Kevin Schäfer AfD Bremerhaven.

Kevin Schäfer beim gescheiterten AfD-Parteitag zur Aufstellung von KandidatInnen am 15.01.2023. Bild: Recherche Nord.

Raus aus der AfD – zurück unter ihren Namen

Kevin Schäfer verließ 2024 zunächst die Bremerhavener AfD-Fraktion und später auch die Partei. Einen politischen Bruch mit ihr vollzog er damit nicht: Nach einem Zwischenaufenthalt bei „Wir für Bremerhaven“ wollte er gemeinsam mit einem AfD-Mitglied erneut eine Fraktion unter dem Namen der Partei bilden. Seine Laufbahn zeigt, wie Parteiaustritte, neue Zusammenschlüsse und parlamentarische Zweckbündnisse politische Abgrenzung vortäuschen können, ohne sie tatsächlich herzustellen.

Kevin Schäfer gehört seit Juni 2023 der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung an. Schäfer wurde am 16. August 1984 in Bremerhaven geboren und arbeitet als Anleiter bei der BBU Bremerhaven Beschäftigungsgesellschaft. In das Stadtparlament gelangte er über den Wahlvorschlag der AfD. Bei der Kommunalwahl vom 14. Mai 2023 erhielt die Partei in Bremerhaven 9.770 Stimmen und damit 5,9 Prozent. Schäfer bekam 414 Personenstimmen und zog über die Listenwahl neben Thomas Jürgewitz und Wolfgang Koch in die Stadtverordnetenversammlung ein. Seit September 2025 führt ihn die Stadt als partei- und fraktionslosen Einzelstadtverordneten. Er gehört dem Ausschuss für Schule und Kultur, dem Bau- und Umweltausschuss, beiden Bereichen des Finanz- und Wirtschaftsausschusses sowie dem Ausschuss für Sport und Freizeit an. Der gegenwärtige Status verdeckt allerdings eine politische Laufbahn, die innerhalb von zweieinhalb Jahren durch vier organisatorische Stationen führte: AfD-Fraktion, fraktionsloses AfD-Mitglied, „Wir für Bremerhaven“ und schließlich der Versuch, unter dem Namen „Alternative für Deutschland plus Schäfer und Baltrusch“ eine neue Fraktion zu bilden.

Mandat trotz des Bremer AfD-Wahlchaos

Schäfers Einzug in das Bremerhavener Kommunalparlament fiel in die schwerste Organisationskrise der Bremer AfD seit ihrer Gründung. Nach einem Landesparteitag im Mai 2022 beanspruchten zwei konkurrierende Vorstände, den Landesverband zu vertreten. Beide Lager stellten eigene Listen für die Bürgerschaftswahl 2023 auf. Weil eine Partei nur einen Wahlvorschlag einreichen darf und die innerparteiliche Legitimation nicht rechtzeitig geklärt werden konnte, ließ der Landeswahlausschuss keinen der beiden AfD-Wahlvorschläge zur Bürgerschaftswahl zu. Der Bremer Staatsgerichtshof bestätigte später, dass dieser Ausschluss rechtmäßig war. Ein gültiger Wahlvorschlag müsse von einem legitimierten Landesvorstand unterzeichnet sein. Gerade daran fehlte es bei den konkurrierenden Listen. Der Staatsgerichtshof wies die Wahlbeschwerden im August 2024 zurück. Von der Bürgerschaftswahl ausgeschlossen war die AfD sowohl im Wahlbereich Bremen als auch in Bremerhaven. An der davon getrennten Wahl zur Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung konnte sie dagegen teilnehmen. Auf diesem Weg erhielt Schäfer sein kommunales Mandat.

Die AfD reagierte auf das Wahldebakel nicht mit einer erkennbaren öffentlichen Aufarbeitung. Im Oktober 2023 wählte sie einen neuen Landesvorstand. Sergej Minich wurde Landesvorsitzender, Kevin Schäfer nach Angaben der Partei stellvertretender Landesvorsitzender. Er war damit nicht lediglich kommunaler Mandatsträger, sondern gehörte zeitweise zur Führung eines Landesverbandes, dessen Machtkämpfe die Partei zuvor um die Teilnahme an einer Landtagswahl gebracht hatten. Schäfer war zwar nicht persönlich für jede Entscheidung der konkurrierenden Vorstände seit 2022 verantwortlich. Mit seiner Wahl zum Stellvertreter übernahm er aber Verantwortung für die weitere Entwicklung des Landesverbandes, seine öffentliche Repräsentation und den Umgang mit der vorausgegangenen Krise.

Erst aus der Fraktion, nicht aus der Partei

Am 12. Februar 2024 verließ Schäfer die dreiköpfige AfD-Fraktion in Bremerhaven. Dadurch unterschritt sie die für eine Fraktion vorgeschriebene Mindestgröße. Jürgewitz und Koch konnten anschließend nur noch als parlamentarische Gruppe auftreten. Der Unterschied ist erheblich: Eine Fraktion verfügt über längere Redezeiten, Stimmrechte in den Fachausschüssen, mehr parlamentarische Infrastruktur und deutlich höhere finanzielle Zuwendungen. Schäfers Austritt veränderte deshalb nicht nur persönliche Arbeitsbeziehungen, sondern die institutionellen Möglichkeiten der gesamten Bremerhavener AfD. Öffentlich wurden lediglich „Differenzen“ innerhalb der Fraktion genannt. Der AfD-Landesvorsitzende Sergej Minich erklärte damals, Schäfer plane keinen Parteiaustritt. Tatsächlich blieb Schäfer zunächst AfD-Mitglied und behielt sein Amt im Landesvorstand.

Der Austritt aus einer Fraktion ist nicht mit dem Austritt aus einer Partei gleichzusetzen. Fraktionen organisieren die parlamentarische Zusammenarbeit; Parteien formulieren Programme, wählen Führungsgremien und bestimmen politische Grundrichtungen. Wer eine Fraktion wegen persönlicher oder organisatorischer Konflikte verlässt, distanziert sich damit nicht automatisch von der Programmatik seiner Partei. Für eine grundsätzliche politische Abrechnung Schäfers mit der AfD gibt es aus dieser Zeit keinen belastbaren öffentlichen Beleg. Dokumentiert ist ein Konflikt um die Zusammenarbeit mit Thomas Jürgewitz. Eine erkennbare Distanzierung von rassistischen, völkischen oder antipluralistischen Positionen der AfD war damit nicht verbunden.

„Wir für Bremerhaven“ als neues parlamentarisches Fahrzeug

Bereits am 21. April 2024 schloss sich Schäfer mit Bianca Ax und Claudia Baltrusch zur Fraktion „Wir für Bremerhaven“, kurz WfB, zusammen. Ax und Baltrusch waren über die Liste von Bürger in Wut in die Stadtverordnetenversammlung gelangt. Weil die drei Mitglieder nicht überwiegend für dieselbe Partei kandidiert hatten, benötigten sie für ihren Zusammenschluss die Zustimmung des Stadtparlaments. Die Stadtverordnetenversammlung erkannte die neue Fraktion am 13. Juni 2024 an. Die Zusammensetzung und das Anerkennungsverfahren sind in der amtlichen Vorlage dokumentiert. Zu diesem Zeitpunkt war Schäfer weiterhin Mitglied der AfD. Er arbeitete somit in einer neuen Fraktion mit zwei Politikerinnen aus dem früheren Bürger-in-Wut- beziehungsweise Bündnis-Deutschland-Umfeld, ohne seine Parteimitgliedschaft aufgegeben zu haben.

Erst am 14. August 2024 wurde sein Austritt aus der AfD öffentlich. Gegenüber der Nordsee-Zeitung erklärte Schäfer, er habe durch die gemeinsame Arbeit erkannt, dass WfB für jene Art von Politik stehe, derentwegen er sich engagiere. Er verwies auf soziale Werte, benachteiligte Kinder und das Ziel, andere Parteien zu sozialerer Politik zu bewegen. Zugleich übernahm er den stellvertretenden Vorsitz von WfB und den stellvertretenden Fraktionsvorsitz. Die Nordsee-Zeitung berichtete über den Parteiwechsel und Schäfers Begründung. WfB beschränkte seine parlamentarische Arbeit tatsächlich nicht auf migrationspolitische oder kulturkämpferische Themen. Die Fraktion fragte beispielsweise nach langen Bearbeitungszeiten, personellen Engpässen und dem psychischen Druck auf Leistungsberechtigte bei Jobcenter, Arbeitsagentur und Sozialamt. Die Anfrage vom Januar 2025 stellte konkrete Fragen zu Rückständen, Fehlentscheidungen und möglichen Nachteilen für Betroffene. Weitere Initiativen betrafen Angebote für Kinder im Sport und die Unterstützung sozialer Einrichtungen. Sozialpolitische Anträge werden nicht dadurch rechtsextrem, dass ein früheres AfD-Mitglied an ihnen beteiligt ist. Aus einzelnen sozialpolitischen Initiativen ergibt sich aber auch kein grundlegender politischer Wandel. Schäfers AfD-Austritt wurde nicht von einer dokumentierten Auseinandersetzung mit den extrem rechten Positionen der Partei begleitet. Öffentlich erklärte er, was ihm an der Arbeit bei WfB gefalle. Eine Erklärung dazu, welche AfD-Positionen er nun ablehne, weshalb er zuvor ein Amt im Landesvorstand übernommen hatte oder welche politische Verantwortung er für die Entwicklung des Landesverbandes trage, ist nicht bekannt.

Ein nur 17 Monate dauerndes Projekt

„Wir für Bremerhaven“ bestand nicht einmal anderthalb Jahre. Im September 2025 legte Bianca Ax ihr Mandat nieder. Schäfer und Baltrusch verließen gleichzeitig die Fraktion. Damit unterschritt WfB die Mindestzahl von drei Mitgliedern und löste sich mit Wirkung zum 22. September auf. Warum Ax ihr Mandat niederlegte und Schäfer sowie Baltrusch austraten, erklärten die Beteiligten öffentlich nicht. Radio Bremen berichtete damals zugleich über eine Prüfung der Fraktionsfinanzen. Daraus darf kein Verdacht zweckwidriger Mittelverwendung konstruiert werden. Die Stadt bezeichnete die Prüfung in ihren Unterlagen ausdrücklich als routinemäßige Kontrolle.

Die amtliche Vorlage zur anschließenden Ausschussbesetzung hält fest, dass Schäfer und Baltrusch als Einzelstadtverordnete weitermachten. Weil fraktionslose Abgeordnete in Bremerhaven die beratende Mitgliedschaft in bis zu vier Ausschüssen verlangen können, blieb Schäfer kommunalpolitisch arbeitsfähig. Er verlor jedoch erneut Fraktionsrechte, Stimmrechte in den Ausschüssen und einen Teil der parlamentarischen Infrastruktur. Damit befand er sich innerhalb von rund 19 Monaten zum zweiten Mal in derselben Situation: Eine Fraktion, der er angehört hatte, zerbrach durch seinen Austritt beziehungsweise unter seiner Beteiligung; anschließend arbeitete er als Einzelabgeordneter weiter.

Die Rückkehr des AfD-Namens

Nur wenige Wochen nach dem Ende von WfB versuchten Schäfer und Baltrusch, gemeinsam mit Sven Lichtenfeld eine neue Fraktion zu bilden. Lichtenfeld war als Kandidat von Bürger in Wut gewählt worden, später zur AfD gewechselt und gehörte ihr als einziger der drei Beteiligten an. Der geplante Name war eindeutig: „Alternative für Deutschland plus Schäfer und Baltrusch“. Damit wollte Schäfer nach seinem AfD-Austritt nicht lediglich mit einem AfD-Mitglied bei einzelnen Sachfragen kooperieren. Er war bereit, sich dauerhaft in einer Fraktion zu organisieren, die den Parteinamen öffentlich geführt hätte. Politisch ist das eine wesentlich stärkere Verbindung als eine zufällige gemeinsame Abstimmung.

Lichtenfeld benannte den Zweck des Zusammenschlusses offen: Die drei Einzelabgeordneten wollten wieder Stimmrechte in den Ausschüssen und längere Redezeiten erhalten. Für Fraktionen gelten in der Stadtverordnetenversammlung bis zu 15 Minuten Redezeit pro Tagesordnungspunkt, für Gruppen zehn und für Einzelabgeordnete fünf Minuten. Hinzu kommen erhebliche Unterschiede bei der öffentlichen Finanzierung. Nach Berechnungen von Radio Bremen erhält eine Fraktion neben den mitgliederbezogenen Zuwendungen einen monatlichen Grundbetrag von etwa 3.700 Euro. Radio Bremen erläuterte die geplante Fraktionsbildung und ihre institutionellen Folgen. Fraktionsmittel sind für parlamentarische Arbeit bestimmt und keine privaten Zahlungen an Abgeordnete. Der Vorgang zeigt aber, dass der Zusammenschluss maßgeblich durch Redezeit, Ausschussstimmen und Fraktionsressourcen begründet wurde. Eine gemeinsame politische Programmatik legten die Beteiligten öffentlich nicht vor.

Bemerkenswert ist zudem, dass damals bereits eine AfD-Gruppe aus Thomas Jürgewitz und Wolfgang Koch existierte. Beide wandten sich gegen die Verwendung des Parteinamens durch Schäfer, Baltrusch und Lichtenfeld. Die Auseinandersetzung verlief damit nicht zwischen AfD und ehemaligen AfD-Gegner:innen, sondern zwischen konkurrierenden Zusammenschlüssen, die beide den Namen beziehungsweise die parlamentarische Repräsentation der Partei beanspruchten. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 4. Dezember 2025 erläuterte nur Lichtenfeld das Vorhaben. Schäfer begründete weder die politische Grundlage des Bündnisses noch sein Verhältnis zu der Partei, die er im Vorjahr verlassen hatte. Bei der Abstimmung votierten lediglich Schäfer, Baltrusch und Lichtenfeld für die Anerkennung. Alle Fraktionen stimmten dagegen. Der Zusammenschluss scheiterte. Die Ablehnung entzog Schäfer weder sein Mandat noch seine Rede-, Antrags- oder Stimmrechte in der Stadtverordnetenversammlung. Das Parlament verweigerte lediglich die Anerkennung eines parteiübergreifenden Zusammenschlusses als Fraktion. Für solche Bündnisse sieht die Bremerhavener Geschäftsordnung ausdrücklich eine Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung vor.

Kommunalpolitisch häufig ohne eigene Begründung

Schäfers öffentlich dokumentierbares politisches Profil bleibt trotz seiner zahlreichen organisatorischen Wechsel vergleichsweise undeutlich. In den ausgewerteten Niederschriften der Stadtverordnetenversammlung und ihrer Ausschüsse ist er vor allem über Anwesenheit und Abstimmungsverhalten greifbar. Ausführliche eigene Redebeiträge oder eine zusammenhängende programmatische Positionierung sind selten dokumentiert. Im Bau- und Umweltausschuss stimmte Schäfer im Februar 2025 gemeinsam mit Wolfgang Koch gegen die Fortführung der geänderten Planungsgrundlagen für Windkraft. Beide votierten außerdem gegen zwei vollständig aus Drittmitteln finanzierte, bis 2028 befristete Stellen für die strategische Wärmeplanung. Gemeinsam mit Koch und einem damaligen Bündnis-Deutschland-Abgeordneten lehnte Schäfer zudem eine befristete personelle Aufstockung für das Klimaanpassungsmanagement ab. Eigene Begründungen Schäfers verzeichnet die amtliche Sitzungsniederschrift zu diesen Abstimmungen nicht.

Auch in späteren Sitzungen stimmte Schäfer mehrfach gegen klimapolitische Vorhaben, zusätzliche Verwaltungsstellen oder Steuer- und Gebührenerhöhungen. Häufig lagen seine Abstimmungen dabei auf derselben Seite wie AfD, Bündnis Deutschland oder andere rechte beziehungsweise rechtskonservative Einzelabgeordnete. Das belegt eine finanzpolitisch restriktive und gegenüber Klima- und Umweltmaßnahmen skeptische Linie. Es beweist für sich genommen weder Rechtsextremismus noch eine verfassungsfeindliche Einstellung. Gegen Windkraft, neue Stellen oder höhere Abgaben zu stimmen, gehört zum legitimen Spektrum kommunalpolitischer Entscheidungen. Für die Einordnung ist entscheidend, mit welchen Begründungen, gesellschaftspolitischen Vorstellungen und politischen Bündnissen solche Entscheidungen verbunden werden. Gerade hier bleibt Schäfers öffentliches Profil lückenhaft. Seine dokumentierte Rolle ist weniger die eines eigenständig auftretenden Ideologen als die eines Organisations- und Mandatsakteurs: Er wechselt Fraktionen, beteiligt sich an neuen Zusammenschlüssen und stimmt häufig mit dem politischen Rechtsaußenfeld, ohne seine Positionen ausführlich öffentlich herzuleiten.

Ein Parteiaustritt ist noch keine Distanzierung

Schäfer kandidierte für die AfD, zog über ihre Liste in das Stadtparlament ein und ließ sich zum stellvertretenden Landesvorsitzenden wählen. Er übernahm damit eine Führungsfunktion in einer Partei, deren rassistisches und ethnisch ausgrenzendes Volksverständnis umfangreich dokumentiert ist. Das Deutsche Institut für Menschenrechte kommt in seiner Untersuchung „Nicht auf dem Boden des Grundgesetzes“ zu dem Ergebnis, dass zentrale AfD-Positionen auf die Ungleichbehandlung von Menschen nach ethnischen Kriterien und damit auf die Beseitigung menschenrechtlicher Garantien zielen. Wer in einer solchen Partei ein Führungsamt übernimmt, trägt Mitverantwortung für ihre politische Entwicklung, auch wenn ihm nicht jede Äußerung anderer Funktionär:innen persönlich zugerechnet werden kann.

Schäfer verließ die Partei im August 2024 und stellte anschließend soziale Politik in den Mittelpunkt seiner Selbstbeschreibung. Eine inhaltliche Abrechnung mit der AfD blieb jedoch aus. Spätestens der Versuch, Ende 2025 wieder unter ihrem Namen eine Fraktion zu bilden, zeigt, dass sein Austritt keine dauerhafte politische Abgrenzung bedeutete. Schäfer ist nach gegenwärtigem Stand kein AfD-Mitglied mehr. Er war aber bereit, als parteiloser Abgeordneter den Namen der AfD für seine parlamentarische Arbeit zu übernehmen und gemeinsam mit einem AfD-Mitglied institutionelle Rechte und öffentliche Mittel zu beanspruchen. Die Partei erschien ihm damit nicht als politischer Partner, zu dem eine unüberwindbare Grenze bestünde, sondern als weiterhin nutzbarer organisatorischer Bezugspunkt.

Das rechte Lager sortiert sich weiter um

Inzwischen existiert auch die frühere AfD-Gruppe von Thomas Jürgewitz und Wolfgang Koch nicht mehr. Beide verließen im Juni 2026 die AfD und wechselten zu Bündnis Deutschland. Sie begründeten diesen Schritt unter anderem mit fehlender innerparteilicher Demokratie, Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen und einem aus ihrer Sicht zunehmend rechtsradikalen Umfeld des Landesverbandes. Radio Bremen berichtete über den Wechsel und die Auflösung der AfD-Gruppe. Damit hatten sämtliche drei ursprünglich für die AfD gewählten Bremerhavener Stadtverordneten die Partei verlassen. Zwei wechselten zu Bündnis Deutschland (Seit August 2026 namentlich wieder Bürger in Wut). Schäfer blieb Einzelabgeordneter. Zugleich sitzt mit Sven Lichtenfeld ein später zur AfD gewechselter Politiker im Stadtparlament.

Diese Bewegungen sind nicht mit vollständiger politischer Beliebigkeit gleichzusetzen. Zwischen AfD, Bündnis Deutschland, der früheren Partei Bürger in Wut und dem zeitweiligen Projekt WfB bestehen programmatische, personelle und strategische Unterschiede. Die wiederholten Wechsel zeigen aber ein regionales Feld, in dem Mandatsträger:innen ihre organisatorischen Zugehörigkeiten verändern, ohne dass damit immer eine nachvollziehbare inhaltliche Neuorientierung verbunden ist. Kevin Schäfer ist dafür ein besonders deutliches Beispiel. Er verließ die AfD-Fraktion wegen interner Konflikte, blieb zunächst Parteimitglied und Landesvorstandsmitglied, wechselte später zu WfB und versuchte nach dessen Zerfall erneut, eine Fraktion unter dem AfD-Namen zu gründen. Seine Geschichte ist deshalb nicht die eines eindeutig dokumentierten Ausstiegs aus der extremen Rechten. Sie ist die Geschichte einer organisatorischen Abwanderung ohne klar erkennbare politische Abgrenzung. Schäfer ging aus der AfD hinaus. Als ihm erneut Fraktionsstatus, Ausschussstimmen und längere Redezeiten in Aussicht standen, war er bereit, unter ihrem Namen zurückzukehren.

Redaktion
AfD Watch Bremen