Olaf Kappelt: Rechte Aufbauarbeit im Namen des Glaubens
Personendossier · Bremen und überregionale Aktivitäten · Stand: 2026
Olaf Kappelt erklärte die Ehe für alle zur Sünde und organisierte Zugänge für die AfD in christlichen und gewerkschaftlichen Milieus. 2021 führte er ihre Bremer Bundestagsliste an. Seine Laufbahn verbindet rechte Aufbauarbeit mit fünf verlorenen Kommunalmandaten wegen fehlender Wohnsitzvoraussetzungen – und einem BSW-Auftritt, bei dem er seine Parteibiografie verleugnete.

Ein erfahrener Organisator erschließt der AfD neue Milieus
Kappelt brachte lange vor seiner AfD-Karriere Erfahrung aus dem Parteiapparat mit. Die Dokumentation des Archivs für Christlich-Demokratische Politik führt ihn für 1984 bis 1988 als Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Bremerhaven. Als Publizist beschäftigte er sich mit ehemaligen Nationalsozialisten in der DDR; zu seinen Veröffentlichungen gehört das „Braunbuch DDR – Nazis in der DDR“. Später trat er in Berlin als historischer Stadtführer in der Rolle Friedrichs II. auf. [1] [2] [17]
2017 wurde seine politische Doppelrolle im Berliner Literaturbetrieb öffentlich. Kappelt gehörte dem Vorstand des Landesverbands des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di an. Die damalige Vorsitzende Astrid Vehstedt schilderte der taz, er habe sich auch für den Vorstand eines neu zu gründenden Friedrich-Bödecker-Kreises angeboten. Bei der Gründungsversammlung seien weitere AfD-Sympathisant:innen erschienen. Vehstedt zog die Konsequenz und erklärte ihren Rücktritt als VS-Landesvorsitzende. Der Fall machte sichtbar, wie sich Verbandsfunktionen und rechte Parteiarbeit personell überschnitten. [3]
Parallel bereitete Kappelt mit den AfD-Abgeordneten Gunnar Lindemann und Jeannette Auricht die Gründung einer Berliner Arbeitnehmerorganisation vor. Der Tagesspiegel bezeichnete ihn im Februar 2017 als Mitglied des ver.di-Landesbezirksvorstands. Ziel des Zusammenschlusses war, Arbeitnehmerforderungen im AfD-Bundestagswahlprogramm unterzubringen. Kappelt wirkte damit an der gesellschaftlichen Verankerung einer Partei mit, die sich Zugänge zu Beschäftigten erschließen wollte. Auch im parlamentarischen Betrieb war er verankert: Die Recherchebroschüre „Weg mit der Berliner AfD“ führte ihn im April 2019 als Büroleiter und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Jörn König. [4] [5]
Gleichstellung wird zur Sünde erklärt
Bei den „Christen in der AfD“ (ChrAfD) übernahm Kappelt eine Führungsfunktion. Nach dem Berliner „Marsch für das Leben“ vom 16. September 2017 gründete sich der Regionalverband Nordost für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Kappelt wurde evangelischer Sprecher, Michael Adam katholischer Sprecher. Das antifaschistische Pressearchiv apabiz dokumentierte Kappelts Begründung für die Nähe zur AfD: Er hob deren Positionen zu ungeborenem Leben und Familie hervor. Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bezeichnete er als „Versündigung gegen die christliche Familie“. [6]
Damit versah Kappelt den Widerstand gegen gleiche Rechte mit religiöser Autorität. Die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften wurde zum moralischen Vergehen erklärt. In Verbindung mit dem „Marsch für das Leben“ stand seine ChrAfD-Arbeit für eine Politik gegen reproduktive Selbstbestimmung und gegen die Gleichstellung queerer Menschen. [6]
Ein eigener Beitrag zur christlichen AfD-Werbung
Kappelt gehörte zu den Autor:innen des von Joachim Kuhs herausgegebenen Sammelbandes „Bekenntnisse von Christen in der Alternative für Deutschland“, dessen Neuauflage 2018 unter dem Titel „Warum Christen AfD wählen“ erschien. Die bibliografisch nachgewiesene Ausgabe umfasst 103 Seiten. Ihr Inhaltsverzeichnis weist Kappelts Beitrag ab Seite 26 aus. Kuhs schrieb das Vorwort; Beatrix von Storch steuerte das Grußwort bei. Im Anhang stehen die Grundsatzerklärung der ChrAfD und das Apostolische Glaubensbekenntnis. [7]
Mit seinem eigenen Beitrag beteiligte sich Kappelt an einem publizistischen Projekt, das christliche Identität und Unterstützung für die AfD zusammenführte. Die persönlichen Bekenntnisse sollten der Parteibindung religiöse Glaubwürdigkeit verleihen. Kappelts organisatorische Funktion bei den ChrAfD erhielt damit eine publizistische Ergänzung.
Verfolgungserzählung und Druck auf die Kirchen
Am 8. und 9. Juni 2018 organisierten die ChrAfD-Regionalverbände Nord und Nordost unter Kappelts Leitung eine Tagung zur Christenverfolgung im Schweriner Schloss. Die AfD-Landtagsfraktion stellte ihren Sitzungssaal bereit. Der Veranstaltungsbericht schreibt der Referentin Hatune Dogan die Behauptung zu, Islam und Koran seien der eigentliche Grund für die Verfolgung von Christ:innen und religiösen Minderheiten im Nahen Osten. Diese pauschale religiöse Ursachenzuschreibung machte aus der Auseinandersetzung mit konkreter Verfolgung eine Bühne für Islamfeindlichkeit. Kappelts belegte Rolle war die Leitung der Veranstaltung. [8]
Im September 2018 gehörte er zu den Unterzeichner:innen der „Potsdamer Erklärung“. Die zugehörige Tagung in den Räumen der brandenburgischen AfD-Landtagsfraktion behandelte das Verhältnis von AfD und Amtskirchen; Andreas Kalbitz trat als Gastredner auf. Mit Kappelt unterzeichneten unter anderem Michael Adam, Beatrix von Storch, Waldemar Herdt, Steffen Kotré und Verena Hartmann. Der Parteibericht stellte die Vereinbarkeit von christlichem Glauben und AfD-Mitgliedschaft heraus. Hartmann verlangte darin von kirchlichen Amtsträger:innen, ihre Ablehnung der Partei zu überdenken. Kappelt unterstützte mit seiner Unterschrift dieses kirchenpolitische Projekt: Christliche Identität sollte der AfD Anerkennung verschaffen und die Abgrenzung der Kirchen unter Druck setzen. [9]
Bremen: St. Martini als Bezugspunkt, von Storch im Wahlkampf
Für Bremen ist die Verbindung zum evangelikalen Umfeld von St. Martini dokumentiert. Ein Beitrag des IBKA Bremen im Humanistischen Pressedienst berichtete im Juni 2022, Kappelt besuche regelmäßig die Predigten Olaf Latzels und nehme in dessen Gemeinde das Abendmahl ein. Seine öffentlich vertretene Ablehnung der Ehe für alle passte zu den dort propagierten konservativen Sexual- und Familiennormen. Über Kappelt überschnitten sich damit ein evangelikales Gemeindemilieu und die organisierte christliche Rechte innerhalb der AfD. [6] [10]
Im Bundestagswahlkampf 2021 führte Kappelt die Bremer AfD-Landesliste an. Am 16. August trat er in der Bremer Innenstadt gemeinsam mit Beatrix von Storch, Mertcan Karakaya und Thomas Jürgewitz auf. Unsere damalige Reportage „Ohne Relevanz“ dokumentiert den Besuch, darunter den Auftritt am Rathaus und beim Klimacamp. Mit von Storch stand eine Politikerin an seiner Seite, die bereits am ChrAfD-Sammelband und an der „Potsdamer Erklärung“ beteiligt gewesen war. Der Bremer Wahlkampf knüpfte damit an bestehende personelle Verbindungen der christlichen Rechten an. [7] [9] [11]
Die Landesliste war zunächst an einer fehlenden eidesstattlichen Versicherung der Schriftführung gescheitert. Am 5. August 2021 ließ der Bundeswahlausschuss sie nach der Beschwerde der Partei zu. Bei der Wahl erreichte die AfD im Land Bremen 6,9 Prozent der Zweitstimmen, nach 10,0 Prozent im Jahr 2017. Kappelt errang kein Bundestagsmandat. Gleichzeitig kandidierte er im Wahlkreis Cuxhaven–Stade II und erhielt dort 10.227 Erststimmen, entsprechend 7,3 Prozent. Unsere Wahlnachlese beschrieb die geringe Unterstützung für seine Kandidatur und die fortgesetzten Konflikte im Bremer Landesverband. [12] [13] [14]
Fünf Kommunalmandate verloren: Der Wohnsitz fehlte
2019 gewann Kappelt Sitze im Kreistag Oberspreewald-Lausitz, in der Stadtverordnetenversammlung Senftenberg und im Ortsbeirat Hosena. Alle drei Mandate verlor er wegen fehlender wohnsitzbezogener Wählbarkeit, wie CNV Medien später zusammenfasste. Für das Kreistagsmandat ist auch der Beschluss des Verwaltungsgerichts Cottbus vom 1. August 2019 dokumentiert: Das Gericht wies Kappelts Eilantrag zurück. Nach summarischer Prüfung beanstandete es die Feststellung des Kreiswahlausschusses zur fehlenden dreimonatigen Wohnsitzdauer nicht. Zusätzlich hatte sich der Antrag gegen den Landkreis statt gegen den zuständigen Kreiswahlausschuss gerichtet. [15] [16]
2021 wiederholte sich das Muster in Cuxhaven. Kappelt wurde am 12. September in den Stadtrat und den Ortsrat Altenwalde gewählt. Die Stadt hatte ihn jedoch bereits rückwirkend zum November 2020 aus dem Melderegister abgemeldet, weil er unter der angegebenen Anschrift tatsächlich nicht wohnte. Seine gerichtlichen Schritte gegen die Abmeldung blieben erfolglos. Im November 2021 schlossen Rat und Ortsrat ihn aus ihren Vertretungen aus; die erforderliche sechsmonatige Wohnsitzdauer war nicht erfüllt. Damit scheiterte ein erfahrener Parteiorganisator in zwei Bundesländern wiederholt an einer grundlegenden Voraussetzung kommunaler Repräsentation: dem tatsächlichen örtlichen Wohnsitz. [15]
Mit Perücke und verleugneter Parteibiografie zum BSW
Am 11. Dezember 2023 traf Kappelt in einem Berliner Hotel die BSW-Aufbauorganisatorin Sabine Zimmermann. Ein ZDF-Team filmte das Gespräch. Er trug eine Perücke, stellte sich als „Hans Kappelt“ vor und behauptete, zuvor nie einer Partei angehört zu haben. In einer WhatsApp-Gruppe früher Unterstützer:innen wurde er anschließend als AfD-Politiker erkannt; die Annäherung endete. Das ZDF veröffentlichte die Recherche am 24. September 2024. [17]
Die Täuschung lag in der verleugneten politischen Laufbahn: Ein früherer CDU-Geschäftsführer, AfD-Organisator und Bundestagskandidat gab sich als parteipolitisch unbelasteter Interessent aus. Das Gespräch zeigt einen Politiker, der Zugang suchte und dabei wesentliche Tatsachen seiner Biografie verbarg. [1] [17]
2025: Neuer Anlauf, deutliche Niederlage
Am 28. September 2025 kandidierte Kappelt als Einzelbewerber für das Bürgermeisteramt in Vetschau/Spreewald. Der rbb bezeichnete ihn im Wahlbericht weiterhin als AfD-Mitglied. Er erhielt 517 Stimmen und damit 14,0 Prozent; Chris Mielchen von der Wählergruppe der Ortsteile gewann mit 3.176 Stimmen und 86,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug 58,8 Prozent. Kappelt war damit in denselben Landkreis zurückgekehrt, in dem er 2019 sein Kreistagsmandat verloren hatte. [18]
Kappelts politische Bedeutung liegt in seiner Aufbauarbeit: Er verband Erfahrungen aus Parteien und Verbänden mit der Suche nach gesellschaftlichem Rückhalt für die AfD. Besonders deutlich wurde das bei den ChrAfD. Dort half er, die Ablehnung queerer Gleichstellung religiös aufzuladen und der Partei christliche Anerkennung zu verschaffen. Bremen war eine Station dieser Arbeit – mit der Spitzenkandidatur, dem Bezug zu St. Martini und dem gemeinsamen Auftritt mit von Storch.
Weitere Recherchen bündeln die Einstiegsseite Das Netzwerk und unsere Reportage zum Bremer Wahlkampfauftritt vom August 2021.
Redaktion
AfD Watch Bremen
Quellen und weiterführende Recherchen
Zeitgenössische Recherchen, bibliografische Nachweise und gekennzeichnete Eigenquellen. Die Belegnummern führen zu den jeweiligen Quellen; der Gerichtsbeleg beschreibt das damalige Eilverfahren.
Namen und Daten aus sechs Jahrzehnten Parteiarbeit – Kreisverbände
Die Dokumentation führt Kappelt für 1984–1988 als Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Bremerhaven; PDF-Seite 105.
Braunbuch DDR – Nazis in der DDR
Nachweis der zweiten Auflage von 2009 und der Autorschaft Olaf Kappelts.
AfD-Mitglieder in Literatenverbänden
Vehstedts Darstellung ihres Rücktritts und der Vorgänge beim Aufbau des Berliner Friedrich-Bödecker-Kreises.
Berliner AfD will bei Beschäftigten punkten
Bericht über die geplante Gründung der Arbeitnehmerorganisation und Kappelts damalige ver.di-Funktion.
Die Übersicht auf PDF-Seite 14 nennt Kappelt als Büroleiter und wissenschaftlichen Mitarbeiter bei Jörn König. Die Organisationsübersicht steht auf PDF-Seite 11.
„Christen in der AfD“ jetzt auch in Berlin
Dokumentiert die Gründung des Regionalverbandes Nordost und ordnet die zitierte Aussage zur Ehe für alle Kappelt zu.
Warum Christen AfD wählen – Inhaltsverzeichnis
Die Deutsche Nationalbibliothek dokumentiert Kappelts Beitrag ab Seite 26, Kuhs’ Vorwort und von Storchs Grußwort. Den Titel der Neuauflage, Erscheinungsjahr und Umfang bestätigt auch der Katalognachweis der Kirchenbibliothek auf PDF-Seite 11.
Tagungsbericht aus Schwerin: Christenverfolgung in Deutschland und in der Welt
Der Veranstalterbericht nennt Kappelt als Tagungsleiter und schreibt die im Text analysierte Islamdeutung Hatune Dogan zu.
Verena Hartmann unterzeichnet „Potsdamer Erklärung“
Parteibericht über Tagung und Unterzeichner:innen. Hartmanns Aussagen stehen als ihre Stellungnahme im Bericht.
Zeitgenössischer Beitrag zur evangelikalen Szene; berichtet über Kappelts Besuche in St. Martini und seine Teilnahme am Abendmahl.
Dokumentation des Wahlkampfbesuchs mit Beatrix von Storch, Olaf Kappelt, Mertcan Karakaya und Thomas Jürgewitz.
Bremer AfD-Liste zunächst zurückgewiesen, anschließend zugelassen
Bericht über die fehlende eidesstattliche Versicherung. Das RND dokumentiert die anschließende Zulassung durch den Bundeswahlausschuss.
Wahlergebnisse Bremen und Cuxhaven–Stade II
Die Bremer Statistik dokumentiert die Zweitstimmenanteile von 2021 und 2017. Das Wahlarchiv der tagesschau weist Kappelts Erststimmenergebnis in Cuxhaven–Stade II aus.
Zeitgenössische Einordnung der verlorenen Bremer Bundestagsvertretung und der innerparteilichen Konflikte im Wahlkampf.
Nach kurzem Schauspiel in Cuxhaven: Der neue seltsame Auftritt des Olaf Kappelt
Rückblick auf die verlorenen Mandate in Brandenburg und Cuxhaven sowie auf die melderechtlichen und gerichtlichen Vorgänge.
Kreistagsmandat nur bei Wohnsitz im Landkreis
Dokumentiert den Beschluss VG 1 L 387/19, die summarische Prüfung und den zusätzlichen Fehler beim Antragsgegner.
AfD-Politiker will sich bei BSW einschleichen – getarnt mit Perücke
Bericht über die ZDF-Recherche mit eigenen Recherchen zu Kappelts früherer Tätigkeit. Die verleugnete Parteibiografie und die Identifizierung in einer WhatsApp-Gruppe schildert auch BILD vom 25. September 2024 unter Bezugnahme auf das ZDF.
Chris Mielchen zum neuen Bürgermeister von Vetschau gewählt
Bericht zu Ergebnis und Kappelts damaliger AfD-Mitgliedschaft. Die genauen Stimmenzahlen enthält das amtliche Endergebnis.
