
Große Anteilnahme auf dem Bremer Marktplatz nach dem Anschlag auf den Berliner CSD.
Auf dem Bremer Marktplatz gedachten zahlreiche Menschen des beim Berliner CSD getöteten Menschen. Ihre Solidarität galt den Verletzten, Angehörigen und der queeren Community. Die Mahnwache gab Trauer, Angst und Wut einen gemeinsamen Ort – und der Entschlossenheit, sich durch Gewalt nicht verdrängen zu lassen.
„Doch wer Angst haben muss, er oder sie selbst zu sein, ist nicht wirklich frei“, hieß es in einem Redebeitrag. Wenn Händchenhalten, ein Kuss in der Straßenbahn oder eine Regenbogenflagge zum Risiko werden, ist Freiheit keine gesellschaftliche Wirklichkeit.
Der Anschlag entstand nicht in einem gesellschaftlichen Vakuum. Queerfeindlichkeit wird mitunter von islamistischen und christlich-fundamentalistischen Akteur:innen religiös legitimiert, von der AfD zum Kulturkampf zugespitzt und von Teilen des konservativen Parteienspektrums normalisiert. Auch abwertende Äußerungen des Bundeskanzlers über die Regenbogenflagge wirken in diesem Klima. Wer queeres Leben als Provokation, Gefahr oder Abweichung markiert, schafft einen Resonanzraum, in dem ein Täter seine Feindbilder gesellschaftlich bestätigt sehen kann.
Die konkrete Tatverantwortung trägt der Täter. Die politische Verantwortung für das Klima der Abwertung reicht weiter: Sie betrifft alle, die queere Menschen zu unerwünschten Bürger:innen erklären und ihre Rechte zurückdrängen.
Auch darf der Anschlag nicht rassistisch instrumentalisiert werden. Wer nur Interesse an dem Leid Betroffener Menschen aufbringen kann, um rassistische Forderungen normalisieren zu können, ist ein Rassist der Opfer benutzt. Auf der Mahnwache hieß es: „Wer an 364 Tagen im Jahr queere Sichtbarkeit verunglimpft […] und aktiv Politik gegen unsere Rechte macht, der kann jetzt nicht plötzlich für uns sprechen.“
Solidarität heißt: Betroffenen zuhören, Schutz- und Beratung stärken, queerfeindlicher Propaganda widersprechen und eingreifen. Trauer braucht Raum, Wut eine politische Richtung – und Widerstand braucht Solidarität.
„Unsere Existenz ist kein Fehler. Unsere Liebe ist keine Provokation. Unsere Vielfalt ist keine Schwäche.“
Redaktion
AfD Watch Bremen
