Hinrich Lührssen bei der Arbeit als Redakteur für Radio Bremen. Bildquelle: Screenshot, Frame, YT, Radio Bremen

Am 15.08.2018 verkündete der Landesverband der Bremer AfD die Berufung des Autoren und Journalisten Hinrich Lührssen in den Bremer Landesvorstand. Im Februar 2019 gab Lührssen seinen Austritt bekannt und wechselte zur Partei BiW. Vorausgegangen waren Differenzen mit dem Landesvorstand

Lührssen arbeitete zuletzt für Radio Bremen und privaten Medienanstalten als freier Journalist. Mit kurzen Beiträgen zu Alltagsthemen im Radio Bremen Format Buten un Binnen, war Lührssen bei vielen BremerInnen bekannt geworden. Mit ihm an der Seite des Landesvorstandes, wollte die identitär durchwachsene Landesführung zum Wahlkampf 2019 versuchen, sich bürgerlich zu verkaufen. Was den Journalisten konkret zu seiner Entscheidung bewegt hatte in den Vorstand des Bremer Landesverbandes einzutreten, schilderte Lührssen in verschiedenen Interviews bundesweit präsenter Medienformate. Darunter in der ZDF Sendung Lanz. In den Interviews rekurrierte Lührssen hauptsächlich auf das Thema Geflüchtete, die Bundeskanzlerin sowie auf die vermeintlich herrschende Asylpolitik. Dies sei Ausgang seines Entschlusses gewesen,.in die AfD einzutreten und im Landesvorstand aktiv zu werden. Hierbei wiederholte Lührssen das unzutreffende Narrativ neurechter Kreise, die Kanzlerin habe die Grenze geöffnet und Rechtsbruch begangen. Trotz journalistischer Ausbildung Lührssens und der zu erwartenden Fähigkeit sich objektiv zu informieren, schloss dieser sich den virulenten Falschinformationen neurechter Kampagnen an und wiederholte sie in Interviews. In einem Interview mit dem Magazin Übermedien wurde deutlich, dass Lührssen grundsätzlich kein Problem mit der extrem rechten Ausrichtung der Partei hat. 

Ausstieg aus dem Vorstand und Partei

Im Februar 2019 verkündete Lührssen seinen Austritt aus der Partei. Vorangegangen war nach eigener Darstellung, die Unzufriedenheit mit der Parteiführung durch den Landesvorstand. Lührssen hatte zunächst für die Bürgerschaftswahl 2019 den Listenplatz 1 kandidieren wollen. Nach Querelen mit dem Landesvorstand, vor allem mit dem Landeschef Frank Magnitz, wurde Lührssen vom Landeschef überraschend vom Listenplatz  1 verdrängt. Magnitz hatte bis zum Schluss behauptet, nicht für die Landeswahl kandidieren zu wollen. Nach Lührssen Darstellung sei beim Landesparteitag der Bremer AfD die “Wahl schwerwiegend manipuliert” worden. Trotz vieler Andeutungen zu kriminellen Machenschaften der AfD, blieb Lührssen unkonkret. Auch sei nach seiner Darstellung der Landesverband “anti-demokratisch und absolut nicht wählbar“.  Magnitz hingegen behauptete, Lührssens Darstellungen seien falsch und wies alle Vorwürfe, wie üblich ohne Belege zu liefern, von sich. in einer Pressemitteilung des Landesverbandes nach der Listenaufstellung, erklärte der Vorstand Lührssen sei nicht gewählt worden, da dieser versucht habe sich mit den geschassten AkteurInnen der Partei einzulassen, um Mehrheiten für sich zu gewinnen. Dies sei bemerkt worden und hätte Lührssen die Zustimmung gekostet. Lührssen kommentierte dies mit “Eine neue Lüge der Familie Kantholz“. In Anlehnung an eine bewusste Falschbehauptung Magnitz, dieser sei bei einem Angriff auf ihn mit einem Kantholz geschlagen worden. Selbst die Bremer AfD Jugendorganisation, ebenfalls von Teilen des Vorstands anlässlich der VS Überwachung isoliert, erklärte die in der Pressemitteilung vom Landesverband behaupteten Vorgänge für falsch. Auch der ehemalige AfD Wahlkreis-Büroleiter und IB Kader, Jonas Schick, mischte sich via Twitter in die Streitigkeit und erklärte: “Selten so eine Ansammlung von üblen Lügen gelesen. Der Landesverband in Bremen macht sich lächerlich. Mut zur Wahrheit hat da von den Verantwortlichen keiner mehr“.

Bereits 2013 war Lührssen schon einmal in die AfD eingetreten. Damals in die AfD Bremerhaven. Lührssen wurde damals nicht zur Wahl auf einen lukrativen Posten aufgestellt und verließ in der Konsequenz daraufhin 2014 die AfD wieder.

Wechsel zur Partei Bürger in Wut

Eine Woche nach seinem Austritt aus der AfD verkündete Lührssen seine Mitgliedschaft bei der Partei Bürger in Wut. Darüber hinaus bot Lührssen sich als Spitzenkandidat der BiW an. Am 23.02.2019 wurde Lührssen mit 83 Prozent der Stimmen in seiner Kandidatur für den Spitzenplatz in Bremen bestätigt. Viele BremerInnen, aber auch Stimmen aus den eigenen Reihen, kritisierten die inhaltslosen und macht-orientierten Vorgänge der letzten Wochen. Lührssen sei nur an einem hochdotierten Posten im Parlament interessiert und habe keine eigenen politische Überzeugungen. Die Kritik ist angebracht, da es üblich ist, in einer Partei zunächst zu arbeiten, sich darin zu entwickeln und über die Zeit für Positionen berufen zu werden, für die sich eine Qualifikation abzeichnet. Sofort nach Eintritt zum Spitzenkandidaten einer Partei zu werden, unterstreicht die Kritik, Lührssen sei nur an Posten interessiert und die Partei nur an ein prominentes Gesicht. Kommentare vieler KritikerInnen verwiesen zudem darauf, dass diese durchschaubare Streben des TV Journalisten Lührssen nach einem gut bezahlten Posten, der BiW mehr Schaden als nützen würde.

Kommentar zu Lührssen Aktivitäten in der AfD

Lührssen mit Andreas Kalbitz (rechts) und Robert Teske (ganz rechts) auf dem AfD Parteitag in Riesa. Januar 2019. Bildquelle: FB, AfD Bremen

Unserer Beobachtung nach, treffen die Äußerungen Lührssen zum Landesvorstand zu. Fraglich bleibt jedoch Lührssens Rolle während seiner Tätigkeit im Landesvorstand und seine fehlende Abgrenzung zum völkisch-nationalistischen Diskurs der AfD. Neben Billigung des Diskurses des Landesverbandes, während seiner Mitgliedschaft, posierte Lührssen in dieser Phase für Propaganda-Fotos mit bekannten RechtsextremistInnen der Partei, darunter auch mit dem Neonazi und AfD Akteur Andreas Kalbitz. Brandenburgs AfD Chef Kalbitz war vor seiner Parteikarriere in der inzwischen verbotenen Organisation Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) aktiv und zählt auch heute zu den Ultrarechten in der AfD. Auch reiste Lührssen gemeinsam mit dem Bremer JA Chef Robert Teske als Delegierter zu Parteitagen und war stets bereit sich mit den rechtsextremen AkteurInnen der Bremer JA und AfD an Aktionen zu beteiligen und sich für Propaganda-Bilder ablichten zu lassen. Auch als die Bremer AfD Benedikt Kaiser als Gast in die Bremer Bürgerschaft lud, sah Lührssen kein Konflikt und moderierte die Veranstaltung. Als Journalist hätte er wissen können, wer die Gäste im Raum sind, darunter “IB” und ehemalige NPD Akteure. Selbst als inzwischen Behörden die Beobachtung der Bremer JA und später auch der AfD einleiteten, zog Lührssen nicht die Reißleine. Der Ausstieg erfolgte erst mit dem Verlust auf die Chance in die Bürgerschaft einzuziehen. – Abgrenzungen seitens Lührssen zu den bekannten Hardlinern der Partei, gab es zu keinen Zeitpunkt.

So bleibt der Eindruck zurück, Lührssen’s Bereitschaft die Partei kritisch zu sehen, reduziert sich allein auf den Landesvorstand und seiner Auseinandersetzung mit dem Parteichef. Die AfD abzulehnen, weil sein Parteichef ein dreckiges Spiel spielt, beinhaltet nicht automatisch eine Ablehnung des Diskurses der Partei. Kritik, die dem völkisch-nationalistischen Diskurs der Partei gilt oder den engen Verknüpfungen zu extrem rechten Organisationen, wie bspw. zur “IB”, dem “IfS” oder “Ein Prozent”, erfolgte seitens Lührssen auch nach seinem Austritt nicht. Bereits zu Beginn seiner AfD Karriere sah Lührssen überhaupt nicht ein, warum es sich für DemokratInnen verbietet in Chemnitz mit Neonazis aufzumarschieren und betonte in der Sendung Lanz, er wäre auch dort hingefahren, hätte er die Zeit gehabt. – Wäre seine Wahlaufstellung also erfolgreich verlaufen und der Landesvorstand nicht im Streit mit Lührssen geraten, ist anzunehmen, dass Lührssen die Bremer AfD mit ihrem völkisch-nationalistischen Diskurs in der Bürgerschaft vertreten hätte.

Redaktion
AfD Watch Bremen

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Verschmähte Liebeleien bei der AfD | Lührssen rechnet mit der AfD ab