Sascha Schuster: Die Partei verlassen, das rechte Lager behalten
Sascha Schuster gehörte Bürger in Wut lange vor dem Wahlerfolg von 2023 an. Heute verbindet er als parteiloser Abgeordneter der Bürgerallianz Bremen/Bremerhaven kommunale Erfahrung mit einem Landtagsmandat. Seine Schwerpunkte sind Häfen, Arbeitsplätze und öffentliche Versorgung. Politisch bleibt er mit früheren BIW/BD-Mitstreiter verbunden. Ein Wahlkampffoto, seine parlamentarischen Reden und das Programm seines neuen Zusammenschlusses zeigen, wie lokale Sachpolitik und die Anschlussfähigkeit rechter Politik ineinandergreifen.
Fünfzehn Jahre BIW, dann ein neuer Name
Schuster trat 2008 in die Wählervereinigung Bürger in Wut ein und gehört seit 2015 der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung an. Das dokumentiert seine amtliche Biografie bei der Bremischen Bürgerschaft. Beruflich führt sie vom Realschulabschluss 1988 über eine Ausbildung zum Bürokaufmann und eine Weiterbildung zum Finanzbuchhalter zur Arbeit im Gesamthafenbetrieb. Als veröffentlichungspflichtige berufliche Tätigkeit nennt das Parlament weiterhin Hafenfacharbeiter in Bremerhaven. Am 16. Juni 2023 begann sein Mandat in der Bremischen Bürgerschaft. Seine Laufbahn bei BIW umfasste zu diesem Zeitpunkt bereits rund fünfzehn Jahre.
Im Dezember 2023 verließ Schuster die Fraktion von Bündnis Deutschland. Seit dem 15. Oktober 2025 gehört er gemeinsam mit Holger Fricke und Meltem Sağiroğlu zur Bürgerallianz Bremen/Bremerhaven. Bei deren Vorstellung erklärten die drei, ihre Trennung von BD habe vor allem zwischenmenschliche Gründe und Differenzen mit Jan Timke gehabt. Der neue Gruppenvorsitzende Fricke formulierte die politische Kontinuität ausdrücklich: „Inhaltlich liegen wir in den meisten Punkten nicht auseinander.“ Das hielt die Kreiszeitung in ihrem Bericht zur Gründung fest. Schuster führt seine parlamentarische Arbeit damit in einem Zusammenschluss fort, dessen Führung die inhaltliche Nähe zur früheren Fraktion selbst betont.
Ein Selfie und die Frage, wer die Rechte normalisiert
Im Frühjahr 2023 stand Schuster im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung über politische Abgrenzung. Der CDU-Bürgerschaftskandidat Dieter Neuhoff veröffentlichte ein Foto mit Schuster und dem Grünen-Stadtverordneten Claas Schott. Darüber stand „Parteiübergreifender Wahlkampf in Wulsdorf“, verbunden mit einer Spitze gegen die SPD. Wie die taz am 3. Mai 2023 berichtete, kritisierte die Bremerhavener SPD das gemeinsame Bild als fehlende Abgrenzung zu BIW. Die Veröffentlichung zeigte den langjährigen BIW-Politiker in einer scheinbar selbstverständlichen politischen Gemeinschaft mit Vertretern von CDU und Grünen.
Die Reaktionen machten den Konflikt sichtbar. Schott entschuldigte sich und distanzierte sich von BIW sowie dem Eindruck gemeinsamen Wahlkampfs. Seine Partei erklärte, er sei auf dem Foto verlinkt worden und habe es nicht aktiv geteilt. Neuhoff löschte den Beitrag und entschuldigte sich für die Bildüberschrift. Der Bremerhavener CDU-Vorsitzende Torsten Neuhoff hielt eine politische Abgrenzung dagegen für unnötig. Der Vorgang zeigt, wie eine alltägliche Begegnung durch ihre Veröffentlichung politische Bedeutung erhält: Schuster erschien als akzeptierter Mitstreiter. Die spätere Distanzierung musste diesen Eindruck erst wieder korrigieren. Diese Einordnung ergibt sich aus der von der taz dokumentierten Veröffentlichung und den anschließenden Reaktionen.
Hafenpolitik mit Blick auf die Beschäftigten
Schusters parlamentarisches Profil ist eng mit der Hafenwirtschaft verbunden. In einer Bürgerschaftsrede im April 2024, dokumentiert auf den Seiten 2875 bis 2877 des Plenarprotokolls, forderte er Investitionen in Kajen und Terminalflächen sowie eine weitere Weservertiefung. Zugleich warnte er vor möglichen Arbeitsplatzverlusten durch Automatisierung. Gegenüber dem FDP-Abgeordneten Hauke Hilz machte er deutlich, dass sich Hafenbeschäftigte darüber Sorgen machten. Seine Argumentation verband Standortinteressen mit der Perspektive von Arbeitnehmer:innen, deren berufliche Zukunft vom Umbau der Häfen abhängt.
In derselben Rede lobte Schuster ausdrücklich die Arbeit der damaligen Wirtschafts- und Hafensenatorin Kristina Vogt von der Linken. Er benannte auch Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf den Hafenumschlag. Das zeigt eine sachbezogene parlamentarische Seite: Anerkennung politischer Gegner:innen war für ihn in dieser Debatte möglich. Seine Forderungen nach öffentlicher Infrastruktur und Beschäftigungssicherung gehören zum politischen Profil ebenso wie seine langjährige Verankerung bei BIW. Gerade diese Verbindung macht verständlich, weshalb er sich als kommunaler Interessenvertreter präsentieren kann.
Der Bruch mit BD endet am nächsten passenden Antrag
Dass Schuster weiter mit seiner früheren Fraktion zusammenarbeitet, ist an einer konkreten Debatte nachvollziehbar. Im Januar 2026 beriet die Bürgerschaft einen BD-Antrag für Stipendien in Ausbildungsberufen mit Fachkräfteengpässen. Schuster erklärte für die Bürgerallianz seine Unterstützung. Er begründete sie mit Fachkräftesicherung, Bildungschancen und der Bindung von Talenten an die Region. Die Rede steht im Plenarprotokoll auf den Seiten 9876 und 9877. Die Förderung von Ausbildung diente hier als gemeinsames Anliegen über die organisatorische Trennung hinweg.
Schuster wandte sich zugleich gegen eine Auseinandersetzung, die sich auf die politische Herkunft des Antrags konzentriere. Seine Begründung lautete: „Dieser Antrag ist gut, und deshalb werden wir den unterstützen.“ Das ist eine ausdrückliche Zusage sachbezogener Unterstützung für BD. Der Vorgang zeigt, wie durchlässig die parlamentarische Grenze zwischen alter Fraktion und neuer Gruppe bleibt. Die Bürgerallianz bietet Schuster organisatorische Eigenständigkeit; gemeinsame Positionen führen weiterhin zu gemeinsamem parlamentarischem Handeln.
Fachkräfte gewinnen, Schutzsuchende aussortieren
Auf seiner Seite bei der Bürgerallianz nennt Schuster saubere Städte, ärztliche Nahversorgung, Sicherheitspolitik und Fachkräftesicherung als Schwerpunkte. Das gemeinsame Programm der Gruppe verbindet solche Anliegen mit einer restriktiven Migrationspolitik: Qualifizierte Arbeitskräfte sollen zuwandern, Straftäter, Extremist:innen und abgelehnte Asylbewerber:innen werden gemeinsam als abzuschiebende Gruppen aufgeführt. Für sie fordert der Text eine bargeldfreie Grundversorgung nach dem Schlagwort „Bett, Bad, Brot“ und ein Bremer Abschiebezentrum nach dänischem Vorbild. Die Aufzählung rückt einen abgelehnten Schutzantrag sprachlich neben Kriminalität und Extremismus. Schuster ist einer der drei Abgeordneten, die diesen politischen Zusammenschluss parlamentarisch vertreten.
Seine Bedeutung liegt in der Verbindung von langjähriger kommunaler Präsenz, beruflicher Erfahrung und politischer Kontinuität. Er spricht über Arbeitsplätze und Versorgung, kann politische Gegner:innen für Sacharbeit loben und bleibt zugleich Teil eines rechten Zusammenschlusses mit rassistischer Asylpolitik. Das Wahlkampffoto von 2023 und seine Unterstützung für einen BD-Antrag zeigen unterschiedliche Formen politischer Anschlussfähigkeit.
Redaktion
AfD Watch Bremen
