Wo Reichsbürger auftreten, ist „Die Basis“ nie weit. Wie am 30.05.2022 bei einem Treffen der Reichsbürger-Szene von „Königreich Deutschland KRD“. Bild: AfD Watch Bremen.

Freiheit versprochen, Unterwerfung verkauft: Das „Königreich Deutschland“ in Bremen

Mit dem Versprechen eines „Gemeinwohlstaates“ warb das „Königreich Deutschland“ 2022 in Bremen um neue Anhänger. Hinter der freundlichen Sprache von Selbstbestimmung, Gemeinschaft und Naturverbundenheit stand ein autoritäres Projekt: die Herrschaft Peter Fitzeks, finanziert durch Menschen, denen ein Ausstieg aus der Bundesrepublik schmackhaft gemacht wurde. Die Bremer Verbindungen führten in das Umfeld von Querdenken, „Die Basis“ und Akteur mit linkem Selbstverständnis. Seit Mai 2025 ist die Organisation verboten; im Juli 2026 erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen vier mutmaßliche Führungspersonen. Die Geschichte zeigt, wie demokratiefeindliche Herrschaft als Befreiung verkauft werden konnte.

Gemeinwohl auf dem Plakat, Alleinherrschaft im Programm

Peter Fitzek ließ sich 2012 zum Oberhaupt seines „Königreichs“ einsetzen. Krone, Zepter und selbst erfundene Staatlichkeit boten reichlich Stoff für Spott. Politisch entscheidend war jedoch der Herrschaftsanspruch dahinter. Die Bundesanwaltschaft beschrieb 2025 eine Organisation, die das System der Bundesrepublik durch ein eigenes ersetzen wollte. Fitzek habe als „Oberster Souverän“ alle wesentlichen Bereiche kontrolliert, die ideologische Richtung bestimmt und eigene „Gesetze“ erlassen. Seine Anhänger sollten sich durch den Anschluss an das KRD von Steuern und Sozialabgaben befreien können. Banken, Versicherungen und Ausweisdokumente verliehen dieser Behauptung den Anschein praktischer Wirklichkeit.

Im Zentrum dieses Entwurfs stand ein Mann, dessen Macht gerade jener Kontrolle entzogen werden sollte, die demokratische Freiheit ermöglicht. Wer politische Entscheidungen an eine vermeintlich höhere Einsicht des „Souveräns“ bindet, macht Gleichberechtigung von dessen Wohlwollen abhängig. Der Begriff „Gemeinwohl“ verdeckte diesen Widerspruch: Menschen sollten sich einer Hierarchie anschließen, deren Spitze selbst definierte, was allen nütze. Das Freiheitsversprechen verlangte damit die Anerkennung persönlicher Herrschaft. Die esoterische Sprache verstärkte diesen Anspruch. Wer die eigene Ordnung mit „Schöpfungsgesetzen“ begründet, stellt sie über den gesellschaftlichen Streit – und erklärt politische Widersprüche zu einem Mangel an Erkenntnis bei den anderen.

Der Bremer Weg ins Königreich begann mit einer Überweisung

Wie dieses Angebot vor Ort vermittelt wurde, zeigte sich am 30. Mai 2022 in einem Gewerbegebiet in Bremen-Findorff. AfD Watch Bremen dokumentierte dort ein KRD-„Infoseminar“. Zuvor war in der Telegram-Gruppe „KRD – Bremen (Öffentliche Gruppe)“ eine Einladung verbreitet worden, die einen angeblich rechtssicheren „Gemeinwohlstaat“ anpries. Versprochen wurden friedliche Ersatzstrukturen, dezentrale Versorgung und ein Leben jenseits des „System-Hamsterrads“. Zugleich enthielt die Einladung einen konkreten Aufbauauftrag: In Bremen, Osnabrück, Münster und Umgebung sollten Netzwerke entstehen und Menschen für die Mitarbeit gewonnen werden. Für den Zugang verlangten die Veranstalter 21 Euro mit ausgedruckter Einladung, sonst 31 Euro. Die Adresse sollte erst nach einer Vorauszahlung ohne zugesagtes Rückerstattungsrecht mitgeteilt werden. Wer sich informieren wollte, sollte zunächst Geld und persönliche Daten abgeben.

Die Anmeldung lief über „Campus Concept“. Dessen Internetauftritt bezeichnete das Unternehmen damals ausdrücklich als „Betrieb von KRD“ und verband Kampfkunst mit Meditation. Der dort vorgestellte Kung-Fu-Trainer Holger Wiese war am Veranstaltungsort anwesend, ebenso eine Mitarbeiterin namens Britta. Ihre Vornamen standen unter der Teilnahmebestätigung. Urte Brandes hatte unter dem Namen „U.te“ für das Seminar geworben; auch die Anmeldekorrespondenz wurde an sie weitergeleitet. Diese Tätigkeiten machten aus einer im Internet verbreiteten Staatsfantasie ein erreichbares Angebot in Bremen: mit Ansprechpartner, Räumen, Zahlungsbedingungen und persönlicher Ansprache. Gerade diese alltägliche Organisationsarbeit ist für die Ausbreitung solcher Projekte entscheidend. Ein autoritäres Programm gewinnt Anschluss, wenn vertraute Personen dafür werben und der erste Kontakt wie ein gewöhnlicher Seminarbesuch erscheint.

Die Anhänger:innen trugen das Risiko, der „Souverän“ verfügte über das Geld

Eine Recherche der taz vom Mai 2022 zu internen KRD-Unterlagen zeigte die Bedingungen geplanter „Gemeinwohldörfer“: Für Wohnen und Mitarbeit wurden mindestens 20.000 Euro verlangt; wer nur wohnen wollte, sollte mindestens 150.000 Euro aufbringen. In Kapitalüberlassungsverträgen war der „Oberste Souverän“ als Empfänger eingesetzt. Über die Verwendung sollte er frei entscheiden können, während die Geldgeber einen vollständigen Verlust in Kauf nahmen. Die Ungleichheit war eingebaut: Die einen finanzierten das Projekt, der andere erhielt Verfügungsmacht.

Darin lag ein Mechanismus der Bindung. Wer Vermögen, Wohnpläne und soziale Beziehungen an eine politische Gemeinschaft bindet, macht sich einen späteren Bruch schwer. Wirtschaftliche Abhängigkeit verteuert den Widerspruch. Geld sollte hier eine Ordnung ermöglichen, in der demokratische Kontrolle fehlte. Zugleich wurde der Rückzug aus gemeinschaftlichen Verpflichtungen als Gewinn beworben. Steuer- und Abgabenfreiheit für die eigenen Betriebe hätte die Kosten öffentlicher Leistungen und sozialer Sicherung bei anderen belassen. Ein Gemeinwohlversprechen, das mit dem Entzug aus solidarischer Finanzierung wirbt, untergräbt seine eigene Grundlage.

Antisemitismus hinter der freundlichen Fassade

Die menschenfreundliche Selbstdarstellung hielt auch dem Blick auf Fitzeks Feindbilder nicht stand. Bereits 2016 dokumentierte haGalil eine antisemitische Äußerung, in der er die vermeintliche Nasenform einer „Volksgruppe“ mit Lügen und einer dunklen Macht verband. Das griff ein rassistisches Judenbild auf, das Menschen anhand unterstellter körperlicher Merkmale kollektiv abwertet. Die taz berichtete 2022 außerdem über Besuche des wegen Holocaustleugnung verurteilten Nikolai Nerling, der als „Volkslehrer“ auftrat. Diese Nähe entlarvte den angeblich menschenfreundlichen Neuanfang.

Antisemitische Welterklärungen machen aus gesellschaftlichen Widersprüchen das Werk angeblich verborgener Mächte. Damit verschiebt sich die Auseinandersetzung: An die Stelle überprüfbarer Kritik an Entscheidungen, Eigentumsverhältnissen oder Institutionen tritt die Suche nach vermeintlich schuldigen Menschengruppen. Das bietet autoritären Führungsfiguren eine doppelte Legitimation. Sie können sich als diejenigen inszenieren, die die angebliche Täuschung durchschaut haben, und zugleich verlangen, ihnen beim „Ausstieg“ zu folgen. Für Jüd:innen bedeutet diese Erzählung, erneut als Projektionsfläche für Krisen und Unzufriedenheit zu dienen. Die Konsequenzen reichen über das Innenleben einer solchen Gruppe hinaus: Ressentiments werden normalisiert, jüdische Zugehörigkeit wird unter Verdacht gestellt, und die vermeintliche Befreiung der einen beruht auf der Abwertung anderer.

Linkes Selbstbild schützt nicht vor autoritärer Anschlussfähigkeit

Zum Bremer Seminar kam 2022 auch Rudolph Bauer, früher Professor an der Universität Bremen, gemeinsam mit Urte Brandes. Bauer war zuvor als Redner bei „Querdenken 421“ aufgetreten. Sein Besuch führte damit einen Akteur aus einem sich links verstehenden politischen Umfeld zu einem ausdrücklich monarchischen Projekt. Bereits 2013 hatte er in einer Rezension in der „Jungen Welt“ die deutsche Verantwortung für Israels Sicherheit mit den „Wannsee-Beschlüssen“ in Beziehung gesetzt und gefragt, ob diese erst jetzt vollständig grausame Wirklichkeit würden. Der Antisemitismusforscher Samuel Salzborn kritisierte darin ein antisemitisches Ressentiment; die Äußerungen und ihre Rezeption sind dokumentiert. Die Bezugnahme auf die Wannseekonferenz rückte den jüdischen Staat und seine Unterstützung in die Nähe jener Politik, die die Ermordung der europäischen Jüd:innen organisierte. Eine solche Umkehrung beschädigt das historische Verständnis der Shoah und dämonisiert Israel.

Während der Pandemie veröffentlichte Bauer „The Great Reset – Der große Rückfall“. Darin rückte er die Pandemiepolitik in die Nähe eines faschistischen Totalitarismus. Zwischen dieser Beschreibung der Gegenwart und dem Besuch beim „Königreich“ liegt ein politischer Widerspruch: Der demokratische Staat wird mit maximalen historischen Schreckensbildern belegt, während ein Projekt persönlicher Herrschaft als Gesprächsangebot anschlussfähig wird. Daran zeigt sich die Gefahr einer Opposition, deren Zusammenhalt zunehmend aus gemeinsamen Feindbildern entsteht. Emanzipatorische Politik muss Macht auch dort kritisieren, wo sie sich gegen dieselben Institutionen richtet. Wer diesen Maßstab aufgibt, kann mit linker Biografie an der gesellschaftlichen Normalisierung eines autoritären Projekts mitwirken.

„Die Basis“ und das Königreich: Zwei Aufkleber, eine politische Verbindung

Eine weitere Verbindung wurde am selben Abend unmittelbar sichtbar: Helga Hoffmann kam in einem Fahrzeug, das sowohl mit Werbung für „Die Basis“ als auch mit einem KRD-Aufkleber versehen war. Sie und ihre Begleiterin gingen auf die Veranstalter zu. Parteipolitische Selbstdarstellung und Werbung für das „Königreich“ standen hier nebeneinander. Im Bremer Umfeld bestanden darüber hinaus personelle Verbindungen zwischen „Aufstehen Bremen“, Querdenken und „Die Basis“. Erich Sturm, damals Vorstandsmitglied der Bremer Partei und maßgeblicher Akteur bei „Aufstehen Bremen“, gehörte zu diesem Zusammenhang. AfD Watch Bremen dokumentierte, wie er bei einschlägigen Aufmärschen antifaschistische Gruppen als „Dr. Mengele-Jünger“ und Pressevertreter als „Faschisten“ beschimpfte.

Solche NS-Vergleiche erfüllen eine aggressive politische Funktion. Sie erklären Menschen, die rechten Entwicklungen widersprechen oder darüber berichten, zu Verkörperungen des historischen Bösen. Damit wird ihre Kritik moralisch abgewehrt, bevor ihr Inhalt überhaupt zur Debatte steht. Zugleich lässt sich die eigene Seite als verfolgte Widerstandsgemeinschaft inszenieren. In einem solchen Umfeld konnte die Werbung für Fitzeks Gegenstaat auf bereits eingeübte Deutungen treffen: Behörden erschienen als illegitim, Medien als feindlich und demokratische Verfahren als Teil einer umfassenden Täuschung. Der Bremer Abend machte sichtbar, wie leicht Akteur zwischen diesen Angeboten wechseln konnten. Der Anspruch auf „Basisdemokratie“ verlor dort jede Überzeugungskraft, wo er mit Sympathie für einen selbst ernannten Monarchen zusammenkam.

Jahrelang gewachsen, 2025 verboten

Die Gefahren dieses Projekts waren lange öffentlich erkennbar. Bereits eine Analyse des Humanistischen Pressedienstes von 2015 beschrieb den autoritären Anspruch, finanzielle Abhängigkeiten und behördliche Maßnahmen gegen Fitzeks Versicherungsgeschäfte. Sie schilderte auch, wie die Organisation mit veränderten Namen und Vertragskonstruktionen weitermachte. 2022 wurden neue Immobilienprojekte und die Bremer Anwerbung öffentlich. Am 13. Mai 2025 folgten das bundesweite Vereinsverbot und die Festnahme führender Akteure. Diese Entwicklung wirft eine Frage nach der Wirksamkeit staatlichen Handelns auf: Wie konnte ein seit Jahren bekanntes Projekt trotz wiederholter Eingriffe weitere Menschen anwerben und seine wirtschaftliche Grundlage ausbauen? Die Antwort lässt sich nicht auf die Zahl einzelner Verfahren reduzieren. Entscheidend ist, ob Maßnahmen die fortgesetzte Anwerbung und Finanzierung tatsächlich begrenzen.

Am 16. Juli 2026 erhob die Bundesanwaltschaft vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Anklage gegen vier mutmaßliche Führungspersonen, darunter Fitzek. Sie wirft ihnen eine Betätigung als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung vor. Weitere Vorwürfe betreffen unter anderem unerlaubte Bank- und Versicherungsgeschäfte, Urkundenfälschung sowie Steuerdelikte. Nach Darstellung der Anklage nahm die Organisation zwischen 2020 und 2025 rund zehn Millionen Euro ein; zudem seien mehr als zwei Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben hinterzogen worden. Über die individuelle strafrechtliche Schuld entscheidet das Gericht. Schon die Größenordnung der Vorwürfe verdeutlicht jedoch, welche materiellen Interessen hinter dem vermeintlichen Aussteigeridyll standen. Das öffentliche Bild vom skurrilen „König“ war diesem organisierten Macht- und Finanzierungsmodell längst nicht mehr angemessen.

Der Verein ist verboten. Das Bremer Problem bleibt.

Zum Verbotszeitpunkt besaß das KRD in Bremen keine festen Organisationsstrukturen mehr, hatte aber weiterhin Mitglieder und Unterstützer:innen. Zuvor hatten hier zwei sogenannte „Betriebe im KRD“ existiert. Dem gesamten Spektrum der Reichsbürger und Selbstverwalter rechnete die Behörde 2025 etwa 175 Personen zu. Diese Zahl umfasst das gesamte Milieu, nicht allein Fitzeks Anhängerschaft. Einen allgemeinen Rückgang der Szeneaktivitäten infolge des Verbots stellte der Bericht des Bremer Verfassungsschutzes nicht fest. Er beschreibt zudem Drohungen, Beleidigungen und teilweise körperliche Gewalt gegen Beschäftigte, die staatliche Entscheidungen vollstrecken. Die Folgen der ideologisch begründeten Staatsverweigerung treffen damit konkrete Menschen an ihrem Arbeitsplatz.

Für Bremen folgt daraus eine Verantwortung, die über ein verbotenes Vereinslabel hinausreicht. Jüdische Menschen müssen vor antisemitischer Anfeindung geschützt werden, Beschäftigte vor Einschüchterung und Angehörige sowie Ausstiegswillige vor dem Alleingelassenwerden mit sozialen und finanziellen Abhängigkeiten. Ebenso notwendig ist öffentlicher Widerspruch dort, wo ein autoritäres Projekt durch Seminare, Geschäftskontakte und bekannte Gesichter Vertrauen gewinnt. Der Abend in Findorff zeigte, wie unspektakulär dieser Prozess aussehen kann. Gerade deshalb darf die politische Bewertung nicht an Krone und Kostüm hängen bleiben. Unter dem Versprechen von Selbstbestimmung wurde eine Ordnung beworben, in der einer bestimmte und andere die Voraussetzungen seiner Macht schufen. Daran muss sich jede spätere Rede vom vermeintlichen „Gemeinwohl“ messen lassen.

Redaktion
AfD Watch Bremen