Tassis bei Übergabe eines antimuslimischen Hetzplakats an Höcke – Erfurt 2016 – Bildquelle: Facebook, Alexander Tassis

Alexander Tassis wurde 2016 vom Landesvorstand Frank Magnitz und Thomas Jürgewitz aus dem Vorstand gedrängt. Zwischen Tassis und dem Landesvorstand gibt es seit jeher gegenseitige Ablehnung. Was sie verbindet ist die enge Beziehung zum Rechtsextremisten und Kopf des völkischen Flügels, Björn Höcke. 

Alexander Tassis betont stets seine griechische Herkunft und Homosexualität, wenn seine völkisch-nationalistische Propaganda kritisiert wird. Rassismus und Homophobie denen Betroffene ausgesetzt sind, verdunkeln AkteurInnen wie Tassis, mit ständiger Betonung ihrer eigenen Zugehörigkeit zu einer Minderheit. Die AfD insgesamt, verweist auf ihre Mitglieder mit Migrationshintergrund oder auf ihre lesbische Fraktionsführerin, Alice Weidel. Kritik an homophoben und rassistischen Positionen der AfD, wird von ihren AkteurInnen reflexartig als homophob und rassistisch zurückgewiesen. Ohne dafür eine legitime oder wissenschaftlich haltbare Begründung liefern zu können. Eine für extrem rechte Parteien übliche Täter-Opfer-Umkehr. Eine Etablierung dieser Umkehr gelingt ihnen, indem sie sich selbst zur absoluten Vertretung aller Minderheiten erheben und sich als beauftragte SprecherInnen inszenieren. Das Ziel ist die alleinige Deutungshoheit darüber zu erlangen, was Diskriminierung überhaupt sei und wer Diskriminierungen im gesamtgesellschaftlichen Diskurs kritisieren und ihre Beseitigung einfordern darf.

Ungewollt in der eigenen Partei

Tassis studierte Geschichte und war zehn Jahre aktives Mitglied der CDU Bremen. 2013 folgte der Eintritt in die AfD. Nach dem ersten Bruch innerhalb der AfD, bei dem der “Lucke-Flügel” die Partei verließ, fiel Tassis der Landesverband in die Hände. Schon 2015 betonte er die AfD radikalisieren zu wollen. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass Tassis als Akteur des völkisch-nationalistischen Höcke-Flügels agiert. Seit 2015 ist Tassis Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft und Mitglied der städtischen Deputation für Soziales, Jugend und Integration. Nach körperlichen Auseinandersetzungen mit anderen AfD Mitgliedern und öffentliche ausgetragenen Machtkampf innerhalb der AfD Landesführung, musste Tassis seinen Posten als stellv. Landessprecher der AfD im Landesvorstand räumen. Dies lag vor allem am Machtanspruch des Landeschefs Frank Magnitz. Seitdem übernimmt Tassis Aufgaben in anderen, nicht weniger rechtsextremen, Organisationen. Hierzu zählt vor allem seine Tätigkeit als Schriftführer im Vorstand der vom Verfassungsschutz beobachteten “Patriotischen Plattform (PP)”. Eher erfolglos versucht Tassis mit Neugründungen von AfD Unterorganisationen, seine Rolle in der Partei abzugrenzen und sich Bedeutung in der AfD zu geben.

Höcke und Tassis beim AfD Fraktionstreffen im Februar 2018 in Potsdam. Bildquelle: Screenshot, FB, Alexander Tassis

So gründete Tassis die Untergruppe der AfD “Migranten in der AfD – Neudeutsche Hoffnungsträger (NH)” sowie die Gruppierung “Homosexuelle in der AfD (AHO)“. In beiden Gruppierungen befinden sich bislang nur eine Handvoll Mitglieder. Der Bundesvorstand der AfD ignoriert bisweilen jedwede Bemühungen von Tassis, reaktionäre Homosexuelle und MigrantInnen unter seiner Führung anzusprechen. Schon seit dem Einzug der AfD in die Bürgerschaft ist Tassis glühender Anhänger von Björn Höcke und seiner an der NS-Ideologie angelehnten Propaganda. Zeitweise entstehen sich gegenseitige unterstützende Kontakte zwischen Höcke und Tassis, welche in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen werden. Das Verhältnis ist klar durch Höcke dominiert. Tassis ist der nützliche Parteisoldat, der selbst keinen Aufstieg in der AfD mehr erwarten darf. Im Gegensatz zu seinem Chef Frank Magnitz, der mitunter auf seinem Rücken in den Bundestag klettern konnte. Neben diesen Tätigkeiten, lässt sich Tassis in verschiedene Regionen einladen, um dort Vorträge zu halten, die, intellektuell angestrichen, völkisch-nationalistische Propaganda reproduzieren. Dabei bleiben seine rhetorischen Fähigkeiten weit hinter seinen Partei-KollegInnen zurück. Jedes gewählte Thema verfolgt den Zweck, Muslime und andere Minderheiten zu kriminalisieren oder nationalistische Traditionen zu restaurieren.

Kultur und Geschichte von muslimischen Minderheiten werden von Tassis in seinen Vorträgen als minderwertig klassifiziert oder ihnen Kultur und Gleichwertigkeit in manchen Reden ganz abgesprochen. Gleichzeitig inszeniert Tassis sich in seinen Vorträgen selbst als “deutscher Patriot”, der “das deutsche Volk” repräsentieren würde. Der Teil einer überlegenden “deutschen” Kultur und Nation sei. Was das “deutsche” eigentlich konkret sein soll, wird nicht erklärt. Eine Lücke die in allen “neurechten” Berufungen auf “Identität” nicht geschlossen wird. Als Beleg für seine “Befähigung” historische und philosophische Vergleiche zur Bewertung von “Kulturen” heranzuziehen, gibt er irreführend sein Beruf “Historiker” an. Dabei stellt er seine willkürlich aus der deutschen Geschichte herausgefilterten Ereignisse und umgedeuteten philosophische Thesen bekannter Intellektueller, stets Muslimen und anderen Minderheiten abfällig gegenüber. Die Botschaft: Muslime seien keine Religionsgemeinschaft, keine Kultur, im Grunde seien ihre AnhängerInnen keine zivilisierten Menschen. Mitunter werden von AfD und “IB” VertreterInnen MigrantInnen und Geflüchtete als “Invasoren” verächtlich gemacht. Welche mit einer vermeintlich archaischen Kultur, die “Stärke der deutschen/europäischen Kultur” schwächen würden. Darauf baut die AfD programmatisch ein wesentliches Bedrohungsszenario auf, dass von Tassis geteilt wird. 

Innerhalb der “Neuen Rechten”, dessen Ideologie Tassis in Vorträgen sowie in seinem Verein “Patriotische Plattform” rezipiert, wird Einwanderung von Muslimen als eine Form von Kriegswaffe dargestellt. Die Lenkenden und “Kriegstreiber” seien die USA und hinter ihnen stünden jüdische Interessen. Dass die Narrative der “Neuen Rechten” Gewalt gegen Minderheiten schürt, wird von Tassis geleugnet. Das gleiche Gedankengut trug der Terrorist der 50 Menschen in Christchurch ermordete in seinem “Manifest” ebenfalls vor und beruft sich ausdrücklich auf die Vordenker der “Neuen Rechten”. 

Propagandist der “Neuen Rechten”

AfD Aufmarsch 05.05.2018 in Delmenhorst. Tassis (Mitte-Rechts) zusammen mit Christoph Tarek Merkel (Rechts) und weiteren JA/IB Akteuren. Das IB Logo und der Thors Hammer sind deutlich auf den Shirts zu erkennen. Für Tassis kein Grund zur Distanzierung, sondern Grund für ein Gruppenfoto. Bildquelle: Screenshot, FB, A. Tassis

Damit folgt Tassis dem typischen Muster protofaschistischer Propaganda, das über das Mittel des Kulturrassismus, umgedeutete Bezüge zur NS “Blut und Boden” Ideologie herstellt und eine Kriegslogik aufbaut, die mit Entmenschlchung beginnt. Seine Nähe zur Ideologie der “IB” findet sich in vielen Passagen seiner Vorträge wieder. Auch teilte Tassis am 25.12.2017 laut Verfassungsschutzgutachten, Propaganda des “IB” Akteurs Martin Sellner. – So können für Tassis bspw. MigrantInnen nur dann “deutsch” und damit erst wieder Menschen mit vollen Rechten sein, wenn diese sich vollständig in die völkische Ideologie der AfD, bzw. der “Neuen Rechten” assimilieren lassen und jede “fremde” Kultureigenschaft als “unpatriotisch” ablegen. Für alle anderen gelte, dass sie sich nur in ihrem Kulturraum aufzuhalten hätten (Ethnopluralismus der “IB”). Jedoch nicht über das Staatsbürger-Recht, wie es die Verfassung vorsieht. Ähnliches propagiert Tassis auch für Homosexualität. Welche auch nur dann Akzeptanz finden dürfe, wenn diese sich selbst als ungleichwertig der hetero-normativen Dichotomie von Mann und Frau zur Reproduktion von (deutschen) Nachwuchs unterwirft.

Offene Unterstützung der extremen Rechten

Tassis inszeniert sich als Sprecher von “patriotischen” Deutschen auf dem Marktplatz am 03.04.2018

Kooperationen mit der rechtspopulistischen Law & Order Partei “Bürger in Wut (BiW), gehören ebenso zum Aktionsfeld von Tassis. Besonders mit Martin Korol (BiW) pflegt Tassis einen engen Austausch. Zu verschiedenen Anlässen fuhren vor allem Tassis und der stellv. Vorsitzende der JA Bremen, Marvin Mergard, auf rechtsextreme Aufmärsche wie in Berlin, um dort im Kreise von militanten Neonazis und Kameradschaften, sich als “Konservative” und “Patrioten” zu inszenieren. Militanten Rechtsextremisten auf solchen Aufmärschen, wird mithilfe von AfD AkteurInnen so bürgerliche Legitimation verschafft. Die AfD öffnet gerade im Wahlkampfphasen bereitwillig für dieses Klientel ihre Tore. Immer wieder kooperiert Tassis seit 2015 mit Akteuren der “Identitären Bewegung (IB)” in verschiedenen Bundesländern. In seiner Organisation “Patriotische Plattform”, wurde ausdrücklich die “IB” als Teil der AfD befürwortet. Im Frühling 2018 organisierte Tassis zusammen mit AfD Mitglied Sybill Constance De Buer den rechtsextremen Aufmarsch “Kandel ist Überall“, zeitweise regelmäßig auf dem Bremer Marktplatz. An der Organisation waren auch extrem Rechte beteiligt, wie Jürgen Wirtz (ehem. Vorstand REP). Sowie AkteurInnen die sonst vor NPD Aufmärschen sprechen. In verschiedenen Bundesländern beteiligte sich Tassis an Aufmärschen, die begleitet waren von militanten Neonazis, wie in Chemnitz. 

Zur KandidatInnen-Aufstellung zur Bürgerschaftswahl 2019, wurde Tassis vom Landesvorstand nicht erneut aufgestellt. Nach vier Jahren der gegenseitigen Verachtung, konnte der Landesvorstand seine Position nutzen, Tassis komplett rauszudrängen. Ohne seine Tätigkeit als Bürgerschaftsabgeordneter, ohne die “Patriotische Plattform” bleiben Tassis nur noch seine selbst gegründeten Grüppchen, wie “Homosexuelle in der AfD“, die von der AfD Führung nicht autorisiert sind. Faktisch ist Tassis ab dem 26.05.2019, nur noch ein funktionsloses Mitglied der AfD. Ob dieser woanders versuchen wird seine AfD “Karriere” neu aufzunehmen, wird sich zeigen.

Einordnung

Rechtsextremisten unter sich. Tassis während des vermeintlichen “Trauermarsches” in Chemnitz im Gespräch mit Höcke. Bildquelle: Screenshot, FB, A. Tassis

Nach Kriterien der Extremismus-Forschung kann der AfD Funktionär, Alexander Tassis, als bürgerlich auftretender Rechtsextremist eingeordnet werden, dessen politisches Bestreben darauf ausgerichtet ist Grundprinzipien der demokratischen Ordnung und des liberalen und sozialen Rechtsstaats zu beseitigen, um diesen durch ein völkisch-nationalistisches Herrschaftssystem, einer protofaschistischen Elite zu ersetzen. Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt auch das VS Gutachten 2019, mit Bezug auf die politischen Bestrebungen des Höcke-Flügel. Auch wenn Tassis mit wenigen Ausnahmen (“Wehrmacht als Vorbild für die Bundeswehr”), eine unmittelbar positive Bezugnahme auf politische Elemente des Nationalsozialismus meidet. So bezieht dieser sich, wie bspw. das vom VS beobachtete JA Vorstandsmitglied Marvin Mergard, auf dessen Vordenker und lebt seinen als “Patriotismus” umgedeuteten Rechtsextremismus, vor allem in chauvinistischen Verklärungen von Nation und Volk, öffentlich aus. Vor allem finden sich starke Bezüge auf die auch von “Identitären” angeführten Vordenker des Faschismus, bzw. der sog. “Konservativen Revolution”. Seine bisherigen propagandistischen Aktivitäten, seine Anbiederung mit dem rechtsextremen Höcke-Flügel, Unterstützung der Kyffhäuser-Treffen und der “Identitären”, als auch seine Mitgliedschaft im Vorstand der ultrarechten “Patriotischen Plattform“, lassen an dieser Einordnung keinen Zweifel.

Redaktion
AfD Watch Bremen