Angriff auf das Viertel: NS-Symbole als Drohung
Recherche · Erstveröffentlichung: 6. April 2020
Hakenkreuze, SS-Runen und gelbe Davidsterne an Bremer Geschäften: Die Farbanschläge vom März 2020 zielten auf Einschüchterung.

In der Nacht auf den 31. März 2020 beschmierten Unbekannte Geschäfte, Kulturbetriebe und Fahrzeuge im Bremer Steintor-Viertel mit nationalsozialistischen und antisemitischen Zeichen. Betroffen waren unter anderem die Schauburg, die Jazz-Bar Chameleon und das Atelier Rofoogar. Andrea Röpke dokumentierte die Angriffe wenige Tage später. [1]
Markierte Schaufenster, bedrohte Räume
An der Jazz-Bar Chameleon in der Humboldtstraße wurden gelbe Hakenkreuze, SS-Runen und ein Davidstern angebracht; an der Eingangstür stand „1939“. Auch das Atelier Rofoogar in der Feldstraße war betroffen. Die Kombination aus NS-Zeichen und jüdischer Symbolik machte die antisemitische Stoßrichtung der Markierungen deutlich. [1] [2]

Die Zeichen erklärten öffentlich zugängliche Orte zum Ziel rechter Feindseligkeit. Der angebrachte Davidstern erhielt seine Drohwirkung aus der Verbindung mit den Zeichen der nationalsozialistischen Täter. Wer so ein Geschäft markiert, greift auf die Geschichte antisemitischer Ausgrenzung zurück und trägt sie als Einschüchterung in die Gegenwart.

Ein Betreiber des Ateliers beschrieb das Erleben damals mit den Worten: „Wir wurden heute gekennzeichnet.“ Darin wird die Wirkung des Angriffs greifbar: Menschen müssen ihren Arbeitsort plötzlich als bedrohten Raum wahrnehmen. [1]
Der Brandanschlag auf die „Friese“
Bereits in der Nacht auf den 16. Februar 2020 brannte es während eines Konzerts im Jugend- und Kulturzentrum „Die Friese“. In derselben Nacht wurde ein zweites Feuer entdeckt. Am Gebäude befand sich Propaganda der Neonazipartei „Die Rechte“. Im April 2020 war die Täterschaft öffentlich noch ungeklärt. [1] [2]
Für diesen Brandanschlag folgte am 22. Mai 2025 ein Urteil: Das Landgericht Bremen verurteilte den damals 29-jährigen Hauptangeklagten wegen schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung zu fast fünf Jahren Haft. Zwei Mitangeklagte erhielten Bewährungsstrafen wegen unterlassener Hilfeleistung. Nach dem NDR-Bericht erlitten drei Menschen Rauchgasvergiftungen; mehr als 30 Personen hatten sich im Gebäude aufgehalten. [3]
Das Gericht sah rechtsextreme Beweggründe und ging von einer spontanen Tatentscheidung aus. Zum Zeitpunkt des Berichts vom 22. Mai 2025 war das Urteil noch nicht rechtskräftig. Die gerichtlichen Feststellungen betreffen den Brandanschlag auf die „Friese“; die Farbanschläge vom März bilden einen eigenen Tatkomplex. [3]
Weitere NS-Symbole in Huchting
Anfang April 2020 wurde auch über Hakenkreuze berichtet, die in Huchting in Fahrzeuge geritzt worden waren. Der im ursprünglichen Beitrag gesicherte Meldungsauszug nennt die Straßen Am Pferdekamp und Bauerland. Er beschreibt eine Nacht von Samstag auf Sonntag. [1] [4]
Die Mobile Beratung ordnete die Farbanschläge in ihrem Jahresrückblick in ein Jahr zahlreicher antisemitischer Bedrohungen und Angriffe in Bremen ein. Gemeinsam war diesen Taten die Einschüchterung durch antisemitische und nationalsozialistische Zeichen. Für die Schmierereien im Viertel berichteten die zeitgenössischen Quellen vom Frühjahr 2020 über unbekannte Täter:innen. [1] [2]
Solidarität über den einzelnen Tatort hinaus
Ein Sprecher der Schauburg forderte im damaligen Gespräch mit AfD Watch Bremen eine gemeinsame Haltung gegen rechte Gewalt – im Viertel, in Bremen und darüber hinaus. Antidiskriminierungshinweise an einzelnen Türen reichten aus seiner Sicht dafür kaum aus.
Die Angriffe trafen Orte, an denen Menschen arbeiten, Kultur erleben und zusammenkommen. Ihre politische Wirkung reicht über beschädigte Scheiben und Fahrzeuge hinaus: Wer mit NS-Symbolen bedroht wird, soll sich im eigenen Alltag unsicher fühlen. Solidarität mit den Betroffenen verteidigt deshalb auch diese öffentlichen Räume gegen rechte Einschüchterung.
Redaktion
AfD Watch Bremen
Quellen und weiterführende Recherchen
Zeitgenössische Berichte und spätere Gerichtsberichterstattung. Die drei Originalfotos stammen von Recherche Nord; das Gespräch mit der Schauburg aus unserer Recherche vom April 2020.
Zeitgenössischer Bericht zu den Angriffen im Viertel, den Reaktionen Betroffener und den weiteren Hakenkreuzschmierereien in Huchting.
Rechte Gewalt in Bremen 2020 – Ein Lagebild
Fachliche Einordnung der Farbanschläge und Dokumentation des damaligen Kenntnisstands zum Brandanschlag auf die „Friese“.
Brand in Bremer Jugendzentrum: Rechtsextremist zu Haft verurteilt
Urteil zum Friese-Brandanschlag, Verletzte und gerichtliche Bewertung des Tatmotivs. Der Bericht bezeichnet das Urteil zum Veröffentlichungszeitpunkt als noch nicht rechtskräftig.
Hakenkreuze an Fahrzeugen in Huchting
Gesicherter Ausschnitt mit den Straßen Am Pferdekamp und Bauerland. Der Ausschnitt selbst enthält kein Veröffentlichungsdatum.

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