Das “Volk” in Bremen hat wohl kein Interesse. Trotz Aufruf der AfD kam niemand außer dieses braune Grüppchen. Mittig rechts, Tassis AfD Bremen. Links daneben, Michael Schnieder, AfD Funktionär Diepholz. Ganz links, Johannes Luig

AfD Aufmarsch wird in Bremen überrannt

In Bremen versuchte die AfD am Dienstag vor der Bürgerschaft einen völkisch-nationalistischen Aufmarsch zu initiieren und fand sich nach wenigen Minuten plötzlich inmitten einer antifaschistischen Intervention von entschlossenen BremerInnen wieder.

Gedacht hatte sich der AfD Abgeordnete Alexander Tassis und sein Anhang den Nachmittag des 27.03.2018, auf dem Bremer Marktplatz, wohl etwas anders. Nachdem Tassis mit weiteren AfD AkteurInnen, u.a. aus Niedersachsen, auf dem Marktplatz ankommen, war es kaum möglich zu erkennen, dass überhaupt eine Kundgebung der AfD stattfindet. Ein kleines im Wind verdrehtes Banner mit der Aufschrift “Kandel ist Überall” und ein paar kleine Schildchen mit “Merkel muss weg”. Der AfD Aufmarsch verschwand unter den flanierenden TouristInnen, die sich für die historische Altstadt interessierten, nicht aber für Ewig Gestrige. – Neben Tassis, marschierte Michael Schnieder, Kreisvorstand AfD Diepholz, auf den Platz.

Breiter Gegenprotest zum völkischen Aufmarsch der AfD auf dem Marktplatz, am 27.03.2018

Schnieder war erst kürzlich, am 10.03.2018, im nahe Bremen gelegenen Kirchweyhe zusammen mit IB Akteur und JA Vorsitzender Niedersachsen, Lars Steinke, aufmarschiert. Mit ihm in Kirchweyhe waren auch AfD Bremen Landesvorsitzender und Bundestagsabgeordneter, Frank Magnitz, mit seinem JA Bremen Akteur, Marvin Mergard. Gekommen waren sie nach Kirchweyhe, um den tragischen Tod eines Jugendlichen vor Ort rassistisch zu instrumentalisieren (Wir berichteten).

Nun versucht es die AfD mit einem anderen Opfer einer Gewalttat und gibt sich dafür nun dreist als “Frauenrechtsbewegung” aus. Wo neurechte versuchen Feminismus und emanzipatorische Kämpfe von Frauen rechts umzudeuten, erscheinen meist wie hier überwiegend männlich sozialisierte Akteure. Und die interessiert vor allem ihrem Rassismus und Nationalismus Geltung zu verschaffen. Frauen werden für die Propaganda nicht selten nur benutzt. – Schnieder passt genau in dieses Schmierentheater. Seit einigen Jahren agiert er im Vorstand des AfD Kreisverbands (KV) Diepholz zusammen mit AfD Akteur Andreas Iloff. Der KV Vorsitzende Iloff wiederum ist seit Jahren als einschlägiger Neonazi mit guten Kontakten zum Thüringer NPD Chef Thorsten Heise, sowie militanten Kameradschaften, bekannt. Deren Kreise wiederum bis ins rechts-terroristische Milieu reichen (Wir berichteten). Angemeldet hat den Aufmarsch vor der Bürgerschaft, mit anschließenden Marsch durch die Innenstadt, AfD Mitglied Sybill Constance De Buer. Beworben wird dieser Aufmarsch jedoch vor allem von den im niedersächsischen Umland liegenden AfD Ablegern und rechtsextremen Social Media Seiten wie “Volksbewegung Niedersachsen“. So liegt es auf der Hand, dass der vergangene und die folgenden angemeldeten Aufmärsche in Bremen vor allem von der AfD Niedersachsen und deren Umfeld forciert werden. Der niedersächsische AfD Verband Verden konstatiert:

Ab dem 27.03.2018 findet ‘Kandel ist überall’ immer Dienstags vor der Bremer Bürgerschaft statt“. Weiter heißt es in der Veröffentlichung: “Der Bremer Frauenmarsch, geleitet von Frau Sybill Constance De Buer, lädt zur Bremer Montagsspaziergang ‘Merkel muss weg’  Beginn Montagsspaziergang: 18:00 h. Der Marsch verläuft über Obernstrasse, Papenstrasse, Knochenhauerstrasse, Herdentor zum Hauptbahnhof”. In dem uns vorliegenden Schreiben ist dieser Aufnarsch auch für kommenden Dienstag, 03.04.2018, angemeldet. Der Begriff “Montagsspaziergang” ist dahingehend irreführend. –

AfD Akteure Diepholz, bei ihrem Aufmarsch am 10.03.2018 in Kirchweyhe. Iloff rechts, Schnieder links. Bildquelle: Recherche Nord

An der AfD Personalie Michael Schnieder, der in unmittelbaren Austausch mit Neonazi Iloff steht, zeigt sich, dass das neofaschistische Netzwerk im Hintergrund dieser Kundgebung wohl schon auf Erfolg der Hetzkampange “Kandel ist Überall” lauert. Vergeblich. – Dennoch, vergleichbar wie in den anderen Regionen, ist der Hintergrund solcher Aktionen. Wo militante Neonazi-Strukturen nicht direkt auf die Straße gehen können, weil sie zuviel Protest auf sich ziehen würden, versucht es nun auch die AfD. Wie aktuell in Bremen; hier in Kooperation mit den am Bundesland Bremen angrenzenden AfD Ablegern im niedersächsischen Umland. Die Dramaturgie ist stets dieselbe. Zunächst werden bürgerlich auftretende völkische NationalistInnen vorgeschoben, bestenfalls ein paar Frauen nach vorne ins Bild gesetzt. Und mit leiseren Tönen wird rassistisch agitiert. Sendungsbewusstsein gegenüber der Presse besteht in der neurechten Szene seit längerem. Wenns es funktioniert und ein paar AfD Fans sich an solche Aufmärsche beteiligen, ist es immer nur eine Frage der Zeit, bis die neonazistischen AkteurInnen selbst öffentlich in Aktion treten und die militante Kameradschaft-Szene als “besorgte Bürger” getarnt aufmarschiert. Besonderen Erfolg hatte Pegida in Dresden mit dieser Dramaturgie. Ähnliches spielt sich gerade auch Montags in Hamburg ab, an dem sich auch Personen des Vorstands der AfD Bremen durch ihre Anreise beteiligen, um zu versuchen dort einen Neonazi-Aufmarsch, nach Pegida Vorbild, zu etablieren (Wir berichteten).

Kaum Chancen in Bremen

In Bremen herrscht bislang eine andere Situation vor, in der sich gegenwärtig die AfD ziemlich chancenlos abzuarbeiten versucht. Jeder Versuch seitens rechtsextremer Organisationen erfolgreich Aufmärsche in Bremen und Umland zu etablieren, sind gescheitert. So auch an diesem Dienstag auf dem Marktplatz. Um die Peinlichkeit zu kaschieren, wurde unter den paar AfD AkteurInnen auf dem Marktplatz gewitzelt und so getan, als ob es die plötzlich anwesende Gegenkundgebung gar nicht existiere. Nach wenigen Minuten ist der braune Spuck der AfD beendet, die AfD überrannt. – Gekommen waren viele Menschen mit Bannern, die schnell und entschlossen auch inhaltlich den Marktplatz dominierten. Mit Redebeiträgen die über das braune Treiben der AfD aufklärten, sowie lauten Protest-Chören, wie “Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda!” oder “Nationalismus raus aus den Köpfen!“. – Auf den Bremer AfD Social Media Seiten nutzte u.a. Alexander Tassis vorhersehbar das eigene Scheitern schon kurz nach dem Aufmarsch als Grundlage sich und seine Partei zu “Opfern” zu erklären.

Dass die einstudierte Opferrolle ihr nicht zusteht, zeigt sich immer wieder durch das was sie bundesweit propagiert: Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Homophobie, sowie die ständige Anlehnung an die Ideologie des Nationalsozialismus. Die schwere Folge ihrer Hetze führte nachweislich zu einem Anstieg von rechtsextremen Gewalttaten gegen Minderheiten. Von diesen Taten hat die AfD sich noch nie distanziert, was ihr als Billigung ausgelegt werden kann. Von “Opfer” kann also nie die Rede sein.

Der angekündigte AfD Aufmarsch für Dienstag 03.04.2018 auf dem Marktplatz und durch die Innenstadt Bremens, dürfte erneut kaum Resonanz erfahren. Bremen ist eben nicht Kandel und Kandel ist nicht überall.

Redaktion
AfD Watch Bremen

 

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