre sozialen und politischen Netzwerke und Strukturen.

Die Arbeit in den Parlamenten vollzieht sich für Fraktionen zu einem großen Teil in Form von Anträgen, Anfragen, in den Reden im Plenum sowie in der kontinuierlichen Arbeit in den Ausschüssen. Es werden die Themenschwerpunkte, die politischen Positionen und die Aktionsweisen der AfD für eine spätere Gesamtauswertung dokumentiert.

In einem weiteren Feld stehen die Skandale und Unregelmäßigkeiten im Vordergrund. Besonders die AfD, die sich als Partei der “Saubermänner” inszeniert und andere Parteien scharf angreift, muss sich eine noch Bewertung gefallen lassen, ob sie selbst ihrem Anspruch genügt. Die AfD-Fraktionen fielen bundesweit immer wieder mit Schlagzeilen auf, die der AfD eine notorische Affinität zum Rechtsbruch bescheinigen. In Bremen stand bereits mehrfach der Verdacht des Wahlbetrugs im Raum. Auch Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen einzelne AkteurInnen sind bekannt geworden. Daneben auch Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen die AfD Landesführung. Zudem Missachtung geltender Regeln zur Konstituierung der Partei, wie bei ihrer Aufstellung der KandidatInnen zur Bundestagswahl.

Im Feld Rechtsextremismus werden weiterhin die Vernetzungen, Positionen untersucht, die in diese Kategorie fallen. Hierzu die Unterkategorie “Neue Rechte” beobachtet. Trotz der Überwachung durch den Landesverfassungsschutz der nach außen nicht mehr in Erscheinung tretenden AfD-Jugend sowie des AfD-Landesverbandes, veränderte die Bremer AfD im Wesentlichen nicht ihre Zielrichtung und ihren politisch extrem rechten Diskurs. Weiterhin lassen sich Aktivitäten am äußeren rechten Rand außerhalb des Landesverbandes beobachten, obgleich Teile der Bremer AfD selbst diesen rechten Rand bilden, andere Teile eine eher konservative Ausrichtung anstreben. Insgesamt dominiert immer wieder der völkisch-nationalistische Flügel. Während der parlamentarischen Arbeit der AfD, sind diese Aktivitäten auch im Kontext der parlamentarischen Arbeit zu beobachten und einzuordnen. 

Zuletzt wird die Instabilität der jeweiligen Fraktionen und Landesverband/Kreisverband beobachtet und untersucht. Bundesweit zerfallen immer wieder AfD-Verbände und einflussreiche AkteurInnen verlassen unvermittelt die Fraktionen oder die Partei, zerstreiten sich öffentlich. Oftmals geht es dabei um Grabenkämpfe der radikalen mit den noch radikaleren Strömungen innerhalb der Verbände. Auch in Bremen zerfiel die AfD kurz nach der Wahl 2015, daraufhin erneut 2019 und bleibt bis heute ohne klare Orientierung innerhalb ihrer Gremien und Posten. Streitigkeiten dominieren auf allen Ebenen des Landesverbandes. Bis heute kehrte keine Ruhe im Landesverband ein. Das zeigt sich unter anderem an der Tatsache, dass der Landesverband bundesweit Spitzenreiter im Beantragen von Parteiausschlussverfahren gegen seine Mitglieder ist. Ein ständiger Wechsel der AkteurInnen in den internen Ämtern und gegenseitige Beschuldigungen auch in Interviews mit der bürgerlichen Presse, gehören seit 2015 zum Charakter des Bremer Landesverbandes. Besonders in autoritär geführten Parteien, kommt es regelmäßig zu heftigen parteiinternen Auseinandersetzungen, bei einer gleichzeitigen Dominanz der radikalen Strömungen, die der Öffentlichkeit selten verborgen bleiben. Ein zunehmender Zerfall des gesamten Bremer Landesverbandes scheint unausweichlich.

Redaktion
AfD Watch Bremen