Stephan Hilbers: Aufstieg im Apparat, Kulturkampf vor Ort

Porträt und Analyse · Stand:

Stephan Hilbers gehört zum Landesvorstand der Bremer AfD. Nach Angaben seiner Partei wurde er für die Bürgerschaftswahl 2027 auf Platz zwei im Wahlbereich Bremerhaven nominiert. Seine Kandidaturen von 2023 und 2025 brachten ihm kein Mandat. Politisch sichtbar wird er durch die Verteidigung seiner Partei und durch Stellungnahmen, die lokale Konflikte mit migrationspolitischen Zuschreibungen und kulturkämpferischen Schlagworten aufladen.

Die Karriere führt über die Partei

Bei der Bremerhavener Stadtverordnetenwahl am 14. Mai 2023 erhielt Hilbers 78 Personenstimmen. Das amtliche Ergebnis führt ihn als Nachrücker, nicht als gewählten Stadtverordneten. Diese Stimmenzahl beschreibt sein persönliches Ergebnis bei dieser Wahl; sie ist weder eine Zahl individueller Unterstützer:innen noch ein Maß für seinen heutigen Rückhalt. Zur Bundestagswahl 2025 stand er auf Platz vier der Bremer AfD-Landesliste. Über diese Liste zog allein Sergej Minich in den Bundestag ein. Die amtliche Kandidat:innenbekanntmachung nennt Hilbers als 1970 in Bremerhaven geborenen Medientechnologen Siebdruck. [1] [2] [3]

Im Landesvorstand führt die AfD ihn als Schriftführer. Damit gehört er dem siebenköpfigen Führungsgremium unter Minich an, gemeinsam mit Marvin Mergard, Ahmet Görgülü, Jürgen Hauschild, Maxim Maier und Mario Timmermann. Für die Bürgerschaftswahl 2027 meldete die Partei seine Nominierung unmittelbar hinter Sven Lichtenfeld und vor Maier. Die Mitteilung ist über eine Spiegelung des Parteikontos nachvollziehbar. Sie belegt die von der AfD veröffentlichte Reihenfolge; eine amtliche Zulassung des Wahlvorschlags ist damit nicht dokumentiert. [4] [5]

Beim Kreisvorsitz widersprechen sich die Angaben

Hilbers trat bereits 2024 als Vorsitzender der AfD Bremerhaven auf. Die Kreisverbandsseite des Landesverbandes nennt ihn auch beim Abruf im September 2026 noch in dieser Funktion. Dem steht der im August 2026 auf AfD Watch Bremen dokumentierte Auftritt von Stefan Dettmann als Kreisvorsitzendem gegenüber. Deshalb lässt sich aus der fortbestehenden Website-Angabe keine gesicherte aktuelle Doppelrolle von Hilbers als Kreisvorsitzendem und Landesschriftführer ableiten. Der genaue Termin und das Ergebnis einer Übergabewahl sind durch die hier ausgewerteten Quellen nicht geklärt. Eindeutig ausgewiesen bleibt Hilbers’ Funktion im Landesvorstand. [4] [6] [7]

Herkunft wird aus dem Augenschein abgeleitet

Am 6. August 2024 veröffentlichte das österreichische Magazin Freilich eine Stellungnahme von Hilbers zu einem Gewaltvideo aus Bremerhaven. Darin bezeichnete er die Angreifer als „augenscheinlich migrantische Jugendliche“. Der Kreisverband verlangte die Bekanntgabe ihrer Staatsangehörigkeiten und Maßnahmen für sichere Schulen. Nach Darstellung des Magazins bestätigte die Polizei einen bereits Monate zurückliegenden Vorfall, verweigerte aber nähere Angaben zu den beteiligten Jugendlichen zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte. [8]

Der kritische Punkt liegt in Hilbers’ eigener Formulierung: Er ordnet die Jugendlichen einer Herkunftsgruppe zu, ohne dafür in der veröffentlichten Stellungnahme einen überprüfbaren Beleg zu nennen. Aus dem äußeren Erscheinungsbild lässt sich weder eine Staatsangehörigkeit noch eine Migrationsbiografie zuverlässig bestimmen. Die Forderung nach Herkunftsangaben rückt damit eine vermutete Gruppenzugehörigkeit in den Mittelpunkt der Gewalttat. Das ist eine ethnisierende Deutung des Falls. Der Bericht belegt Hilbers’ Wortwahl, nicht die Richtigkeit seiner Zuschreibung. Welche Jugendlichen tatsächlich beteiligt waren und welche Motive die Tat hatte, lässt sich daraus nicht feststellen.

Personal kürzen – aber wo und mit welchen Folgen?

Auch bei der Innenstadtpolitik arbeitet Hilbers mit abwertenden Sammelbegriffen. Eine von der Bremervörder Zeitung wiedergegebene Parteimitteilung richtet sich gegen zusätzliche Begrünung, Angebote aus dem „woken Spektrum“ und Windkraft. Hilbers fordert mehr produzierendes Gewerbe, Haushaltsdisziplin und die Verkleinerung eines „Heer[s] von öffentlich Bediensteten“. [9]

In der dokumentierten Passage fehlen Angaben dazu, wie viele Stellen entfallen sollen, in welchen Einrichtungen und bei welchen Aufgaben. Auch die behauptete Verbindung zwischen diesen Kürzungen und höherer Kaufkraft wird nicht belegt. Eine belastbare Kritik am Personalbestand müsste Leistungen, Zuständigkeiten und Vergleichswerte benennen. Hilbers liefert dafür eine abwertende Metapher. Sein Angriff auf vermeintlich überflüssige Beschäftigte bleibt so ohne überprüfbare Rechnung. Ob tatsächlich zu viele Menschen beschäftigt sind, lässt sich aus dieser Stellungnahme ebenso wenig ableiten wie das Gegenteil.

Demokratische Selbstdarstellung trifft auf behördlichen Verdacht

Im August 2026 verteidigte Hilbers die Anmietung von Räumen im Havenhostel für die Bremerhavener Listenaufstellung. Gegenüber Radio Bremen sprach er von „vulgären Anfeindungen“ und beschrieb die AfD als basisdemokratisch und wertkonservativ. Vier Tage nach diesem Bericht dokumentierte der Sender, dass die Presse von der Versammlung ausgeschlossen wurde. Die Entscheidung verteidigte Landesvorsitzender Minich. Eine persönliche Entscheidung Hilbers’ über den Ausschluss ist damit nicht belegt. Die Abfolge zeigt aber den Widerspruch zwischen dem demokratischen Selbstbild, das Hilbers für die Partei beansprucht, und deren Abwehr unabhängiger Beobachtung. [10] [11]

Hinzu kommt die Bewertung des Landesamtes für Verfassungsschutz. Der im Juni 2026 veröffentlichte Bericht für 2025 führt die Bremer AfD weiterhin als rechtsextremistischen Verdachtsfall. Auf Seite 102 begründet die Behörde dies unter anderem mit Anhaltspunkten dafür, dass ein maßgeblicher Teil des Verbandes deutschen Staatsangehörigen mit Migrationshintergrund einen rechtlich abgewerteten Status zuspreche. Diese Bewertung gilt dem Landesverband; sie ist keine individuelle behördliche Einstufung Hilbers’. Politisch betrifft sie ihn dennoch: Er gehört dessen Führung an und vertritt die Partei öffentlich. Seine Selbstbeschreibung als Verteidiger demokratischer Grundsätze beantwortet die konkreten Vorwürfe gegen den Verband nicht. [12]

Redaktion
AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Amtliche Wahldaten belegen Kandidaturen und damalige Ergebnisse. Parteiveröffentlichungen belegen Funktionsangaben und Selbstdarstellungen. Die Bewertung der Aussagen ist redaktionelle Analyse. Abruf und Prüfung: 22. September 2026.

[5] AfD Bremen · August 2026 · Mittelbare Überlieferung

indexierte Spiegelung des Parteikontos bei TwStalker

AfD Bremen: „Impressionen von der Listenaufstellung in Bremerhaven“, August 2026; außerdem indexierte Wiedergabe bei Sotwe. Mittelbar überlieferte Parteimitteilung zur Reihenfolge Lichtenfeld, Hilbers, Maier. Die laufenden Profilseiten verändern sich; der Originalbeitrag konnte bei dieser Prüfung nicht direkt eingesehen werden.

[7] AfD Watch Bremen · Dossier und Parteivideo

AfD Watch Bremen: Stefan Dettmann

Dokumentation seiner Vorstellung als Kreisvorsitzender im August 2026. Verlinktes Parteivideo: „AfD Wahlen in Bremerhaven“. Titel und veröffentlichender Kanal ließen sich bestätigen; eine erneute vollständige Sichtung des Videos war bei dieser Prüfung nicht möglich.