Screenshot eines auf X unter dem Account von Marcel Fetke veröffentlichten Gruppenfotos zur Gründung von „Generation Deutschland Bremen“. Acht Personen stehen vor AfD-Bannern, darunter Marcel Fetke (Bildmitte vorne), Marvin Mergard, Sergej Minich und Kevin Dorow.

Marcel Fetke: Wie die Bremer AfD ihren Nachwuchs auf Linie bringt

Mit 21 Jahren führt Marcel Fetke die Bremer „Generation Deutschland“. Die neue AfD-Jugend ist unmittelbar in die Partei eingebunden, übernimmt deren rechte Kulturkampfparolen und beteiligt sich an bundesweiten Mobilisierungen, bei denen auch Neonazis und Akteur:innen der Identitären Bewegung auftreten. Fetkes bisherige politische Bedeutung liegt deshalb weniger in eigenen programmatischen Wortmeldungen als in der Organisation, die er führt.

Am 31. Januar 2026 wählte die neu gegründete „Generation Deutschland Bremen“ Marcel Fetke einstimmig zu ihrem ersten Landesvorsitzenden. Zu seinem Stellvertreter wurde Marvin Mergard bestimmt. Der AfD-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Sergej Minich sprach ein Grußwort. Auch Funktionär:innen der Bundesorganisation und anderer Landesverbände waren angereist. Die Gründung war damit keine beiläufige Zusammenkunft eines losen Jugendkreises, sondern ein von der Partei begleitetes politisches Aufbauprojekt. Radio Bremen berichtete über die Versammlung und Fetkes Wahl.

Direkt in der AfD

„Generation Deutschland“ ist keine parteinahe, aber organisatorisch unabhängige Jugendvereinigung. Nach dem offiziellen Jugendstatut der AfD handelt es sich um die Jugendorganisation der Partei. Ihre Aufgabe besteht ausdrücklich darin, das Parteiprogramm und das „weltanschauliche Gedankengut“ der AfD zu verbreiten, den politischen Nachwuchs auszubilden und die Aktivitäten der Partei zu unterstützen. Die AfD hat ihre Jugendstruktur damit enger an sich gebunden als die inzwischen aufgelöste „Junge Alternative“. Satzungen, Finanzen und organisatorische Entscheidungen stehen unter der Kontrolle der Partei. Für reguläre Mitglieder zwischen 16 und 35 Jahren ist außerdem die Mitgliedschaft in der AfD vorgeschrieben. Fetke ist folglich nicht lediglich Vorsitzender einer rechten Jugendgruppe. Er führt eine institutionell in die AfD integrierte Parteistruktur.

Diese Einbindung zeigt sich auch personell. Fetkes Stellvertreter und damalige Bremer Junge Alternative Vertreter Marvin Mergard gehört zugleich dem Bremer AfD-Landesvorstand an und wurde für die Bürgerschaftswahl 2027 auf Listenplatz zwei im Wahlbereich Bremen gewählt. Sergej Minich, der die Gründungsversammlung mit einem Grußwort begleitete, führt den Landesverband und soll als dessen Spitzenkandidat in den Wahlkampf ziehen. Radio Bremen berichtete über Minichs Aufstellung. Zwischen Jugendverband, Landesvorstand und Wahlkampforganisation besteht damit eine unmittelbare personelle Verbindung.

„Rechte Schüler statt linke Lehrer“

Fetkes eigene politische Positionierung ist öffentlich bislang nur in Ansätzen erkennbar. Deutlicher spricht der von ihm geführte Landesverband. Auf seinem offiziellen X-Account veröffentlichte „Generation Deutschland Bremen“ Beiträge, die sich sprachlich und inhaltlich in den rechten Kulturkampf der AfD einordnen. Bei einer Veranstaltung mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Christian Zaum stellte der Verband die Parole „Rechte Schüler statt linke Lehrer“ heraus. Begleitet wurde sie von Angriffen auf angebliche „linke Schreibtischtäter“ und die „Altparteien“. Schule erscheint in dieser Darstellung nicht als Ort demokratischer Bildung, sondern als ideologisches Kampfgebiet, in dem Lehrkräfte pauschal einem politischen Feindbild zugeordnet werden.

Die Parole zeigt, worauf die Nachwuchsarbeit des Verbands zielt: Jugendliche sollen nicht nur für Parteiarbeit gewonnen, sondern in ein geschlossenes politisches Deutungsmuster eingebunden werden. Auf der einen Seite steht die eigene, als „rechts“ markierte Jugend. Auf der anderen stehen Lehrkräfte, demokratische Parteien und eine vermeintlich linke gesellschaftliche Vorherrschaft. Komplexe bildungspolitische Fragen werden so auf Freund-Feind-Zuschreibungen reduziert.

Solidarität mit Kevin Dorow

Im Juli 2026 erklärte der Bremer Landesverband öffentlich seine „Solidarität mit Kevin Dorow“. Dorow gehört zu den bundesweit bekannt gewordenen Funktionären der neuen AfD-Jugend. Beim Gründungskongress von „Generation Deutschland“ hatte er unter Bezugnahme auf Björn Höcke die Formulierung „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ verwendet – eine Parole, die bereits von der Hitlerjugend gebraucht wurde. Die Staatsanwaltschaft prüfte daraufhin einen möglichen strafrechtlichen Anfangsverdacht. Der AfD-Bundesvorstand leitete zunächst ein Parteiausschlussverfahren ein. Später kam es zu einem parteiinternen Vergleich: Dorow gab seine Ämter ab und erhielt eine zweijährige Ämtersperre. Über den Vorgang berichteten unter anderem der NDR und Die Zeit.

Der von Fetke geführte Bremer Verband setzte in dieser Situation ein eigenes Signal. Er grenzte sich nicht von Dorows Wortwahl und der damit positiven Verknüpfung zum NS-Terror ab, sondern stellte sich demonstrativ hinter den Funktionär. Politisch eine öffentliche Erklärung des Landesverbands, dessen Vorsitzender und Repräsentant er ist. Auf Instagram fordert Marvin Mergard in dem Kontext ebenfalls die “Solidarität mit Dorow” und bestätigt so zusätzlich die politisch extremistische Ausrichtung des neuen Bremer Jugendverbandes und durch seine Doppelfunktion auch des Landesverbandes.

Bremer Beteiligung am „Tag der Deutschen Jugend“

Am 1. August 2026 beteiligte sich eine Bremer Delegation von „Generation Deutschland“ mit einem eigenen Banner am sogenannten „Tag der Deutschen Jugend“ in Schwerin. Der Landesverband machte seine Teilnahme anschließend selbst öffentlich. Nach Angaben des NDR versammelten sich dort rund 420 Anhänger:innen der AfD-Jugend. Die taz dokumentierte, dass sich an der Mobilisierung auch Neonazis, Aktivist:innen der Identitären Bewegung und Mitglieder rechtsextremer Burschenschaften beteiligten. Forderungen nach völkisch-nationalistisch motivierter „Remigration“ prägten das politische Erscheinungsbild der Veranstaltung.

Eine persönliche Teilnahme Fetkes ist nicht belegt. Belegt ist aber die Beteiligung des von ihm geleiteten Bremer Verbands. Sie macht deutlich, dass dessen Arbeit nicht auf interne Parteischulungen oder regionale Jugendtreffen begrenzt bleibt. „Generation Deutschland Bremen“ ordnet sich in eine bundesweite Mobilisierungsstruktur ein, die Anschlussstellen zum außerparlamentarischen extrem rechten Milieu bietet. Der bundesweite Vorsitzende Jean-Pascal Hohm wirbt selbst für eine Zusammenarbeit mit dem rechten politischen „Vorfeld“ und lehnt eine klare Abgrenzung von der Identitären Bewegung ab. Der Brandenburger Verfassungsschutz stuft Hohm als Rechtsextremisten ein. Die Zeit hat seine Rolle und den Aufbau der neuen AfD-Jugend ausführlich beschrieben.

Ein Nachwuchsfunktionär mit strategischer Bedeutung

Marcel Fetke gehört noch nicht zu den öffentlich besonders präsenten Funktionären der Bremer AfD. Gerade deshalb ist seine Position genauer zu betrachten. Als Landesvorsitzender organisiert er die Struktur, in der die Partei ihren Nachwuchs ideologisch bindet, politisch ausbildet und für Wahlkämpfe vorbereitet. Über seinen Stellvertreter Mergard und den Landesvorsitzenden Minich ist diese Nachwuchsorganisation unmittelbar mit der Führung und den parlamentarischen Ambitionen der Bremer AfD verbunden. Der von Fetke geführte Verband spricht bereits eine deutliche Sprache: gegen angeblich „linke Lehrer“, solidarisch mit einem wegen einer Hitlerjugend-Parole umstrittenen Funktionär und als Teilnehmer einer bundesweiten Mobilisierung, bei der Neonazis, Identitäre und rechte Burschenschafter gemeinsam auftreten.

Fetke steht damit nicht lediglich am Anfang einer persönlichen Parteikarriere. Er steht an der Spitze jener Struktur, mit der die Bremer AfD eine neue Generation von Funktionär:innen aufbaut. Der Name der Jugendorganisation ist neu. Ihre ideologische Ausrichtung und ihre Offenheit gegenüber dem extrem rechten Umfeld sind es nicht.

Redaktion
AfD Watch Bremen