Feindbildpflege in Walle: Magnitz und die „linken Chaoten“

Archivbeitrag vom 15. August 2018

Im August 2018 machte Frank Magnitz ein Graffiti an seinem Wahlkreisbüro zum Anlass für eine Kampfansage gegen Linke. Schon zuvor hatte der damalige AfD-Landesvorsitzende Protest gegen das Büro mit der Vorbereitung eines Anschlags verknüpft. Seine Veröffentlichungen zeigen, wie die AfD Kritik an ihrer Präsenz im Stadtteil mit Kriminalitäts- und Terrorvorwürfen überzog.

Screenshot der AfD-Veröffentlichung vom 8. August 2018: Graffiti an einer Hauswand und Magnitz’ Aufforderung zum Vorgehen gegen Linke.
AfD-Veröffentlichung vom 8. August 2018. Screenshot: afd-bremen.de; seit 2018 in unserem Beitrag dokumentiert.

„Schmierangriff auf mein Wahlkreisbüro – linken Chaoten das Handwerk legen!“: So überschrieb Magnitz eine Veröffentlichung auf der Internetseite der Bremer AfD. Der erhaltene Screenshot trägt das Datum 8. August 2018 und zeigt schwarze Sprühfarbe an einer Hauswand. Unsere damalige Meldung ordnete das Foto seinem Büro in der Helgolander Straße in Bremen-Walle zu. [1]

Magnitz lieferte mit dem Bild zugleich die politische Schuldzuweisung. Die Urheberschaft bleibt in der hier dokumentierten Quellenlage offen. Das Foto zeigt die besprühte Wand; die Einordnung der Verantwortlichen als Linke stammt vom AfD-Politiker. Indem er das Bild mit der Forderung nach einem Vorgehen gegen dieses politische Lager verband, machte er die Sachbeschädigung zum Material seiner Feindbildpflege. [1]

Aus Nachbarschaftsprotest wird Anschlagsvorbereitung

Die Zuspitzung hatte eine Vorgeschichte. Im Juni 2018 sammelte das Bündnis „AfD Büro? Nirgendwo!“ beim Waller Stadtteilfest innerhalb eines Nachmittags mehr als 2.000 Unterschriften gegen das geplante Büro. Magnitz reagierte mit einem Flugblatt. Darin rückte er die Aktivitäten gegen den Standort in die Nähe der „Vorbereitung (moralische Legitimierung) eines Anschlags“ und sprach von „linksfaschistischen Demokratiefeinden“. Die taz dokumentierte seine Formulierungen am 15. Juni. [2]

Diese Wortwahl kriminalisierte politischen Widerspruch. Wer Flugblätter und Aktionen gegen ein AfD-Büro als Anschlagsvorbereitung beschreibt, versieht die Auseinandersetzung im Stadtteil mit einem Terrorverdacht. Menschen, die sich öffentlich gegen rechte Politik organisieren, erscheinen in dieser Darstellung als Sicherheitsgefahr. [2]

Der Protest bezog sich auf einen politisch relevanten Standort: Andreas Speit und Sebastian Heidelberger hatten im April 2018 für die taz über Jonas Schick aus der Identitären Bewegung und den damaligen Bremer JA-Vorsitzenden Robert Teske berichtet, die regelmäßig in Magnitz’ Büro ein- und ausgingen. Der Ort stand damit für konkrete Verbindungen zwischen parlamentarischer Infrastruktur und extrem rechtem Nachwuchs. [3]

Auch das Linken-Büro war betroffen

Der ursprüngliche Beitrag verwies außerdem auf eine Beschädigung am Büro der Partei Die Linke im Buntentorsteinweg. Der Weser-Kurier berichtete am 2. März 2018 über zwei Löcher in der Fensterfront und Ermittlungen des Staatsschutzes. Nach dem damals mitgeteilten Polizeistand waren Zeitpunkt und Entstehungsweise Gegenstand der Ermittlungen. Die Deutung als Einschusslöcher schrieb die Zeitung ausdrücklich der Linkspartei zu. [4]

Die politischen Verbindungen am Standort vertiefen unser Archivdossier zu Frank Magnitz und die Recherche Immobilien als politische Machtressource.

Berichtigung vom 26. September 2026: Die frühere Unterstellung, Magnitz oder die AfD-Landesführung hätten sich einen Terroranschlag erhofft, war unbelegt und wurde gestrichen.

Redaktion
AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Zeitgenössische Belege aus dem Jahr 2018. Der Screenshot dokumentiert die Darstellung der AfD. Zum Graffiti am Magnitz-Büro konnte bei der Überarbeitung kein veröffentlichter polizeilicher Ermittlungsstand verifiziert werden.

01 · AfD Bremen / Frank Magnitz · 8. August 2018 · Archivierter Screenshot

AfD-Veröffentlichung zum Graffiti am Wahlkreisbüro

Zeitgenössische Eigenveröffentlichung, dokumentiert in unserer Meldung vom 15. August 2018. Belegt sind Bild, Datumsangabe und Wortlaut der Schuldzuweisung. Die Zuschreibung der Urheberschaft ist eine Aussage des Politikers.

04 · Weser-Kurier · 2. März 2018 · Aktualisiert am 4. März 2018

Unbekannte attackieren Bremer Parteibüro der Linken

Bericht über zwei Löcher in der Fensterfront und den damaligen Ermittlungsstand. Die Vermutung von Einschusslöchern wird der Linkspartei zugeschrieben.