Verbandschef Andreas Illoff (ganz rechts) und Heiner Löhmann (neben Iloff) mit ihrem Kreisverband Diepholz (Osterholz). Trotz Mitgliedschaft in diesem Kreisverband und Leben in Syke, gibt Löhmann vor in Bremen politisch aktiv und wohnhaft zu sein. Bildquelle: AfD KV Osterholz, 2018

Neonazi und AfD Akteur Andreas Iloff, schickt Löhmann nach Bremen. Mit diesen Akteuren rückt das völkische Netzwerk aus dem Hinterland näher ans Parlament.

AfD Akteur Heinrich (Heiner) Löhmann wird auf Platz 6 der KandidatInnen-Liste des Bremer Landesverbandes geführt. Wären am Sonntag Wahlen (Stand: April 2019, 7 % für die AfD), stünde Löhmann auf der Kippe noch ein Mandat in der Bürgerschaft zu erhalten. Ein zudem angestrebtes Mandat für den Beirat Hemelingen, wäre hingegen zu erreichen. In der Konsequenz müsste Löhmann jedoch zuvor seinen Lebensmittelpunkt in Bremen haben. Unsere Recherchen. einige Wochen vor der Abgabe der AfD KandidatInnen-Liste bei der Wahlbehörde, dokumentieren, dass Löhmann tatsächlich seit Jahrzehnten in Syke lebt und nichts darauf hindeutet, dass Löhmann sein Haus im Grünen, an dem immer noch sein Name prangt, ernsthaft gegen wenige Quadratmeter im Gewerbegebiet von Hemelingen eingetauscht hat. Ausgerechnet “rechtzeitig” zur Bürgerschaftswahl.

Löhmann versicherte im März 2019 bei Abgabe der Wahlunterlagen, an Eides statt, in Bremen zu wohnen und hätte lediglich sich “zu spät umgemeldet“. Tatsächlich konnten kurz Prüfung der eingereichten Unterlagen, Löhmann zwei Mal von MitarbeiterInnen der Behörde an der neuen Adresse angetroffen werden. Jedoch war Löhmann zu diesem Zeitpunkt bereits vorgewarnt, als Behörden endlich die Sache ernst nahmen und selbst einmal nachsahen. – Bis zur Prüfung und Verabschiedung der eingereichten AfD Kandidaturen bei der zuständigen Behörde, ließ sich nicht eindeutig klären, ob Löhmann tatsächlich an der Adresse, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Bremer AfD Beiratskandidatin Beata Linka, lebt oder beide nur eine Scharade vollziehen, die bis nach der Wahl für Behörden und Presse aufrecht erhalten werden soll.

Löhmanns politische Biografie

Der im Elektronik-Gewerbe tätige Löhmann wollte 2013 Bürgermeister von Syke werden. Nach seinem Scheitern trat er aus der CDU aus, um 2016 dem völkisch-nationalistischen AfD Kreisverband unter Andreas Iloff, in Diepholz beizutreten. Sein Lebensmittelpunkt hat der 1961 geborene Löhmann seit seiner Jugend im niedersächsischen Syke. Mit Bremen hat Löhmann, der sich selbst “Syker Junge” nennt und sogar seinen Namen zeitweise unter “Heiner Syke” ins Firmenregister eintragen ließ, nur soviel zutun, dass seine damalige Firma ETIB GmbH unter anderem in Bremen ansässig war. Das Unternehmen war über die letzten Jahre insolvent und wurde inzwischen gelöscht. Der letzte offizielle Sitz des gelöschten Unternehmens ETIB in Bremen, ist die jetzige von Löhmann angegebene Meldeadresse. Was seine früheren Angestellten vom Unternehmer Löhmann hielten, kann in diesem offenen Brief seiner Angestellten von 2003 nachgelesen werden. 

Löhmann, beim AfD Aufmarsch in Stuhr an denen einschlägige Neonazis der “IB Bremen” beteiligt waren. Kein Problem für Löhmann, schließlich ist sein Kreisverbandschef Andreas Iloff, ein vom VS Beobachteter AfD Atkeur mit besten Kontakten ins militante Neonazi-Milieu. Bildquelle: Recherche Nord, 2017

Wie weit weg Löhmann von einer Befähigung ist, Berufspolitiker zu sein, demonstrierte er im aktuellen Wahlkampf. Bei einem Auftritt in einer Schule im März 2019, vor SchülerInnen auf einem Podium, konnte Löhmann keine der Fragen sachgemäß beantworten und demonstrierte keinen Bezug zur Fakten zu haben. Stattdessen wurde die falschen Behauptungen zu Klima, Migration und Sicherheitspolitik, die bundesweit von der AfD propagiert werden, in den Raum geworfen. Die SchülerInnen waren jedoch nicht zu täuschen und wiesen alle Behauptungen als Propaganda ewig gestriger AfD AkteurInnen zurück. Gleiches war schon Alexander Tassis und Ann-Katrin Magnitz (Platz 5) an anderen Schulen auf Podiumsdiskussionen zum Wahlkampf 2019 passiert. Auch sie konnten nichts sachliches auf den Podien beitragen, schwiegen überwiegend und wurden bei ihren wenigen Antworten promt demaskiert. Löhmann’s Auftritt war jedoch derart unprofessionell, dass er selbst sich sogar genötigt sah, die Peinlichkeit in einem Facebook-Kommentar zu entschuldigen.

Alte Bekannte aus dem Hinterland

Iloff, AfD Diepholz, (links) mit Abgeordneten und Bremer AfD Landeschef Frank Magnitz, AfD Bremen. Gemeinsamer Aufmarsch in Kirchweyhe. Statt Trauer für einen Toten fotografierten die Akteure fröhlich den Gegenprotest für ihre Kreise und spuckten auf die Interessen von Gemeinde und Hinterbliebenen. Bildquelle: Recherche Nord

Dass ausgerechnet Löhmann der seit Jahren zum völkisch-nationalistischen AfD-Kreisverband Diepholz gehört, nach Bremen entsendet wird, ist nicht überraschend. Der Kreisverband, unter Führung des Neonazis und AfD Akteur Andreas Iloff, ist seit Jahren eng mit dem Bremer Landesverband verbunden. Gegenseitige Wahlkampfhilfe gehörte in der Vergangenheit ebenso dazu, wie wechselseitige Unterstützung bei öffentlichen Veranstaltung der AfD. Meist besuchen sich die Verbände gegenseitig, um den Eindruck zu erwecken, die AfD wäre auch im norddeutschen Raum populär. In den letzten Jahren kamen fast ausnahmslos FunktionärInnen und Mitglieder zu den wenigen öffentlichen Veranstaltungen der AfD. Nicht selten in Begleitung von AkteurInnen der “Identitären Bewegung”, bzw. ehemaliger JN-Kader (NPD). Ein Publikum außerhalb der eigenen Filterblasen anzusprechen, gelingt der AfD in Bremen und den Kreisverbänden im Umland nicht. Andreas Iloff, der seit vielen Jahren in der Neonazi-Szene aktiv und konspirative Veranstaltungen organisiert, war u.a. 2018 mit dem Landeschef Frank Magnitz zusammen mit “IB”-Akteuren, wie Lars Steinke, Marvin Mergard, in Kirchweyhe aufgeschlagen. Um dort erfolglos eine Tragödie, bei dem ein Jugendlicher gewaltsam zu Tode kam, rassistisch auszuschlachten. Die AfD schloss direkt an einem Ereignis an, über das in den Jahren zuvor militante Neonazi-Strukturen, wie “IB”, NPD-Kreise und militante Kameradschaften, versuchten politisches Kapital zu schlagen. Die Zusammenkünfte zwischen Magnitz und Iloff finden immer wieder statt. In Stuhr half Magnitz und sein Verband, eine Veranstaltung von Iloff zu organisieren. Bei einer Bremer AfD Veranstaltung in der Bürgerschaft 2018, unterstütze Iloff’s AfD-Verband die Veranstaltung unter Magnitz Federführung, bei der auch bundesweit bekannte Neonazis als Referenten und “IB”-Akteure als Gäste auftragen. Im März 2019 war Magnitz Gastredner auf einer Veranstaltung von Andreas Iloff bei der die gemeinsame Zusammenarbeit von ihnen betont wurde. Heinrich Löhmann nun als Bürgerschaftskandidaten einzubringen, lässt die extrem rechten Strukturen und AkteurInnen von Iloff, noch näher an den Bremer Landesverband rücken.

Der heutige AfD Akteur und ehemalige stell. Vorstandsvorsitzende Wiese für die REP Bremen, beim AfD Aufmarsch in Stuhr 2017. Im Hintergrund, die von der AfD Bremen mitgebrachte Wahlkampf-Propaganda. Bildquelle: Recherche Nord

Iloff’s Kreisverband anzugehören und sich in seinem Netzwerk zu bewegen, bedeutet ganz offen völkisch-nationalistische Positionen zu vertreten und die Aktivitäten von Iloff ins militante neonazistische Milieu zu billigen und unterstützen. Löhmann muss wissen, dass Iloff seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird und in welche Strukturen Iloff verstrickt ist. Unter anderem seine neonazistischen Aktivitäten, die bis zum NPD Chef Thorsten Heise und zu verbotenen Organisationen, wie der HDJ reichen. Neben Iloff findet sich in diesem AfD Kreisverband auch ein weiterer, nicht unbekannter Akteur der extrem rechten Szene.

Harald Wiese ist Vorstandsmitglied neben Iloff im AfD-Verband Diepholz. Wiese war in Bremen lange Zeit für die Republikaner (REP) aktiv. Zeitweise war Wiese der stellvertretende Landesvorsitzende der REP Bremen, bis zu deren Auflösung 2009. Harald Wiese saß 2008 im Beirat Gröpelingen für die REP. Wiese ist zudem in völkisch-nationalistischen Vereinen “Auehof e.V., im Vorstand organisiert. Der Verein wird von seinem Parteichef Iloff angeführt. Zudem ist Wiese im ähnlich organisierten Freundeskreis Deutschland e.V. im Vorstand. Bei den Vereinen wird ein deutlich NS bezogener “Germanenkult” betrieben, der über die Jahre militante Strömungen sowie AkteurInnen der DVU, REP, NPD eingliederte und seit 2013 mit der AfD den Kreis erweitert. Die Aktivitäten des neonazistischen Vereins “Auehof” unter Federführung von Iloff, sind Rechtsextremismus-ExpertInnen und dem Verfassungsschutz seit Ende der 90er Jahre bekannt.

Dass Löhmann nun aus dem von Iloff geführten Kreisverband, für die AfD Bremen in die Bürgerschaft und in den Beirat Hemelingen einziehen will, demonstriert zum einen, wie eng die AfD Bremen mit den alten Strukturen im Hinterland verbunden ist. Zum anderen, dass im Hintergrund zum Akteur Löhmann, Iloff und seine militanten Neonazi-Kreise, die im Kontext zu diesen AfD Verbänden auftreten, in Wartestellung sind. In anderen Bundesländern ist der Sprung in die Parlamente für neonazistische Kreise schon vollzogen. Bremen bildet für diese AkteurInnen einen Schlussstein. Um unter dem bürgerlichen Deckmantel der AfD auch in Bremen offen auftreten zu können. Wie die letzten AfD Aufmärsche in Stuhr 2017 und in Delmenhorst 2018 eindeutig vor Augen geführt haben. 

Redaktion
AfD Watch Bremen