Analysen und Studien zur AfD
Aktuelle Forschung zu Ideologie, Wählerschaft, Propaganda und politischen Wirkungen
Die extrem rechte Partei AfD lässt sich weder allein über Wahlergebnisse noch über einzelne Skandale erklären. Für eine belastbare Einordnung müssen ihre Programme, politischen Milieus, Kommunikationsstrategien und parlamentarischen Interventionen ebenso untersucht werden wie die gesellschaftlichen Bedingungen ihres Erfolgs und die Folgen für Betroffene, Institutionen und demokratische Zivilgesellschaft.
Diese Rubrik versammelt frei zugängliche Studien, Fachaufsätze, Working Papers und Forschungsberichte. Die Auswahl konzentriert sich auf Veröffentlichungen mit erkennbarer Fragestellung, offengelegter Datengrundlage und nachvollziehbarer Methode. Zu jeder Publikation erläutert die Redaktion Erkenntniswert und Reichweite der Befunde. Parteipolitische Stellungnahmen, journalistische Bücher und kostenpflichtige Fachmonografien werden in den dafür vorgesehenen Rubriken behandelt.
Schnelleinstieg
Für ein aktuelles Gesamtbild empfehlen wir zunächst die WSI-Studie zur Ausweitung der AfD-Wählerschaft, die OBS-Analyse ihrer digitalen Wahlkämpfe, den DeZIM-Bericht über gesellschaftliche Folgen ihres Aufstiegs und die IWH-Prüfung eines konkreten AfD-Regierungsprogramms.
Programmatik und mögliche Regierungspraxis
Ist das AfD-Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt finanzierbar?
Nic Dorsch, Reint E. Gropp und Alexander Reifschneider · Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle · IWH Policy Notes 2/2026 · Open Access
Frage und Methode: Die Autor gleichen 136 kostenwirksame Vorhaben aus dem AfD-Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt mit amtlichen Haushaltsdaten und Statistiken ab. Für 28 Maßnahmen war eine belastbare Bezifferung möglich.
Zentraler Befund: Den berechenbaren Ausgaben und dem von der AfD angekündigten Verzicht auf Neuverschuldung steht nach der Studie eine Finanzierungslücke von mindestens 2,2 Milliarden Euro jährlich gegenüber. Belegbare Einsparungen decken weniger als ein Zehntel des ermittelten Bedarfs.
Kritische Einordnung: Die Policy Note prüft Finanzierbarkeit, nicht sämtliche gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Folgewirkungen. Weil nur belastbar bezifferbare Maßnahmen eingehen, beschreibt die Summe eine Mindestlücke. Die Analyse bezieht sich auf ein Landeswahlprogramm von 2026 und erlaubt keine unmittelbare Hochrechnung auf andere Landesverbände oder die Bundespartei.
Rechtsextremes Regieren
Amadeu Antonio Stiftung · 21. Mai 2026 · Szenarioanalyse und PDF · frei zugänglich
Frage und Methode: Ausgehend vom AfD-Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt, parlamentarischen Initiativen und öffentlichen Aussagen entwirft die Analyse mögliche Eingriffe in Verwaltung, Justiz, Bildung, Medien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Zentraler Erkenntniswert: Die Veröffentlichung übersetzt programmatische Forderungen in institutionelle Handlungsmöglichkeiten einer Landesregierung. Dadurch wird sichtbar, an welchen Stellen ein autoritärer Umbau auch ohne offenen Verfassungsbruch beginnen könnte: über Personalentscheidungen, Förderpolitik, Verwaltungsvorgaben und die Veränderung fachlicher Standards.
Kritische Einordnung: Es handelt sich um eine begründete Szenarioanalyse, nicht um eine Vorhersage. Plausibilität und Quellenbasis müssen von Eintrittswahrscheinlichkeit unterschieden werden. Besonders nützlich ist der Text als institutioneller Stresstest und Ausgangspunkt für präventive Schutzkonzepte.
Die AfD – eine Gefahr für Menschen mit Behinderungen
Hendrik Cremer · Deutsches Institut für Menschenrechte · Mai 2026 · Analyse/Studie · kostenloses PDF
Frage und Methode: Die menschenrechtliche Analyse untersucht Programme und Äußerungen der AfD daraufhin, welches Menschenbild und welche behindertenpolitischen Folgen darin erkennbar werden.
Zentraler Befund: Der Text arbeitet heraus, wie die Abwertung und Aussonderung von Menschen mit Behinderungen mit einem völkisch-hierarchischen Gesellschaftsbild verbunden sind. Damit erweitert er die AfD-Analyse um eine Perspektive, die in öffentlichen Debatten häufig unterbelichtet bleibt.
Kritische Einordnung: Der Text ist eine normativ-rechtliche Dokumentenanalyse und keine Befragungs- oder Wirkungsstudie. Seine Stärke liegt in der Prüfung politischer Aussagen am Maßstab von Menschenwürde, Gleichheit und der UN-Behindertenrechtskonvention.
Anatomie der Anti-Zeitenwende
Jacob Ross · Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik · DGAP Analyse Nr. 4 · Dezember 2025 · 60 Seiten · kostenloses PDF
Frage und Methode: Die Analyse rekonstruiert ideologische Bezugspunkte und strategische Konturen einer AfD-Außenpolitik. Sie betrachtet das Verhältnis zu Russland, Europa, NATO, nationaler Souveränität und internationalen Partnern der extremen Rechten.
Zentraler Erkenntniswert: Der Text zeigt, dass außenpolitische Positionen der AfD nicht auf einzelne Sympathien für autoritäre Regime reduziert werden können. Sie sind Teil eines nationalistischen Ordnungsmodells und zugleich in transnationale rechte Netzwerke eingebettet.
Kritische Einordnung: Die Veröffentlichung ist eine ideen- und dokumentenbezogene Politikfeldanalyse. Sie untersucht programmatische Konturen; tatsächliches Regierungshandeln kann daraus nur bedingt abgeleitet werden.
Die AfD und das kollektive Arbeitsrecht
Michael Barthel · Hugo Sinzheimer Institut der Hans-Böckler-Stiftung · HSI Working Paper Nr. 20 · 2024 · 43 Seiten · kostenloses PDF
Frage und Methode: Das Working Paper wertet arbeits- und sozialpolitische Positionen der AfD mit Blick auf Tarifautonomie, Mitbestimmung, Betriebsräte und Gewerkschaften aus.
Zentraler Erkenntniswert: Die Analyse macht sichtbar, welche Folgen die AfD-Programmatik für kollektive Interessenvertretung und betriebliche Demokratie hätte. Sie hilft, soziale Selbstdarstellung und rechtspolitische Substanz der Partei voneinander zu unterscheiden.
Kritische Einordnung: Im Mittelpunkt steht das kollektive Arbeitsrecht. Aussagen über die gesamte Wirtschafts- oder Sozialpolitik der AfD erfordern ergänzende Analysen.
Klimaskepsis der AfD im Bundestag: Die Rolle religiöser Narrative
Matthias Kortmann · Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik · 2025 · begutachteter Open-Access-Fachaufsatz
Frage und Methode: Der Beitrag untersucht klimapolitische Redebeiträge der AfD in der 19. und 20. Wahlperiode des Bundestages inhaltsanalytisch. Im Zentrum steht die Frage, wie religiöse und kulturkämpferische Narrative Klimaskepsis strukturieren.
Zentraler Erkenntniswert: Die Studie zeigt, wie Klimapolitik in ein umfassenderes Deutungsmuster aus angeblicher Bevormundung, bedrohtem Lebensstil und kulturellem Verfall eingebaut wird. Damit erklärt sie, warum sachpolitische Gegenargumente allein die kommunikative Wirkung solcher Narrative oft nicht erfassen.
Kritische Einordnung: Untersucht wird parlamentarische Kommunikation in einem begrenzten Zeitraum. Der Aufsatz belegt rhetorische Muster, nicht deren Wirkung auf einzelne Wähler.
Wählerschaft, Wahlerfolge und gesellschaftliche Wirkungen
Die Verdoppelung des AfD-Elektorats
Andreas Hövermann · Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung · WSI Study Nr. 42 · Juli 2025 · kostenlos
Frage und Methode: Die Studie vergleicht mehrere Wellen der Erwerbspersonenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung. Die jüngste Welle erfasste im März 2025 nach der Bundestagswahl knapp 6.700 Erwerbspersonen. Untersucht wird, wie sich neu hinzugekommene AfD-Wähler von der früheren Kernwählerschaft unterscheiden.
Zentraler Befund: Die AfD konnte über ihr rechtsradikales Kernmilieu hinaus neue soziale Gruppen erreichen. Benachteiligungsgefühle, Zukunfts- und Abstiegsängste spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Studie reduziert die Wahlentscheidung zugleich nicht auf ökonomische Lage: politische Einstellungen und die Deutung gesellschaftlicher Krisen bleiben zentral.
Kritische Einordnung: Die Stichprobe bezieht sich auf Erwerbspersonen und bildet daher nicht die gesamte Wahlbevölkerung ab. Zusammenhänge zwischen Ängsten und Wahlneigung sind keine einfachen Ursache-Wirkungs-Beweise.
The Changing Face of the AfD Electorate
Christoph Kühling, Frederik Springer und Markus Klein · Politische Vierteljahresschrift · 2025 · begutachtete Open-Access Research Note
Frage und Methode: Die Längsschnittanalyse verfolgt Veränderungen der AfD-Wählerschaft von 2013 bis 2022. Sie prüft, welche sozialen und politischen Merkmale über die verschiedenen Entwicklungsphasen der Partei hinweg an Bedeutung gewinnen oder verlieren.
Zentraler Erkenntniswert: Der Aufsatz widerspricht statischen Bildern eines unveränderlichen „typischen“ AfD-Wählers. Er zeigt, dass sich soziale Zusammensetzung, Motive und ideologische Bindung mit der Radikalisierung und Etablierung der Partei verschoben haben.
Kritische Einordnung: Die Veröffentlichung erschien 2025, ihre Daten reichen bis 2022. Für die Bundestagswahl 2025 ist sie deshalb eine historische Vergleichsbasis, kein aktuelles Wahlprofil.
Wirtschaft, Demografie und strukturelle Missstände: Faktoren hinter dem Erfolg der AfD bei der Europawahl 2024
Christian Franz, Adelina Garamow, Alexander S. Kritikos, Alexander Kriwoluzky und Marcel Fratzscher · DIW Wochenbericht 30/2024 · Open Access
Frage und Methode: Die Studie verbindet Europawahlergebnisse auf Kreisebene mit ökonomischen, demografischen und infrastrukturellen Regionaldaten.
Zentraler Befund: Hohe AfD-Anteile treten regional gehäuft mit Überalterung, wirtschaftlicher Schwäche und strukturellem Wandel auf. In westdeutschen Industrieregionen spielt zudem die Gefährdung bestimmter Arbeitsplätze durch Automatisierung eine Rolle.
Kritische Einordnung: Kreisvergleiche identifizieren regionale Zusammenhänge. Sie erklären keine individuellen Wahlentscheidungen und dürfen nicht so gelesen werden, als seien Strukturschwäche oder demografische Alterung automatisch Ursachen einer AfD-Wahl.
Thüringen im „Superwahljahr“ 2024
Christoph Richter, Cornelius Helmert und Axel Salheiser · Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena · Forschungsbericht · Januar 2025 · Open Access
Frage und Methode: Der Bericht analysiert die AfD-Ergebnisse bei Kommunal-, Europa- und Landtagswahl 2024 kleinräumig und verknüpft sie mit regionalen Sozial- und Strukturdaten.
Zentraler Erkenntniswert: Der Vergleich verschiedener Wahlen innerhalb eines Jahres zeigt räumliche Stabilität und Unterschiede der AfD-Mobilisierung. Er hilft, pauschale Ostdeutschland-Erklärungen durch lokale und regionale Befunde zu ersetzen.
Kritische Einordnung: Thüringen ist ein besonders stark radikalisierter Landesverband und ein eigener politischer Raum. Die Ergebnisse bieten Vergleichswissen, lassen sich aber nicht ohne Prüfung auf Bremen oder andere Länder übertragen.
Ablehnung, Angst und Abwanderungspläne
Sabrina Zajak, Fabio Best, Gert Pickel, Matthias Quent, Friederike Römer, Elias Steinhilper und Andreas Zick · DeZIM Data.insights 14 · 2024 · kostenloses PDF
Frage und Methode: Eine bundesweite Befragung vom März 2024 untersucht, wie Menschen die AfD und ihre Politikpläne wahrnehmen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Reaktionen auf völkische „Remigrations“-Vorstellungen.
Zentraler Befund: Die Studie richtet den Blick auf gesellschaftliche Folgen des AfD-Aufstiegs: Angst, Ablehnung und Überlegungen zum Wegzug zeigen sich bei Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Damit werden nicht nur Einstellungen zur Partei, sondern auch ihre Wirkungen auf Sicherheitsgefühl und Zugehörigkeit erfasst.
Kritische Einordnung: Erfragt werden Wahrnehmungen und Handlungsabsichten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Geäußerte Wegzugsüberlegungen sind nicht mit tatsächlich vollzogenen Umzügen gleichzusetzen.
Spaltet die AfD die Gesellschaft?
Nils Teichler, Jean-Yves Gerlitz, Olaf Groh-Samberg, Anne Speer, Richard Traunmüller, Julian B. Axenfeld und Carina Cornesse · FGZ Datenmonitor 2025/1 · Februar 2025 · Open Access
Frage und Methode: Auf Basis des German Social Cohesion Panel wird untersucht, wie regionale AfD-Wahlerfolge mit Sympathiebewertungen gegenüber gesellschaftlichen Gruppen zusammenhängen. Mehrere Autor forschen am Bremer Standort des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Zentraler Befund: In Wahlkreisen mit hohem AfD-Anteil fallen die Sympathieunterschiede zwischen kulturellen, regionalen und sozialen Gruppen stärker aus – auch jenseits der AfD-Wählerschaft. Die Analyse verweist damit auf mögliche Ausstrahlungseffekte regionaler Parteierfolge auf das gesellschaftliche Klima.
Kritische Einordnung: Der regionale Zusammenhang allein beweist keine eindeutige Kausalrichtung. Sowohl AfD-Erfolge als auch stärkere Gruppendistanz können durch weitere regionale Faktoren beeinflusst werden.
Social Media, Algorithmen und Propaganda
Social-Media-Partei AfD?
Maik Fielitz, Harald Sick, Michael Schmidt und Christian Donner · Otto Brenner Stiftung · OBS-Arbeitspapier 73 · November 2024 · kostenloses PDF
Frage und Methode: Die Untersuchung vergleicht die digitalen Landtagswahlkämpfe der AfD in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Ausgewertet werden Plattformaktivitäten, digitale Netzwerke, Onlinewerbung, Livestreams und die Rolle des rechtsextremen Vorfelds.
Zentraler Befund: Die Studie korrigiert die verbreitete Vorstellung einer überall hochprofessionellen AfD-Digitalstrategie. Reichweite entsteht stark durch Provokation, rechte Influencer, die frühere Junge Alternative, Telegram-Netzwerke und die Weiterverbreitung durch journalistische Medien. Zwischen den Landesverbänden bestehen deutliche Unterschiede.
Kritische Einordnung: Der Befund einer häufig überschätzten Professionalität verharmlost die Wirkung nicht. Die Studie trennt technische Kampagnenqualität, Vernetzung und tatsächliche Reichweite – drei Dimensionen, die in der öffentlichen Debatte oft vermischt werden.
Digitalisiert, politisiert, polarisiert?
Roland Verwiebe, Aaron Philipp, Licia Bobzien, Johannes Wolfgram, Sarah Weißmann, Ulrich Kohler und Jasper Tjaden · Potsdamer Social Media Monitor/Bertelsmann Stiftung · November 2025 · DOI 10.11586/2025070 · kostenloses PDF
Frage und Methode: Die Studie untersucht Social-Media-Feeds junger Menschen im Bundestagswahlkampf 2025 auf TikTok, YouTube, Instagram und X. Im Mittelpunkt steht, welche politischen Inhalte Empfehlungsalgorithmen sichtbar machen.
Zentraler Befund: Inhalte von Parteien an den politischen Rändern wurden in den untersuchten Feeds häufiger empfohlen als Beiträge der politischen Mitte. Die Studie liefert damit einen empirischen Zugang zur algorithmischen Verstärkung politischer Kommunikation.
Kritische Einordnung: Sie untersucht simulierte beziehungsweise systematisch beobachtete Feeds und deren Angebotsstruktur, nicht die individuelle Meinungsänderung aller Nutzer. Sichtbarkeit ist eine Voraussetzung möglicher Wirkung, aber kein Beweis für Überzeugung oder Wahlentscheidung.
Wahlkampf im Takt des Algorithmus
Jan Rau, Philipp Kessling, Christoph Richter und Matthias Ebert · Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt · April 2025 · Open Access
Frage und Methode: Der Beitrag verbindet eigens erhobene TikTok-Daten mit Befunden aus der Forschung zu politischer Plattformkommunikation. Er fragt, welche Inhalte und Netzwerkmechanismen der AfD Sichtbarkeit verschaffen.
Zentraler Erkenntniswert: Die Analyse zeigt, dass Erfolg auf TikTok aus dem Zusammenspiel von kontinuierlicher Präsenz, emotionalisierenden Konfliktangeboten, Akteursnetzwerken und Plattformlogik entsteht. Daraus werden Hinweise für demokratische Öffentlichkeitsarbeit abgeleitet.
Kritische Einordnung: Der Text ist ein dateninformierter Forschungsbeitrag für eine breite Öffentlichkeit, kein umfassender begutachteter Plattformvergleich. Die zugrunde liegenden Algorithmen verändern sich fortlaufend.
Beyond anti-elitism and out-group attacks
Hendrik Meyer, Julia Niemann-Lenz, Luisa Rodeck und Matthias Revers · Information, Communication & Society · online 2025, Heftveröffentlichung 2026 · begutachtet und Open Access · englischsprachig
Frage und Methode: Der Beitrag untersucht Videos von AfD-Politiker aus den drei Monaten vor der Europawahl 2024. Mit LLM-gestützter Themenmodellierung der Transkripte werden zwölf Themen und drei populistische Kommunikationsstrategien identifiziert; außerdem wird das Nutzer mit den Beiträgen anderer Parteien verglichen.
Zentraler Erkenntniswert: Die Studie differenziert den populistischen Kommunikationsstil genauer aus und zeigt, wie die AfD konkrete Alltagsprobleme in ein binäres Deutungsmuster aus angeblich homogenem Volk, feindlichen Eliten und markierten Außengruppen übersetzt.
Kritische Einordnung: Analysiert wird die Angebotsseite offizieller TikTok-Kommunikation in einem Wahlkampf. Aussagen über Rezeption und Wirkung benötigen ergänzende Nutzer.
Antifeminismus, Jugendpolitik und Zivilgesellschaft
The AfD and Antifeminism in Germany, 2014–2025
Sabine Volk · German Politics · November 2025 · begutachteter Open-Access-Fachaufsatz · englischsprachig
Frage und Methode: Die Autorin vergleicht zehn Wahl- und Grundsatzprogramme des Bundesverbands sowie der AfD in Sachsen und Thüringen aus den Jahren 2014 bis 2025 qualitativ.
Zentraler Befund: Familienzentrierter Antifeminismus bildet über Ebenen und Zeiträume hinweg ein stabiles ideologisches Profil. Trans*feindliche Mobilisierung gewinnt später deutlich an Gewicht. Der Aufsatz zeigt außerdem, wie Geschlechterpolitik als Bündnis- und Normalisierungsfeld gegenüber konservativen Akteur funktioniert.
Kritische Einordnung: Programmanalysen erfassen offizielle Positionierung, nicht jede lokale Praxis oder informelle Kommunikation. Ihre Stärke liegt im systematischen Vergleich über elf Jahre.
Zwischen Parlament und Praxisfeld
Jennifer Hübner, Hannah Jestädt, Jana Sämann, Erik Theuerkauf u. a. · Sozial Extra · Januar 2026 · Open Access
Frage und Methode: Der Beitrag nutzt Befunde einer multilokalen Untersuchung zu Interventionen der AfD in Kinder- und Jugendarbeit. Lokale Fallstudien betrachten Parlamente, Jugendhilfeausschüsse, Verwaltung, Träger und informelle politische Arenen.
Zentraler Befund: AfD-Einfluss wirkt nicht nur über offen aggressive Anträge. Sachlich inszenierte Finanz- und Neutralitätsfragen, persönliche Annäherung und Anschluss an konservative Diskurse können emanzipatorische, antirassistische und queerfeministische Jugendarbeit unter Legitimationsdruck setzen.
Kritische Einordnung: Der Aufsatz stellt ausgewählte und teilweise vorläufige Studienbefunde vor. Fallstudien erklären lokale Mechanismen in der Tiefe, erlauben aber keine Häufigkeitsaussagen für sämtliche Kommunen.
Autoritäre Einstellungen als gesellschaftlicher Kontext
Diese Studien untersuchen die AfD nicht ausschließlich als Organisation. Sie liefern jedoch unverzichtbare Daten über Einstellungen und Konfliktlagen, an die rechtsextreme Propaganda anschließt.
Die angespannte Mitte
Friedrich-Ebert-Stiftung/Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung · Mitte-Studie 2024/25 · November 2025 · kostenlos
Frage und Methode: Die repräsentative Einstellungsstudie untersucht Rechtsextremismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Demokratievertrauen und autoritäre Orientierungen in Deutschland.
Zentraler Befund: Eine große Mehrheit bleibt demokratisch orientiert und nimmt Rechtsextremismus als Gefahr wahr. Gleichzeitig normalisieren sich einzelne antidemokratische und menschenfeindliche Aussagen, während das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit demokratischer Institutionen sinkt.
Kritische Einordnung: Die Skalen messen Zustimmung zu vorgegebenen Aussagen. Ein geschlossen rechtsextremes Weltbild, einzelne Ressentiments, Parteipräferenz und tatsächliches Verhalten sind analytisch verschiedene Größen. Die Studie sollte daher nicht als direkte AfD-Wahlprognose gelesen werden.
Vereint im Ressentiment – Leipziger Autoritarismus Studie 2024
Oliver Decker, Johannes Kiess, Ayline Heller und Elmar Brähler (Hrsg.) · Universität Leipzig/Else-Frenkel-Brunswik-Institut · 2024 · Studie und Materialien kostenlos
Frage und Methode: Die seit 2002 wiederholte repräsentative Erhebung untersucht autoritäre Dynamiken, rechtsextreme Einstellungen und Ressentiments im Zeitvergleich.
Zentraler Erkenntniswert: Die Langzeitperspektive zeigt, dass der Erfolg der AfD auf gesellschaftlich vorhandene autoritäre und rassistische Einstellungen trifft. Die Studie ermöglicht Vergleiche zwischen Ost und West, ohne Rechtsextremismus als ausschließlich ostdeutsches Phänomen zu behandeln.
Kritische Einordnung: Auch hier gilt: Einstellungsskalen sind keine Parteimitgliedschaft und keine automatische Wahlentscheidung. Der Wert liegt im Erkennen langfristiger gesellschaftlicher Potenziale und Verschiebungen.
Welche Studie beantwortet welche Frage?
| Fragestellung | Empfohlener Einstieg | Ergänzende Vertiefung |
|---|---|---|
| Wie realistisch sind konkrete AfD-Regierungspläne? | IWH: Ist das AfD-Wahlprogramm finanzierbar? | AAS: Rechtsextremes Regieren |
| Welche Folgen drohen Institutionen und Menschenrechten? | DIMR: Gefahr für Menschen mit Behinderungen | Zwischen Parlament und Praxisfeld |
| Warum wählen mehr Menschen die AfD? | WSI: Verdoppelung des AfD-Elektorats | PVS-Längsschnitt und DIW-Regionalanalyse |
| Wie verändert der Aufstieg der Partei das gesellschaftliche Klima? | DeZIM: Ablehnung, Angst und Abwanderungspläne | FGZ: Spaltet die AfD die Gesellschaft? |
| Wie arbeitet die AfD auf Social Media? | OBS: Social-Media-Partei AfD? | FGZ: Wahlkampf im Takt des Algorithmus |
| Welche Rolle spielen Plattformalgorithmen? | Digitalisiert, politisiert, polarisiert? | TikTok-Fachaufsatz zur Europawahl 2024 |
| Wie nutzt die AfD Antifeminismus und Trans*feindlichkeit? | Volk: The AfD and Antifeminism | Aufsatz zu Jugendpolitik und Jugendarbeit |
| Welche außen-, klima- und arbeitspolitischen Ziele verfolgt sie? | DGAP, Klima-Fachaufsatz und HSI-Working-Paper | aktuelle Programme und parlamentarische Dokumente |
| Auf welche gesellschaftlichen Einstellungen kann die Partei zurückgreifen? | FES-Mitte-Studie 2024/25 | Leipziger Autoritarismus Studie 2024 |
