Generation Deutschland Bremen: Neue Organisation, alte Verbindungslinien
Von der Identitären Bewegung über „Phalanx 18“ bis zur „weserems.aktion“
Mit der Gründung ihres Bremer Landesverbandes am 31. Januar 2026 präsentiert sich die „Generation Deutschland“ als neuer Jugendverband der AfD. Neu sind vor allem Name und Organisationsform. Die politische Herkunft dieses Verbandes lässt sich dagegen nicht ohne die Geschichte der „Jungen Alternative“ und deren langjährige Verbindungen zu extrem rechten Vorfeldorganisationen, völkischen Netzwerken und militanten Neonazimilieus verstehen.
Zum Vorsitzenden der „Generation Deutschland Bremen“ wurde der damals 21-jährige Marcel Fetke gewählt. Stellvertretender Vorsitzender ist nach Angaben der Organisation Marvin Mergard. Das Grußwort auf der Gründungsversammlung hielt der Bremer AfD-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Sergej Minich. Beteiligt waren außerdem Funktionär:innen der Bundesorganisation und des Thüringer Landesverbandes der „Generation Deutschland“. Radio Bremen berichtete über die Gründung. Diese Zusammensetzung ist politisch aufschlussreich: Mit Marvin Mergard übernimmt ein Funktionär Verantwortung, der bereits die frühe Entwicklung der „Jungen Alternative“ in Bremen prägte und seit Jahren zur personellen Kontinuität zwischen AfD, Jugendorganisation und extrem rechten Aktionsmilieus gehört.
Die extrem rechte Parteijugend rückt auf die Wahlliste
Mit der Aufstellung der AfD-Kandidat:innen für die Bürgerschaftswahl 2027 wird sichtbar, wie eng die neue Parteijugend inzwischen mit der personellen Zukunftsplanung des Landesverbandes verbunden ist. Nach der Landeswahlversammlung für den Wahlbereich Bremen am 15. August 2026 erklärte Generation Deutschland Bremen auf ihrem offiziellen Social-Media-Kanal, dass fünf der ersten zehn Listenplätze von Mitgliedern der eigenen Organisation besetzt seien.
Die AfD veröffentlichte zunächst Sergej Minich auf Platz eins, Marvin Mergard auf Platz zwei und Ahmet Görgülü auf Platz drei. Mergard ist zugleich stellvertretender Vorsitzender von Generation Deutschland Bremen und gehört dem Landesvorstand der AfD an. Welche fünf Personen unter den ersten zehn Listenplätzen Mitglieder der Jugendorganisation sind, hat Generation Deutschland Bremen in der betreffenden Veröffentlichung nicht vollständig benannt. Die Aussage ist dennoch politisch relevant. Sie dokumentiert nach Selbstauskunft der Organisation, dass die neue Parteijugend bereits wenige Monate nach ihrer Gründung personell tief in den Kandidat:innenkreis für die Bürgerschaftswahl 2027 hineinreicht. Generation Deutschland Bremen ist damit nicht lediglich eine organisatorisch nachgeordnete Nachwuchsstruktur. Mitglieder des Verbandes besetzen nach eigener Darstellung bereits einen erheblichen Anteil der vorderen Listenpositionen.
Minich und Lichtenfeld als Förderer
Ende August 2026 veröffentlichte Generation Deutschland Bremen eine weitere Mitteilung, die die organisatorische Verbindung zur parlamentarischen und zur Landesebene zusätzlich konkretisiert. Der Verband bezeichnete den Bremer AfD-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Sergej Minich sowie den Bürgerschaftsabgeordneten Sven Lichtenfeld ausdrücklich als neu gewonnene „Förderer“. Der Begriff hat innerhalb der Generation Deutschland eine konkrete finanzielle Bedeutung. Das bundesweit verwendete Förderformular sieht regelmäßige Zuwendungen an die Organisation vor. Fördernde Personen bestimmen die Höhe ihrer regelmäßigen Zahlung selbst; für bestimmte Jahresbeträge werden besondere Förderstufen ausgewiesen. Der Einzug erfolgt nach dem veröffentlichten Formular über die Alternative für Deutschland. Welche Beträge Minich und Lichtenfeld jeweils leisten, ist nicht öffentlich bekannt. Belegt ist deshalb lediglich, dass Generation Deutschland Bremen beide Mandatsträger selbst als Förderer bezeichnet und damit eine regelmäßige finanzielle Unterstützung der Jugendorganisation öffentlich macht.
Die Verbindung zwischen Jugendorganisation und etablierter Parteiführung reicht damit über gemeinsame Veranstaltungen und personelle Funktionen hinaus. Minich war bereits auf der Gründungsversammlung der Bremer Generation Deutschland präsent und hielt dort ein Grußwort. Lichtenfeld ist Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und Spitzenkandidat der AfD für den Wahlbereich Bremerhaven. Beide unterstützen die neue Parteijugend nach deren eigener Darstellung nun auch finanziell. Diese Entwicklung zeigt zugleich, welchen Stellenwert die Generation Deutschland innerhalb des Landesverbandes erreicht hat. Auf der einen Seite erklärt die Jugendorganisation, fünf der ersten zehn Listenplätze in Bremen mit eigenen Mitgliedern zu besetzen. Auf der anderen Seite erhält sie finanzielle Unterstützung von zwei der derzeit wichtigsten AfD-Mandatsträger im Land Bremen. Nachwuchsorganisation, Landesführung, parlamentarische Ebene und Kandidatenaufstellung greifen damit zunehmend ineinander.
Marvin Mergard als personelle Verbindung
Der Bremer Landesverband der „Jungen Alternative“ wurde im Oktober 2016 gegründet. Robert Teske übernahm den Vorsitz, Marvin Mergard wurde sein Stellvertreter. Beide rückten später zugleich in den Landesvorstand der AfD Bremen auf. Im Juni 2017 dokumentierte die taz, wie Teske und Mergard an einer Demonstration der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in Berlin teilnahmen. Unter den Teilnehmenden befanden sich auch frühere Funktionäre der NPD-Jugendorganisation und bekannte Akteure militanter Neonazistrukturen. Teske und Mergard verwendeten zudem zentrale Begriffe der Identitären, darunter die rassistische Verschwörungserzählung vom angeblichen „großen Austausch“. Die damalige Recherche zeigte die Nähe zwischen Bremer JA und Identitärer Bewegung deutlich.
Nur wenige Monate später verteilten Teske und Mergard gemeinsam mit dem damaligen AfD-Landesvorsitzenden Frank Magnitz und Aktivist:innen der Identitären Bewegung Protestmaterial bei einem Auftritt Angela Merkels in Bremen. Die Zusammenarbeit fand trotz eines formalen Unvereinbarkeitsbeschlusses von AfD und JA statt. Auch dieser gemeinsame Auftritt wurde öffentlich dokumentiert. 2018 erklärte der Bremer Verfassungsschutz die „Junge Alternative“ zum Beobachtungsobjekt. Die Innenbehörde verwies ausdrücklich auf „vielfältige Verbindungen“ zur Identitären Bewegung und auf rassistische Äußerungen ihrer Funktionäre. Zu diesem Zeitpunkt war Teske zugleich stellvertretender AfD-Landesvorsitzender, Mergard fungierte als Schriftführer der AfD und stellvertretender JA-Vorsitzender. Mitteilung der Bremer Innenbehörde vom September 2018.
Mergards heutige Führungsfunktion in der „Generation Deutschland“ stellt deshalb eine erkennbare personelle Verbindung zwischen der aufgelösten extrem rechten JA und ihrer Nachfolgeorganisation her. Die Bremer Neugründung beginnt nicht bei null. Sie greift auf Akteur:innen, politische Erfahrungen und Netzwerke zurück, die bereits während der ersten Aufbauphase der AfD-Jugend eine zentrale Rolle spielten.
Die Identitäre Bewegung war vor der JA präsent
Die Verbindungsgeschichte beginnt nicht erst mit der Gründung der Bremer JA. Bereits in der frühen Bremer Identitären Bewegung waren Personen aktiv, die zuvor im Umfeld neonazistischer Kameradschaften, der NPD oder ihrer Jugendorganisation aufgetreten waren. AfD Watch Bremen dokumentierte diese Entwicklung ab 2012 und 2013 anhand von Bildern, Veranstaltungen, öffentlichen Auftritten und personellen Überschneidungen. Die Identitäre Bewegung bot dem entstehenden AfD-Nachwuchs ein bereits vorhandenes politisches Milieu: aktivistische Inszenierungen, rassistische Kampagnenbegriffe, Social-Media-Propaganda und Kontakte in die außerparlamentarische extreme Rechte. Die JA wiederum eröffnete identitären Akteur:innen einen Zugang zum parteipolitischen Raum.
Zu den damaligen Verbindungspersonen gehörte Jonas Schick. Er war zeitweise in der Bremer JA aktiv und entwickelte sich zu einem führenden Akteur der Identitären Bewegung in Norddeutschland. Später gründete er die Zeitschrift „Die Kehre“, die im Oikos-Verlag erscheint und völkische Vorstellungen von „Heimat“, Bevölkerung und Naturschutz verbreitet. Schick veröffentlicht außerdem in Medien der sogenannten Neuen Rechten. Seine politische Tätigkeit besteht damit vor allem in der Herstellung und Verbreitung extrem rechter Theorie- und Propagandaprodukte. Belltower.News ordnet „Die Kehre“ und Schicks publizistisches Umfeld ein.
Die Verbindung nach Thüringen und zu Björn Höcke
Auch die Verbindungen in das Umfeld Björn Höckes gehören zur Entwicklungsgeschichte des Bremer AfD-Nachwuchses. Alexander Tassis, früherer Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft, unterstützte die damalige JA-Führung um Teske und Mergard. Er gehörte der inzwischen formal aufgelösten „Patriotischen Plattform“ an und trat wiederholt mit Sympathiebekundungen für die Identitäre Bewegung hervor. Die taz dokumentierte diese Positionierung bereits 2017. Robert Teske wechselte 2019 von Bremen nach Thüringen und arbeitete anschließend sechs Jahre für die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Nach eigener Darstellung war er dabei „an der Seite Björn Höckes“ tätig. 2025 zog Teske für die Thüringer AfD in den Bundestag ein. Inzwischen wirbt er öffentlich für eine Verzahnung der Partei mit ihrem extrem rechten „Vorfeld“. CORRECTIV dokumentierte diese Selbsteinordnung im Mai 2026.
Auf der Gründungsversammlung der „Generation Deutschland Bremen“ sprach zudem Carolin Lichtenheld, Vorsitzende des neuen Thüringer Jugendverbandes. Damit führt auch die neue Organisation die politische Achse zwischen Bremen und dem Höcke-geprägten Thüringer Landesverband fort. Es handelt sich nicht nur um historische Kontakte einzelner ehemaliger JA-Funktionäre, sondern um eine bis in die aktuelle Verbandsgründung hinein sichtbare Verbindung.
2019: AfD-Wahlkampf mit „Phalanx 18“
Eine weitere Eskalationsstufe wurde im Bremer Bürgerschaftswahlkampf 2019 sichtbar. Damals tauchten Mitglieder der militanten Neonazigruppe „Phalanx 18“ im Umfeld von Wahlkampfaktivitäten der AfD auf. Fotos zeigten das damalige AfD-Landesvorstandsmitglied und den stellvertretenden JA-Vorsitzenden Mertcan Karakaya gemeinsam mit Akteuren von „Phalanx 18“. Die Gruppe posierte vor dem Bremer Fanprojekt mit AfD-Wahlkampfplakaten. Nach damaligen Darstellungen aus der Partei hatten die Neonazis ihre Unterstützung beim Plakatieren angeboten. Karakaya räumte ein, die Hilfe zunächst angenommen zu haben.
„Phalanx 18“ inszenierte sich dabei als eine Art „Begleitschutz“ für AfD-Wahlkämpfer. Der Zusammenschluss trat gewaltbereit auf, bedrohte politische Gegner:innen und war in Auseinandersetzungen mit linken Fußballfans verwickelt. Im November 2019 wurde die Organisation vom Bremer Innensenator verboten. AfD Watch Bremen veröffentlichte eine umfangreiche Recherche über die Gruppe und ihre Kontakte zur AfD. Der Vorgang zeigt ein wiederkehrendes Funktionsmuster: Neonazistische Aktionsgruppen stellen Personal, körperliche Präsenz und ein Bedrohungspotenzial zur Verfügung. Funktionäre aus AfD und Jugendorganisation verschaffen diesen Personen im Gegenzug politische Nähe, Sichtbarkeit und Zugang zu öffentlichen Parteiveranstaltungen. Solche Annäherungen entstehen nicht ausschließlich über formale Mitgliedschaften. Sie entwickeln sich über gemeinsame Aktionen, persönliche Kontakte, Wahlkampfhilfe und geteilte Feindbilder.
Der Brandanschlag auf die „Friese“
Dass militante Neonazistrukturen nicht im luftleeren Raum agieren, zeigt der Brandanschlag auf das selbstverwaltete Bremer Jugendzentrum „Die Friese“ im Februar 2020. Während eines Konzerts wurde in dem Gebäude Feuer gelegt. Rund 30 Menschen befanden sich in der „Friese“, drei von ihnen wurden verletzt. Ein Raum brannte aus. Am Tatort wurden Aufkleber der Neonazipartei „Die Rechte“ gefunden. Im Mai 2025 verurteilte das Landgericht Bremen den Hauptangeklagten wegen schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 27 Fällen. Zwei weitere Angeklagte wurden wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt. Nach Recherchen von Panorama 3 rechnete der Bremer Verfassungsschutz zwei der drei Angeklagten der zuvor verbotenen „Phalanx 18“ zu. Der NDR rekonstruierte den Anschlag und die jahrelangen Versäumnisse bei seiner Aufklärung.
Zwischen dem gemeinsamen Auftreten von AfD-Funktionären und militanten Neonazis im Wahlkampf und dem späteren Brandanschlag besteht keine bloß abstrakte Milieunähe. Mindestens zwei der später Angeklagten wurden nach Angaben des Verfassungsschutzes dem Umfeld von „Phalanx 18“ zugerechnet. Damit wird sichtbar, welche reale Gefahr von Szenen ausgeht, die sich zunächst mit Wahlkampfplakaten, einschüchternden Gruppenbildern und vermeintlicher „Unterstützung“ politischer Akteure präsentieren. Solche Militanz ist keine bloße ästhetische Pose. Sie richtet sich gegen konkrete Menschen, politische Einrichtungen und alternative Räume. Im Fall der „Friese“ führte sie zu einem lebensgefährlichen Anschlag.
2025: Die „weserems.aktion“ im Umfeld öffentlicher AfD-Auftritte
Seit Ende 2024 tritt in Bremen und dem niedersächsischen Umland die Gruppierung „weserems.aktion“ in Erscheinung. Der Bremer Verfassungsschutz stuft sie als neonazistisch und rechtsextremistisch ein. Im August 2025 durchsuchte die Polizei die Wohnungen von fünf mutmaßlichen Mitgliedern. Sichergestellt wurden unter anderem Messer, Macheten, Dolche, Schlagringe, Teleskopschlagstöcke, Propagandamaterial und Datenträger. Weitere Ermittlungen betrafen gestohlene politische Banner, Beschädigungen von Fahrzeugen, einen Angriff auf das Büro der Bremer Linkspartei und Verstöße gegen das Waffengesetz. Radio Bremen berichtete über die Durchsuchungen; die Polizei veröffentlichte später erste Ermittlungsergebnisse.
Eigene Bilddokumentationen von AfD Watch Bremen zeigen bereits am 15. März 2025 in Bremen-Walle mindestens eine Person aus dem Umfeld der „weserems.aktion“ an einem öffentlichen Stand der AfD. Auch Sergej Minich war bei dieser Veranstaltung anwesend. Weitere Aufnahmen dokumentieren Angehörige dieses Spektrums bei öffentlichen AfD-Aktivitäten im Land Bremen. Das Bildmaterial befindet sich im Redaktionsarchiv. Damit wiederholt sich ein bekanntes Muster: Neue neonazistische Aktionszusammenhänge tauchen dort auf, wo die AfD öffentliche Präsenz organisiert. Die Bezeichnung der Gruppe verändert sich von der Identitären Bewegung über „Phalanx 18“ bis zur „weserems.aktion“. Erkennbar bleibt jedoch eine politische Kontaktzone, in der sich Parteifunktionär:innen, Nachwuchsorganisationen, extrem rechte Aktivist:innen und gewaltbereite Neonazimilieus begegnen.
2026: Bremer GD beim „Tag der Deutschen Jugend“ in Schwerin
Am 1. August 2026 beteiligte sich eine Delegation der „Generation Deutschland Bremen“ am sogenannten „Tag der Deutschen Jugend“ in Schwerin. Der Bremer Landesverband bestätigte seine Teilnahme anschließend selbst und erklärte auf seinem offiziellen Social-Media-Kanal, mit einem eigenen Banner vertreten gewesen zu sein.
Der Aufmarsch war die erste größere bundesweite Straßenmobilisierung der neu gegründeten AfD-Jugendorganisation. Nach Recherchen von NDR und WDR nahmen rund 420 Personen teil. Im Demonstrationszug bewegten sich Mitglieder und Anhänger:innen der Generation Deutschland gemeinsam mit Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung. Die Recherche dokumentierte dabei unter anderem „Remigrations“-Bezüge und den in der Identitären Bewegung verbreiteten Begriff der „Reconquista“. Damit trat die Bremer Generation Deutschland nicht lediglich bei einer internen Parteiveranstaltung auf, sondern beteiligte sich an einer Mobilisierung, bei der sich die neue AfD-Jugend und Akteure der Identitären Bewegung sichtbar in einem gemeinsamen Demonstrationszug bewegten. Die Teilnahme ist für die Bremer Entwicklung besonders relevant, weil bereits die frühere „Junge Alternative Bremen“ enge personelle und politische Überschneidungen mit der Identitären Bewegung aufwies. Marvin Mergard, heute stellvertretender Vorsitzender der Generation Deutschland Bremen, hatte bereits 2017 gemeinsam mit dem damaligen JA-Vorsitzenden Robert Teske an einer Demonstration der Identitären Bewegung in Berlin teilgenommen.
Neue Organisationsform, fortbestehendes Milieu
Die „Generation Deutschland“ ist organisatorisch enger an die AfD gebunden als die frühere „Junge Alternative“. Dadurch erhält die Partei größere Kontrolle über Mitgliedschaft, Führung und Außendarstellung ihres Nachwuchses. Für Bremen bedeutet diese Neuordnung jedoch keinen personellen Neubeginn.
Marvin Mergard verbindet die neue Jugendorganisation unmittelbar mit der früheren JA-Führung und deren dokumentierten Kontakten zur Identitären Bewegung. Robert Teske steht für den Weg von der Bremer JA über das Umfeld Björn Höckes bis in den Bundestag. Jonas Schick repräsentiert die publizistische Weiterentwicklung des identitären Milieus. Die Auftritte von „Phalanx 18“ und der „weserems.aktion“ zeigen zugleich, dass sich an den äußeren Rändern dieses politischen Umfeldes immer wieder militante Neonazistrukturen formieren. Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob eine Person gleichzeitig Mitglied mehrerer Organisationen ist. Rechte Netzwerke funktionieren über persönliche Bekanntschaften, gemeinsame Veranstaltungen, politische Dienstleistungen, Medienprojekte, Wahlkampfhilfe und geteilte ideologische Bezugspunkte. Diese Verbindungen können fortbestehen, obwohl sich Organisationen auflösen, umbenennen oder neu gründen.
Kontinuität ist eine politische Entscheidung
Die Entwicklung der AfD-Jugend in Bremen zeigt eine wiederkehrende Abfolge: Auf formale Abgrenzungen folgen dokumentierte Begegnungen, gemeinsame Aktionen oder personelle Überschneidungen. Nach öffentlicher Kritik verschwinden einzelne Gruppennamen, während zentrale Akteur:innen in neuen Strukturen wieder auftauchen. Die „Generation Deutschland“ muss deshalb aus ihrer konkreten Bremer Vorgeschichte heraus betrachtet werden. Ihre politische Herkunft reicht von der frühen Identitären Bewegung über die „Junge Alternative“ und das Höcke-Netzwerk bis zu den aktuellen Berührungspunkten zwischen AfD-Veranstaltungen und der neonazistischen „weserems.aktion“.
Der Brandanschlag auf die „Friese“ macht deutlich, weshalb diese Verbindungsgeschichte nicht als bloßer Streit um politische Symbolik behandelt werden darf. Militant-rechte Milieus produzieren Bedrohungen, Angriffe und reale Gewalt. Wenn Funktionär:innen einer parlamentarisch vertretenen Partei solchen Akteuren wiederholt öffentliche Kontakt-, Aktions- oder Normalisierungsräume eröffnen, wird daraus eine demokratiepolitisch relevante Struktur. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die „Generation Deutschland“ lediglich einen neuen Namen trägt. Entscheidend ist, welche Akteur:innen, politischen Einflüsse und Netzwerke in ihr weiterwirken – und ob die AfD Bremen erneut daran mitwirkt, dass militante Neonazis in ihrem Umfeld Anschluss, Sichtbarkeit und politische Bestätigung finden.
Redaktion
AfD Watch Bremen
