Braune Brötchen: Zeug:innen schildern rassistische Mordfantasien

Archivbericht und Einordnung

Eine Angestellte und eine Kundin sollen in einer Bäckerei in der Bremer Neustadt Migrant:innen pauschal kriminalisiert und deren Tötung befürwortet haben. Darüber berichteten wir im Februar 2024 auf Grundlage mehrerer Zeug:innen-Schilderungen. Zum geschilderten Gespräch gehörte auch die Enttäuschung über ausbleibende AfD-Wahlerfolge. Ein Bericht über rassistische Enthemmung mitten im Alltag.

Außenansicht einer Bäckereifiliale mit Sitzbänken und Eingang; Archivabbildung aus der ursprünglichen Veröffentlichung.
Außenansicht einer Bäckereifiliale: Archivabbildung aus unserer Veröffentlichung von Februar 2024. Bild: Google / Archiv AfD Watch Bremen.

Die Szene, die Zeug:innen schilderten, spielte an einem Montagvormittag: Kund:innen warteten an der Theke, während eine Angestellte und eine Kundin im Gästebereich laut miteinander gesprochen hätten. Beide hätten Migrant:innen pauschal als kriminell dargestellt. Unser am 20. Februar 2024 veröffentlichter Bericht stützte sich auf die Angaben mehrerer Zeug:innen dieses Gesprächs. [1]

Vom Generalverdacht zur Tötungsfantasie

Nach den damals wiedergegebenen Schilderungen hätten die beiden Frauen das Gespräch bis zur Befürwortung tödlicher Gewalt gesteigert: Migrant:innen solle man aufhängen. Als überlieferte Formulierung hielt der Bericht „am nächsten Baum aufzuhängen“ fest. Die Kundin habe zudem bedauert, dass die Todesstrafe in ihrem Herkunftsland abgeschafft sei. Das Töten sei mit dem Umgang anderer Länder mit Kriminellen gerechtfertigt worden. [1]

Die geschilderte Argumentation folgt einer brutalen Logik: Zuerst wird eine ganze Bevölkerungsgruppe zu Verbrecher:innen erklärt, dann dient die selbst erzeugte Kollektivschuld als Rechtfertigung für deren Tötung. Menschen verschwinden hinter einer rassistischen Zuschreibung. Herkunft ersetzt individuelle Verantwortung; am Ende steht die Fantasie, über ihr Leben verfügen zu dürfen.

Wie solche Feindbilder funktionieren, beschreibt die Rechtsextremismusforscherin Heike Radvan am Beispiel des rassistischen Bildes vom gewalttätigen „Fremden“: Der eigenen Gruppe wird Überlegenheit zugeschrieben, Angehörige von Minderheiten werden als gefährliche Gegner:innen markiert. Historisch dienten solche Erzählungen der Rechtfertigung von Vertreibung und Gewalt. Auf das geschilderte Gespräch bezogen wird sichtbar, wie die pauschale Kriminalisierung den gedanklichen Weg zur Gewalt freimacht. [2]

Die AfD als politische Hoffnung für den Hass

Zum berichteten Gespräch gehörte auch ein ausdrücklicher Bezug zur AfD. Beide Frauen hätten bedauert, dass der von ihnen erhoffte Wahlerfolg der Partei ausbleibe. In den Zeug:innen-Schilderungen stehen damit rassistische Gewaltfantasien und der Wunsch nach einem politischen Erfolg der AfD nebeneinander. Die Partei erscheint in diesem Gespräch als Hoffnungsträgerin von Menschen, die Migrant:innen das Lebensrecht absprechen. [1]

Gerade diese Verbindung macht den Bericht politisch brisant. Die Vorstellung, Menschen aufgrund zugeschriebener Herkunft töten zu dürfen, trifft auf die Hoffnung auf parlamentarische Macht. Darin zeigt sich ein autoritärer Anspruch: Die eigene Menschenfeindlichkeit soll gesellschaftlich bestimmend werden. Der alltägliche Schauplatz verschärft die Zumutung. Wer Brötchen kaufen will, wird zum Publikum einer rassistischen Machtdemonstration.

Der Hass besetzt den Alltag

Welche Folgen rassistische Anfeindungen für alltägliche Wege haben können, zeigt die Untersuchung „Angst schwingt immer mit…“ der Amadeu Antonio Stiftung, von Lola für Demokratie in MV, Tutmonde und Forscherinnen der Hochschule Neubrandenburg. Die befragten Frauen schildern, wie Einkäufe, Haltestellen und öffentliche Plätze zu Orten der Verunsicherung werden. Sie wägen Wege und Aufenthalte danach ab, wo ihnen Anfeindungen drohen. Die Studie beschreibt Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern und macht den Mechanismus alltäglicher Verdrängung greifbar. [3]

Im Bremer Fall berichteten Zeug:innen, dass wartende Kund:innen die Bäckerei teilweise empört verließen und ihre Erfahrung öffentlich machten. Die Reaktion zeigt, welche Wucht die geschilderte Hetze im Raum entfaltete. Eine Einkaufssituation wurde von der Vorstellung beherrscht, Menschen wegen ihrer zugeschriebenen Herkunft töten zu dürfen. Darin liegt die Schärfe dieses Berichts: Rassistische Mordfantasien werden zwischen Verkaufstheke und Gästetisch als Gesprächsstoff ausgebreitet – und mit Hoffnung auf die AfD verbunden. [1]

Redaktion
AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Die Einzelfallschilderung beruht auf unserem am 20. Februar 2024 veröffentlichten Zeug:innenbericht. Die Fachquellen dienen der Einordnung rassistischer Feindbilder und ihrer Folgen im Alltag. Die Abbildung stammt aus der damaligen Veröffentlichung.

1 · AfD Watch Bremen · Erstveröffentlichung: 20. Februar 2024

Redaktionelle Quellengrundlage: „Braune Brötchen“

Die ursprüngliche Fassung dieses Beitrags beruft sich auf mehrere Zeug:innen. Ihr zufolge fielen die Äußerungen an einem Montagvormittag in einer Bäckerei in der Bremer Neustadt. Gesprächsinhalte und Reaktionen der Kundschaft werden als damalige Zeug:innen-Schilderungen wiedergegeben.

3 · Belltower.News / Amadeu Antonio Stiftung · 27. Dezember 2022

Wie Nadelstiche: Rassismus im Alltag

Auszug aus der Untersuchung „Angst schwingt immer mit…“ zu Rassismuserfahrungen von Frauen in Mecklenburg-Vorpommern. Beschreibt Einschränkungen im Alltag und im öffentlichen Raum.

4 · Google / Archiv AfD Watch Bremen · Bildnachweis

Archivabbildung aus dem ursprünglichen Beitrag

Übernommene Außenansicht mit sichtbarem Google-Bildnachweis und AfD-Watch-Bremen-Schriftzug. Veröffentlicht als Illustration des Beitrags von Februar 2024.