Ein Identitärer im AfD-Büro: Schicks Arbeit für Frank Magnitz

Archivbeitrag · Erstveröffentlichung: 25. April 2018

Im Frühjahr 2018 arbeitete der Identitären-Aktivist Jonas Schick im entstehenden Bremer Regionalbüro des AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz. Dort war auch der damalige Bremer JA-Vorsitzende Robert Teske tätig. Unsere Bild- und Videodokumentation machte sichtbar, wie eng Partei und extrem rechte Bewegung praktisch zusammenwirkten. Die zuvor beschworene Abgrenzung zur Identitären Bewegung zerfiel an der Personalpolitik des eigenen Landesvorsitzenden.

Jonas Schick vor dem Gebäude des damaligen AfD-Regionalbüros in Bremen-Walle.
Jonas Schick auf dem Weg zum entstehenden Abgeordnetenbüro in Bremen-Walle am 9. April 2018. Standbild aus dem damals zugespielten Dokumentationsmaterial. Archiv: AfD Watch Bremen.

Regelmäßige Arbeit im Waller Regionalbüro

In der Helgolander Straße 3 entstand 2018 das Bremer Regionalbüro von Frank Magnitz. Die von uns veröffentlichten Aufnahmen zeigten Schick am Gebäude und am Fenster der Büroräume. Weitere Aufnahmen dokumentierten Teske am selben Standort. Die Recherche vom 25. April machte damit eine personelle Verbindung innerhalb der Arbeitsräume des Bundestagsabgeordneten öffentlich. [2] [3]

Am folgenden Tag berichteten Andreas Speit und Sebastian Heidelberger in der taz über Schicks regelmäßige Anwesenheit: Er komme seit Wochen montags bis donnerstags morgens in die Räume, auch gemeinsam mit Teske. Magnitz bestätigte den geplanten Betrieb mit Bürgerstunden und Veranstaltungen. Das Haus gehörte ihm selbst. [1]


Jonas Schick am Fenster der damaligen Büroräume; das Bild verlinkt die archivierte Videoaufnahme.
Schick am Fenster des entstehenden Regionalbüros, April 2018. Standbild aus der damaligen Videodokumentation. Archivierte Videoaufnahme öffnen. Archiv: AfD Watch Bremen.

Magnitz erklärt die politische Verbindung zur Personalfrage

Laut taz erklärte Magnitz gegenüber Radio Bremen, für den Büroaufbau zwei Teilzeitkräfte eingestellt zu haben. Schicks Rolle behandelte er dabei im Konjunktiv: „Und wenn Herr Schick da arbeiten würde, würde er das als Herr Schick tun und nicht als Identitärer.“ Entscheidend sei dessen berufliche Qualifikation. [1]

Magnitz behandelte Schicks Engagement bei der IB damit als beruflich belanglos. Die Begründung machte aus der Zusammenarbeit mit einem organisierten extrem rechten Akteur eine Frage bloßer Eignung. Mit der Arbeit im Abgeordnetenbüro erhielt Schick Zugang zu parlamentarischen Arbeitszusammenhängen. Genau diese institutionelle Nähe war der Kern der Recherche.

Der Wechsel zur IB löste die Verbindungen zur AfD nicht auf

Schick kam aus AfD und Junger Alternative. Im August 2017 erklärte er, die Partei bereits zu Jahresbeginn aus Enttäuschung über deren Arbeitsweise verlassen zu haben. Die Identitäre Bewegung stellte ihn ihrerseits öffentlich als Aktivisten ihrer Regionalgruppe Niedersachsen vor. [1]

Die Zusammenarbeit mit Akteuren der Parteijugend setzte sich zugleich fort. Unsere Recherche vom August 2017 dokumentierte Schicks Podcast „90 Grad“, an dem unter anderem Robert Teske mitwirkte. Das Format wurde über Kanäle der Identitären verbreitet. So verband Schick seine Tätigkeit für die Bewegung mit einem Medienprojekt, in dem ein führender Bremer JA-Funktionär auftrat. [5]

Auch das antifaschistische pressearchiv und bildungszentrum berlin, apabiz, hielt 2022 in seiner Untersuchung der Zeitschrift „Die Kehre“ Schicks Weg fest: Aktivität bei der Bremer JA, Arbeit für Magnitz und öffentliches Auftreten als Identitärer. Die Fachrecherche beschreibt einen Akteur, der seine politischen Verbindungen anschließend als Herausgeber und Autor im neurechten Publikationsbetrieb weiterentwickelte. [6]


Robert Teske am Fenster der damaligen Büroräume; das Bild verlinkt die archivierte Videoaufnahme.
Robert Teske, damals Vorsitzender der Jungen Alternative Bremen, am selben Bürostandort im April 2018. Archivierte Videoaufnahme öffnen. Standbild und Video: damaliges Dokumentationsmaterial im Archiv AfD Watch Bremen.

Gemeinsame Propaganda vor dem gemeinsamen Büro

Die Kooperation war bereits vor dem Büroaufbau öffentlich sichtbar. Beim Wahlkampfauftritt Angela Merkels am 15. August 2017 auf dem Bremer Marktplatz verteilten Magnitz, Teske und Marvin Mergard gemeinsam mit Identitären Flugblätter gegen die Asylpolitik. Die taz berichtete darüber am 19. August. Teske erklärte der Zeitung, Schick habe ihm das Material gegeben; eine koordinierte Aktion bestritt er. [4]

AfD und JA hatten 2016 Unvereinbarkeitsbeschlüsse zur IB gefasst. Dennoch beteiligten sich Bremer JA-Funktionäre im Juni 2017 am Berliner IB-Aufmarsch und anschließend an der Flugblattverteilung in Bremen. Die wiederkehrende Erklärung, solche Auftritte seien privat, verkleinerte organisierte politische Betätigung zur persönlichen Freizeitbeschäftigung. [4]

Der Bürofall führte diese Entwicklung weiter: Nun arbeiteten Schick und Teske im unmittelbaren Umfeld eines Bundestagsabgeordneten zusammen. Auf die gemeinsame Straßenpräsenz und Medienarbeit folgte die Zusammenarbeit innerhalb einer parlamentarischen Arbeitsstruktur.

Parlamentarische Infrastruktur stärkt das extrem rechte Umfeld

Der Bremer Vorgang fiel in eine Phase, in der die AfD nach ihrem Bundestagseinzug Personal und Strukturen aufbaute. Eine gemeinsame Recherche von taz, der rechte rand und apabiz untersuchte 2018 die Hintergründe von mehr als 350 Mitarbeiter:innen. Sie dokumentierte mindestens 27 Personen mit rechtsextremem Hintergrund in Abgeordnetenbüros oder bei der Fraktion. Der Bericht beschrieb zugleich, wie öffentlich finanzierte Stellen und parlamentarische Infrastruktur der extremen Rechten neue Arbeitsmöglichkeiten eröffneten. [7]

In Bremen zeigte sich die politische Durchlässigkeit an konkreten Personen und einem konkreten Ort. Magnitz stellte den organisatorischen Rahmen bereit; Schick und Teske brachten ihre Arbeit und ihre bereits bestehenden Verbindungen ein. Die offizielle Distanz zur IB verlor dadurch ihren praktischen Gehalt. Ein Abgeordnetenbüro wurde zum gemeinsamen Arbeitsort von Parteifunktionär und Bewegungsaktivist.

Die weitere Entwicklung erschließen unsere Dossiers zu Jonas Schick und Robert Teske.

Redaktion
AfD Watch Bremen

Quellen und weiterführende Recherchen

Zeitgenössische Recherchen und die damalige Videodokumentation zum Bürostandort. Die spätere apabiz-Analyse ordnet Schicks politischen Werdegang ein.

[1] taz · Andreas Speit und Sebastian Heidelberger · 26. April 2018

Das rechtsextreme Regionalbüro

Recherche zur regelmäßigen Anwesenheit Schicks, zu Teske und zu Magnitz’ Erklärungen über den Büroaufbau.

[2] AfD Watch Bremen · Videodokumentation · April 2018

Jonas Schick am Bürostandort in Walle

Damals zugespieltes und im ursprünglichen Beitrag veröffentlichtes Video; zeigt Schick am Fenster der Büroräume.

[3] AfD Watch Bremen · Videodokumentation · April 2018

Robert Teske am selben Bürostandort

Archivierte Aufnahme aus der ursprünglichen Recherche; dokumentiert Teske in den Büroräumen.

[4] taz · 19. August 2017

Schon wieder Seit’an Seit’

Bericht über die gemeinsame Flugblattverteilung, die Unvereinbarkeitsbeschlüsse und Teskes damalige Erklärung.

[7] taz · Sabine am Orde · 14. April 2018

Ein Scharnier nach ganz, ganz rechts

Ergebnisse der gemeinsamen Personalrecherche von taz, der rechte rand und apabiz zur AfD im Bundestag. Die Zahlen beziehen sich auf den damaligen Recherchezeitraum.