Wie Partei, Jugendorganisation, Medien, Stiftungen und das extrem rechte Vorfeld zusammenwirken

Die AfD entfaltet ihre politische Wirkung längst über Wahlkämpfe und Parlamente hinaus. Um die Partei besteht eine Infrastruktur aus Nachwuchsorganisationen, Kampagnenprojekten, Verlagen, Medien, Bildungsangeboten, Aktionsgruppen und internationalen Bündnissen. Diese Akteur:innen entwickeln politische Begriffe, bilden Nachwuchs aus, mobilisieren Anhänger:innen, produzieren Reichweite und verschieben die Grenzen des öffentlich Sagbaren.

Dabei handelt es sich um ein vielschichtiges Netzwerk mit unterschiedlichen Graden der Nähe zur AfD. Einige Strukturen gehören unmittelbar zur Partei. Andere sind organisatorisch eigenständig, teilen aber Personal, Veranstaltungen oder politische Konzepte mit ihr. Wieder andere besitzen lediglich punktuelle ideologische oder strategische Berührungspunkte.

Unsere fachlich belastbare Netzwerkanalyse unterscheidet deshalb zwischen Parteigliederung, parteinaher Organisation, dokumentierter Kooperation und allgemeiner politischer Nähe.

Politische und rechtliche Einordnung: AfD Watch Bremen bezeichnet die AfD aufgrund ihrer völkisch-nationalistischen, ethnisch ausgrenzenden und autoritären Programmatik politikwissenschaftlich als rechtsextreme Partei. Davon zu unterscheiden sind behördliche und gerichtliche Bewertungen. Die Beobachtung der Bundespartei als rechtsextremistischer Verdachtsfall ist rechtskräftig bestätigt. Die vom Bundesamt für Verfassungsschutz im Mai 2025 verkündete Hochstufung wird während des laufenden Rechtsstreits nicht öffentlich vollzogen. Das Bundesverwaltungsgericht dokumentiert die rechtskräftigen Entscheidungen zur Verdachtsfalleinstufung. AfD Watch Bremen ist an behördliche Kategorien nicht gebunden und orientiert sich an fachjournalistische und politikwissenschaftliche Kriterien. 


Das Wichtigste in Kürze

  • Die AfD bildet den parlamentarischen, finanziellen und organisatorischen Kern des Netzwerks.
  • Die 2025 aufgelöste Junge Alternative wurde durch die enger an die Partei gebundene Generation Deutschland ersetzt. Personelle und politische Kontinuitäten reichen bis in das extrem rechte Vorfeld.
  • Der formal aufgelöste „Flügel“ wirkt über sein Personal und seine völkisch-nationalistische Programmatik in der Partei fort.
  • Nach der Auflösung des Instituts für Staatspolitik wurden publizistische und organisatorische Aufgaben im Schnellrodaer Umfeld auf neue Strukturen verteilt.
  • Identitäre und neonazistische Aktionsmilieus treten zunehmend unter wechselnden Namen auf. In Bremen und dem niedersächsischen Umland rückte 2025 besonders die „weserems.aktion“ in den Fokus.
  • Die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung könnte Zugang zu erheblichen Bundesmitteln erhalten. Über ihre Förderfähigkeit war im August 2026 noch nicht abschließend entschieden.
  • Im Europäischen Parlament verfügt die AfD mit der Fraktion Europa der Souveränen Nationen über eine eigene institutionalisierte Bündnisstruktur.

1. Die AfD als parlamentarischer und organisatorischer Kern

Die Partei bündelt Mandate, staatliche Parteienfinanzierung, Fraktionsmittel, Beschäftigtenstellen und Zugang zu Parlamenten. Diese Ressourcen unterscheiden sie von außerparlamentarischen Gruppen. Sie ermöglichen professionelle Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen, Personalaufbau und eine dauerhafte politische Präsenz.

Das extrem rechte Vorfeld liefert der Partei zugleich Begriffe, Nachwuchs, Kampagnen, Medieninhalte und außerparlamentarische Mobilisierung. Die Beziehungen verlaufen jedoch in beide Richtungen. Rechte Verlage, Aktionsgruppen und Medien verfolgen eigene Interessen und konkurrieren teilweise um Personal, Aufmerksamkeit und Geld.

Politikwissenschaftlich lässt sich dieses Verhältnis als arbeitsteiliges Netzwerk beschreiben: Partei und Vorfeld handeln eigenständig, entfalten durch personelle Überschneidungen und gemeinsame politische Deutungen aber eine wechselseitig verstärkende Wirkung.

Der „Flügel“: aufgelöst, aber politisch wirksam

Der um Björn Höcke und Andreas Kalbitz entstandene „Flügel“ war eine informelle völkisch-nationalistische Strömung innerhalb der AfD. Nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz ihn als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft hatte, verlangte der AfD-Bundesvorstand seine Auflösung. Formal endete die Struktur am 30. April 2020. Die Auflösung führte jedoch nicht zur politischen Entmachtung ihres Personals. Björn Höcke und weitere frühere „Flügel“-Akteure prägen die inhaltliche Entwicklung der Partei weiterhin. Positionen, die zuvor mit dem besonders radikalen Parteirand verbunden wurden, sind inzwischen in weiten Teilen der AfD anschlussfähig. Der „Flügel“ ist daher als historische Organisationsstruktur mit anhaltender personeller und programmatischer Wirkung einzuordnen.

Patriotische Plattform: historische Brücke zur Identitären Bewegung

Auch die „Patriotische Plattform“ gehört zur Geschichte der innerparteilichen Radikalisierung. Der von Hans-Thomas Tillschneider geführte Verein warb offen für eine engere Zusammenarbeit zwischen AfD und Identitärer Bewegung. Er löste sich 2018 auf.

Für die Geschichte der Bremer AfD ist die frühere Beteiligung des damaligen Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Tassis bedeutsam. Sie dokumentiert eine frühe Verbindung des Bremer Landesverbandes zu völkisch-nationalistischen Parteistrukturen. n-tv berichtete 2018 über die Auflösung der Patriotischen Plattform.


2. Von der Jungen Alternative zur Generation Deutschland

Die Junge Alternative für Deutschland löste sich zum 31. März 2025 auf. Zuvor hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz sie als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die ARD dokumentierte Auflösung und damaligen Stand der Einstufung. Die Auflösung beendete die organisierte Jugendarbeit der AfD nur vorübergehend. Am 29. November 2025 gründete die Partei in Gießen die Generation Deutschland. Zum ersten Bundesvorsitzenden wurde der brandenburgische AfD-Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm gewählt. Die neue Organisation ist enger an die Partei gebunden als ihre Vorgängerin. Mitglied kann grundsätzlich nur werden, wer zugleich der AfD angehört. Gebietsverbände werden den jeweiligen Parteigliederungen zugeordnet. Über Kennzeichen, Symbole und Farben entscheidet der GD-Bundesvorstand im Einvernehmen mit dem AfD-Bundesvorstand. Diese institutionelle Einbindung ist im Jugendstatut der Generation Deutschland festgeschrieben.

Die Parteiführung erhält dadurch größere organisatorische und disziplinarische Zugriffsmöglichkeiten. Recherchen von NDR und WDR zeigen zugleich personelle und politische Kontinuitäten zwischen Generation Deutschland, früherer Junger Alternative und Akteur:innen des extrem rechten Vorfeldes. NDR und WDR: „Neuer Name, alte Netzwerke“. Die Neugründung verbindet damit zwei Entwicklungen: eine stärkere Kontrolle des Nachwuchses durch die Partei und die Fortsetzung einer radikalisierten politischen Nachwuchskultur.

Für Bremen sind vor allem Landes- und Kreisvorstände, Veranstaltungen, Referent:innen, Schulungsangebote sowie gemeinsame Kampagnen mit regionalen Akteur:innen zu beobachten.


3. Schnellroda und die ideologische Infrastruktur

Das Institut für Staatspolitik gehörte über Jahre zu den wichtigsten Denk- und Kaderschmieden der sogenannten Neuen Rechten. Es organisierte Akademien, veröffentlichte politische Texte und brachte AfD-Funktionär:innen mit Autor:innen und Aktivist:innen des völkisch-nationalistischen Milieus zusammen.

Das Institut wurde 2024 aufgelöst. Teile seiner Funktionen bestehen im Umfeld von Götz Kubitschek jedoch in veränderter Form fort. Dazu gehören der Verlag Antaios, die Zeitschrift Sezession sowie die Strukturen Metapolitik und Menschenpark. Publizistische Arbeit, Veranstaltungen und politische Schulungen wurden damit organisatorisch neu verteilt. Die taz analysierte die Neuordnung nach der Auflösung; die ARD berichtete über die Verlagerung auf einen Verein und ein Unternehmen. Dieses Milieu verfolgt eine metapolitische Strategie. Politische Begriffe und Deutungsrahmen sollen zunächst in Büchern, Zeitschriften, Vorträgen und digitalen Medien verbreitet werden. Ziel ist eine langfristige Verschiebung gesellschaftlicher Debatten. Rechtsextreme Konzepte wie „Remigration“, „Bevölkerungsaustausch“ oder eine ethnisch verstandene „Volksgemeinschaft“ gewinnen auf diesem Weg Anschluss an parteipolitische Auseinandersetzungen.

Die Verbindung zur AfD entsteht vor allem durch Auftritte, Autor:innenschaften, Interviews, Akademien und wiederkehrende Kontakte zu Parteifunktionär:innen. Zum breiteren rechtskonservativen bis rechtsradikalen Publikationsfeld gehören außerdem Junge Freiheit, Cato und die Bibliothek des Konservatismus. Ihre jeweilige Rolle ist anhand konkreter Inhalte und nachgewiesener Kooperationen zu bewerten.


4. Kampagnen- und Aktionsnetzwerke

Ein Prozent

Das Kampagnenprojekt Ein Prozent entstand 2015 im Umfeld von Götz Kubitschek, Jürgen Elsässer und weiteren Akteuren der radikalen Rechten. Es verbindet Spendenwerbung, Medienproduktion, politische Kampagnen und die Unterstützung aktivistischer Projekte. Ein Prozent erfüllt damit eine infrastrukturelle Funktion zwischen ideologischer Publizistik, digitaler Mobilisierung und außerparlamentarischem Aktivismus. Beziehungen zur AfD zeigen sich in gemeinsamen Themen, Veranstaltungen und personellen Kontakten. Organisatorisch handelt es sich um ein eigenständiges Projekt.

Identitäre Bewegung und wechselnde Aktionsnamen

Die Identitäre Bewegung vertritt ein ethnisch definiertes Gesellschaftsmodell. Ihr Konzept des „Ethnopluralismus“ ersetzt ältere biologische Rassebegriffe durch die Vorstellung voneinander getrennter und kulturell homogener Bevölkerungen. Politisch richtet sich dieses Modell gegen eine pluralistische Einwanderungsgesellschaft und die Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von Herkunft und Abstammung. Die AfD führt die Identitäre Bewegung auf ihrer Unvereinbarkeitsliste. Über Jahre sind dennoch personelle Kontakte, gemeinsame Veranstaltungen und Übergänge zwischen identitärem Aktivismus, Junger Alternative und AfD dokumentiert. Besonders im Nachwuchsmilieu erwies sich die formale Abgrenzung als durchlässig.

Identitäre Aktivist:innen treten zunehmend unter regionalen oder neu geschaffenen Namen auf. Dazu gehören Bezeichnungen wie „Lederhosen Revolte“ oder „Reconquista 21“. Mit dem Wechsel von Logos und Organisationsnamen verändern sich die dahinterliegenden politischen Konzepte und personellen Milieus häufig nur begrenzt. Das Bayerische Informationszentrum gegen Extremismus beschreibt solche Fortsetzungsstrategien in seinen regionalen Lageinformationen.

Für die Recherche sind deshalb Personal, Social-Media-Kanäle, Aktionsformen, Veranstaltungsorte und ideologische Bezüge aussagekräftiger als einzelne Organisationsbezeichnungen.

Martin Sellner und das Konzept „Remigration“

Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner wirkt gegenwärtig vor allem als Autor, Online-Propagandist und international vernetzter Aktivist. Sein Einfluss beruht auf medialer Reichweite und der Popularisierung des politischen Kampfbegriffs „Remigration“. Unter diesem Begriff werden sehr unterschiedliche Maßnahmen zusammengeführt – bis hin zur massenhaften Deportation von Menschen mit Migrationsgeschichte aus Deutschland. Der Begriff verschleiert dabei die autoritären und entrechtenden Konsequenzen der zugrunde liegenden Konzepte.

Sellner besitzt kein Amt in der AfD. Seine Bedeutung für das Parteiumfeld entsteht durch die Übernahme seiner Begriffe, dokumentierte Kontakte und die Teilnahme von AfD-Mitgliedern an entsprechenden Veranstaltungen.

Reconquista Germanica

Reconquista Germanica trat vor allem während des Bundestagswahlkampfs 2017 als koordiniertes rechtsextremes Online-Netzwerk in Erscheinung. Über die Plattform Discord wurden digitale Kampagnen und Angriffe auf politische Gegner:innen, Journalist:innen und Medien organisiert. Ein erklärtes Ziel war die Unterstützung der AfD im digitalen Wahlkampf.

Das Projekt ist heute vor allem als historisches Beispiel für koordinierte rechte Online-Mobilisierung relevant. Seine Aktionsformen – massenhafte Kommentare, Meme-Kampagnen, Belästigung und künstliche Verstärkung politischer Inhalte – wurden von späteren Netzwerken weiterentwickelt.


5. PEGIDA: von der Straßenbewegung zum politischen Resonanzraum

PEGIDA verband seit 2014 antimuslimischen Rassismus, migrationspolitische Mobilisierung, Medienfeindlichkeit und Ablehnung der parlamentarischen Demokratie. AfD-Funktionär:innen traten bei den Demonstrationen auf; Anhänger:innen, politische Begriffe und Feindbilder überschnitten sich deutlich. Am 20. Oktober 2024 fand die letzte regulär angekündigte Dresdner PEGIDA-Demonstration statt. Die ZEIT berichtete über das Ende der regelmäßigen Aufmärsche.

Die politische Wirkung der Bewegung reicht darüber hinaus. Narrative von einer angeblichen „Islamisierung“, einem gegen das „Volk“ gerichteten Staat und grundsätzlich manipulierenden Medien wurden von Parteien, digitalen Plattformen und anderen Protestmilieus übernommen. PEGIDA ist deshalb als historisch prägende Mobilisierungsstruktur und als Brücke zwischen Straßenprotest und parteipolitischem Rechtsextremismus einzuordnen.


6. Medien als Verstärker

Die AfD betreibt mit Websites, Social-Media-Kanälen, Videos und eigenen Publikationen eine umfangreiche Kommunikationsinfrastruktur. Hinzu kommt ein breiteres rechtes Medienökosystem. Es verbreitet politische Narrative, greift Kampagnen der Partei auf und setzt Themen, die anschließend in parlamentarische Debatten gelangen. Zu diesem Spektrum gehören parteinahe Formate ebenso wie formal unabhängige Medien und Influencer:innen. Compact, AUF1, Junge Freiheit, Deutschland-Kurier, Freie Welt und Sezession unterscheiden sich in Organisationsform, politischer Ausrichtung und Nähe zur AfD. Sie sollten deshalb jeweils eigenständig betrachtet werden.

Für Compact ist die aktuelle Rechtslage von besonderer Bedeutung: Das Bundesinnenministerium verbot 2024 die herausgebenden Unternehmen. Das Bundesverwaltungsgericht hob dieses Verbot am 24. Juni 2025 auf. Das Gericht hielt ein Vereinsverbot von Medienunternehmen grundsätzlich für möglich, sah die materiellen Voraussetzungen im konkreten Verfahren jedoch nicht vollständig erfüllt. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Juni 2025.

Eine ausführliche Analyse dieses Bereichs findet sich in unserer Rubrik „Rechte Medien und Propaganda“.


7. Die Desiderius-Erasmus-Stiftung

Die Desiderius-Erasmus-Stiftung ist die AfD-nahe politische Stiftung. Sie organisiert Veranstaltungen, Publikationen und politische Bildungsangebote. Damit kann sie Wissen, Personal und Netzwerke über den unmittelbaren Parteiapparat hinaus aufbauen. Nach dem Ergebnis der Bundestagswahl 2025 entfiele ab 2026 rechnerisch ein Anteil von 13,2 Prozent der entsprechenden Bundesmittel auf die Stiftung. Voraussetzung ist jedoch die Erfüllung sämtlicher materieller Förderbedingungen des Stiftungsfinanzierungsgesetzes. Der Bundestag erläutert die rechnerischen Förderanteile und den gesetzlichen Vorbehalt.

Im August 2026 war die Prüfung noch nicht abgeschlossen. Das Bundesinnenministerium richtete dafür eine eigene Projektgruppe ein. Berichte der Verfassungsschutzbehörden fließen – wie bei allen geprüften politischen Stiftungen – in die Gesamtschau ein. Bundestag zum Prüfungsstand und zu den Abfragen bei den Verfassungsschutzbehörden. Die Stiftung war am Stichtag formal antragsberechtigt. Über ihre materielle Förderfähigkeit und eine tatsächliche Auszahlung von Bundesmitteln war noch nicht abschließend entschieden.


8. Internationale Bündnisse

Seit Juli 2024 bildet die AfD im Europäischen Parlament gemeinsam mit mehreren Rechtsaußenparteien die Fraktion Europa der Souveränen Nationen. Die ESN verschafft ihren Mitgliedsparteien Redezeit, Ausschusssitze, Personalstellen und finanzielle Ressourcen. Sie ist die wichtigste institutionalisierte internationale Bündnisstruktur der AfD auf europäischer Ebene. Reuters berichtete über die Gründung; die ZEIT dokumentierte die Zusammensetzung der Fraktion.

Rechtsparteien wie Rassemblement National, FPÖ, Fidesz, PiS und PVV gehören unterschiedlichen europäischen Fraktionen an und verfolgen eigene nationale Interessen. Für eine Netzwerkanalyse sind deshalb die jeweilige Fraktionszugehörigkeit, gemeinsame Veranstaltungen, personelle Kontakte und konkrete politische Kooperationen entscheidend.


9. Bremen und der Nordwesten

Generation Deutschland Bremen

Mit der Gründung der Generation Deutschland entsteht auch in Bremen eine neue Struktur des AfD-Nachwuchses. Ihre enge satzungsmäßige Anbindung an die Partei erhöht die politische Zurechenbarkeit ihrer Aktivitäten.

Für die weitere Beobachtung sind insbesondere Vorstandsmitglieder, Delegierte, Veranstaltungen, Referent:innen, Schulungsangebote und gemeinsame Wahlkampfaktivitäten relevant. Von besonderem Interesse sind mögliche personelle Kontinuitäten zur früheren Jungen Alternative und zu identitären beziehungsweise extrem rechten Aktionsmilieus.

weserems.aktion

Die Gruppe „weserems.aktion“ trat 2024 und 2025 mit rechtsextremen Aktionen in Bremen und dem niedersächsischen Umland auf. Im August 2025 durchsuchten Einsatzkräfte die Wohnungen von fünf Verdächtigen. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wurden unter anderem Waffen, Datenträger und rechtsextremes Propagandamaterial sichergestellt.

Der NDR berichtete anschließend über Ermittlungen wegen Sachbeschädigungen, Bannerdiebstahls und des Besitzes eines Schlagrings. Der Bremer Verfassungsschutz bezeichnete die Gruppe demnach als neonazistisch und rechtsextremistisch. NDR, 17. September 2025.

Historische Bremer Verbindungen

Der frühere AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis war an der Patriotischen Plattform und mehreren parteiinternen Interessengruppen beteiligt. Diese Funktionen dokumentieren historische Verbindungen des Bremer Landesverbandes zu völkisch-nationalistischen Parteistrukturen.

Der aus dem Bremer AfD- und JA-Umfeld bekannte Jonas Schick steht wiederum exemplarisch für personelle Übergänge zwischen Partei, identitärem Aktivismus und rechtsintellektueller Publizistik. Solche Biografien zeigen, wie politische Erfahrungen, Kontakte und Deutungsmuster zwischen unterschiedlichen Teilen des Netzwerks weitergegeben werden.


Wie das Netzwerk politische Wirkung erzeugt

Die Wirkmächtigkeit dieses extrem rechten Netzwerks liegt in der Verbindung unterschiedlicher Ressourcen:

  1. Partei und Fraktionen schaffen Mandate, Beschäftigung, Geld und institutionellen Zugang.
  2. Jugendorganisationen rekrutieren und schulen künftige Funktionär:innen.
  3. Verlage, Zeitschriften und Akademien entwickeln Begriffe und ideologische Deutungen.
  4. Aktions- und Kampagnengruppen erzeugen Konflikte, Bilder und außerparlamentarische Mobilisierung.
  5. Medien und Influencer:innen verbreiten Narrative und greifen politische Gegner:innen an.
  6. Stiftungsarbeit ermöglicht langfristige Bildungs-, Publikations- und Personalstrukturen.
  7. Europäische Allianzen liefern finanzielle Ressourcen, Personal und internationale Kontakte.

Diese Arbeitsteilung funktioniert nicht widerspruchsfrei. Zwischen Partei, Vorfeld und Medien bestehen strategische Konflikte und Konkurrenz. Ihre gemeinsame Wirkung entsteht vor allem dort, wo Begriffe, Personal, Veranstaltungen und Kampagnen mehrere Bereiche miteinander verbinden.