Kemal Schlegel: Mit neurechter Propaganda Richtung Bürgerschaft
Kemal Schlegel verbindet seine angekündigte Bürgerschaftskandidatur mit einem positiven Bezug zur Publizistik der extremen Rechten. Der Beisitzer der AfD Bremen-Nord und nach eigener Angabe Landesvorstandsmitglied der „Generation Deutschland“ erwähnt öffentlich die „Kaplaken“-Reihe des Antaios-Verlags. Sein Auftreten zeigt, wie extrem rechte Publizistik über Alltagsthemen anschlussfähig wird – während die Parteijugend „kulturelle Leistungen“ zur nationalistischen Untergangserzählung verarbeitet.
Handwerk als Türöffner für rechtsextreme Publizistik
„Ein interessanter Kaplaken“, schreibt Schlegel am 1. September 2026 auf X. Dazu verweist er auf seine Ausbildung zum Zimmermann und seine Vertrautheit mit traditionellem Bauen. Der Beitrag verbindet handwerkliche Erfahrung mit einer positiven Erwähnung politischer Literatur. Deren Herkunft ist für die Einordnung entscheidend: Die „Kaplaken“-Reihe erscheint bei Antaios, einem Verlag, den das Bundesamt für Verfassungsschutz 2024 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufte. Die entsprechende Passage des Verfassungsschutzberichts ist in einer Bundestagsdrucksache dokumentiert.
Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber beschreibt die Reihe als Instrument zur Verbreitung neurechter Weltanschauung. Seine Untersuchung mehrerer Bände zeigt, welche ideologischen Angebote sie bereithält: Baupolitik wird zum rechten Kulturkampf erklärt; in einem anderen Band werden Demokratie und gleiche Rechte abgewertet. Schlegels eigener Beitrag stellt den Bezug über das traditionelle Bauen her. Seine berufliche Selbstdarstellung gibt dem Literaturhinweis einen alltäglichen, fachlich interessierten Rahmen. Darin liegt seine politische Wirkung: Eine Publikationsreihe aus einem extrem rechten Verlag wird als anregende Lektüre in die öffentliche Kommunikation eines AfD-Funktionärs eingeführt.
Kulturelles Erbe als Stoff für nationale Untergangsrhetorik
Auch die Bremer „Generation Deutschland“ verknüpft kulturelle Leistungen mit einer nationalistischen Erzählung. Am 4. September veröffentlicht sie einen Videobeitrag und markiert Schlegel ausdrücklich. Die Bildunterschrift lautet: „Völker, die solche Werke schaffen, dürfen nicht verloren gehen!“ Diese Formulierung stammt vom Account der Organisation. Sie erklärt die Bewahrung von Völkern zum politischen Anliegen und begründet sie mit deren kulturellen Leistungen.
Der ideologische Schritt liegt in diesem Wechsel des Gegenstands: Aus der Wertschätzung für Werke wird eine Aussage über die Existenz ganzer Völker. Die Formulierung vom drohenden Verlorengehen erzeugt eine Bedrohungskulisse; kulturelle Leistungen dienen als emotionaler Beleg dafür, was angeblich auf dem Spiel steht. So wird Kultur nationalistisch aufgeladen und bleiben doch inhaltsleer. Die GD bindet Schlegels Namen ausdrücklich in diese Kommunikation ein. Zusammen mit seinem eigenen Literaturhinweis wird sichtbar, wie Kulturthemen in seinem politischen Umfeld für extrem rechte Weltanschauung genutzt werden.
Neue Jugendorganisation, alte Verbindungen nach rechts außen
Schlegels organisatorischer Aufstieg vollzieht sich unter einem extrem rechten Funktionär mit einschlägiger Vorgeschichte. In ihrer Mitteilung vom 16. Mai 2026 nennt die AfD Bremen-Nord ihn als gewählten Beisitzer im Kreisvorstand unter Marvin Mergard. Mergard wiederum ist stellvertretender Landesvorsitzender der Bremer „Generation Deutschland“. Wie AfD Watch Bremen oder auch Endstation Rechts dokumentiert, war er bereits Funktionär der früheren „Jungen Alternative“ und bewegte sich im Umfeld der „Identitären Bewegung“. An ihm zeigt sich die personelle Kontinuität über die Neugründung der AfD-Jugend hinweg. Schlegel selbst führt auf seinem öffentlichen Profil neben dem Kreisvorstand einen Sitz im GD-Landesvorstand und seine Kandidatur zur Bürgerschaftswahl 2027 an.
Die parlamentarische Ambition begleitet er mit Siegesrhetorik. „2027 reißen wir ab!“, schreibt er am 9. September zu einem Beitrag seines Kreisverbands, der 40 Prozent für die AfD in Bremen-Nord als langfristig denkbare Größenordnung aufwirft. Parteiamt, Jugendorganisation und angestrebtes Mandat greifen in dieser Selbstdarstellung ineinander. Der kritische Punkt ist dabei der eigene öffentliche Bezug zur extrem rechten Publizistik: Schlegel verschafft ihr Aufmerksamkeit, während er für sich politische Verantwortung beansprucht. Seine Karriere steht damit exemplarisch für eine Normalisierung, bei der Literatur aus einem extrem rechten Verlag und parlamentarische Ambition im selben politischen Auftritt zusammenfinden.
Redaktion
AfD Watch Bremen
