Bremische Bürgerschaft · Chronologie 2013–2026

AfD in der Bürgerschaft: Mandate gewonnen, Strukturen zerlegt

2015 zerfiel ihre erste Gruppe, 2019 ihre erste Fraktion, 2023 scheiterte sie an der Wahlzulassung. Durch Sven Lichtenfelds Parteiwechsel ist die AfD seit Dezember 2024 wieder im Landtag vertreten. Für 2027 nimmt sie erneut Fraktionsstärke ins Visier.

Die Chronologie zeigt, wie die Bremer AfD Mandate, öffentliche Mittel und parlamentarische Rechte gewann und durch eigene Machtkämpfe verlor. Sie verfolgt zugleich, wie rechte Politik über Einzelabgeordnete, wechselnde Gruppennamen und Verbindungen zu Bürger in Wut weitergetragen wurde.

Stand: 2026

2026: Ein Einzelmandat als Sprungbrett für 2027

Lichtenfeld hält der AfD den Zugang zum Landtag offen

Im September 2026 ist Sven Lichtenfeld der einzige AfD-Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft. Das Parlament führt ihn als fraktionslos und als Gast im Ausschuss für Angelegenheiten der Häfen. Sein Landtagsmandat erhielt er 2023 über Bürger in Wut im Wahlbereich Bremerhaven. Mit seinem Wiedereintritt in die AfD im Dezember 2024 gewann die Partei parlamentarische Präsenz zurück. [1] [2]

Die Bremische Bürgerschaft als Landtag besteht aus 87 Abgeordneten: 72 aus Bremen und 15 aus Bremerhaven. Die Stadtbürgerschaft ist das Kommunalparlament der Stadt Bremen. Lichtenfeld besitzt ausschließlich das Landtagsmandat. Seine zusätzliche Funktion als Sprecher der „AfD Bremerhaven Gruppe“ betrifft die Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung. Im Landtag bleibt er Einzelabgeordneter. Das Personendossier erschließt seine beiden parlamentarischen Rollen. [2]

Minich und Lichtenfeld führen die Wahlvorschläge an

Am 15. August 2026 wählten die Mitglieder Sergej Minich mit 89,4 Prozent zum Spitzenkandidaten für den Wahlbereich Bremen. Seine Gegenkandidatin war Antje Zeller. Minich ist Landesvorsitzender und Bundestagsabgeordneter. Für den Fall seiner Wahl in die Bürgerschaft kündigte er an, sein Bundestagsmandat aufzugeben. [3]

Im Wahlbereich Bremerhaven wurde Lichtenfeld am 22. August 2026 auf Platz eins gewählt, wie das AfD-Watch-Dossier dokumentiert. Die Partei verbindet damit Minichs bundespolitische Stellung mit Lichtenfelds bereits vorhandenem Landtagsmandat. Ihr erklärtes Ziel ist eine neue AfD-Fraktion nach der Wahl 2027. Die Nominierungen markieren diesen Machtanspruch; über Mandate und Fraktionsstärke entscheidet die Wahl. [3]

Zur Themenübersicht

2025–2024: Alte Abrechnungen und die Rückkehr durch Parteiwechsel

Die Gruppe verschwand, ihre Finanzabrechnungen kamen später

Am 1. September 2025 veröffentlichte der Vorstand der Bürgerschaft die verspäteten Rechnungslegungen der früheren Gruppe Löhmann, Felgenträger und Magnitz für 2022 und 2023. Die Drucksachen 21/1331 und 21/1332 dokumentieren die Abrechnung öffentlicher Mittel aus dem Haushalt der Bürgerschaft. [5]

Die Wahlperiode war bereits im Juni 2023 beendet. Mehr als zwei Jahre später reichte ihre finanzielle Nachgeschichte noch in das neue Parlament hinein. Der Zerfall parlamentarischer Zusammenschlüsse beendet deren Rechenschaftspflichten über öffentliche Gelder nicht.

Ein Mandat und wenig Lust auf die Plenardebatte

Radio Bremen schilderte 2025 Lichtenfelds weitgehende Zurückhaltung in den Plenardebatten. Er erklärte, die zwei Minuten Redezeit für Einzelabgeordnete seien ihm zu kurz: „da lohnt sich das Aufstehen nicht“. Zugleich verwies er auf seine Arbeit in den Ausschüssen. Die Bürgerschaft führt aktuell seine Gastrolle im Hafenausschuss auf. [2] [4]

Die Äußerung zeigt eine Geringschätzung der öffentlichen Debatte, für die das Mandat eine institutionelle Bühne eröffnet. Auch ein einzelner Abgeordneter kann Positionen vortragen, Anträge stellen und abstimmen. Welche politische Bedeutung Lichtenfeld für die AfD hat, erklärt sich deshalb vor allem aus seinem Mandat und seiner organisatorischen Funktion für die Partei.

Ein für Bürger in Wut gewonnenes Mandat verschafft der AfD Präsenz

Am 12. Dezember 2024 berichtete Radio Bremen über Lichtenfelds Wiedereintritt in die AfD. Er war bei der Bürgerschaftswahl 2023 für Bürger in Wut angetreten. Nach der Wahl hatte ihn die Wählervereinigung ausgeschlossen. Ihr Vorsitzender Jan Timke warf ihm vor, wissentlich Wahlkampfhilfe aus dem rechtsextremen Milieu angenommen zu haben. Lichtenfeld bestreitet diesen Vorwurf. [1]

Der Parteiwechsel ließ sein persönliches, freies Mandat bestehen. Politisch erhielt die AfD dadurch wieder eine Vertretung im Landesparlament. Die Wahlherkunft des Sitzes bleibt Bürger in Wut. Der Übergang zeigt, wie eng die parlamentarischen Entwicklungen beider Parteien durch einzelne Mandatsträger miteinander verbunden sind.

Zur Themenübersicht

2023: Am eigenen Listenstreit gescheitert

Zwei Machtzentren blockierten die Wahlteilnahme

Der Konflikt begann beim Landesparteitag im Mai 2022, als kein Kandidat die Mehrheit für den Vorsitz erhielt. Dem unvollständigen Vorstand um Sergej Minich stand später ein von den Parteischiedsgerichten eingesetzter Notvorstand um Heinrich Löhmann gegenüber. Beide Lager beanspruchten, den Landesverband zu vertreten. [6]

Für den Wahlbereich Bremen reichten die Lager konkurrierende Wahlvorschläge ein. Beim Notvorstand scheiterte die Aufstellung an der Einladung per Zeitungsanzeige: Die Teilnahmechance sämtlicher berechtigter Mitglieder war dadurch nicht gesichert. Bei den Vorschlägen des Minich-Lagers war die wirksame Vertretung des Landesverbandes durch die Unterzeichner nicht nachgewiesen. Das betraf auch den Wahlvorschlag für Bremerhaven. [6]

Der Wahlausschluss hielt vor Gericht stand

Am 23. März 2023 wies der Landeswahlausschuss die AfD-Wahlvorschläge für beide Wahlbereiche zurück. Die Partei nahm an der Bürgerschaftswahl vom 14. Mai 2023 nicht teil. Mit dem Ende der Wahlperiode im Juni schieden ihre bisherigen Mandatsträger aus. Das Wahlprüfungsgericht wies die Einsprüche im Dezember 2023 zurück. [6]

Am 16. August 2024 bestätigte der Staatsgerichtshof den Ausschluss einstimmig. Die Bürgerschaftswahl blieb gültig; die Entscheidungen waren endgültig. Der Landesverband hatte seinen parlamentarischen Zugang durch konkurrierende Führungsansprüche und fehlerhafte Wahlvorschläge selbst verspielt. [7]

Zur Themenübersicht

2022–2021: Andere Gruppennamen, dieselben politischen Konflikte

Aus M.R.F. wurde L.F.M.

Nach dem Tod Mark Runges am 14. Juli 2021 rückte Heinrich Löhmann am 28. Juli über die AfD-Liste in Landtag und Stadtbürgerschaft nach. Aus der nach Magnitz, Runge und Felgenträger benannten Gruppe M.R.F. wurde die Gruppe Löhmann, Felgenträger und Magnitz, kurz L.F.M. beziehungsweise LFM. [8]

Thomas Jürgewitz arbeitete außerhalb dieser Dreiergruppe als fraktionsloser AfD-Abgeordneter. Peter Beck verließ 2021 die AfD und wechselte über die Liberal-Konservativen Reformer im Oktober zu Bürger in Wut. Die fünf 2019 gewonnenen Mandate verteilten sich damit auf eine Gruppe, einen AfD-Einzelabgeordneten und einen zu BIW gewechselten Abgeordneten. [9]

Parlamentarische Fragen als Bühne für Bedrohungserzählungen

Das Dossier zu Uwe Felgenträger dokumentiert, wie das Lager um Magnitz parlamentarische Vorgänge für rechte Zuspitzungen nutzte. Bei Schulkonflikten wurden einzelne Vorfälle zu einem Bild allgemeinen Kontrollverlusts ausgeweitet. Die Gruppe LFM griff Anfang 2023 vermeintlich alltägliche schwere Gewalt an einer Bremer Schule auf; die Antwort des Senats widersprach dieser Dramatisierung.

Im Juni 2022 wurde der gesamte Bremer AfD-Landesverband als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft. Radio Bremen berichtete später über die zugrunde liegende Kritik an einem ethnisch definierten Volksverständnis und der Abwertung deutscher Staatsangehöriger mit Migrationsgeschichte. Der Verfassungsschutzbericht Bremen 2025 führt die Einstufung fort und beschreibt die Verbindung zur Neuen Rechten. [4] [16]

Zur Themenübersicht

2020–2019: Fraktionsstärke gewonnen, binnen Monaten verspielt

Fünf Sitze eröffneten der AfD neue Möglichkeiten

Bei der Bürgerschaftswahl vom 26. Mai 2019 erhielt die AfD landesweit 89.939 Listen- und Personenstimmen, entsprechend 6,12 Prozent. Frank Magnitz, Uwe Felgenträger, Peter Beck und Mark Runge zogen aus dem Wahlbereich Bremen ein; Thomas Jürgewitz erhielt das Mandat aus Bremerhaven. Damit erreichte die Partei erstmals die für eine Fraktion erforderlichen fünf Sitze. [11]

Jürgewitz führte die Fraktion, Magnitz war sein Stellvertreter. Die gemeinsame Organisation eröffnete zusätzliche parlamentarische Rechte und Mittel für Personal, Räume und politische Arbeit. Genau diese Infrastruktur wurde wenige Monate später im Machtkampf zwischen beiden Lagern zerschlagen. [10]

Magnitz, Felgenträger und Runge sprengten die Fraktion

Anfang September 2019 verließen Magnitz, Felgenträger und Runge die Fraktion. Beck und Jürgewitz blieben als Einzelabgeordnete zurück. Im Zentrum des Konflikts standen die Fraktionsführung, Magnitz’ gleichzeitige Mandate im Bundestag und in der Bürgerschaft sowie gegenseitige Vorwürfe zum Umgang mit Finanzmitteln. Die Beteiligten bestritten die gegen sie erhobenen Vorwürfe. [10]

Die drei Ausgetretenen bildeten eine parlamentarische Gruppe. Nachdem der AfD-Bundesvorstand ihnen die Nutzung des Parteinamens untersagt hatte, trat sie als M.R.F. auf. Ihre Mandate behielten sämtliche Beteiligten. Der Fraktionsstatus und die damit verbundenen Vorteile gingen verloren. Das Felgenträger-Dossier verfolgt diesen Bruch und die weitere Gruppenentwicklung. [10]

Zur Themenübersicht

2018–2017: Übertritte stärken Bürger in Wut

Leidreiter und Remkes nahmen ihre Sitze mit

Piet Leidreiter und Klaus Remkes waren 2015 für die AfD gewählt worden. Nach ihrem Parteiaustritt gehörten sie zunächst der ALFA- und später der LKR-Gruppe an. 2017 wechselten beide zu Bürger in Wut und vergrößerten damit deren parlamentarische Vertretung. Christian Schäfer blieb als LKR-Einzelabgeordneter zurück. [9]

Alexander Tassis blieb der einzige AfD-Abgeordnete dieser Wahlperiode. Schon im März 2016 hatte der Deutschlandfunk seine migrationspolitischen Provokationen und die weitgehende Isolation im Parlament beschrieben. Tassis stellte dabei auch das Grundrecht auf Asyl infrage. Der geringe organisatorische Rückhalt ging mit einer deutlichen politischen Zuspitzung gegen Geflüchtete einher. [15]

Zur Themenübersicht

2016–2015: Vier Sitze und der erste Zerfall

Die erste AfD-Gruppe hielt nur wenige Wochen

Bei der Bürgerschaftswahl vom 10. Mai 2015 erhielt die AfD landesweit 5,5 Prozent und vier Mandate. Christian Schäfer, Piet Leidreiter, Klaus Remkes und Alexander Tassis wurden im Wahlbereich Bremen gewählt. Für eine Fraktion reichten die vier Sitze nicht; sie bildeten eine parlamentarische Gruppe. [12] [14]

Nach dem Bundesparteitag in Essen und Frauke Petrys Übernahme des Parteivorsitzes kündigten Schäfer, Leidreiter und Remkes im Juli 2015 ihren AfD-Austritt an. Sie behielten ihre Mandate und organisierten sich zunächst als Bremer Bürgerliche Reformer, später als ALFA- und LKR-Gruppe. Der AfD blieb Tassis als fraktionsloser Einzelabgeordneter. Schon kurz nach dem ersten Einzug war die gemeinsame parlamentarische Struktur zerfallen. [12]

Der Streit um den fünften Sitz endete 2016

In Bremerhaven lag die AfD bei der Wahl 2015 knapp unter der dort gesondert geltenden Fünfprozenthürde. Das Wahlprüfungsgericht korrigierte die Auszählung zunächst zugunsten eines zusätzlichen AfD-Mandats. Thomas Jürgewitz hätte dadurch den Sitz der SPD-Abgeordneten Petra Jäschke erhalten. [13]

Nach einer erneuten Auszählung aller Bremerhavener Stimmen stellte der Staatsgerichtshof im September 2016 einen AfD-Anteil von 4,9899 Prozent fest. Jäschke behielt ihr Mandat. Die AfD blieb bei den vier ursprünglich gewonnenen Sitzen, von denen drei inzwischen bei ausgetretenen Mitgliedern lagen. [13]

Zur Themenübersicht

2014–2013: Der Aufbau vor dem ersten Landtagseinzug

Aus dem neuen Landesverband wurde eine parlamentarische Kraft

Der Bremer AfD-Landesverband entstand 2013. In den folgenden Jahren baute die Partei ihre Organisation und ihre Wahlteilnahme auf. Der erste Einzug in die Bremische Bürgerschaft folgte 2015. Die Übersicht zur AfD-Landespartei erschließt die Führungspersonen und Strukturen dieser Entwicklung.

Mit dem Einzug begann eine Folge von Parteiaustritten, Fraktionsbrüchen und wechselnden Gruppennamen. Zugleich entstanden personelle Verbindungen zu Bürger in Wut. Die Gesamtübersicht zur AfD im Parlament verbindet diese Geschichte mit den heutigen Mandaten im Bundestag und in Bremerhaven.

Zur Themenübersicht

Politische Bilanz: Mandate bleiben Machtmittel

Der Streit um Posten begrenzte die Macht, die rechte Politik blieb

Die Bremer AfD hat parlamentarische Möglichkeiten wiederholt selbst beschädigt: 2015 zerfiel die Gruppe, 2019 die Fraktion, 2023 scheiterte die Wahlteilnahme. Ihre politische Praxis erschöpft sich dennoch nicht in diesen Machtkämpfen. Tassis nutzte sein Einzelmandat für Angriffe auf das Asylrecht; die spätere Gruppe um Magnitz und Felgenträger machte lokale Konflikte zum Material rechter Bedrohungserzählungen. [10] [12] [15]

Seit Dezember 2024 verschafft Lichtenfeld der AfD wieder einen Platz im Landesparlament. Mit den Nominierungen für 2027 arbeitet sie am Ausbau dieser Stellung. Fraktionsstärke würde zusätzliche organisatorische und finanzielle Möglichkeiten eröffnen. Die politische Auseinandersetzung muss deshalb die Nutzung dieser Mandate für Ausgrenzung und die Abwertung gleicher Rechte in den Blick nehmen. [1] [3] [4]

Zur Themenübersicht

Personen und parlamentarische Zusammenhänge

Sven Lichtenfeld: Das heutige Einzelmandat

Das Personendossier zu Sven Lichtenfeld untersucht seine Parteiwechsel, die Wahlherkunft seiner Mandate, die Bremerhavener Gruppe und seine Rolle vor der Bürgerschaftswahl 2027.

Uwe Felgenträger: Das Lager um Magnitz

Das Felgenträger-Dossier rekonstruiert den Aufstieg über die Liste von 2019, den Fraktionsbruch und die parlamentarische Arbeit der Gruppen M.R.F. und L.F.M.

Fraktionen, Gruppen und Einzelmandate

Die Seite Fraktionslos erklärt politische Zuordnungen und parlamentarische Rollen. Die Übersicht AfD im Parlament und das Dossier AfD Bremerhaven verbinden Landes- und Kommunalpolitik.

Zur Themenübersicht

Redaktion

AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Journalistische Recherchen zu den Machtkämpfen und Parteiwechseln sowie Dokumente zu Mandaten, Wahlergebnissen und öffentlichen Mitteln. Die verlinkten Personendossiers vertiefen die politischen Positionen und parlamentarischen Aktivitäten.

15 · Deutschlandfunk · Almuth Knigge · 14. März 2016

Die Ein-Mann-Show des Alexander Tassis

Reportage über Tassis’ parlamentarische Einzelvertretung, seine Provokationen und seine Positionen zum Asylrecht.