Ulf Nummensen: Rechte Kontinuität im Obervielander Beirat

Ulf Nummensen gehört zu den ehemaligen AfD-Mitgliedern, die bei den Bürgern in Wut eine neue politische Heimat fanden. Heute ist er im Beirat Obervieland verankert. Seine Laufbahn steht für die personellen Verbindungen zwischen AfD und BIW – und für die kommunale Präsenz einer Rechten, die sich selbst als bürgerliche Alternative vermarktet.

Weg von der AfD, weiter bei der politischen Rechten

Die Rechtsextremismus-Fachjournalist:innen Andrea Röpke und Andreas Speit benannten Nummensen im Mai 2023 ausdrücklich als ehemaligen AfD-Angehörigen auf der Bremer BIW-Wahlliste. Er war damit Teil einer Reihe von Wechseln, zu der auch Piet Leidreiter und Sven Schellenberg gehören. Bereits 2019 kandidierte Nummensen für BIW zur Bürgerschaft; 2023 stand er im Wahlbereich Bremen auf Listenplatz sieben und erhielt 524 Personenstimmen. Sein Wechsel führte ihn zu einer Organisation, deren rechtspopulistische Ausrichtung und wiederkehrende Verknüpfung von Migration und Kriminalität auch die Tagesschau beschrieb. taz, 11. Mai 2023, Abgeordnetenwatch, Tagesschau, 14. Mai 2023

Sein heutiger Einfluss liegt auf Stadtteilebene. Das Ortsamt führt ihn für die Wahlperiode 2023–2027 unter Bündnis Deutschland als Mitglied des Beirats Obervieland und als Sprecher des Koordinierungsausschusses. Hinzu kommt die Mitgliedschaft im Fachausschuss Bildung, Jugend, Kultur und Sport. Nummensen ist damit an der laufenden kommunalen Arbeit beteiligt. Dazu gehören auch soziale Anliegen: Am 16. Mai 2024 stimmte er dafür, die Finanzierung eines Projekts zur Sprach- und Kulturmittlung im Gesundheitsbereich einzufordern. Seine politische Rolle erschließt sich aus dieser konkreten Arbeit ebenso wie aus seiner Parteibiografie. Beiratsübersicht, Ausschussbesetzung, Sitzungsprotokoll vom 16. Mai 2024, TOP 4

Wohnraum für Geflüchtete unter Rechtfertigungsdruck

Beim geplanten Übergangswohnheim am Holzdamm in Habenhausen setzte Nummensen einen anderen Akzent. Am 19. Mai 2026 verglich er die Unterkunft für rund 200 Geflüchtete mit dem ursprünglich vorgesehenen Seniorenheim. Dessen Auswirkungen auf die Nachbarschaft seien aus seiner Sicht deutlich geringer gewesen. Außerdem kritisierte er die Größe des Gebäudes und die Beteiligung des Beirats. Damit ging seine Argumentation über Baugestaltung hinaus: Auch die vorgesehene Nutzung wurde zum Problem erklärt. Das Seniorenheim war allerdings am Ausfall des Betreibers gescheitert – es wurde nicht zugunsten Geflüchteter verdrängt. Sitzungsprotokoll vom 19. Mai 2026, TOP 2

Der soziale Anlass des Vorhabens droht bei einer solchen Gegenüberstellung zurückzutreten. Nach Darstellung des Sozialressorts sollten überwiegend Familien mit Kindern einziehen, die dauerhaft bleiben dürften, auf dem angespannten Wohnungsmarkt aber keine eigene Wohnung fänden. Vorgesehen waren 71 Wohnungen mit eigenen Küchenzeilen und Bädern. Auch Anwohner:innen meldeten sich zugunsten des Projekts zu Wort und berichteten von einem unproblematischen Zusammenleben während der vorherigen Unterbringung am Standort. Nummensens Vergleich ist deshalb politisch kritikwürdig: Er gewichtet die erwarteten Auswirkungen auf die bestehende Nachbarschaft, während die künftigen Bewohner:innen selbst auf ein Zuhause angewiesen sind. Sie sind ebenfalls Teil des Stadtteils. Sitzungsprotokoll vom 19. Mai 2026, TOP 2

Das bürgerliche Etikett verdeckt die offenen Flanken nach rechts

Der Anspruch von BIW, eine gemäßigte Alternative zur AfD zu sein, geriet gerade im Wahlkampf 2023 mit dem eigenen Personal in Konflikt. Auf derselben Bremer Liste wie Nummensen kandidierte Heiko Werner. Röpke und Speit dokumentierten dessen Teilnahme an einem Neonazi-Aufmarsch für die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck sowie am „Tag der deutschen Zukunft“. Erst nach der Veröffentlichung reagierte BIW gegen Werner. Kurz nach der Wahl folgte der Konflikt um Sven Lichtenfeld: Nach Angaben von Jan Timke hatte dieser wissentlich Wahlkampfunterstützung aus dem rechtsextremen Milieu angenommen. taz, 11. Mai 2023, taz, 22. Mai 2023

Diese Fälle zeigen die offenen Flanken jener Partei, für die Nummensen kandidierte; sie belegen noch keine Beteiligung Nummensens an den rechtsextremen Aktivitäten anderer Kandidaten. Seine eigene politische Bedeutung liegt in der Verbindung von früherer AfD-Zugehörigkeit, langjähriger BIW-Kandidatur und kommunaler Verankerung. Wer die parlamentarische Rechte in Bremen verstehen will, muss auch diese Ebene betrachten: die Mandate, Ausschüsse und alltäglichen Debatten, in denen sie dauerhaft präsent ist. Nummensens Parteibiografie zeigt, dass ein Abschied von der AfD auch zu einer anderen Organisation der politischen Rechten führen kann.

Redaktion
AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Medienberichte und öffentliche Unterlagen zu Ulf Nummensens Parteibiografie, seinen kommunalen Funktionen und seiner Arbeit im Beirat Obervieland.