Inklusion ist ein Menschenrecht
Über 200 Menschen demonstrierten am Nachmittag in der Bremer Innenstadt für eine barrierefreie Gesellschaft. Anlass war der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen. Die Kundgebung verband die Forderung nach Inklusion mit einer Warnung vor der extremen Rechten.

Öffentlichen Raum für Inklusion einnehmen
Trotz regnerischen Wetters besetzten über 200 Menschen eine Kreuzung nahe der Bremer Sögestraße, um sich am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen den öffentlichen Raum zu nehmen. Redner:innen auf der angemeldeten Kundgebung machten auf die Gefahren aufmerksam, die durch Erfolge extrem rechter Parteien besonders Menschen mit Behinderungen drohen.
Zu dieser Kundgebung hatten unter anderem ver.di, die GEW, die Gesamtschüler:innenvertretung, die Lebenshilfe Bremen und die Naturfreundejugend Bremen aufgerufen.
Die Erinnerung an die NS-Krankenmorde verpflichtet
Zwischen 1939 und 1945 ermordeten die Nationalsozialisten in Europa schätzungsweise 300.000 Menschen im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“-Verbrechen. Betroffen waren insbesondere Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas dokumentiert diesen Forschungsstand. Die Morde waren Ausdruck einer Politik, die menschliches Leben nach vermeintlichem Wert und Nutzen sortierte.
Berichtigung vom 12. Oktober 2026: Die frühere Fassung nannte eine falsche Opferzahl und einen unzutreffenden Zeitraum. Diese Angaben wurden korrigiert.
Gegen die Abwertung von Menschen mit Behinderungen
Bereits 2018 hatte eine Kleine Anfrage der AfD im Bundestag Behinderung, Migration und Verwandtenehen miteinander verknüpft. 18 Sozialverbände protestierten dagegen mit dem Appell „Wachsam sein für Menschlichkeit“. Sie kritisierten, die Anfrage stelle einen abwegigen Zusammenhang her und vermittle die Vorstellung, Behinderung sei ein zu vermeidendes Übel. Die Verbände erinnerten an die Entrechtung und Ermordung von Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus und wiesen jede Abwertung behinderter Menschen sowie Rassismus zurück. MiGAZIN dokumentierte den Protest der Verbände.
Auch 2024 bezog die Lebenshilfe deutlich Stellung: Ihr Bundesvorstand und ihre Bundeskammer riefen dazu auf, bei den anstehenden Wahlen nicht die AfD zu wählen. Die Vorsitzende Ulla Schmidt begründete dies mit der Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen und der Ablehnung einer vielfältigen, inklusiven Gesellschaft durch die AfD. Die Erklärung „Teilhabe statt Ausgrenzung. Keine Stimme für die AfD.“ macht deutlich, warum Behindertenrechte und der Kampf gegen die extreme Rechte zusammengehören.
Sechs Jahre nach der Bundestagsanfrage gingen Menschen in Bremen solidarisch auf die Straße. Ihre Forderung nach einer barrierefreien Gesellschaft richtet sich gegen Ausgrenzung im Alltag ebenso wie gegen politische Kräfte, die gleiche Rechte infrage stellen. Inklusion ist ein Menschenrecht.
Redaktion
AfD Watch Bremen
Quellen und weiterführende Recherchen
AfD fragt nach Zusammenhang von Behinderung, Inzucht und Migranten
Bericht über die Kleine Anfrage und den gemeinsamen Protest von 18 Sozialverbänden.
Teilhabe statt Ausgrenzung. Keine Stimme für die AfD.
Erklärung der Lebenshilfe zur Unvereinbarkeit von Ausgrenzung und inklusiver Gesellschaft.
Gedenk- und Informationsort für die Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde
Informationen zu den Verbrechen, ihrer europäischen Dimension und der geschätzten Gesamtzahl von 300.000 Opfern.
