Kutten, Kontakte und Räume für die extreme Rechte
Rechte Rockerszene
Ein Clubhaus für ein Rechtsrockkonzert, Motorräder für einen gemeinsamen Videodreh, ein Boxring mit bekannten Neonazis: Teile des Rockermilieus verschaffen der extremen Rechten Öffentlichkeit, Treffpunkte und soziale Anerkennung. In Bremen, Bremerhaven und dem niedersächsischen Umland verbinden sich solche Angebote mit rechten Hooliganstrukturen, neonazistischen Bruderschaften und Kontakten in die Parteipolitik.
Diese Übersicht führt zu unseren Recherchen über die beteiligten Gruppen, ihre Veranstaltungsorte und politischen Verbindungen. Drei vertiefende Beiträge erschließen die Radikal Kameraden, Brigade 8 und Nordic 12 sowie den West Side Place in Dünsen.
AfD Watch Bremen · Das Netzwerk · Stand der Übersicht: 2026

Wo Freizeit zur politischen Infrastruktur wird
Gemeinsame Auftritte, organisierte Kameradschaft und verfügbare Veranstaltungsorte erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die drei Beiträge zeigen an konkreten Fällen, wie daraus Rückhalt für rechte Akteur:innen entsteht.
Bremen · Medienauftritte und Clubleben
Radikal Kameraden: Die Ausrede vom unpolitischen Motorradclub
Der Videodreh mit Hannes Ostendorf und Xavier Naidoo im Juni 2021 brachte Angehörige der Neonazi-, Hooligan- und Rockerszene zusammen. Der Beitrag verfolgt die Beteiligung der Radikal Kameraden, spätere politische Auftritte und die öffentliche Verteidigung des Clubs im Umfeld von Tim Wiese.
Im Fokus: Unterstützung für rechte Inszenierungen, persönliche Verbindungen und die Selbstdarstellung als unpolitischer Freizeitclub.
Bremen und Umland · Neonazistische Organisierung
Neonazis in Kutten: Wie rechte Bruderschaften Kameradschaft organisieren
Brigade 8 und Nordic 12 übernehmen Auftreten und Hierarchien von Rockerclubs für eine neonazistische Gemeinschaft. Die Recherche führt von verhinderten Szenefeiern über Rechtsrock und rassistische Mobilisierung in Woltmershausen bis zur Beschäftigung eines Nordic-12-Anhängers im Sicherheitsunternehmen zweier BIW-Abgeordneter.
Im Fokus: Zugehörigkeit, politische Symbole, rassistische Aktionen und Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen.
Dünsen · Kampfsport und Veranstaltungsräume
West Side Place: Wo Hells Angels Neonazis eine Bühne bieten
Beim Boxevent am 20. Juli 2025 trafen Hells Angels und bekannte Akteure der extremen Rechten aufeinander. Die Recherche untersucht die Beteiligten, die Verbindungen nach Bremen und die gesellschaftliche Einbindung eines Veranstaltungsortes, der zugleich mit Dorffesten und Bikerfrühstücken um Publikum wirbt.
Im Fokus: Kampfsport, rechte Hooligankontakte, öffentliche Anerkennung und kommunale Verantwortung.
Räume, Kontakte und politische Verantwortung
Die Verbindungen reichen über Clubnamen hinaus. Unsere ergänzenden Recherchen untersuchen, wer Räume bereitstellt, welche persönlichen Kontakte dokumentiert sind und wo rechte Netzwerke auf parlamentarische oder wirtschaftliche Macht treffen.
Bremen-Walle · Raumgeber
Bunker F76 und Gerald Höns
Andrea Röpke berichtete 2016 über Rockertreffen und Höns’ Raumangebote an Hells Angels. Im September 2026 erklärte Höns gegenüber unserer Redaktion ausdrücklich seine Unterstützung für die Raumnutzung durch die AfD. Die Recherchen zum Bunker in der Grenzstraße und zu seiner politischen Laufbahn führen diese Vorgänge zusammen.
Parteipolitik · Dokumentierte Kontakte
André Minne und das Versprechen der Abgrenzung
Andrea Röpke dokumentierte 2023 Minnes öffentliche Online-Kontakte zu Stefan Ahrlich und zum Kampfsporttrainer Jens W. sowie deren Verbindungen ins rechte Hooligan- und Rockermilieu. Das Personendossier ordnet diese Kontakte in Minnes politische Laufbahn und seine parlamentarischen Positionen ein.
Bremerhaven · Sicherheitsgewerbe · 2018
BREWAG: Wer über Sicherheit mitentscheidet
2018 wurde die Beschäftigung eines Nordic-12-Anhängers bei BREWAG öffentlich. Geschäftsführer waren die damaligen BIW-Abgeordneten Jan Timke und Piet Leidreiter. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe teilte das Unternehmen dessen Entlassung mit. Der Fall stellt die Verantwortung für Personal und Kontrolle im Sicherheitsgewerbe in den Mittelpunkt.
Fußballumfeld · Hooligans und öffentliche Akzeptanz
„Moin Werder“ und der Ostkurvensaal-Komplex
Die Recherche „Moin Werder“ untersucht das Umfeld von Tim Wiese und dessen Verbindungen zu rechten Rockern und Hooligans. Der Ostkurvensaal-Komplex rekonstruiert den rechten Angriff auf antifaschistische Werder-Fans 2007 und seine Aufarbeitung. Beide Zugänge zeigen, warum persönliche Bekanntschaften und die Folgen rechter Gewalt gemeinsam betrachtet werden müssen.
Welcher Beitrag passt zu meiner Frage?
- Wie helfen Clubs bei rechter Propaganda?
Die Radikal Kameraden, der Videodreh von 2021 und die politische Funktion gemeinsamer Bilder.
- Wie organisieren Neonazis Kameradschaft?
Brigade 8 und Nordic 12: Hierarchien, Rechtsrock, Symbole und rassistische Mobilisierung.
- Welche Rolle spielen Kampfsport und Dorffeste?
Der West Side Place als Treffpunkt, Bühne und gesellschaftlich eingebundener Veranstaltungsort.
- Wer verschafft der AfD Räume in Walle?
Gerald Höns, die Nutzung des Bunkers und der antifaschistische Widerspruch im Stadtteil.
Was diese Verbindungen politisch leisten
Ein gemeinsamer Videodreh schafft Bilder von Stärke. Ein Clubgelände ermöglicht Treffen. Ein öffentlicher Boxabend verschafft bekannten Neonazis ein Publikum. Die dokumentierten Fälle zeigen, wie praktische Unterstützung die Handlungsmöglichkeiten der extremen Rechten erweitert. Verantwortung entsteht dort, wo Menschen solche Auftritte organisieren, ermöglichen oder öffentlich verharmlosen.
Rassismus richtet sich gegen konkrete Menschen
Nordic 12 beteiligte sich 2015 an der Mobilisierung gegen eine geplante Unterkunft in Woltmershausen. Die taz dokumentierte Transparente, das Auftreten auf einer Einwohnerversammlung und eine digitale Protestplattform. Geflüchtete wurden zum Feindbild erklärt; Neonazis beanspruchten öffentlich Einfluss darauf, wer im Stadtteil leben darf. Der Beitrag über die Bruderschaften führt diese Betroffenenperspektive mit der Organisationsgeschichte zusammen. Zum Beleg
Historische Verbindungen reichen über einzelne Clubs hinaus
Andrea Röpke beschrieb bereits in einem ursprünglich 2003 erschienenen Bericht ein Konzert von „Kategorie C“ beim Gremium MC in Bremerhaven. Für Bremen dokumentierte sie das Zusammentreffen von Rockern und Neonazis bei einer Hochzeit im Findorffer Clubhaus der Wild Vikings 2014. Diese zeitlich bestimmten Vorgänge zeigen, wie Veranstaltungsräume unterschiedliche rechte Milieus zusammenbringen. Rocker auf Rechtskurs · Historische Recherche zu Bremerhaven
Hammerskins: Organisationsgeschichte und veränderter Status
Am 19. Dezember 2025 hob das Bundesverwaltungsgericht das bundesweite Hammerskins-Verbot auf, weil die angenommene übergeordnete nationale Vereinigung nicht hinreichend nachgewiesen war. Der Bremer Verfassungsschutzbericht 2025 vermerkt anschließend die Auflösungserklärung des Bremer Chapters vom 28. Dezember 2025. Diese Angaben beschreiben den rechtlichen und organisatorischen Einschnitt. Bericht zur Gerichtsentscheidung · Angabe zum Bremer Chapter
Der Blick reicht auch auf transnationale rechte Milieus
Die Bundesregierung nannte Bremen 2016 unter den Orten mit Vereinsgründungen des Turkos MC. Dieser historische Befund gehört zur Recherche über politische Organisierung im Motorradmilieu. Der Schwerpunkt Transnationale extreme Rechte erschließt die weiterführende Auseinandersetzung mit türkischem Ultranationalismus und anderen grenzüberschreitenden rechten Netzwerken. Zum Bremer Befund von 2016
Weiterlesen und Unterstützung finden
Militante Neonazis und aktionsorientierte extreme Rechte
Die Verbindungen zu Hooligans, Kampfsport, Rechtsrock und rechten Gewaltnetzwerken.
Rechte Räume, Finanzierung und Infrastruktur
Wie Immobilien, Treffpunkte und wirtschaftliche Ressourcen rechte Organisierung ermöglichen.
Das Netzwerk
Die übergeordnete Übersicht verbindet Organisationen, Medien, politische Milieus und regionale Akteur:innen.
Beratung und Hilfsangebote
Anlaufstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sowie Unterstützung bei rechter Einflussnahme vor Ort.
Quellen und weiterführende Recherchen
Die folgenden Quellen belegen die kurzen Einordnungen dieser Übersicht. Die verlinkten Vertiefungen enthalten die ausführlichen Recherchen und ihre jeweiligen Belege.
Bremen: Schulterschlüsse zwischen Neonazis und Rockern
Fachstellenbericht zum Videodreh 2021 und zur Beteiligung von Personen aus Neonazi-, Hooligan- und Rockermilieus.
Hells Angels, Neonazis und ein Box-Event
Vor-Ort-Recherche zum West Side Place, zu den beteiligten Akteuren und ihren Verbindungen nach Bremen.
Neonazis mit Kutte
Historische Recherche zu Nordic 12, den Brüdern Lohei und den Rechtsrockprojekten Endlöser und Legion Germania.
Pusdorfs Kameraden
Dokumentiert die rassistische Mobilisierung von Nordic 12 gegen eine geplante Unterkunft in Woltmershausen.
Rocker auf Rechtskurs
Recherche zu rechten Rockerkontakten, Höns’ Raumangeboten und gemeinsamen Veranstaltungen im Bremer Milieu.
Wenig bürgerliche „Bürger in Wut“
Dokumentiert unter anderem André Minnes damalige öffentliche Kontakte und deren Verbindungen ins rechte Hooligan- und Rockermilieu.
Rechte sorgen für Sicherheit
Bericht zum Nordic-12-Anhänger bei BREWAG, zur Verantwortung der Geschäftsführer und zur mitgeteilten Entlassung.
Rocker und Neonazis: Gefährliche Allianzen
Nachdruck eines ursprünglich 2003 erschienenen Berichts; dokumentiert unter anderem ein Kategorie-C-Konzert beim Gremium MC in Bremerhaven.
Bundesverwaltungsgericht kippt Verbot der Hammerskins
Bericht über die Aufhebung des bundesweiten Verbots und die fehlende hinreichende Feststellung einer übergeordneten nationalen Vereinigung.
Auflösungserklärung des Bremer Hammerskin-Chapters
Behördliche Quelle für die auf den 28. Dezember 2025 datierte Auflösungserklärung.
Turkos MC: damalige Angabe zur Vereinsgründung in Bremen
Antwort der Bundesregierung, Frage 4: Bremen wird unter den damals bekannten Orten mit Vereinsgründungen genannt.
