Bremens AfD wächst: Mehr Mitglieder für eine Politik der Ausgrenzung
Analyse
Mitgliedervergleich: Jahresende 2023/2024 · Ergänzende Parteiangabe: Mai 2025
Bremens AfD baut ihre personelle Basis wieder aus. Politisch brisant ist, wofür sie Unterstützung gewinnt: Der Landesverband macht muslimische Nachbar:innen zum Problem und ihre Verdrängung zur politischen Forderung. Mehr organisatorische Stärke kann dieser Ausgrenzung zusätzliche Reichweite verschaffen.
Von 103 auf 170 Mitglieder: Die Bremer AfD legte 2024 um 67 Personen zu. Das waren 65,0 Prozent – der höchste relative Zuwachs unter den AfD-Landesverbänden, wie Oskar Niedermayers Mitgliederstatistik zeigt. [1]
Ein Parteieintritt schafft eine organisatorische Bindung. Ein größerer Mitgliederbestand kann mehr Beiträge, zusätzliche Helfer:innen im Wahlkampf und einen größeren Kreis möglicher Kandidat:innen bedeuten. Ob daraus tatsächlich mehr politische Arbeit entsteht, hängt davon ab, wie viele Mitglieder aktiv werden. Doch eine Partei, die ihre Reihen auffüllt, verbessert grundsätzlich ihre Möglichkeiten, vor Ort präsent zu sein. Gerade deshalb verdient dieser Aufbau Aufmerksamkeit.

65 Prozent auf einer kleinen Basis
2018 hatte die Bremer AfD bereits 168 Mitglieder, 2022 nur noch 89. Der Stand von 2024 markiert damit zunächst eine Erholung. Unter den sechs verglichenen Parteien blieb sie die kleinste. [1]
| Partei | 31.12.2023 | 31.12.2024 | Saldo | Änderung |
|---|---|---|---|---|
| SPD | 3.548 | 3.500 | −48 | −1,4 % |
| CDU | 1.913 | 1.845 | −68 | −3,6 % |
| Bündnis 90/Die Grünen | 1.235 | 1.534 | +299 | +24,2 % |
| Die Linke | 705 | 833 | +128 | +18,2 % |
| FDP | 470 | 425 | −45 | −9,6 % |
| AfD | 103 | 170 | +67 | +65,0 % |
Quelle: Niedermayer, Tabellen 3–9, S. 8–14. Autorisierte Mitgliederkarteien der Parteien; Salden selbst berechnet. Mitgliederzuwachs bezeichnet die Bestandsänderung, nicht die Zahl sämtlicher Eintritte. [1]
Grüne und Linke gewannen absolut mehr Mitglieder als die AfD. Politische Mehrheiten lassen sich aus diesem Vergleich nicht ableiten. [1]
Für demokratische Parteien ist ihre größere Mitgliederbasis allerdings kein automatischer Schutz vor dem Erstarken der Rechten. Entscheidend ist, ob sie Menschen erreichen, Konflikte bearbeiten und Ausgrenzung widersprechen. Mitgliederlisten ersetzen diese Arbeit ebenso wenig, wie hohe Wachstumsraten der AfD bereits einen kommenden Wahlsieg beweisen.
2025: Mehr Mitglieder, mehr Stimmen
Eine spätere Momentaufnahme spricht für weiteres Wachstum: Nach einem Bericht von Radio Bremen vom 8. Mai 2025 bezifferte die AfD ihren Mitgliederbestand im Land Bremen zum Vortag auf rund 250. Das ist eine ausdrücklich der Partei zugeschriebene Angabe. Sie bestätigt eine Zunahme bis Mai, liefert aber weder einen geprüften Jahresendstand 2025 noch eine Mitgliederzahl für September 2026. [2]
Der Bericht nennt außerdem 21 neue Mitgliedsanträge bis zum 6. Mai nach der damaligen Einstufung der Bundespartei durch den Verfassungsschutz. Ein Antrag ist noch keine bestätigte Aufnahme. Auch die von der AfD behauptete Solidarisierung erklärt für sich genommen nicht, warum einzelne Menschen eintreten. [2]
Ein von den Mitgliederangaben unabhängiger Befund steht fest: Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erhielt die AfD im Land Bremen 52.496 Zweitstimmen, entsprechend 15,1 Prozent. Gegenüber 2021 waren das 8,2 Prozentpunkte mehr. Die Zahl umfasst Bremen und Bremerhaven. [3]
Damit erreichte die Partei weit mehr Menschen, als sie organisatorisch bindet. Wie viel davon auf lokale Parteiarbeit, die bundespolitische Stimmung oder andere Faktoren zurückgeht, lässt sich aus diesen Zahlen nicht bestimmen. Für die demokratische Auseinandersetzung bleibt der Befund dennoch ernst: Die AfD konnte zusätzliche Wähler:innen gewinnen und zugleich ihre Organisation vergrößern. Wer allein auf ihre geringe Mitgliederzahl schaut, unterschätzt ihre politische Reichweite.
Wofür diese Partei Personal gewinnt
Der Bremer Verfassungsschutzbericht 2025 führt den Landesverband als rechtsextremistischen Verdachtsfall; die Einstufung besteht seit Juni 2022. Die Behörde sieht Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die Menschenwürde und beschreibt in Teilen ein ethnisch homogenes Volksverständnis. [4]
Besonders deutlich wird die Ausgrenzung an einem dokumentierten Beitrag vom 24. Oktober 2024. Auf den Platzbedarf muslimischer Gemeinden reagierte die AfD mit: „Nicht die Moschee ist voll – Bremen ist voll!“ Sie verlangte „Remigration“. Der Verfassungsschutz bewertet dies im konkreten Zusammenhang als Forderung nach kollektiver Rückführung allein wegen der Religion, ohne Einzelfallprüfung, und als unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. [4]
Aus Nachbar:innen, die Raum für ihre Religionsausübung benötigen, werden hier Menschen, deren Anwesenheit als Zumutung erscheint. Die politische Antwort der AfD auf eine volle Moschee ist die Forderung, Menschen loszuwerden. Genau diese Politik gewinnt mit einer größeren Parteiorganisation zusätzliche Möglichkeiten, Unterstützer:innen zu werben und Forderungen in die öffentliche Debatte zu tragen.
Demokratischer Widerspruch braucht eine eigene Organisation
Für uns liegt darin die Bedeutung des Mitgliederzuwachses. Demokratische Öffentlichkeit darf sich nicht daran gewöhnen, dass die Zugehörigkeit ganzer Bevölkerungsgruppen zur Verhandlungsmasse gemacht wird. Wo Menschen wegen ihres Glaubens als überzählig behandelt werden, muss der Widerspruch konkret werden: in Parlamenten, Vereinen, Betrieben und Nachbarschaften.
Dazu gehört, mit den angegriffenen Gemeinden zu sprechen, ihre Perspektiven öffentlich zu machen und sie bei Einschüchterungen verlässlich zu unterstützen. Beratungsstellen und politische Bildungsarbeit brauchen Kontinuität. Wer rechte Organisierung ernst nimmt, muss auch die Bedingungen stärken, unter denen Menschen sich ihr gemeinsam entgegenstellen können.
Parteien tragen dabei eine besondere Verantwortung. Sie müssen politische Probleme bearbeiten, ohne Bevölkerungsgruppen zu Sündenböcken zu machen. Über Wohnungen, soziale Sicherheit und öffentliche Infrastruktur lässt sich streiten, ohne Menschen ihre Zugehörigkeit abzusprechen. Eine demokratische Politik muss diesen Unterschied in ihren Entscheidungen erkennbar machen.
Mitgliederwachstum macht eine ausgrenzende Politik durchsetzungsfähiger, sobald daraus verlässliche Strukturen und politische Arbeit entstehen. Es macht diese Politik keinen Deut demokratischer. Bremens Antwort muss deshalb ebenso konkret sein wie der rechte Aufbau: organisierter Widerspruch, verlässlicher Schutz und gleiche Rechte für alle.
Redaktion
AfD Watch Bremen
Quellen und weiterführende Recherchen
Mitgliederstatistik, datierte Parteiangabe, amtliches Wahlergebnis und behördliche Dokumentation. Die politischen Schlussfolgerungen stammen von unserer Redaktion. Quellen geprüft am 23. September 2026.
Parteimitglieder in Deutschland: Version 2025
Arbeitsheft 33, Otto-Stammer-Zentrum. AfD: Tabelle 8, S. 13; prozentuale Veränderungen: Tabelle 9, S. 14; übrige Parteien: Tabellen 3–7, S. 8–12. Methodik: S. 1.
Einstufung durch Verfassungsschutz: Bremer AfD wächst um 20 Mitglieder
Berichtet rund 250 Mitglieder zum 7. Mai laut AfD. Der Artikeltext unterscheidet Mitgliedsanträge und Austritt; die Überschrift verkürzt diese Unterscheidung. Der hier verwendete Stand ist eine datierte Parteiangabe.
Endgültiges Ergebnis im Land Bremen
Amtlicher Nachweis für die Zweitstimmen der AfD sowie die Veränderung gegenüber 2021. Die Landesauswertung umfasst beide Wahlkreise und damit Bremen und Bremerhaven.
Bremer AfD: Einstufung und dokumentierte Positionen
S. 102: Verdachtsfalleinstufung und Volksverständnis. S. 105: dokumentierter Beitrag über muslimische Gemeinden vom 24. Oktober 2024 und dessen behördliche Bewertung. Der Bericht wurde 2026 veröffentlicht.
