Mit polnischer Militär-Uniform samt Pistolenholster, stellte sich dieser Akteur auf den Bremer Marktplatz. Laut Versammlungsgesetz gilt auf Demos das Militanz-Verbot, ebenso das Verbot von Uniformierung.

Am Nachmittag marschierten etwa 60 polnische Ultra-NationalistInnen unter Polizeibegleitung durch die Bremer Innenstadt. Angeführt wurden die AkteurInnen von einem ehemaligen Bremer AfD-Politiker.

Nach kurzen Redebeiträgen auf dem Marktplatz, zogen die AnhängerInnen zunächst durch die Innenstadt zum Brill, über die Neustadt. Im Anschluss zurück zum Marktplatz. Dort endete der Aufmarsch. Anmelder und einziger Redner auf der Versammlung, war der ehemalige AfD-Stadtteilpolitiker Adam Golkontt. 2015 zog dieser für die AfD im Stadtteil Huchting in den Beirat. Persönliche Differenzen mit dem Landesvorstand der AfD, veranlassten Golkontt im Dezember 2016 dazu, die Partei zu verlassen. Die bereits zu diesem Zeitpunkt verfestigte völkisch-nationalistische Ausrichtung des Bremer Landesverbandes, fand bei Golkontt keine Kritik. Im Sinne des Landesverbandes nahm sich Golkontt in dieser Phase Zeit, antifaschistische Proteste zu kriminalisieren und rassistische motivierte Brandanschläge zu entschuldigen.

Flugblätter versus Brennende Asyleinrichtungen

“No Fight – No Glory” (Kein Kampf – Keine Ruhm), in Verbindung mit Symbolik von Blutspritzern und einem Schlagring. Diese Szene möchte jedoch nicht mit Gewaltverherrlichung und Gewaltbereitschaft in Verbindung gebracht werden.

In einem Interview erklärte Golkontt zum Brandanschlag auf eine Asylunterkunft in Bremen: “Es ist nicht verwunderlich, dass bei einigen schon mal die Sicherung durchbrennen“. Derartige Verharmlosungen von Brandanschlägen, fanden zu dieser Zeit großen Beifall in einschlägig extrem rechten Netzwerken. Ein antifaschistischer Protest gegen die rassistischen Positionen der AfD, wurde von Golkontt zum Anlass genommen, sich als Opfer zu inszenieren. So behauptete Golkontt, dieser wäre “bedroht und bedrängt” worden. Anlass vermeintlicher “Bedrohungen” war im Juni 2016 ein antifaschistischer Protest vor seinem Haus. Nach Angaben von Golkontt seien “Flugblätter in den Hausflur geworfen” und “Parolen gerufen” worden. 

Fortführung nationalistischer Positionen mit anderen Mitteln

Die von Golkontt vergangenen Sonntag aufgerufenen AkteurInnen, traten auf dem Marktplatz mit gewaltverherrlichender, militaristischer und antikommunistischer Symbolik auf. Anlass sei der polnische Unabhängigkeitstag gewesen. Auffällig war, dass die wenigen Teilnehmenden fast ausschließlich junge, trainierte Männer waren. Die laut Recherche Nord dem Hooligan-Spektrum zuzuordnen sind. Das martialische Bild auf der Straße schien gewollt. Die geringe Beteiligung hingegen nicht. 20 OrdnerInnen begleiteten etwa 40 Teilnehmende. Auf ihrer Homepage zpwn(punkt)org bewarben die AkteurInnen ihren “3. Unabhängigkeitsmarsch in Bremen“. Tatsächlich marschierte die Gruppierung bereits in den Vergangenen Jahren in Bremen auf. Bislang unbeachtet von der Öffentlichkeit.

Einem Akteur (Bildmitte) dient sein Mund-Nasen-Schutz als antikommunistische Propaganda. Der Hass auf KommunistInnen, gehört zum Selbstverständnis dieser Szene.

Golkontt widmete sich nach seinem AfD-Austritt hauptsächlich der von ihm gegründeten “Christlichen Gemeinschaft der Polen in Bremen e.V.” Der Verein gilt als reaktionär-katholische Vereinigung, der diskursiv die nationalistischen Positionen der polnischen PiS-Regierung in Polen unterstützt. Seit Jahren wird die demokratiefeindliche Partei in Polen vom nationalistischen Flügel der katholischen Kirche getragen. Hier liegen die Gemeinsamkeiten zu Verein von Golkontt in Bremen. in Polen zielen seine Brüder im Geiste auf einen Abbau verbriefter Menschenrechte und auf einen Umbau Polens zu einem autoritären Staat. Beziehungen pflegt die PiS-Partei entsprechend mit der AfD. Mit Golkontt war auch das reaktionäre Weltbild seines Vereins und damit jene Ideologie der polnischen NationalistInnen auf dem Marktplatz vertreten.

Ausgerechnet einen Tag zuvor, hatte eine Gruppe auf dem Marktplatz auf die antifeministische Politik in Polen aufmerksam gemacht und das Abtreibungsverbot kritisiert. Die polnische Regierung strebt ein vollständiges Abtreibungs-Verbot an, das selbst nach einer Vergewaltigung eine Abtreibung unter Strafe stellt. In Polen hatte diese antifeministische Position aktuell zu massiven Protesten geführt. Ein autoritärer Umbau des polnischen Staates durch die PiS-Partei, trotz lukrativer EU-Mitgliedschaft, ermöglicht das mit PiS-treuen RichterInnen besetzte polnische Verfassungsgericht.

Optisch von einer NPD-Demo kaum zu unterscheiden

In Polen wird jährlich am 11. November der polnische Unabhängigkeitstag gefeiert, der RechtsextremistInnen als Kulisse dient. Die Rede am Sonntag auf dem Marktplatz, war entsprechend gekennzeichnet von nationalistischen Tönen und Selbstverherrlichung in einem Fahnen-Meer. In den vergangenen Jahren trat vor allem die rechte PiS-Partei mit entsprechenden Ultra-NationalistInnen und RechtsextremistInnen in Polen auf. Das gemeinsame Feindbild dieser Szene, “die Roten” und die europäischen Linksliberalen, wird bei diesen Aufmärschen aggressiv forciert. In Polen geht dieser Feiertag nicht ohne heftige Ausschreitungen von RechtsextremistInnen über die Bühne

An diese Szene schienen die heutigen AkteurInnen in Bremen mit ihren gewaltverherrlichenden Symbolen anschließen zu wollen.

Redaktion
AfD Watch Bremen

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