AfD Watch Bremen · Das Netzwerk
Rechte Räume, Finanzierung und Infrastruktur
Räume und Geld machen rechte Politik dauerhaft. Ein Saal ermöglicht die Wahlversammlung, ein Abgeordnetenbüro schafft Arbeitsplätze, ein Kredit vergrößert den Wahlkampf. Wer solche Ressourcen bereitstellt, stärkt die organisatorischen Möglichkeiten rechter Akteur:innen.
Diese Übersicht führt zu den Recherchen über Immobilien, parlamentarische Stellen und Finanzierungswege in Bremen und Bremerhaven. Weitere Zugänge erschließen Sicherheitsgewerbe, Rechtsrock, Kampfsport, religiöse Netzwerke und digitale Mobilisierung.
Die zentralen Recherchen
Die drei Schwerpunktbeiträge untersuchen die räumlichen, personellen und finanziellen Grundlagen rechter Machtbildung. Die aktuelle Bunker-Recherche zeigt an einem konkreten Bremer Ort, wie ein Eigentümer der AfD politischen Rückhalt verschafft.
Immobilien und Veranstaltungsorte
Wer der Rechten die Türen öffnet
Am 22. August 2026 stellte die AfD ihre Bremerhavener Wahlliste in angemieteten Räumen des Havenhostels auf. Rund 400 Menschen protestierten; die Partei schloss die Presse aus. Die Vermietung ermöglichte einen konkreten Schritt zur Wahlteilnahme.
Die Recherche verbindet diesen Fall mit früheren AfD-Büros, privaten Immobilien und dem Bunker in Walle. Sie untersucht die Verantwortung derjenigen, die über diese Räume verfügen, und den Widerstand in den betroffenen Stadtteilen.
Parlamentarische Beschäftigung
Bezahlte Stellen stärken das extrem rechte Umfeld
Die Wege von Robert Teske, Jonas Schick und Benedikt Kaiser führen von Bremer Parteistrukturen in überregionale Parlamentsbüros. T-online dokumentierte 2025, dass Teske den neurechten Publizisten Kaiser als wissenschaftlichen Mitarbeiter beschäftigte.
Der Beitrag verfolgt diese Laufbahnen und zeigt, wie Personalentscheidungen Einkommen, institutionellen Zugang und politische Kontinuität schaffen. Die Bremer Vorgeschichte reicht zum Regionalbüro von Frank Magnitz in Walle zurück.
Parteifinanzierung und Wahlkampf
Wer den rechten Wahlkampf bezahlt
Ein Kredit von Bündnis Deutschland erweiterte 2023 den finanziellen Spielraum von Bürger in Wut. Bei der Bremer AfD-Landesebene trugen 2024 vor allem Zuschüsse anderer Parteigliederungen den Haushalt.
Die Analyse legt diese Geldflüsse offen und verbindet sie mit der politischen Entwicklung der Parteien: Wahlkampfreichweite, organisatorische Abhängigkeiten, Fusion und die spätere Rückkehr zum Namen Bürger in Wut.
Bremen-Walle · aktuelle Recherche
Wutbürger unter sich: AfD-Stützpunkt im NS-Bunker
Gerald Höns erklärte am 10. September 2026 gegenüber unserer Redaktion, der AfD weiterhin Räume bereitstellen zu wollen. Er begründete diese Unterstützung ausdrücklich politisch.
Die ausgewertete Korrespondenz und ihre Anlagen dokumentieren Raumüberlassung und Einladungen zu unterschiedlichen Parteiveranstaltungen. Der Beitrag untersucht die Rolle des Bunkers F76, Höns’ Verbindung zu Bürger in Wut und die Folgen rechter Verankerung für den Stadtteil.
Parteikassen, Zuschüsse und Kredite
Die Rechnungsunterlagen zeigen, wie überregionale Geldflüsse lokale Strukturen stützen. Die folgenden Befunde betreffen jeweils ein bestimmtes Rechnungsjahr und eine klar benannte Organisationsebene.
AfD-Landesverband Bremen · 2024
Fast 93 Prozent aus anderen Parteikassen
Von 71.717,70 Euro Einnahmen entfielen 66.516,66 Euro auf Zuschüsse anderer Parteigliederungen. Das entspricht rund 92,75 Prozent. Der Bremer Landesverbandshaushalt war damit 2024 wesentlich von innerparteilichen Transfers abhängig.
Die nachgeordneten Gebietsverbände werden im Rechenschaftsbericht gesondert ausgewiesen. Die Zahlen beschreiben die Landesebene; die Berechnung des Anteils beruht auf den dort veröffentlichten Beträgen.
Rechnungsunterlagen bei Lobbypedia · Strukturen der AfD-Landespartei
Bürger in Wut · 1. Januar bis 22. Dezember 2023
300.000 Euro Kredit für den politischen Aufbau
Der BIW-Rechenschaftsbericht weist ein Darlehen von Bündnis Deutschland über 300.000 Euro aus. Von insgesamt 330.172,84 Euro Ausgaben entfielen 264.950,43 Euro auf Wahlkämpfe: gut 80 Prozent.
Mit der Fusion zum 22. Dezember 2023 gingen Guthaben an den Bremer Landesverband und Darlehensverpflichtungen an den Bundesverband von Bündnis Deutschland über. Der Kredit gehört damit zur Finanzierungsgeschichte der später unter dem Namen BIW fortgesetzten Politik.
Rechenschaftsbericht und Fusion · Bürger in Wut und Bündnis Deutschland
Ein Darlehen begründet eine Rückzahlungsverpflichtung. Parteiinterne Zuschüsse sind Einnahmen der empfangenden Gliederung. Öffentliche Fraktionsmittel und die Ausstattung einzelner Mandate dienen jeweils der parlamentarischen Arbeit. Diese Unterschiede bestimmen, welche politischen Ressourcen verfügbar sind und welchen Regeln ihre Verwendung unterliegt.
Mandate schaffen Personal, Arbeitsräume und Reichweite
Parlamentarische Präsenz ermöglicht kontinuierliche Arbeit: Beschäftigte bearbeiten Themen, organisieren Termine und produzieren Öffentlichkeitsarbeit. Die politische Bedeutung liegt in der Dauerhaftigkeit dieser Kapazitäten. Die Recherche zu parlamentarischen Stellen zeigt, wie dadurch auch Personen aus dem extrem rechten Umfeld beruflich abgesichert werden.
Die BIW-Fraktion bewirbt auf ihrer Website den Podcast „Inside Bremen“, die Videoreihe „Fraktion am Puls“ und „Tatort Bremen“. Das Impressum von „Genug Bremen“ nennt ebenfalls die Fraktion als Verantwortliche. Damit verfügt sie über mehrere eigene Kanäle zur wiederkehrenden politischen Ansprache. Die Angaben belegen die Verantwortung für diese Angebote; ihre Finanzierung ist an die parlamentarischen Aufgaben der Fraktion gebunden.
Für die Bremer AfD eröffnet auch das Bundestagsmandat von Sergej Minich seit 2025 institutionelle Möglichkeiten. Sein Bundestagsdossier dokumentiert, wie er diese Stellung für Angriffe auf zivilgesellschaftliche Initiativen nutzt. Die Übersicht „Rechte im Parlament“ erschließt die weiteren Mandate, Fraktionen und Gruppen.
Weitere materielle und digitale Strukturen
Rechte Organisierung nutzt auch wirtschaftliche Tätigkeiten, Veranstaltungsorte, religiöse Autorität und digitale Verteiler. Die folgenden Recherchen zeigen konkrete Verbindungen und ihre jeweilige Funktion.
Sicherheitsgewerbe · dokumentierter Fall von 2018
Brewag: Das Geschäft mit dem Sicherheitsversprechen
Die von Jan Timke und Piet Leidreiter gegründete Firma Brewag setzte 2018 im Bremerhavener Columbus-Center einen Mann mit Verbindungen zur neonazistischen „Nordic 12“ ein. Nach der öffentlichen Aufdeckung erklärte das Unternehmen laut taz, er werde ausscheiden und bis dahin nicht mehr als Sicherheitskraft eingesetzt.
Der aufgearbeitete Fall untersucht die Verbindung von rechter Ordnungspolitik, privaten Sicherheitsaufträgen und Verantwortung für das eingesetzte Personal.
Rechtsrock, Handel und Kampfsport
Die Szene organisiert auch ihre Geschäfte
Konzerte, Tonträger, Kleidung und Kampfsportveranstaltungen verbinden politische Bindung mit wirtschaftlicher Tätigkeit. Der VOLLKONTAKT-Monitoringbericht beschreibt das Zusammenspiel extrem rechter Gruppen und Marken, darunter „SportFrei“ aus Bremen.
Die Recherchen erschließen Musikvertriebe, Veranstaltungsorte und Kontakte zwischen Neonazis, Hooligans und Rockern. Der „West Side Place“ in Dünsen gehört zu den dokumentierten regionalen Treffpunkten.
St. Martini und die christliche Rechte
Kirchliche Räume werden zur politischen Bühne
Kirchengebäude, Veranstaltungsräume und digitale Übertragungen geben der St.-Martini-Gemeinde dauerhafte Möglichkeiten zur Ansprache. Anlässlich ihrer Veranstaltung am 25. April 2026 kritisierte die Bremische Evangelische Kirche ausdrücklich den Import eines christlich-nationalistischen Kulturkampfs gegen Frauen- und LGBTQ-Rechte.
Die Dossiers untersuchen, wie religiöse Autorität, Veranstaltungen und überregionale Verbindungen politische Mobilisierung gegen gesellschaftliche Vielfalt tragen.
Digitale Verteiler und Straßenaktionen
Vom Chat zur Straße und zurück
Messengergruppen, Websites und soziale Netzwerke dienen der Kontaktaufnahme, Koordination und Propaganda. Straßenaktionen liefern wiederum Bilder und Videos für die weitere Verbreitung.
Die beiden Übersichten führen zu Recherchen über lokale Online-Netzwerke, Infostände, Demonstrationen und militante Mobilisierung. Sie zeigen, wie digitale Reichweite und verfügbare Menschen, Material und Treffpunkte zusammenwirken.
Gezielt weiterlesen
- Wer stellt der AfD in Walle Räume bereit?
Das Dossier zu Gerald Höns verbindet seine politische Laufbahn mit dem Bunker, seinen Kontakten und dokumentierten rechten Feindbildern.
- Wie werden politische Netzwerke zu bezahlten Stellen?
Die Recherche verfolgt die Wege von Teske, Schick und Kaiser zwischen Bremer Strukturen und überregionalen Parlamentsbüros.
- Welche Geldflüsse tragen den rechten Wahlkampf?
Die Analyse erschließt Darlehen, Parteihaushalte, innerparteiliche Transfers und die politischen Folgen finanzieller Unterstützung.
- Welche Rolle spielen Vermieter:innen und Eigentümer:innen?
Vom Havenhostel bis zu früheren AfD-Büros: dokumentierte Raumvergabe, lokale Verankerung und zivilgesellschaftlicher Widerspruch.
Verwandte Themen
Das Netzwerk
Der übergreifende Zugang zu Organisationen, Medien, Aktionsmilieus und ihren Verbindungen in Bremen und Bremerhaven.
Rechte im Parlament
Mandate, Fraktionen und Gruppen sowie die politischen Funktionen der beteiligten Akteur:innen.
Rechte Medien und Propaganda
Verlage, Publikationen und Kampagnen, die rechte Deutungen verbreiten und politische Milieus zusammenhalten.
Beratung und Unterstützung
Anlaufstellen für Betroffene rechter Gewalt und für Initiativen, Einrichtungen und Menschen, die rechten Entwicklungen entgegentreten.
Quellen und weiterführende Recherchen
Ausgewählte Belege für die Einordnungen und Zahlen dieser Übersicht. Die verlinkten Schwerpunktbeiträge enthalten die vertiefenden Recherchen und weitere Quellen.
Das ist unser Haus: Umgang mit Immobiliennutzungen durch die extreme Rechte
Analysiert Immobilien als Orte für Organisierung, Schulung, Veranstaltungen und die Bindung an rechte Strukturen.
Rund 400 Menschen in Bremerhaven bei Demo gegen AfD-Listenparteitag
Bericht über die Versammlung in Räumen des Havenhostels, den Protest und den Ausschluss der Presse.
Das rechtsextreme Regionalbüro
Dokumentiert Jonas Schick und Robert Teske am Bremer Magnitz-Büro sowie die Verbindung von Privateigentum und parlamentarischer Infrastruktur.
Rechtsextremer Personalwechsel
Originalrecherche zur Beschäftigung Benedikt Kaisers durch Robert Teske und zu weiteren Personalverbindungen im Bundestag.
Einnahmen, Ausgaben und Vermögen der AfD
Auszug aus Bundestagsdrucksache 21/4150. Die Einnahmen des Bremer Landesverbandes stehen auf gedruckter Seite 90 beziehungsweise PDF-Seite 4.
Bürger in Wut: Wahlkampfausgaben, Darlehen und Fusion
Von den Parteien vorgelegte Rechnungsunterlagen: BIW-Zahlen auf Seiten 17–18, Angaben zu Darlehen und Fusion auf Seite 28.
Wofür die Fraktionen Steuergelder ausgeben
Recherche zu Personal, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und der parlamentarischen Zweckbindung von Fraktionsmitteln.
Medienangebote der BIW-Fraktion
Eigenangaben zu „Inside Bremen“, „Fraktion am Puls“, „Tatort Bremen“ und dem Newsletter.
Verantwortlichkeit für die Kampagne „Genug Bremen“
Das Impressum nennt die Fraktion Bürger in Wut in der Bremischen Bürgerschaft und Jan Timke als Verantwortliche.
Schwarze Sheriffs, schwarze Schafe
Zeitgenössischer Bericht zu rechten Verbindungen von Sicherheitspersonal und zur von Brewag erklärten Trennung von einem Mitarbeiter.
Monitoringbericht 2025: Extreme Rechte und Kampfsport
Untersucht die Verbindung von Kampfsport, Marken, Einnahmen und extrem rechten Netzwerken; mit Bezügen zu Bremen.
Distanzierung von der Veranstaltung der St.-Martini-Gemeinde
Kritik des Kirchenausschusses am christlich-nationalistischen Kulturkampf und an der für den 25. April 2026 angekündigten Veranstaltung.
