AfD in Delmenhorst: Bürgerdialog auf dem Plakat, Gegner:innen im Visier

Archivbeitrag · Erstveröffentlichung: 3. September 2020

Die AfD warb in Delmenhorst mit einem „Bürgerdialog“. Vor der Markthalle protestierten am 3. September 2020 rund 130 Menschen gegen ihre Normalisierung. Während Mark Runge den Gegenprotest fotografierte, fragte Jörn König nach einer Anzeige gegen Demonstrierende.

Demonstrierende unter Regenschirmen halten ein Schild mit der Aufschrift „FCK AFD“.
Gegenprotest vor der Delmenhorster Markthalle am 3. September 2020. Foto: Archiv AfD Watch Bremen. [4]

Am 3. September 2020 veranstaltete die Ländergruppe Nord der AfD-Bundestagsfraktion einen „Bürgerdialog“ in der Delmenhorster Markthalle. Angekündigt waren Frank Magnitz, Jörn König und Kay Gottschalk. Die erhaltene Einladung nannte 19 Uhr als Beginn und warb mit Vorträgen aus der Bundestagsfraktion. [1]

Vor dem Gebäude widersprachen Antifaschist:innen der öffentlichen Normalisierung der Partei. Aufgerufen hatte nach dem Bericht der beteiligten Omas gegen Rechts die Gruppe NIKA aus Oldenburg/Wilhelmshaven. Trotz Dauerregens kamen rund 130 Menschen; diese Zahl nennen die Omas unter Berufung auf die Polizei und der Lokalbericht von DelmeNews. Transparente, Redebeiträge, Musik und Sprechchöre machten den Widerspruch sichtbar und hörbar. [2] [3]

Gegenprotest im Visier

Mark Runge hält vor der Markthalle ein Mobiltelefon in Richtung des Gegenprotests; neben ihm stehen Polizeibeamt:innen.
Der damalige Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Mark Runge fotografiert den Gegenprotest. Delmenhorst, 3. September 2020. Foto: Archiv AfD Watch Bremen. [4]

Nach unserer damaligen Vor-Ort-Berichterstattung fragte Jörn König einen Polizeibeamten, ob er Demonstrierende wegen ihrer Sonnenbrillen und Masken anzeigen könne. Der Beamte wies das Ansinnen unserem Bericht zufolge zurück. Der Bremer AfD-Abgeordnete Mark Runge hielt unterdessen sein Mobiltelefon auf den Protest und fotografierte die Teilnehmer:innen. [4]

Königs Frage rückte die äußere Erscheinung der Protestierenden in den Bereich möglicher Strafverfolgung. Darin zeigt sich ein autoritärer Umgang mit öffentlichem Widerspruch: Königs Frage zielte darauf, die Demonstrierenden als möglichen Fall für die Polizei zu behandeln. Die Einladung zum „Bürgerdialog“ stand an diesem Abend neben dem Versuch, gegen politische Gegner:innen eine Anzeige ins Spiel zu bringen.

Die beteiligten Omas gegen Rechts beschrieben den AfD-Abend als schwach besucht und sprachen von ungefähr einem Dutzend Teilnehmer:innen. DelmeNews berichtete, dass sowohl die Veranstaltung als auch der Gegenprotest ohne besondere Vorkommnisse verliefen; der AfD-Termin endete gegen 21.30 Uhr. [2] [3]

Bürgerliches Etikett, dokumentierte rechte Verbindungen

Nach unserer damaligen Berichterstattung standen auch Mertcan Karakaya und Sergej Minich auf der Gästeliste. [4] Zu Karakaya lag bereits eine Recherche über Wahlkampfhilfe aus dem neonazistischen Milieu vor: Fotos zeigten ihn im Mai 2019 gemeinsam mit Anhängern von „Phalanx 18“ und AfD-Wahlplakaten vor dem Werder-Fanprojekt. Andreas Speit und Andrea Röpke dokumentierten den Vorgang im Oktober 2019 in der taz. [5]

Der damalige AfD-Landesvorsitzende Peter Beck bestätigte gegenüber der Zeitung die angenommene Unterstützung. Nach seiner Darstellung sei das Plakatieren wegen der aggressiven Stimmung der Helfer abgebrochen worden; er bezeichnete den Kontakt als einmalig. [5] Der Vorgang belegt dennoch eine konkrete Zusammenarbeit beim Wahlkampf. Diese Verbindung gehört zur politischen Realität hinter der Selbstdarstellung als bürgerliche Partei.

Demonstrierende halten ein rotes Transparent mit der Aufschrift „Wut & Hass! Dem rassistischen Mob“.
Antifaschistischer Protest in Sichtweite der AfD-Veranstaltung am 3. September 2020. Foto: Archiv AfD Watch Bremen. [4]

Der Gegenprotest setzte dieser Normalisierung eine öffentliche Absage entgegen. Die dokumentierten Verbindungen vertieft unsere Recherche „Wahlkampf mit militanten Neonazis“. Den Bremer Mitveranstalter und sein politisches Umfeld behandelt das Dossier zu Frank Magnitz.

Redaktion
AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Die damalige Veranstaltungswerbung, zeitgenössische Berichte, unsere Vor-Ort-Dokumentation und die Recherche zu Karakayas Wahlkampfkontakten.

1 · AfD-Bundestagsfraktion · Ländergruppe Nord · Ankündigung für den 3. September 2020

Einladung zum „Bürgerdialog“ in Delmenhorst

Erhaltener Screenshot der Veranstaltungswerbung. Belegt Ort, Termin, angekündigte Redner und die Selbstdarstellung des Formats.

2 · Omas gegen Rechts · 3. September 2020 · Eigenbericht

Delmenhorst: Demonstration gegen eine Veranstaltung der AfD

Bericht einer beteiligten Initiative zu Aufruf, Ablauf und Beteiligung. Rund 130 Protestierende werden mit Verweis auf die Polizei genannt; die Angabe zum kleinen AfD-Publikum stammt aus diesem Eigenbericht.