Kein Mandat, aber auch kein Randphänomen: Die AfD in Bremerhaven

Zwischen Wahlerfolgen, innerparteilichem Zerfall und dem Neuaufbau für 2027

Im Juni 2026 verlor die AfD ihre letzten beiden Stadtverordneten in Bremerhaven. Zwei Monate später versammelte sich die Partei erneut in der Stadt, um ihre Kandidat:innen für die Bürgerschaftswahl 2027 aufzustellen. Rund 400 Menschen protestierten vor dem Veranstaltungsort. Journalist:innen ließ die AfD nicht hinein. Was auf den ersten Blick wie der Niedergang eines Kreisverbandes aussieht, ist deshalb nur eine Seite der Entwicklung. Denn während die AfD ihre kommunalpolitische Vertretung durch Austritte vollständig verlor, erzielte sie bei überregionalen Wahlen in Bremerhaven Ergebnisse, die weit über ihrer früheren kommunalen Stärke liegen. Bei der Europawahl 2024 erhielt sie 17,17 Prozent der Stimmen. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 waren es in der Stadt Bremerhaven 23,5 Prozent der Zweitstimmen.

Die Geschichte der Bremerhavener AfD ist damit keine einfache Erfolgsgeschichte und ebenso wenig eine Geschichte ihres Verschwindens. Sie ist geprägt von Wahlerfolgen und organisatorischer Instabilität, wiederkehrenden Austritten, innerparteilichen Konflikten und dem Versuch, eine immer weiter nach rechts entwickelte Partei kommunal als gewöhnliche Opposition zu präsentieren.

2015: Der Einstieg in die Stadtverordnetenversammlung

Bei der Stadtverordnetenwahl 2015 trat die AfD erstmals erfolgreich in Bremerhaven an. Sie erhielt 7.603 Stimmen beziehungsweise 4,69 Prozent und zog mit zwei Mandaten in die Stadtverordnetenversammlung ein. Thomas Jürgewitz gehörte bereits damals zu ihren Kandidaten. Mit 598 Personenstimmen lag er knapp vor Joachim Barthel. Bemerkenswert war zugleich das Ergebnis bei der parallel stattfindenden Bürgerschaftswahl. Im eigenständigen Wahlbereich Bremerhaven erreichte die AfD zunächst amtlich 4,97 Prozent und verfehlte damit die für den Einzug in die Bremische Bürgerschaft erforderliche Fünf-Prozent-Hürde äußerst knapp. Die Partei focht das Ergebnis an. Das Wahlprüfungsgericht kam nach der Überprüfung einzelner Stimmzettel zunächst auf 5,00 Prozent und sprach der AfD ein Mandat zu. Der Bremische Staatsgerichtshof hob diese Entscheidung im September 2016 jedoch wieder auf und erklärte die ursprüngliche Wahl für gültig. Die AfD erhielt damit kein Bürgerschaftsmandat aus Bremerhaven.

Schon diese Auseinandersetzung zeigte die besondere politische Bedeutung Bremerhavens. Bremen und Bremerhaven bilden bei Bürgerschaftswahlen getrennte Wahlbereiche. Eine Partei kann deshalb über ein ausreichendes Ergebnis in Bremerhaven Mandate im Landesparlament erreichen, selbst wenn sie in der Stadt Bremen schwächer abschneidet. Bremerhaven war zudem schon lange vor der AfD ein erfolgreicher Wahlort für Parteien rechts der Union. In früheren Jahrzehnten errangen unter anderem DVU und NPD Mandate. Das bedeutet keine automatische organisatorische oder personelle Kontinuität zur AfD. Es zeigt aber, dass Wahlerfolge weit rechts stehender Parteien in Bremerhaven kein erst mit der AfD entstandenes Phänomen sind.

2019: Die AfD verdoppelt ihre kommunale Stärke

Vier Jahre später konnte die AfD deutlich zulegen. Bei der Stadtverordnetenwahl 2019 stieg ihr Ergebnis auf 8,67 Prozent. Aus zwei wurden vier Mandate. Gleichzeitig erreichten die Bürger in Wut 8,00 Prozent. Zusammen entfielen damit 16,67 Prozent der Stimmen auf AfD und BiW. Der Erfolg war nicht gleichmäßig über die Stadt verteilt. Zeitgenössische Auswertungen zeigten besonders hohe rechte Wahlergebnisse unter anderem in Lehe und Leherheide. Solche räumlichen Befunde erklären allerdings nicht von selbst, warum Menschen rechts wählen. Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit oder strukturelle Probleme dürfen journalistisch nicht zu einer einfachen Ursache rechtsextremer oder rechter Wahlentscheidungen erklärt werden. Sie beschreiben gesellschaftliche Rahmenbedingungen – keine politische Zwangsläufigkeit.

Politisch hatte sich die AfD damit dennoch als dauerhafte Kraft in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung etabliert. Dieser parlamentarische Ausbau führte jedoch nicht zu einer entsprechenden inneren Stabilisierung.

2020: Eine Fraktion zerlegt sich

Bereits im September 2020 verließen Natalia Bodenhagen und Pascal Hiller die AfD und ihre Stadtverordnetenfraktion. Damit verlor die ursprünglich vierköpfige AfD ihre Fraktionsstärke. Als Grund wurden Auseinandersetzungen innerhalb des Bremer Landesverbandes genannt. Thomas Jürgewitz machte damals den Landesvorstand für Versuche verantwortlich, den Bremerhavener Kreisverband zu „zerschlagen“ oder gefügig zu machen. Bodenhagen wechselte wenige Wochen später zur CDU. Die taz veröffentlichte anschließend Chat-Protokolle, die rassistische und rechte Äußerungen dokumentierten, und stellte infrage, ob mit dem Parteiwechsel tatsächlich eine politische Distanzierung verbunden gewesen sei. Bodenhagen selbst äußerte sich gegenüber der Zeitung dazu nicht.

Der Konflikt war kein isoliertes Bremerhavener Problem. Der gesamte Bremer AfD-Landesverband war damals von Lagerkämpfen, gegenseitigen Vorwürfen und gerichtlichen Auseinandersetzungen geprägt. Auch Thomas Jürgewitz spielte in diesen Konflikten eine zentrale Rolle. Die taz dokumentierte 2020 Auseinandersetzungen, in denen sich verschiedene AfD-Lager sogar gegenseitig Rechtsextremismus vorwarfen. Damit zeigte sich früh ein Muster, das die Bremerhavener AfD bis heute begleitet: Wählerische Zustimmung und organisatorische Handlungsfähigkeit entwickeln sich nicht parallel.

2023: Drei Mandate – und gleichzeitig ein landesweiter organisatorischer Zusammenbruch

Bei der Stadtverordnetenwahl vom 14. Mai 2023 erreichte die AfD in Bremerhaven 9.770 Stimmen beziehungsweise 5,86 Prozent. Gewählt wurden Thomas Jürgewitz, Wolfgang Koch und Kevin Schäfer. Die Partei verlor damit gegenüber 2019 deutlich, blieb aber mit drei Mandaten kommunal vertreten. Deutlich erfolgreicher waren damals die Bürger in Wut. Sie kamen in Bremerhaven auf 19,60 Prozent. Der rechte beziehungsweise rechtskonservative Parteienraum der Stadt wurde damit nicht allein von der AfD besetzt. Für die Bewertung ihrer Wahlergebnisse ist diese Konkurrenz entscheidend. Gleichzeitig lieferte der Bremer AfD-Landesverband 2023 ein außergewöhnliches Beispiel innerparteilicher Selbstblockade. Zwei konkurrierende Parteivorstände beanspruchten Legitimität und reichten konkurrierende Wahlvorschläge ein. Der Landeswahlausschuss ließ schließlich keine AfD-Liste zur Bürgerschaftswahl zu – weder im Wahlbereich Bremen noch in Bremerhaven. Die kommunale AfD-Liste für die Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung blieb dagegen zugelassen.

Die AfD scheiterte damit bei der Bürgerschaftswahl nicht an einer politischen Entscheidung anderer Parteien, sondern an ihren eigenen konkurrierenden Organisationsstrukturen. Spätere Wahlanfechtungen blieben erfolglos.

Dieser Vorgang ist für die Geschichte der Bremerhavener AfD zentral: Noch während ein erhebliches rechtes Wählerpotenzial vorhanden war, war der Landesverband zeitweise nicht einmal in der Lage, einen rechtssicheren gemeinsamen Wahlvorschlag zu organisieren.

Von drei Mandaten auf null

Kevin Schäfer verließ im Februar 2024 die AfD und die gemeinsame Fraktion. Jürgewitz und Wolfgang Koch blieben anschließend als zweiköpfige AfD-Gruppe in der Stadtverordnetenversammlung zurück. Das Ratsinformationssystem der Stadt führte beide entsprechend als Mitglieder dieser Gruppe. Am 12. Juni 2026 folgte der endgültige Bruch. Jürgewitz und Koch erklärten ihren Austritt aus der AfD und wechselten zu Bündnis Deutschland. Damit löste sich die AfD-Gruppe faktisch auf. Seit diesem Zeitpunkt besitzt die AfD kein Mandat mehr in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung.

Besonders relevant sind die Begründungen der beiden langjährigen Funktionäre. Jürgewitz und Koch warfen ihrer bisherigen Partei nach Angaben von Radio Bremen fehlende innerparteiliche Demokratie und mangelnde Toleranz gegenüber abweichenden Positionen vor. Sie berichteten zudem, bei einem Kreisparteitag in Bremerhaven sei es zu Gewalt gegen einzelne Mitglieder gekommen. Darüber hinaus erklärten sie, die AfD im Land Bremen bewege sich mittlerweile in einem „rechtsradikalen Umfeld“. Diese Aussagen sind zunächst Aussagen der Ausgetretenen und müssen journalistisch auch als solche behandelt werden. Sie sind kein unabhängiger Beweis für jeden geschilderten Vorgang. Politisch relevant sind sie dennoch: Zwei Politiker, die jahrelang selbst die Bremerhavener AfD repräsentierten, begründeten ihren Austritt ausdrücklich nicht lediglich mit persönlichen Differenzen, sondern mit strukturellen und politischen Entwicklungen innerhalb der Partei.

Parlamentarisch verschwunden – an der Wahlurne stärker denn je

Wer aus dem Verlust aller kommunalen Mandate auf ein entsprechendes Verschwinden der AfD aus Bremerhaven schließen würde, übersieht die Wahlergebnisse der vergangenen zwei Jahre. Bei der Europawahl am 9. Juni 2024 stimmten in Bremerhaven 6.425 Menschen für die AfD. Das entsprach 17,17 Prozent der gültigen Stimmen. Gegenüber ihrem kommunalen Ergebnis von 2023 war das nahezu eine Verdreifachung des prozentualen Stimmenanteils.

Noch deutlicher fiel die Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 aus. In der Stadt Bremerhaven erhielt die AfD 23,5 Prozent der Zweitstimmen. Fast jede vierte gültige Zweitstimme ging damit an die Partei. Kommunal-, Europa- und Bundestagswahlen sind nicht unmittelbar vergleichbar. Wahlbeteiligung, Kandidat:innen, politische Themen und Konkurrenz unterscheiden sich. Die Zahlen belegen deshalb keine statische Stammwählerschaft. Sie zeigen aber sehr deutlich: Der organisatorische Zerfall der Bremerhavener AfD hat bislang keinen entsprechenden Einbruch ihrer überregionalen Wähler:innenmobilisierung zur Folge.

Arno Staschewski und die Bundestagswahl 2025

Bei der Bundestagswahl trat Arno Staschewski für die AfD im Wahlkreis Bremen II – Bremerhaven an. Die Bundeswahlleiterin führt ihn zugleich auf der Bremer AfD-Landesliste. Auch Stephan Hilbers, ein langjähriger Bremerhavener AfD-Akteur, gehörte zu dieser Landesliste. Der britische Guardian beobachtete Staschewski im Februar 2025 bei einer Wahldebatte in Bremerhaven. Dort erklärte er sinngemäß, als Bundeskanzler würde er die Grenzen schließen und Menschen ohne Asylrecht auffordern, Deutschland zu verlassen. Er präsentierte sich zugleich als jemand aus der gesellschaftlichen „Mitte“. Gerade diese Gleichzeitigkeit ist charakteristisch für die Kommunikationsstrategie der AfD: radikale rassistische und migrationspolitische Forderungen werden mit der Selbstdarstellung als gewöhnliche bürgerliche Kraft verbunden.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte kommt auf Grundlage von Programmatik, Strategien sowie Aussagen führender AfD-Funktionär:innen zu dem Ergebnis, dass rassistische und rechtsextreme Positionen feste Bestandteile der Partei sind. Seine Analyse ordnet die AfD insgesamt als rechtsextrem und verfassungsfeindlich ein.

Ein neuer Kreisvorsitzender für eine Partei ohne Mandate

Nach dem Austritt von Jürgewitz und Koch versucht die AfD ihren Kreisverband personell neu aufzustellen. Dabei rückt Stefan Dettmann in den Vordergrund. Noch im Februar 2025 begegnete der Guardian dem damals 62-jährigen Bremerhavener als Wähler, der nach eigener Aussage noch nicht entschieden habe, wen er wählen werde. Zugleich erklärte Dettmann bereits damals, er wünsche sich eine Koalition aus CDU und AfD und halte die sogenannte Brandmauer langfristig für kaum aufrechtzuerhalten.

Nur rund anderthalb Jahre später präsentiert ihn die AfD selbst als Kreisvorsitzenden in Bremerhaven. In einem nach der Landeswahlversammlung vom August 2026 verbreiteten Parteivideo tritt Dettmann gemeinsam mit Landesvorsitzendem Sergej Minich auf. Wann und mit welchem Ergebnis Dettmann zum Kreisvorsitzenden gewählt wurde, ist in den bislang öffentlich auffindbaren Unterlagen nicht transparent dokumentiert. Der personelle Wandel ist bemerkenswert. Die Partei versucht ihre Bremerhavener Struktur inzwischen mit Akteur:innen neu aufzubauen, die bei der Kommunalwahl 2023 noch keine tragende Rolle spielten. Auch Maxim Maier gehört zu dieser neuen Generation von Funktionären. Er ist seit 2025 im AfD-Landesvorstand aktiv und wurde nach eigener Veröffentlichung bei der Listenaufstellung im August 2026 auf Platz drei des Bremerhavener AfD-Wahlvorschlags für die Bürgerschaftswahl 2027 gewählt..

August 2026: Neustart hinter verschlossenen Türen

Besonders deutlich wurde dieser Neuaufbau am 22. August 2026. In Bremerhaven stellte die AfD ihre Kandidat:innen für den Wahlbereich Bremerhaven zur Bürgerschaftswahl 2027 auf. Gegen die Versammlung protestierten nach Angaben von Radio Bremen rund 400 Menschen. Eine mehrere hundert Meter lange Menschenkette umgab den Veranstaltungsort. Zu den Protesten hatten unter anderem „Bremerhaven bleibt bunt“ und die „Omas gegen Rechts“ aufgerufen. Die AfD schloss zugleich sämtliche Journalist:innen von der Versammlung aus. Landesvorsitzender Sergej Minich verteidigte diese Entscheidung gegenüber Radio Bremen. Die Versammlung habe eine „Gefährdungslage“ für Mitglieder gesehen und beschlossen, alle Medien gleichermaßen auszuschließen. Gleichzeitig bezeichnete Minich den Protest gegen die Veranstaltung als „zutiefst undemokratisch“.

Darin liegt ein erheblicher politischer Widerspruch: Eine Partei, die ihre eigene Versammlung als demokratischen Vorgang gegen Kritik verteidigt, entzog denselben Vorgang gleichzeitig der unabhängigen journalistischen Beobachtung. Gerade bei einer Wahlversammlung ist das mehr als eine Randfrage der Öffentlichkeitsarbeit. Dort werden Personen ausgewählt, die später öffentliche Mandate anstreben und politische Macht ausüben wollen. Wer unabhängige Medien ausschließt und anschließend über eigene Videos kommuniziert, ersetzt journalistische Beobachtung durch kontrollierte Selbstdarstellung. Für die Bremer AfD ist diese Auseinandersetzung mit unabhängiger Presse zudem nicht neu. Bereits in früheren Jahren kam es zu Konflikten um den Zugang von Journalist:innen zu Parteiveranstaltungen. Der Ausschluss im August 2026 steht deshalb nicht isoliert.

Der Konkurrent rechts daneben

Die Entwicklung der AfD in Bremerhaven lässt sich außerdem nicht ohne Bürger in Wut verstehen. Bei der Kommunalwahl 2023 lagen die BiW mit 19,60 Prozent mehr als dreimal so hoch wie die AfD. Später gingen die Bürger in Wut zunächst in Bündnis Deutschland auf. Ausgerechnet dorthin wechselten Jürgewitz und Koch nach ihrem AfD-Austritt im Juni 2026.

Inzwischen hat sich die Situation erneut verändert. Seit August 2026 tritt die Bremer Struktur von Bündnis Deutschland wieder unter ihrem früheren Namen Bürger in Wut auf. Hintergrund ist ausdrücklich die Hoffnung, an die früheren Wahlerfolge anzuknüpfen. Radio Bremen weist zugleich darauf hin, dass die damaligen BiW bei der Bürgerschaftswahl 2023 von der Abwesenheit der AfD profitiert haben könnten. In einer späteren Infratest-dimap-Erhebung lag die AfD dagegen bei 15 Prozent, Bündnis Deutschland nur noch bei drei Prozent. Für Bremerhaven entsteht damit vor der Wahl 2027 erneut ein Konkurrenzverhältnis auf der politischen Rechten. Das bedeutet auch: Wechsel einzelner Mandatsträger:innen zwischen AfD, Bündnis Deutschland und Bürger in Wut sollten nicht lediglich als persönliche Parteigeschichten betrachtet werden. Sie zeigen Beweglichkeit innerhalb eines politischen Spektrums, in dem um ähnliche Wählergruppen, Themen und Deutungsangebote konkurriert wird. Das Konkurrieren kann zu einer wechselseitigen weiteren Radikalisierung führen. Besonders hier ist der zivilgesellschaftliche kritische Blick während des Wahlkampfes 2027 besonders auf die beiden Parteien zu richten.

Was von zehn Jahren AfD in Bremerhaven bleibt

Die Bilanz seit 2015 ist widersprüchlich. Die AfD begann mit zwei Stadtverordneten, verdoppelte 2019 ihre Mandate, verlor anschließend wiederholt Abgeordnete durch Austritte, scheiterte 2023 wegen eigener innerparteilicher Konflikte an der Teilnahme zur Bürgerschaftswahl und verlor schließlich im Juni 2026 auch ihre letzten beiden Bremerhavener Stadtverordneten. Institutionell befindet sich die Partei damit im August 2026 auf einem historischen Tiefpunkt: Kein:e einzige:r AfD-Stadtverordnete:r sitzt mehr im Bremerhavener Kommunalparlament. Elektoral ergibt sich jedoch das gegenteilige Bild. 17,17 Prozent bei der Europawahl 2024 und 23,5 Prozent der Zweitstimmen bei der Bundestagswahl 2025 zeigen ein erhebliches Mobilisierungspotenzial. Die AfD kann organisatorisch zerstritten und parlamentarisch kaum präsent sein – und gleichzeitig bei Wahlen deutlich stärker werden. Das Verschwinden der AfD aus einem Parlament bedeutet nicht das Verschwinden ihrer politischen Wirkung. Die Lautststärke der Bundes-AfD wirkt auf das Bundesland Bremen und verschafft der Landespartei ihren Wahlerfolg. 

Vor der Wahl 2027 versucht der Kreisverband deshalb, diesen Widerspruch aufzulösen: neues Personal, erneute Kandidaturen, stärker kontrollierte Eigenkommunikation und die Selbstdarstellung als kommunal verankerte Normalpartei. Alles wirkt aktuell stark wie von der Bundes-AfD angeordnet. 

Die zentrale Frage lautet aktuell nicht, ob die AfD in Bremerhaven „noch existiert“. Sie lautet, ob es ihr gelingt, ihr inzwischen deutlich größeres Wähler:innenpotenzial wieder in parlamentarische Macht zu übersetzen – und welche Personen, Netzwerke und politischen Inhalte diesen Neuaufbau tragen. Die bisherigen Befunde zeigen: Der Verlust sämtlicher Mandate ist eine schwere organisatorische Niederlage. Ein politischer Bedeutungsverlust in der Region wird durch die politische Bedeutung der AfD in anderen Bundesländern und im Bund aufgefangen. 

Redaktion
AfD Watch Bremen