Same same but different: Neuer Ort, dieselbe rechte Mobilisierung

Archivbeitrag · Erstveröffentlichung: 29. Mai 2018

Für den 29. Mai 2018 war eine weitere Kundgebung aus dem AfD-Umfeld am Bremer Hauptbahnhof angekündigt. Der Ortswechsel vom Marktplatz änderte die politische Ausrichtung der Reihe kaum: Unter dem Etikett „Frauenmarsch“ wurde Stimmung gegen Migration gemacht. Der Rückblick auf den Auftritt am Bahnhof dokumentiert eine weitgehend zusammengebrochene Mobilisierung.

29. Mai 2018: Vom Marktplatz zum Bahnhof

Demonstrierende mit Transparenten gegen Nationalismus und für Solidarität vor dem Bremer Hauptbahnhof.
Protest gegen Nationalismus vor dem Bremer Hauptbahnhof. Archivbild aus der ursprünglichen Beitragsfassung.

Nach den vorangegangenen Kundgebungen auf dem Marktplatz sollte die Reihe am 29. Mai auf dem Bahnhofsvorplatz fortgesetzt werden. Unsere damalige Meldung kündigte diesen Termin als achten Auftritt an. Verschiedene Bremer Gruppen mobilisierten dagegen; eine Gegenkundgebung war für 18.30 Uhr ebenfalls auf dem Bahnhofsvorplatz angekündigt.

Zum tatsächlichen Verlauf berichtet Antifa Bremen in ihrem Rückblick auf die Proteste von März bis Mai 2018: Sybill Constance De Buer erschien am 29. Mai mit zwei weiteren Personen auf dem Bahnhofsvorplatz und brach den Auftritt nach wenigen Minuten ab. Die Schilderung stammt aus dem Gegenprotest. [1]

Frauenrechte als Vorwand für rechte Mobilisierung

Die Kundgebungsreihe war Teil der Kampagne „Kandel ist überall“. Belltower.News ordnete die von Alexander Tassis und De Buer getragenen Veranstaltungen im Jahresrückblick als rassistische Vereinnahmung des Themas sexualisierte Gewalt ein. Auf den Kundgebungen standen demnach Parolen gegen Angela Merkel im Mittelpunkt. Gewalt gegen Frauen wurde in eine Kampagne gegen Migration und die Bundesregierung übersetzt. [2]

Darin liegt der politische Mechanismus dieser Mobilisierung: Die Herkunft von Tätern wird zum Maßstab einer kollektiven Bedrohungserzählung. Der behauptete Einsatz für Frauenrechte dient so der nationalistischen Abgrenzung. Wie die Bremer Aufrufe mit extrem rechten Netzwerken verbunden waren, zeigt unsere Recherche „Rechtsextreme Netzwerke hinter dem Bremer Frauenmarsch“.

Gegenprotest und das Ende der regelmäßigen Auftritte

Antifa Bremen bewertet den wochenlangen Gegenprotest als entscheidenden Faktor für den Niedergang der Reihe. Der Jahresrückblick von Belltower.News nennt zusätzlich interne Auseinandersetzungen. Zusammen beschreiben die Berichte eine Mobilisierung, die unter öffentlichem Widerspruch und eigenen Konflikten zerfiel. [1] [2]

Am 7. Juli 2018 folgte ein erneuter Versuch auf dem Marktplatz. Auch dieser blieb eine kleine Kundgebung; der angekündigte Marsch fiel aus. Den Verlauf dokumentiert unser Beitrag „Desaster perfekt“. De Buers organisatorische Rolle und ihr politisches Umfeld erschließt das Personendossier zu Sybill Constance De Buer. [3]

Redaktion
AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Die damalige Ankündigung, der Rückblick aus dem Gegenprotest und die fachjournalistische Einordnung der Kundgebungsreihe.

[1] Antifa Bremen · Rückblick auf März–Mai 2018

Rassistische Hetze beendet

Dokumentation aus dem Gegenprotest. Beschreibt den Auftritt De Buers mit zwei weiteren Personen am 29. Mai und das Ende nach wenigen Minuten.