Parteien, Personen und Verbindungen

Bürger in Wut | Bündnis Deutschland

Zurück zu Bürger in Wut: Das politische Projekt um Jan Timke, rechte Feindbilder und dokumentierte Schnittstellen in extrem rechte Milieus

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Das politische Projekt um Jan Timke einordnen

Am 24. August 2026 kehrt die Bremer Struktur von Bündnis Deutschland zu ihrem alten Namen „Bürger in Wut“ zurück. Hinter der erneuten Umbenennung steht weit mehr als eine Wahlkampfmarke: ein seit mehr als zwei Jahrzehnten um Jan Timke aufgebautes rechtes Parteienprojekt, das parlamentarische Law-and-Order-Politik mit migrationsfeindlicher rassistischer Zuspitzung, Angriffen auf linke und zivilgesellschaftliche Strukturen und einem eigenen Medienapparat verbindet. Zugleich ziehen sich durch seine Geschichte immer wieder personelle Berührungspunkte zu extrem rechten, neonazistischen, Hooligan- und Rockermilieus. Eine Bestandsaufnahme zeigt jedoch auch: Nicht jede dieser Verbindungen hat dieselbe Qualität. Gerade deshalb lohnt der genaue Blick.

Geschichte, Namenswechsel und parlamentarische Strukturen

Die alte „Wut“ ist wieder da

Knapp drei Jahre nach dem Zusammenschluss mit Bündnis Deutschland ist in Bremen wieder Schluss mit dem Namen „Bündnis Deutschland“. Am 24. August 2026 machte die Bremer Struktur öffentlich, dass sie zur Bürgerschaftswahl 2027 erneut als Bürger in Wut (BIW) antreten will. Mit Bündnis Deutschland soll eine partnerschaftliche Verbindung bestehen bleiben.

Der Schritt ist keine programmatische Neugründung, sondern zunächst eine strategische Rückkehr zu einer bekannten Marke. Jan Timke begründete sie gegenüber Radio Bremen ausdrücklich mit deren größerer Bekanntheit. Eine von der Partei selbst in Auftrag gegebene INSA-Befragung habe gezeigt, dass „Bürger in Wut“ im Land Bremen deutlich bekannter sei als „Bündnis Deutschland“. Bei der Bürgerschaftswahl 2023 hatten die BIW 9,4 Prozent erreicht; unter dem Namen Bündnis Deutschland war die Zustimmung in einer späteren Radio-Bremen-Umfrage auf drei Prozent gefallen, während die AfD wieder deutlich zulegte.

Die Umbenennung war vorbereitet worden. Anfang August hatte ein Bundesparteitag von Bündnis Deutschland mit rund 85 Prozent Zustimmung die Satzung so geändert, dass die Bremer Organisation wieder eigenständig als BIW auftreten kann. Vorgesehen ist ein „Schwesterparteien-Modell“ beider Organisationen.

Politisch ist die Rückkehr bemerkenswert, weil Timke selbst schon 2025 ungewöhnlich offen formulierte, wie wenig Bedeutung er dem jeweiligen Parteinamen beimisst:

„Eine Partei ist immer nur ein Gefäß für politische Inhalte, und die Inhalte sind geblieben.“

Radio Bremen dokumentierte diese Aussage in einer Analyse der damaligen BD-Strategie. Timke nannte dort Innere Sicherheit, Migration und Bildung als zentrale Themen und erklärte offen, dass seine Fraktion Themen auswähle, mit denen sich öffentlich Aufmerksamkeit gewinnen lasse.

Der Satz ist für das Verständnis der heutigen BIW wichtiger als jede neue Farbgebung oder jedes neue Logo. Schill-Partei, Bürger in Wut, Bündnis Deutschland und nun wieder Bürger in Wut markieren organisatorische Veränderungen – der politische Kern um Jan Timke zeigt hingegen eine erhebliche Kontinuität.

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Ein Parteienprojekt mit einer mehr als zwanzigjährigen Vorgeschichte

Die Bürger in Wut entstanden 2004 aus dem Niedergang der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, besser bekannt als Schill-Partei. Jan Timke war zuvor Bremer Landesvorsitzender der STATT-Partei gewesen und organisierte 2001 den Übertritt des Bremer Landesverbandes zur Schill-Partei. Nachdem Ronald Schill 2003 aus seiner Partei ausgeschlossen worden war, verließ auch Timke die Organisation und betrieb die Gründung der BIW. Die politikwissenschaftliche Literatur ordnet die Wählervereinigung überwiegend als rechtspopulistisch mit wirtschaftsliberalen und rechtskonservativen Elementen ein.

Der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst, langjähriger Leiter des Arbeitsbereichs Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung an der Universität Bremen, beschreibt BIW präziser als „eine rechte Partei, die sich im Wahlkampf auch rechtspopulistischer Argumentationsmuster bedient“. Er verortete sie 2023 in einem politischen Zwischenraum zwischen dem rechten Flügel der CDU und dem rechten Flügel der AfD.

Die Geschichte von BIW ist gerade deshalb interessant, weil die Partei einerseits institutionell parlamentarisch arbeitet und sich wiederholt von offen extrem rechten Akteur:innen distanziert, andererseits aber über viele Jahre immer wieder Personen aus Milieus anzieht oder integriert, bei denen Kontakte, Biografien oder politische Positionierungen weit über einen klassischen Rechtskonservatismus hinausreichen.

Bündnis Deutschland 2023

Bündnis Deutschland nach der Bürgerschaftswahl 2023. Bild: dpa – Janet Binder.

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Von einem Einzelmandat zur rechten Fraktion

Timkes politisches Überleben ist ungewöhnlich. Seit 2007 beziehungsweise nach der damaligen Nachwahl dauerhaft über den Wahlbereich Bremerhaven in der Bürgerschaft vertreten, baute er BIW schrittweise aus. Zeitweise kamen Mandate durch Übertritte aus anderen Parteien hinzu. Besonders wichtig wurden dabei ehemalige AfD-Mitglieder. 2023 entstand schließlich eine außergewöhnliche Konstellation. Die Bremer AfD durfte wegen zweier konkurrierender Landeslisten nicht zur Bürgerschaftswahl antreten. BIW erzielte daraufhin landesweit 9,4 Prozent, in Bremerhaven sogar 22,7 Prozent, und zog mit zehn Abgeordneten in die Bürgerschaft ein.

Aus dem Erfolg wurde jedoch keine stabile Zehnerfraktion. Sven Lichtenfeld wurde bereits unmittelbar nach der Wahl ausgeschlossen. Meltem Sagiroglu und Sascha Schuster verließen später Fraktion und Partei, 2025 folgte Holger Fricke. Die drei gründeten schließlich die Bürgerallianz Bremen/Bremerhaven. Von den ursprünglich zehn gewählten BIW-Abgeordneten gehören unmittelbar vor der Rückkehr zum alten Parteinamen noch sechs zur Timke-Fraktion: Jan Timke, Piet Leidreiter, Sven Schellenberg, Cord Degenhard, Julia Tiedemann und André Minne.

Auch in Bremerhaven zerfiel die anfänglich außergewöhnlich große kommunale Fraktion. Nach der Wahl 2023 verfügte BIW dort über neun Stadtverordnete. Im September 2024 waren davon nach mehreren Austritten nur noch vier geblieben. Das aktuelle Ratsinformationssystem führt wieder fünf Mitglieder: Julia Tiedemann, Sandra Brinkmann, Rüdiger Stark, Jürgen Teichert und Jan Timke. Auf der Stadtteilebene reicht die Struktur ebenfalls weiter. In Walle werden aktuell Udo Brzenza und Tanja Häfker als Beiratsmitglieder sowie Gerald Höns als „sachkundiger Bürger“ geführt. In Findorff sitzt Martin Korol für die bisherige BD-Struktur im Beirat, in Gröpelingen Rosemarie Kwidzinski. Damit handelt es sich nicht lediglich um eine Bürgerschaftsfraktion. Das Timke-Projekt besitzt parlamentarische Strukturen auf Landes-, Stadt- und Stadtteilebene.

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Sicherheitspolitik, Migration und Feindbilder

Jan Timke: Innere Sicherheit als politisches Betriebssystem

Kaum ein Thema begleitet Jan Timke so kontinuierlich wie Kriminalität. Das ist biografisch anschlussfähig: Timke arbeitete selbst im Polizeibereich. Politisch wurde daraus über die Jahre ein eindeutiges Law-and-Order-Profil. Die aktuelle Kampagne „Genug ist genug“ bezeichnet Bremen als „Kriminalitätshochburg in Deutschland“. Gefordert werden unter anderem eine erhebliche Aufstockung der Polizei, mehr Videoüberwachung, Waffenverbotszonen, schnellere Strafverfahren, Taser sowie eine „konsequentere Abschiebung ausländischer Straftäter“. Parallel veröffentlicht die Fraktion regelmäßig eine „Gewaltwoche in Bremen“. Einzelne Tötungs-, Raub-, Messer- und Körperverletzungsdelikte werden zu einer wöchentlichen Chronik verdichtet. Bei Tatverdächtigen wird, sofern die Polizeimeldung entsprechende Angaben enthält, regelmäßig die Nationalität hervorgehoben. Im Juni 2026 titelte die Fraktion beispielsweise, „erneut geraten Nordafrikaner in den Fokus“.

Das bedeutet nicht, dass die zugrunde liegenden Straftaten erfunden wären. Die analytische Frage liegt an einer anderen Stelle: Welche Ereignisse werden ausgewählt, wie werden sie seriell zusammengestellt und welche politische Deutung entsteht aus dieser Auswahl? Die fortlaufende Aneinanderreihung spektakulärer Gewaltdelikte erzeugt ein Bild permanenter Ausnahme. Die ständige überbetonung von Migration erzeugt ein rassistisch konstruiertes Feindbild in Konkurrenz zur AfD. Kriminalität erscheint weniger als statistisch und sozial differenziertes Phänomen als als fortgesetzter Kontrollverlust, für den der „rot-grün-rote“ Senat verantwortlich gemacht wird und auf den vor allem mit Polizei, Überwachung, Strafe und Abschiebung zu reagieren sei. In der Politikwissenschaft lässt sich eine solche Strategie als Versicherheitlichung beschreiben: gesellschaftliche Konflikte werden bevorzugt in Kategorien von Gefahr, Ordnung und Kontrolle übersetzt. Kombiniert mit der Forderung nach härteren Sanktionen entsteht eine Form von punitivem Rechtspopulismus.

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Migration wird mit Sicherheitspolitik verschränkt

Diese Struktur findet sich schon in älteren BIW-Programmen. Politikwissenschaftliche Analysen dokumentieren, dass BIW Kriminalitätsbekämpfung besonders eng mit Zuwanderung verband und zugleich vor kulturellem Identitätsverlust und einer „schleichenden Islamisierung“ warnte. Gefordert wurden in früheren Programmen weitreichende kulturelle Assimilation und eine harte Abschiebungspolitik. Auch heute bleibt Migration eines der drei Themen, die Timke selbst als Kernfelder seiner Partei bezeichnet.

Das ist politikwissenschaftlich deshalb relevant, weil Kriminalität dadurch nicht allein als individuelles Handeln beschrieben wird. Durch wiederholte Hervorhebung von Herkunft, Aufenthaltsstatus und Abschiebungsmöglichkeiten entsteht eine Kulturalisierung von Sicherheitsproblemen: Migration wird zur Erklärungsebene für Unsicherheit. Gerade an dieser Stelle unterscheidet sich ein nüchternes kriminalpolitisches Monitoring von rechtspopulistischer Kommunikation. Eine Statistik kann Herkunftsmerkmale enthalten. Politische Kommunikation entscheidet jedoch, welche Merkmale sie fortlaufend hervorhebt und welche Kausalität das Publikum daraus ableiten soll.

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Ein zweites Feindbild: die politische Linke und ihre Infrastruktur

In den vergangenen zwei Jahren hat sich daneben ein weiterer Schwerpunkt stark ausgebildet: linke beziehungsweise als links wahrgenommene Strukturen, Kulturorte, politische Bildungsarbeit und öffentlich geförderte Zivilgesellschaft. Im Februar 2026 beantragte die Fraktion ein Verbot der Plattform beziehungsweise Vereinigung „tumulte“. Anlass war unter anderem ein dort veröffentlichtes Bekennerschreiben zu einem Angriff auf das Wohnhaus des Bremer Verfassungsschutzleiters. Der Antrag wurde von der Bürgerschaft abgelehnt. Im März forderte Timke anschließend einen Förderstopp für das Kukoon, nachdem dort eine Veranstaltung mit einem Akteur aus einem als linksextrem bewerteten Zusammenhang stattgefunden hatte. Die Fraktion sprach vom „linken Kulturzentrum“ und verband die öffentliche Förderung des Hauses mit der Frage nach extremistischer Einflussnahme.

Im Mai folgten parlamentarische Anfragen zum Sielwallhaus und zur Jugendbildungsstätte LidiceHaus. Gefragt wurde detailliert nach Fördermitteln, Programmen, Kontrollmechanismen und politischer Bildungsarbeit. Jede einzelne parlamentarische Anfrage ist zunächst ein legitimes Instrument oppositioneller Kontrolle. Politisch aussagekräftig wird jedoch die Serie: Verschiedene Einrichtungen aus linker Kultur, selbstverwalteter Jugendarbeit und demokratischer Bildungsarbeit werden über dieselben Kategorien adressiert – öffentliche Gelder, politische Neutralität, Extremismus, Kontrolle und staatliche Verantwortung. Damit verschiebt sich der Gegenstand. Es geht nicht mehr ausschließlich um eine konkrete mögliche Pflichtverletzung. Es entsteht ein breiterer Verdachtsraum um eine „linke Infrastruktur“, deren öffentliche Förderung selbst zum politischen Problem erklärt wird.

Timke formulierte diese Konfliktlinie im Februar 2026 besonders deutlich. Die CDU sei bei der Bekämpfung von Linksextremismus „nicht Teil der Lösung, sondern seit Jahren Teil des Problems“, erklärte seine Fraktion. Die politische Konfliktachse verläuft dadurch nicht mehr allein zwischen Regierung und Opposition. BIW inszeniert sich als Kraft, die gegenüber einer vermeintlich zu linken CDU die eigentliche rechte Opposition verkörpern will.

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Antidiskriminierungsarbeit als angebliches Bürokratieproblem

Am 26. August 2026 scheiterte in der Bremischen Bürgerschaft die Wahl von Devrimsel Deniz Nergiz zur Antidiskriminierungsbeauftragten. In der geheimen Abstimmung entfielen 40 Stimmen auf die Kandidatin, 40 Stimmen gegen sie und eine Enthaltung. Da vier Abgeordnete der Regierungskoalition fehlten und das individuelle Abstimmungsverhalten nicht nachvollziehbar ist, können die Gegenstimmen keinen einzelnen Abgeordneten oder Fraktionen zugerechnet werden. Ein weiterer Wahlgang ist für Mitte September vorgesehen. Radio Bremen dokumentierte das Wahlergebnis und die Reaktionen.

Bürger in Wut nutzte das Scheitern nicht nur zur Kritik an der Regierungskoalition. Fraktionsvorsitzender Jan Timke stellte das Amt selbst grundsätzlich infrage. Er bezeichnete die Stelle als kostenträchtig und überflüssig, sprach von einem Versorgungsposten und verlangte ein Ende des von ihm so bezeichneten „Beauftragtenunwesens“. Auf die fachlichen Aufgaben der Stelle, die Qualifikation der Kandidatin oder die Perspektive von Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, ging die Pressemitteilung der BIW-Fraktion nicht ein. Die Ablehnung der Stelle war keine ausschließliche Position von BIW. Auch die CDU argumentierte, es gebe bereits ausreichend Anlaufstellen. Für die Analyse der Bürger in Wut ist deshalb weniger die Gegenposition allein entscheidend als ihre sprachliche Verallgemeinerung. Timke kritisierte nicht lediglich die konkrete Ausgestaltung oder das Wahlverfahren, sondern ordnete die Antidiskriminierungsbeauftragte einem angeblich ausufernden System unnötiger und teurer öffentlicher Ämter zu.

Damit fügt sich der Vorgang in die populistische Gegenüberstellung ein, die auch andere Teile der BIW-Kommunikation prägt: Auf der einen Seite stehen vermeintlich ideologische, verschwenderische oder überflüssige staatliche Strukturen, auf der anderen Seite inszeniert sich die Partei als Vertretung der Steuerzahlenden und als Gegnerin politischer Bürokratie. Antidiskriminierungsarbeit wird in diesem Deutungsrahmen nicht als Schutz- und Teilhabestruktur behandelt, sondern als Ausdruck einer abgehobenen politischen Verwaltung. Der Vorgang belegt keine pauschale Ablehnung sämtlicher Antidiskriminierungsmaßnahmen durch BIW. Er dokumentiert jedoch die grundsätzliche Ablehnung dieses Amtes und die politische Rahmung, mit der die Fraktion diese Position begründet.

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Islamismus: reale Gefahr, politisch zugespitzter Deutungsrahmen

Auch Islamismus gehört in dieses Sicherheitsrepertoire. 2026 beteiligte sich Timke intensiv an der Debatte um die salafistische Gruppe Nūr al-ʿIlm und forderte schließlich deren Verbot. Islamistische beziehungsweise salafistische Bestrebungen sind ein reales sicherheitspolitisches Problem. Die politische Kritik an BIW kann deshalb nicht darin bestehen, ihre Thematisierung selbst als Feindbildproduktion abzutun. Relevant ist vielmehr die Einbettung: In der historischen BIW-Programmatik treffen Sicherheitsdiskurse über Islamismus auf kulturalistische Aussagen über eine vermeintliche „Islamisierung“ und die Unvereinbarkeit gesellschaftlicher Werte. Mit diesem Themenfeld versucht die BiW im Bürgerschaftswahlkampf der AfD Konkurrenz zu machen. Wie die AfD wird dabei der Begrif Islamismus verwendet, aber in der politischen Kommunikation Islam als Feindbild vermittelt. 

Die entscheidende demokratische Grenzziehung besteht darin, islamistische Organisationen präzise zu benennen, ohne Muslim:innen als gesellschaftliche Gruppe zum Sicherheitsproblem zu erklären und somit antimuslimische rassistische Narrative zu normaliseren.

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Melissa Timke, NIUS und rechte Öffentlichkeit

Melissa Timke: von der BIW-Kandidatin zur NIUS-Journalistin

Zum politischen Umfeld Jan Timkes gehört eine Verbindung, die für die Analyse der heutigen rechten Öffentlichkeit in Bremen besonders interessant ist: seine Ehefrau Melissa Timke. Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine private Beziehung zu einer Medienakteurin. Melissa Timke, damals noch unter dem Namen Melissa Janetzki, kandidierte bereits 2011 selbst für Bürger in Wut. Das amtliche Wahlergebnis führt sie sowohl bei der Bürgerschaftswahl als auch bei der Wahl zur Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung auf der BIW-Liste. Sie erhielt 129 beziehungsweise 126 Personenstimmen. Heute arbeitet Melissa Timke für NIUS. Das Portal selbst bezeichnet sie als „NIUS-Journalistin“; der Tagesspiegel beschrieb sie 2024 als „Polit-Talkerin“ des von Julian Reichelt geführten Mediums und verwies auf ihre damals bereits hohe Reichweite bei TikTok.

Damit besteht eine belegbare biografische Verbindung zwischen dem führenden Bremer BIW-Politiker und einem bundesweit reichweitenstarken rechten Medienprojekt: Melissa Timke war selbst BIW-Kandidatin, ist mit Jan Timke verheiratet und arbeitet heute für NIUS.

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NIUS und die politische Gegenöffentlichkeit

Eine 2024 veröffentlichte medienwissenschaftliche Untersuchung in der Fachzeitschrift Journalistik analysierte NIUS gemeinsam mit anderen rechten Alternativmedien. Der Autor Luis Paulitsch stellte große inhaltliche Schnittmengen mit AfD und FPÖ insbesondere bei Migration, Klimaschutz und der Abwertung einer sogenannten „Woke-Ideologie“ fest. Für die Bremer Analyse ist das relevant, weil zentrale Deutungsmuster des Timke-Lagers in einem ähnlichen Themenraum liegen: Migration, Kriminalität, Kritik an Klimapolitik, vermeintliche staatliche Bevormundung, öffentlich finanzierte NGOs beziehungsweise politische Projekte und eine als links dargestellte politische Elite.

Ein konkretes Beispiel zeigt gleichzeitig, warum die journalistischen Standards des Mediums selbst Gegenstand der Analyse sein müssen. In einem NIUS-Beitrag behauptete Melissa Timke sinngemäß, ein attraktiver Indoor-Pool werde Teil einer künftigen Flüchtlingsunterkunft. Ein später öffentlich dokumentierter Faktencheck ergab, dass das Schwimmbad geschlossen worden war und für die Geflüchtetenunterkunft gerade nicht zur Verfügung stand. Der Vorgang ist exemplarisch für eine Kommunikationsform, die rassistische und emotional aufgeladene Verteilungsbilder erzeugt: „Geflüchtete bekommen etwas, das andere nicht bekommen.“ Genau solche Mechanismen verdienen eine systematische Untersuchung – nicht wegen der Ehe zweier öffentlicher Akteur:innen, sondern weil sich politische und mediale Deutungsmuster in einem gemeinsamen rechten Kommunikationsraum bewegen.

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Dokumentierte Schnittstellen im Überblick

Die entscheidende Frage: Wie weit reichen die Verbindungen nach rechts außen?

Bei Bürger in Wut zieht sich durch die vergangenen Jahre eine ungewöhnlich lange Folge von Fällen, in denen Kandidat:innen, Funktionäre, Mandatsträger:innen oder Personen aus dem unmittelbaren politischen beziehungsweise wirtschaftlichen Umfeld mit extrem rechten, neonazistischen, Hooligan- oder Rockermilieus in Berührung kamen.

Diese Fälle sind unterschiedlich zu bewerten.

Fall Belegter Zusammenhang Aussagekraft
Fritjof Balz ehemaliger BIW-Politiker; später bei Hells-Angels-Treffen dokumentiert, Fotos mit Neonazis/rechten Hooligans historische personelle Durchlässigkeit
Brewag / Lars H. Security-Firma von Timke/Leidreiter beschäftigte Anhänger von „Nordic 12“ direkte wirtschaftliche Schnittstelle; Timke erklärte, Hintergrund sei unbekannt gewesen
Brewag / André K. weiterer Wachmann unterstützte öffentlich NPD Bremen und „Nordic 12“ zweiter dokumentierter Fall innerhalb des Unternehmens
Heiko Werner BIW-Kandidat 2023 mit dokumentierter neonazistischer Vergangenheit gravierendes Kandidat:innen-Screeningproblem; BIW reagierte mit Ausschluss
Sven Lichtenfeld nach BIW-interner Prüfung Unterstützung aus rechtsextremem Milieu im Wahlkampf; von Lichtenfeld bestritten von Parteiführung selbst gezogene rote Linie
André Minne aktuelle BIW-Führung; dokumentierte Kontakte in Anti-Flüchtlings-, Rocker- und rechte Hooliganmilieus aktuelle personelle Schnittstelle, ohne Nachweis organisatorischer Zugehörigkeit
Gerald Höns heute kommunal für das Timke-Lager tätig; frühere dokumentierte Kontakte zu Hells Angels personelle Kontinuität auf Beiratsebene
Martin Korol heutiger Beirat; SPD-Ausschluss wegen antiziganistischer und frauenfeindlicher Äußerungen ideologische Rechtsverschiebung

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Personen und wirtschaftliche Verbindungen

Fritjof Balz: vom Wutbürger zu Neonazis und Hells Angels

Ein früher Fall ist Fritjof Balz.

Balz war für Bürger in Wut im Beirat Blumenthal aktiv und engagierte sich in einer Initiative gegen eine Asylunterkunft. 2015 verließ er BIW und wollte zur AfD wechseln. Sein AfD-Mitgliedsantrag wurde jedoch abgelehnt, nachdem Fotos bekannt geworden waren, die ihn bei einer Aktion mit Neonazis und rechten Hooligans zeigten; nach Angaben der damaligen AfD waren auch NPD-Anhänger beteiligt. 2016 dokumentierte die Journalistin Andrea Röpke Balz im Umfeld eines Treffpunkts der Hells Angels in Bremen-Walle. Fotos und Augenzeug:innenberichte zeigten ihn dort gemeinsam mit Angehörigen des Rockermilieus. Zudem berichtete die taz über von Balz verbreitete antisemitisch-verschwörungsideologische Inhalte.

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Die Security-Firma von Timke und Leidreiter

Direkter berührte Jan Timke selbst die Problematik 2018. Gemeinsam mit dem heutigen Fraktionsvize Piet Leidreiter betrieb er die private Sicherheitsfirma Brewag GmbH. In deren Belegschaft befand sich Lars H., den die taz als Anhänger der neonazistischen „Bruderschaft Nordic 12“ beschrieb. Die Gruppe verwendete Symbolik mit Bezügen zur SS und trat im rechtsextremen Demonstrationsmilieu auf. Timke erklärte damals, ihm sei der extrem rechte Hintergrund des Mitarbeiters nicht bekannt gewesen. Brewag habe Beschäftigte eines vorherigen Sicherheitsunternehmens übernommen. Nachdem die Verbindung öffentlich geworden sei, wurde der Mann entlassen und nicht weiter eingesetzt.

Damit wäre der Vorgang zunächst als problematische Personalübernahme erklärbar gewesen. Kurz darauf berichtete die taz allerdings über einen zweiten Brewag-Mitarbeiter, André K., der auf Facebook seine Unterstützung für die NPD Bremen und „Nordic 12“ bekundet habe. Die Behörden überprüften damals dessen Zuverlässigkeit für Tätigkeiten im Bewachungsgewerbe. Die belegte Aussage lautet deshalb: Ein von zwei führenden BIW-Politikern betriebenes Sicherheitsunternehmen beschäftigte mindestens zwei Personen, bei denen öffentlich extrem rechte beziehungsweise neonazistische Bezüge dokumentiert wurden.

Politisch bleibt der Vorgang auffällig: Ausgerechnet ein Parteienprojekt, dessen wichtigstes Alleinstellungsmerkmal Sicherheit, Ordnung und staatliche Kontrolle ist, geriet über sein eigenes Sicherheitsunternehmen mehrfach mit Personen aus einem neonazistischen Milieu in Berührung.

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Heiko Werner: Neonazi-Biografie auf der BIW-Liste 2023

Kurz vor der Bürgerschaftswahl 2023 recherchierten Andrea Röpke und Andreas Speit einen weiteren schweren Fall. Auf Listenplatz 18 der BIW kandidierte Heiko Werner. Nach der taz-Recherche tauchte sein Name bereits 2001 im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Rechtsrock-Szene auf. 2018 nahm er an einem Solidaritätsmarsch für die inhaftierte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck teil und beteiligte sich am „Tag der deutschen Zukunft“, einer Veranstaltung von NPD und militanter Kameradschaftsszene. BIW erklärte, diesen Hintergrund nicht gekannt zu haben, und reagierte unmittelbar vor der Wahl mit dem Versuch, Werner aus der Partei zu entfernen.

Wer eine Person mit einer öffentlich recherchierbaren neonazistischen Biografie auf eine Wahlliste setzt und diese erst nach journalistischer Veröffentlichung entdeckt, muss sich fragen lassen, wie ernst die eigene Abgrenzung nach rechts außen organisatorisch umgesetzt wird und wieso eine Partei Glaubwürdigkeit genießen sollte bei ihrer Kritik an Sicherheit und Ordnung.

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Sven Lichtenfeld: Unterstützung aus dem rechtsextremen Milieu

Noch deutlicher wurde dieses Problem unmittelbar nach der Wahl. Sven Lichtenfeld, früher selbst AfD-Mitglied, war für BIW in Bremerhaven gewählt worden. Nach einer internen Wahlanalyse erklärte Jan Timke öffentlich, Lichtenfeld habe wissentlich Unterstützung von Personen aus dem rechtsextremen Milieu erhalten, um seine persönlichen Stimmen zu erhöhen. Timke zufolge habe Lichtenfeld dies auf Nachfrage eingeräumt. Die Partei schloss ihn aus und verlangte, er solle das Mandat nicht annehmen. Lichtenfeld bestreitet diese Darstellung. Radio Bremen dokumentierte den Konflikt auch noch Ende 2024, als Lichtenfeld schließlich der AfD beitrat. Timke erklärte damals, sein früherer Mitstreiter habe eine „rote Linie“ überschritten.

Für die Analyse ist gerade dieser Vorgang aufschlussreich. Die BIW-Führung war bereit, einen gewählten Mandatsträger wegen angenommener rechtsextremer Wahlkampfunterstützung auszugrenzen. Es existieren also reale Abgrenzungsentscheidungen innerhalb der Partei. Das unterscheidet die Struktur von Organisationen, die sich bewusst als parlamentarischer Arm neonazistischer Milieus verstehen. Gleichzeitig stellt sich erneut die Frage, weshalb ein Akteur mit einer entsprechenden politischen Vorgeschichte zunächst bis auf die Wahlliste und zum Mandat gelangen konnte und ob dieses Vorgehen der Parteiführung letzlich nur dazu dienen soll, die Partei aus dem drohenden Fokus des Verfassungsschutzes zu lenken.

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André Minne: eine aktuelle Verbindungsebene

Für die heutige Struktur besonders relevant ist André Minne. Minne sitzt nicht nur in der Bürgerschaft. Die zuletzt bei der Bundeswahlleiterin hinterlegten Vorstandsangaben führen ihn neben Sven Schellenberg als stellvertretenden Landesvorsitzenden unter Jan Timke.

Die taz dokumentierte bereits vor der Wahl 2023 Kontakte Minnes zu Personen aus Bremer Initiativen gegen Geflüchtete und Asylunterkünfte. Darunter befanden sich nach der Recherche auch Akteure aus Rocker- und Rotlichtmilieus. Besonders genannt wurde eine Facebook-Verbindung zu Stefan Ahrlich, den die Zeitung als eine bekannte Figur im Überschneidungsbereich zwischen Hells Angels und rechtsextremen Standarte-Hooligans beschrieb. Eine Person, bei der solche sozialen Kontakte journalistisch dokumentiert wurden, gehört heute zur Führung der Bremer Organisation.

Damit ist das Thema nicht lediglich Teil einer abgeschlossenen BIW-Vergangenheit.

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Gerald Höns: vom AfD-Umfeld zur heutigen kommunalen Struktur

Auch auf Stadtteilebene findet sich eine bemerkenswerte personelle Kontinuität. Der frühere AfD-Lokalpolitiker Gerald Höns wird heute vom Ortsamt West als sachkundiger Bürger für die bisherige Bündnis-Deutschland-Fraktion im Beirat Walle geführt. Höns war bereits 2016 Gegenstand der Berichterstattung über die Hells Angels in Walle. Die taz schrieb damals, er habe selbst Verbindungen zu den Hells Angels und habe den Rockern nach eigener Aussage Räume vermietet. Auch hier belegt die Quelle keine Mitgliedschaft im Motorradclub. Sie dokumentiert aber eine persönliche beziehungsweise geschäftliche Verbindung. Dass Höns heute für das Timke-Lager in einem kommunalen Gremium tätig ist, macht den historischen Vorgang für eine aktuelle Netzwerkanalyse relevant. 

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Martin Korol: eine andere Form der Rechtsverschiebung

Nicht jede problematische Personalie gehört zum militanten rechten Milieu. Martin Korol, heute BIW/BD-Beiratsmitglied in Findorff, ist dafür ein wichtiges Beispiel. Korol war jahrzehntelang SPD-Mitglied und rückte 2013 in die Bremische Bürgerschaft nach. Kurz darauf wurden massive antiziganistische und frauenfeindliche Äußerungen von seiner damaligen Homepage öffentlich. Die SPD schloss ihn schließlich aus.

Anschließend warb Jan Timke persönlich um Korol. Timke erklärte damals gegenüber der taz, zwischen ihm und Korol gebe es „mehr Schnittmengen als Dinge, die uns trennen“. Die antiziganistischen und sexistischen Aussagen teile er zwar nicht; Zustimmung äußerte er aber beispielsweise zu Korols Kritik an der SPD im Umgang mit „Linksextremismus“ sowie zu Positionen über Kriminalität und Bildung. Korols Wechsel verschaffte BIW damals erstmals den Status einer parlamentarischen Gruppe. Heute sitzt Korol erneut für das Timke-Lager in einem Bremer Beirat.

Der Fall zeigt einen anderen Mechanismus als die Rocker- oder Neonazi-Verbindungen: BIW konnte auch für Akteur:innen zur politischen Anschlussorganisation werden, die wegen rassistischer beziehungsweise diskriminierender Äußerungen aus anderen Parteien ausgeschlossen worden waren.

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Politische Einordnung und kritische Bilanz

Ein Muster – aber kein einheitliches Netzwerk

Bürger in Wut ist auf Grundlage der geprüften Quellen nicht als neonazistische oder Rockerorganisation zu beschreiben. Wohl aber besitzt die Partei eine über Jahre dokumentierte Geschichte ungewöhnlich vieler personeller Berührungszonen zu Milieus rechts von ihrem eigenen offiziellen Selbstbild.

Hinzu kommt ein zweites Muster: Mehrfach reagierte die Führung erst nach externer Veröffentlichung oder interner nachträglicher Prüfung. Bei Brewag wurde Lars H. nach Bekanntwerden seiner Verbindung zu Nordic 12 entlassen. Heiko Werner sollte nach der taz-Recherche aus der Partei entfernt werden. Sven Lichtenfeld wurde nach der Wahl ausgeschlossen. Das spricht einerseits für vorhandene Abgrenzungsnormen.

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Die Feindbildarchitektur der Bürger in Wut

Betrachtet man die aktuelle Kommunikation in ihrer Gesamtheit, lassen sich mehrere wiederkehrende Gegenspieler erkennen. Im Zentrum steht der kriminelle beziehungsweise gefährliche Andere. Besonders sichtbar wird er bei Gewaltdelikten, Migration, Drogenkriminalität und Abschiebungen. Daneben steht die linke beziehungsweise „ideologische“ Zivilgesellschaft: Kulturzentren, politische Bildungsstätten, Jugendprojekte und öffentlich finanzierte Einrichtungen geraten unter einen Legitimationsvorbehalt.

Ein drittes Element bildet die politische Elite: der Senat, „rot-grün-rot“, Bürokratie und öffentliche Verwaltung erscheinen als verschwenderisch, realitätsfern oder ideologisch befangen. Die Selbstbeschreibung bildet das Gegenstück dazu: der arbeitende Steuerzahler, das Opfer von Kriminalität, der Autofahrer, der leistungsbereite Bürger, die Familie oder der kleine und mittlere Betrieb. Auf der Fraktionswebsite wird diese Gegensatzbildung inzwischen nahezu sloganartig verdichtet: „Leistung statt Gleichmacherei“, „Sanktionen statt Kuscheljustiz“, „Haushaltsdisziplin statt Steuergeldverschwendung“. Das ist klassische populistische Moralisierung. Politische Interessengegensätze werden zu einem Konflikt zwischen einem angeblich vernünftigen und leistungsbereiten „Volk“ und einer verantwortungslosen politischen, kulturellen oder bürokratischen Elite.

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Warum die Partei noch nicht mit der AfD gleichgesetzt werden sollte

Es gibt personelle Überschneidungen und Wanderungsbewegungen: Piet Leidreiter, Sven Schellenberg, Ulf Nummensen und Sven Lichtenfeld gehörten zuvor der AfD an. Gleichzeitig hat Timke wiederholt versucht, seine Organisation von der AfD strategisch abzugrenzen. 2023 profitierte BIW massiv davon, dass die AfD nicht antreten durfte. Heute liegt die AfD in Bremen wieder deutlich vor Timkes Organisation. Die Rückkehr zum bekannten Namen Bürger in Wut ist deshalb zugleich ein Versuch, einen eigenen rechten Markenraum zurückzuerobern.

In diesem Konkurrenzkampf kann BIW auf etwas verweisen, was die AfD in Bremen zeitweise gerade nicht bieten konnte: organisatorische Kontinuität, parlamentarische Erfahrung und die Selbstdarstellung als rechtsstaatlich kontrollierte Protestpartei. Genau deshalb sind Fälle wie Werner, Lichtenfeld oder die Kontakte Minnes politisch so sensibel. Sie berühren das zentrale Differenzierungsversprechen der Partei.

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Jan und Melissa Timke: politische und mediale Räume berühren sich

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Konstellation Jan und Melissa Timke ihre eigentliche Bedeutung. Jan Timke steht seit mehr als zwei Jahrzehnten für das parlamentarische Parteienprojekt. Melissa Timke war selbst BIW-Kandidatin und arbeitet heute für ein reichweitenstarkes rechtskonservatives Alternativmedium. Es zeigt, wie eng parlamentarische Politik, influencerbasierte Kommunikation und rechte Gegenöffentlichkeit biografisch aneinander heranreichen können.

NIUS bearbeitet Themen wie Migration, Klima und „Wokeness“, die nach medienwissenschaftlichen Untersuchungen erhebliche Schnittmengen mit rechten Parteien aufweisen. BIW wiederum konzentriert sich auf Migration, Innere Sicherheit, staatliche Ausgaben und den Kampf gegen eine angeblich ideologisch geprägte linke Infrastruktur.

Gefragt werden muss: Wann setzt NIUS welche Themen? Wann greift BIW dieselben Narrative parlamentarisch oder über Social Media auf? Welche Begriffe, Quellen und Beispiele wandern zwischen diesen Öffentlichkeiten?

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Die Rückkehr von Bürger in Wut ist deshalb mehr als Nostalgie

Am 24. August 2026 kehrt keine verschwundene Partei zurück. Zurück kehrt lediglich ihr erfolgreicherer Name. Die Abgeordneten, die politische Führung, das parlamentarische Personal, die Kommunikationsinfrastruktur und die zentralen Themen stammen unmittelbar aus der Bündnis-Deutschland-Phase. Timkes eigener Satz, eine Partei sei nur ein „Gefäß“ und die Inhalte seien geblieben, beschreibt diesen Vorgang erstaunlich präzise. Für den Wahlkampf 2027 bedeutet das: Bremen bekommt es nicht nur mit einer erstarkten AfD zu tun. Rechts von der Union konkurriert zugleich ein zweites etabliertes Parteienprojekt um Stimmen – eines, dessen Geschichte über die Schill-Partei bis in die frühen 2000er Jahre reicht, das in Bremerhaven über Jahrzehnte parlamentarisch verankert ist und inzwischen einen eigenen professionellen Medienapparat aufgebaut hat.

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Eine kritische Bilanz

Die Bürger in Wut lassen sich nach dem gegenwärtigen Forschungs- und Quellenstand am überzeugendsten als rechte, überwiegend rechtspopulistische Partei mit wirtschaftsliberalen und ausgeprägt autoritären Law-and-Order-Elementen einordnen. Diese Einschätzung entspricht auch der etablierten Bremer Parteienforschung.

Ihre politische Strategie basiert stark auf Versicherheitlichung: Kriminalität, Migration, Islamismus, Protest, linke Strukturen und öffentliche Räume werden immer wieder unter Gesichtspunkten von Gefahr, Kontrolle und staatlicher Durchsetzungsfähigkeit verhandelt. Dazu kommt eine populistische Gegensatzstruktur zwischen „Bürgern“ auf der einen und einer vermeintlich ideologischen, verschwenderischen oder zu nachsichtigen politischen Elite auf der anderen Seite. Gleichzeitig zeigt die Geschichte der Partei eine wiederkehrende personelle Durchlässigkeit zu weiter rechts liegenden Milieus. Diese reicht in dokumentierten Fällen bis zu Neonazis, Rechtsrock, rechten Hooligans und Hells-Angels-Zusammenhängen. Einige dieser Kontakte liegen Jahre zurück, andere betreffen Personen, die heute noch politische Funktionen innehaben.

Über mehr als ein Jahrzehnt tauchen an unterschiedlichen Stellen des Timke-Projekts immer wieder Personen auf, deren politische oder soziale Biografien Verbindungen in extrem rechte und teilweise militante Milieus aufweisen. Die Führung zieht gegenüber offenem Extremismus wiederholt Grenzen – aber häufig erst dann, wenn entsprechende Verbindungen bereits öffentlich geworden sind.

Und es macht deutlich, warum Bürger in Wut vor der Bürgerschaftswahl 2027 nicht nur als Wahlkonkurrenz der AfD beobachtet werden sollten. Zu untersuchen ist vielmehr ein eigenes rechtes politisches Ökosystem: Partei, Parlament, Beiräte, Bremerhavener Kommunalpolitik, Sicherheitsdiskurse, Social Media, Podcast, rechte Gegenöffentlichkeit – und immer wieder die Frage, wie durchlässig dessen Grenzen nach rechts außen tatsächlich sind.

Redaktion
AfD Watch Bremen

AfD Watch Bremen über Rechtsextremismus bei „Bündnis Deutschland“, in der Nordseezeitung

Berichte der taz zu Bürger in Wut Bremen | Bündnis Deutschland Bremen

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