Gegenprotest und interne Konflikte: Bremer „Frauenmarsch“ bricht zusammen
Archivbeitrag · Erstveröffentlichung: 31. Mai 2018 unter „Die Bockwurst-Party ist vorbei“ · Überarbeitet und um einen historischen Nachtrag ergänzt
Der Versuch, unter dem Etikett „Frauenmarsch“ eine regelmäßige rechte Straßenmobilisierung in Bremen aufzubauen, geriet im Frühjahr 2018 an seine Grenzen. Die von Alexander Tassis und Sybill Constance De Buer getragene Reihe traf auf anhaltenden Gegenprotest und zerfiel in internen Auseinandersetzungen. Ende Mai blieb von der angekündigten Mobilisierung ein Auftritt mit drei Personen.

Der Auftakt: acht Teilnehmende und deutlicher Widerspruch
Am 27. März 2018 begann die Reihe auf dem Bremer Marktplatz. Aufgerufen hatte der damalige AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis. Die taz berichtete von acht Teilnehmenden und rund 50 Menschen im Gegenprotest. Antifaschist:innen umstellten die Kundgebung mit Transparenten und hielten Redebeiträge gegen Nationalismus und Rassismus. [1]
Mit „Kandel ist überall“ griff die Mobilisierung den Mord an einer 15-Jährigen in Rheinland-Pfalz auf. Belltower.News ordnet den Bremer „Frauenmarsch“ in bundesweite Kampagnen aus dem AfD-Umfeld ein, die Gewalt gegen Frauen rassistisch deuteten. Tassis und De Buer führten die Veranstaltungen an; Parolen gegen Angela Merkel rückten dabei in den Vordergrund. [2]
Die politische Funktion dieses Etiketts war die Verbindung von Frauenschutz und migrationsfeindlicher Agitation. Eine einzelne Gewalttat wurde zum Ausgangspunkt für ein kollektives Bedrohungsbild. Das verlieh rassistischen Forderungen den Anschein einer Schutzkampagne und richtete die Empörung gegen als fremd markierte Menschen.
Im April hielt der Gegenprotest an
Die Chronik von antifa-bremen.org verzeichnet für den 3. April ungefähr 150 Gegenprotestierende. Am 10. April folgte eine weitere Kundgebung mit Protesten; für den 17. April nennt die Chronik mehr als 200 Menschen auf antifaschistischer Seite. Fotos dieses Termins dokumentieren Tassis und De Buer unter den Teilnehmenden der rechten Veranstaltung. Die Zahlen stammen aus der Dokumentation des antifaschistischen Umfelds. [3]
Die wiederkehrenden Proteste bestritten der Kampagne ihren Anspruch, für eine breite Öffentlichkeit zu sprechen. Wer den Marktplatz als Bühne für rassistische Mobilisierung nutzen wollte, traf dort auf sichtbaren und hörbaren Widerspruch. Der Versuch, durch regelmäßige Termine politische Normalität herzustellen, blieb damit öffentlich umkämpft.
29. Mai: Der letzte Anlauf der Frühjahrsserie

Am 29. Mai erschien De Buer nach der antifaschistischen Chronik mit zwei Begleitpersonen auf dem Bahnhofsvorplatz. Der Auftritt endete nach wenigen Minuten. Damit erreichte die zunächst wöchentlich angelegte Reihe einen vorläufigen Schlusspunkt. [3]
Das Ende hatte mehrere Ursachen. Belltower.News benennt im Jahresrückblick vom Januar 2019 ausdrücklich interne Auseinandersetzungen und den starken Druck durch die Gegenproteste. Beide Entwicklungen trafen auf eine Mobilisierung, die bereits zum Auftakt nur einen kleinen Kreis erreicht hatte. [2]
Für die Organisator:innen war das eine politische Niederlage: Der regelmäßige Auftritt hatte keine tragfähige Beteiligung hervorgebracht. Zugleich blieb der Gegenprotest über mehrere Termine präsent. Die Formel „Kandel ist überall“ verschaffte der Kampagne Aufmerksamkeit, aber keine stabile Verankerung auf Bremens Straßen.
Historischer Nachtrag: neuer Versuch am 7. Juli
De Buer griff das Vorhaben im Sommer erneut auf. Unser Beitrag „Sie ist wieder da“ vom 28. Juni 2018 dokumentierte die Ankündigung für den 7. Juli. An diesem Tag fand tatsächlich wieder eine Kundgebung auf dem Marktplatz statt. Die Kreiszeitung berichtete unter Berufung auf die Polizei von elf Teilnehmenden und einem vorausgegangenen Gegenmarsch mit rund 450 Menschen. Gegen 15 Uhr beendete die Veranstaltungsleiterin die Kundgebung. [6]
Der Zusammenbruch Ende Mai betraf somit die Frühjahrsserie. Der spätere Auftritt zeigte zugleich, dass das Mobilisierungsvorhaben weiterverfolgt wurde. Für die politische Einordnung zählt beides: Der kontinuierliche Widerspruch setzte der rassistischen Straßenkampagne Grenzen; ihre Akteur:innen suchten anschließend erneut eine Bühne.
Redaktion
AfD Watch Bremen
Quellen und weiterführende Recherchen
Zeitgenössische Berichte, antifaschistische Dokumentation und Archivfotos erschließen den Verlauf. Der spätere Jahresrückblick ergänzt die Einordnung der Konflikte; der Juli-Auftritt steht im historischen Nachtrag.
Zeitgenössische Meldung zum Auftakt am 27. März: Tassis’ Aufruf, acht Teilnehmende und der Gegenprotest auf dem Marktplatz.
Bremen 2018: Bedrohungen, „Die Rechte“, „Nordadler“ und die AfD
Der Abschnitt zum Bremer „Frauenmarsch“ benennt De Buer und Tassis als Organisator:innen sowie interne Konflikte und Gegenprotest als Gründe für das Ende der Reihe.
Chronologie aus der Perspektive des antifaschistischen Gegenprotests: April-Termine, Fotos vom 17. April und der kurze Auftritt mit drei Personen am 29. Mai.
De Buer und Gegenprotest auf dem Bahnhofsvorplatz
Originaldatei des ersten Beitragsbildes. Die damalige Bildunterschrift datiert die Aufnahme auf den 29. Mai 2018.
Geringe Beteiligung auf dem Bahnhofsvorplatz
Zweites Foto aus dem ursprünglichen Beitrag; die dort genannte Bildquelle Stadtkontext bleibt erhalten.
Rechtliches Nachspiel nach Demonstrationen in der Bremer Innenstadt
Bericht zum erneuten Auftritt am 7. Juli. Die Angaben zu Beteiligung und Veranstaltungsende beruhen auf der damaligen Polizeidarstellung.
