
Evangelikale Rechte versuchen jedes Jahr mit religiös angestrichener Provokation gegen den CSD mobil zu machen. Hier ein Akteur aus dem Umfeld der Martini-Gemeinde mit AfD-Stecker auf dem Bahnhofsplatz Bremen.
Redaktion AfD Watch Bremen
Teil 2 der Serie „Evangelikale Rechte“
Personen in mehreren Funktionen, gemeinsame Veranstaltungen, Medienübernahmen und politische Bühnen: Unsere Recherche rekonstruiert, wie fundamentalistisch-christliche Deutungen aus einem Bremer Gemeindemilieu in überregionale Medienräume, AfD-Strukturen und politische Debatten zwischen Deutschland und den USA gelangen.
Der Beitrag unterscheidet die Beziehungen nach ihrer dokumentierten Form: personelle Doppelrolle, organisatorische Zusammenarbeit, Content-Transfer, Plattformbeziehung und gemeinsamer Mobilisierungsraum.
Der erste Teil unserer Serie untersuchte queer- und transfeindliche Narrative als Brückendiskurs. Dieser zweite Teil fragt, wer entsprechende Deutungen verbreitet und über welche Strukturen sie politische und gesellschaftliche Öffentlichkeiten erreichen. Ausgangspunkt ist Bremen. Die Recherchewege führen aber auch nach Berlin, Frankfurt und in die USA. Dabei begnet uns erneut die AfD.
Der Bremer Kern: St.-Martini und Gemeindehilfsbund
Wer nach den Verbindungen der evangelikalen Rechten in Bremen sucht, stößt früh auf den Gemeindehilfsbund. Der bundesweit tätige Verein mit Sitz in Walsrode und die Bremer St.-Martini-Gemeinde sind durch Personen und gemeinsame Veranstaltungen miteinander verbunden. Eine zentrale Rolle spielt Jürgen Fischer. Der Gemeindehilfsbund führt ihn seit Juli 2022 als Mitglied seines Bruderrats. Zugleich gehört Fischer nach Angaben des Vereins seit Anfang der 1980er-Jahre der St.-Martini-Gemeinde an und sitzt als Bauherr in deren geschäftsführendem Vorstand. Damit besitzt dieselbe Person formale Funktionen im Leitungskreis des Gemeindehilfsbundes und in der Bremer Gemeinde. (Gemeindehilfsbund)
Die Verbindung zeigt sich auch in gemeinsamen Formaten. Für den 31. Oktober 2025 kündigte der Gemeindehilfsbund seine norddeutsche Tagung zusammen mit dem Reformationsgedenken der St.-Martini-Gemeinde an. Im späteren Veranstaltungsbericht heißt es, die eigene Tagung sei in das Reformationsgedenken der „Martini-Geschwister“ integriert worden. Olaf Latzel eröffnete den Tag, anschließend referierte der Leiter des Gemeindehilfsbundes, Stefan Felber. (Mitteilungsblatt „Aufbruch“, Ausgabe 2/2025, S. 40). Am 25. April 2026 wurde die Kooperation um einen internationalen Akteur erweitert. Ein Studientag in der St.-Martini-Gemeinde trug den Titel „Christenverfolgung in Deutschland?!“. Als Veranstalter nannten der Flyer die Gemeinde, den Gemeindehilfsbund und ADF International. Für die in Wien ansässige Rechtsorganisation sprach Felix Böllmann, Leiter ihrer europäischen Rechtsabteilung, über rechtliche Spielräume und „mediale Strategien“. Stefan Felber referierte zur Ordinationsverpflichtung, Olaf Latzel hielt das geistliche Wort. (Veranstaltungsflyer)
ADF International beschreibt sich als weltweit tätige christliche Rechtsorganisation, die mit juristischer Arbeit und einem internationalen Partnernetzwerk Recht und Politik beeinflussen will. Zu ihren erklärten Schwerpunkten gehören Religionsfreiheit und Lebensschutz sowie ein Verständnis von Ehe als Verbindung von Mann und Frau. Die Organisation fordert, Gesetze müssten dieses „biblische Verständnis von Ehe, Familie und menschlicher Sexualität“ anerkennen. Beim Bremer Studientag war sie gemeinsam mit St.-Martini und Gemeindehilfsbund Veranstalterin. Für diesen Tag ist damit eine organisatorische Kooperation der drei Strukturen dokumentiert.
Der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche reagierte vorab öffentlich. Er bezeichnete die Veranstaltung als Versuch, einen aus den USA kommenden christlich-nationalistischen Kulturkampf insbesondere gegen Frauen- und LGBTQ-Rechte zu importieren, und kritisierte bereits den Titel als Selbstviktimisierung. Zugleich verwies er auf die weitreichende Selbstständigkeit der Gemeinden und darauf, dass St.-Martini Ende November 2024 das Ruhen ihrer Rechte und Pflichten gegenüber der Bremischen Evangelischen Kirche erklärt hatte. Für die Veranstaltung trage die Gemeinde die Verantwortung. Das ist die Position des Kirchenausschusses; die institutionelle Vorgeschichte und die Konsequenzen dieser Distanzierung werden im dritten Teil der Serie rekonstruiert. (Bremische Evangelische Kirche)
Fischers Doppelrolle, das gemeinsame Reformationsgedenken und der Studientag mit ADF International bilden den lokalen Ausgangspunkt der weiteren Recherche. Eine Person verbindet Leitungsgremien, zwei Organisationen gestalten wiederholt gemeinsame Veranstaltungen, und bei einem Bremer Studientag kommt eine international tätige Rechtsorganisation als Mitveranstalterin hinzu.
Eigene Plattformen, feste Sendeplätze und übernommene Inhalte
Der Gemeindehilfsbund verbindet seine Veranstaltungen mit einer eigenen publizistischen Infrastruktur. Dazu gehören das Mitteilungsblatt „Aufbruch“, die Website Gemeindenetzwerk, ein YouTube-Kanal und Gemeindehilfsbund TV. Über diese Angebote produziert der Verein selbst Inhalte, übernimmt Beiträge anderer Medien und verbreitet Vorträge seiner leitenden Mitarbeiter. Eine zentrale Funktion hat Johann Hesse. Der Gemeindehilfsbund führt ihn seit 2008 als Geschäftsführer. Im Juli 2025 unterzeichnete Hesse zusammen mit dem Vorsitzenden Stefan Felber, Jürgen Fischer und weiteren Mitgliedern des Bruderrats einen offenen Brief an die Bremische Evangelische Kirche. Darin verlangten sie, Olaf Latzel zu rehabilitieren und die gegen ihn verhängte Disziplinarmaßnahme zurückzunehmen. Der Brief erschien auf dem Gemeindenetzwerk, das sich selbst als Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes bezeichnet. (Gemeindehilfsbund; offener Brief)
Über die eigenen Websites hinaus verfügt Gemeindehilfsbund TV nach Angaben des Vereins über drei feste Sendeplätze bei Bibel TV. Der Sender führt das Format in seiner Mediathek und nennt Stefan Felber und Johann Hesse als Referenten. Damit besteht eine wiederkehrende Medien- und Plattformbeziehung: Der Gemeindehilfsbund produziert das Programm, Bibel TV stellt Sendezeiten und eine Mediathek bereit. (Gemeindehilfsbund; Bibel TV) Hinzu kommen Beziehungen zu anderen Medien. Im Mitteilungsblatt „Aufbruch“ berichtete der Gemeindehilfsbund im Juni 2025, der Sender Kontrafunk habe zunächst einen Gottesdienst mit Stefan Felber ausgestrahlt, später eine Lesung aus dessen Buch und ein Interview mit ihm zum Kirchentag. Der Verein kündigte weitere Sendungen im Format „Kirche im Kontrafunk“ an. Die Beiträge des GHB-Leiters erhielten damit einen zusätzlichen Verbreitungskanal. („Aufbruch“ 1/2025, S. 33)
Das Gemeindenetzwerk übernimmt außerdem Texte aus rechten Medienräumen. Am 22. September 2025 veröffentlichte es eine Rede des US-Aktivisten Charlie Kirk. Die Seite weist aus, dass die „Junge Freiheit“ den Text leicht gekürzt erstmals ins Deutsche übertragen hatte; als Fundstelle nennt sie die Ausgabe 39/2025 und vermerkt eine Veröffentlichung mit Genehmigung der Zeitung. In der Rede werden hierarchische Geschlechterrollen religiös begründet, Gleichheit in Partnerschaften abgewertet und Frauen auf Ehe, Haushalt und Mutterschaft verwiesen. Der Übernahmeweg ist damit bis zur deutschen Erstübersetzung nachvollziehbar. (Gemeindenetzwerk) Ein älterer Transferweg führt zur Plattform „Freie Welt“. Das Autorenarchiv des Gemeindenetzwerks enthält zwei entsprechend gekennzeichnete Interviews: 2010 zur verpflichtenden Sexualerziehung an Grundschulen und 2013 mit dem US-amerikanischen konservativen Rechtswissenschaftler Robert P. George gegen die Öffnung der Ehe. Das aktuelle Impressum von „Freie Welt“ nennt die Zivile Allianz e. V. als Anbieter sowie Sven von Storch, den Ehemann der AfD-Bundespolitikerin Beatrix von Storch, als Herausgeber, Vertreter des Vereins und inhaltlich Verantwortlichen. (Gemeindenetzwerk-Archiv; Impressum „Freie Welt“)
Der Gemeindehilfsbund produziert somit eigene Beiträge, erhält feste Sendeplätze, arbeitet wiederholt mit einem weiteren Sender zusammen und übernimmt ausgewählte Texte aus rechten Debatten in Deutschland und den USA. Über Jürgen Fischers Doppelrolle und gemeinsame Veranstaltungen besitzt diese publizistische Infrastruktur eine konkrete Verbindung zur St.-Martini-Gemeinde.
Vom ACCH zur Bühne der „Christen in der AfD“
Ein weiterer Pfad führt über den Arbeitskreis Christliche Corona-Hilfe, kurz ACCH. Im März 2022 veröffentlichte der Arbeitskreis einen offenen Brief gegen eine allgemeine Impfpflicht. Der Brief erschien auch auf dem Gemeindenetzwerk. Unterzeichnet hatten ihn unter anderem der heutige GHB-Leiter Stefan Felber, GHB-Geschäftsführer Johann Hesse und der Frankfurter Pastor Tobias Riemenschneider. Gemeinsam vertraten die Unterzeichner darin, das christliche Gewissen sei in letzter Instanz an göttliche Gebote gebunden; der Staat dürfe diese Grenze auch bei gesetzlichen Pflichten nicht überschreiten. (Gemeindenetzwerk)
Riemenschneider besaß im ACCH eine tragende Rolle. Als er im November 2022 Leitungsaufgaben abgab, schrieb er selbst über den damit verbundenen Zeit- und Arbeitsaufwand. Der Initiativkreis würdigte ihn als maßgeblich am Aufbau des Arbeitskreises und an dessen öffentlichen Aktivitäten beteiligt. Der ACCH war damit ein gemeinsamer Organisations- und Mobilisierungsraum, in dem Riemenschneider und leitende Personen des Gemeindehilfsbundes öffentlich auftraten. (ACCH) Drei Jahre später sprach Riemenschneider im Berliner Reichstagsgebäude bei der Jubiläumsveranstaltung der Bundesvereinigung „Christen in der AfD“. Eingeladen hatten die AfD-Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst und Beatrix von Storch; gemeinsam mit dem ChrAfD-Vorsitzenden Joachim Kuhs führten sie durch den Nachmittag. In der Veranstaltungsaufzeichnung schilderte Riemenschneider, der Kontakt zu Kuhs habe zur Einladung geführt. (Originalaufzeichnung, ab 19:28; EZW-Dokumentation)
Sein Vortrag ging über eine persönliche Glaubensbotschaft hinaus. Riemenschneider stellte seine theologische Deutung ausdrücklich der juristischen Auslegung des Grundgesetzes gegenüber. Er erklärte ein „Gesetz Gottes“ für höher als das Grundgesetz und forderte Politiker auf, die Bibel als Maßstab für die Ausgestaltung des Rechts zu lesen. Aus dem Gottesbezug der Präambel leitete er einen Auftrag für einen „christlichen Staat“ ab und bezeichnete die weltanschauliche Neutralität des Staates als Mythos. (Originalaufzeichnung, 38:27 sowie 42:40–47:58). Riemenschneider verband dieses Staatsverständnis anschließend mit politischen Konfliktfeldern. Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch und der Umgang mit Genderfragen dienten ihm als Beispiele für eine aus seiner Sicht „gottlose Gesellschaft“. Nach seinem Appell, Politiker sollten als Diener Gottes handeln, dankte Joachim Kuhs ihm auf der Bühne für eine „sehr bewegende Botschaft“. (Originalaufzeichnung, 50:22 sowie 52:57–53:32)
Beatrix von Storch setzte im Schlusswort einen eigenen Akzent. Sie erklärte, eine muslimische Mehrheit in Deutschland müsse verhindert werden, und begründete dies mit dem Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Anschließend verwies sie positiv auf die Trauerfeier für Charlie Kirk in den USA, bei der sich nach ihrer Darstellung die US-Regierung öffentlich zu Jesus Christus bekannt habe. Damit verband die Veranstaltung ein christlich begründetes Staatsmodell, antimuslimische Bedrohungsvorstellungen und einen positiven Bezug auf die US-amerikanische Christian Right in einem politischen Raum der AfD. (Originalaufzeichnung, ab 1:42:44). Die Aussagen berühren damit einen Maßstab des Verfassungsschutzrechts: Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung setzen ziel- und zweckgerichtete Verhaltensweisen voraus, die darauf gerichtet sind, tragende Verfassungsgrundsätze zu beseitigen oder außer Geltung zu setzen; für eine Beobachtung müssen tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen. Riemenschneiders Forderung, ein „Gesetz Gottes“ über das Grundgesetz zu stellen, die weltanschauliche Neutralität des Staates zu verwerfen und einen „christlichen Staat“ anzustreben, kann deshalb einen sachlichen Prüfbedarf begründen.
Der tatsächliche Pfad ist damit nachvollziehbar: Felber und Hesse stehen an der Spitze des Gemeindehilfsbundes, der durch Personen und Veranstaltungen mit St.-Martini verbunden ist. Beide unterzeichneten einen ACCH-Brief zusammen mit Riemenschneider, der am Aufbau dieses Arbeitskreises beteiligt war. Später erhielt Riemenschneider eine Bühne bei den „Christen in der AfD“, auf der er ein religiös begründetes Programm für Staat und Gesetzgebung formulierte.
Wie „Ketzer der Neuzeit“ religiös-rechten Stimmen Reichweite verschafft
Religiös-rechte Inhalte verbreiten sich nicht allein über Gemeinden, Vereine und Veranstaltungen. Eine weitere Öffentlichkeit entsteht auf YouTube und Instagram. Zu den reichweitenstärksten Akteuren dieses Feldes gehört Leonard Jäger, der unter dem Namen „Ketzer der Neuzeit“ auftritt. Im November 2025 hatte sein YouTube-Kanal nach Recherchen von WDR und MONITOR mehr als 570.000 Follower. Der Kanal verbindet persönliche Glaubenserzählungen mit Werbung für die AfD sowie Beiträgen gegen Migration, queere Menschen und politische Gegner. (WDR/MONITOR)
Jäger gibt dabei anderen Akteuren eine eigene Bühne. Mitte November 2025 veröffentlichte er ein ausführliches Gespräch mit Tobias Riemenschneider. Auf Jägers Frage, ob Christ die AfD wählen dürften, antwortete der Frankfurter Pastor mit einer ausdrücklichen Wahlempfehlung für die Partei. Die Äußerung erreichte über Jägers Kanal ein Publikum, das weit über Riemenschneiders eigene digitale Angebote hinausging. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen beschreibt diese Verbindung zu Jäger als einen Weg, über den Riemenschneider seinen Adressat insbesondere unter jüngeren Nutzer erweitert. (Originalvideo; WDR/MONITOR; EZW). Eine direkte Begegnung führt zu Olaf Latzel. Am 29. Mai 2025 veröffentlichte Jäger ein Kurzvideo, das ihn nach einem Himmelfahrtsgottesdienst auf dem Bezelberg im Vogtland im Gespräch mit dem Bremer Pastor zeigt. Der Betreiber eines reichweitenstarken religiös-rechten Kanals bezog den St.-Martini-Pastor damit als Gesprächspartner in seine eigene Social-Media-Öffentlichkeit ein. (Video)
Ein weiterer Pfad verläuft über den Publizisten Peter Hahne. Jäger veröffentlichte mit ihm ebenfalls ein ausführliches Gespräch. Am 23. August 2025 predigte Hahne beim Jubiläumsprogramm der St.-Martini-Gemeinde in Bremen. Die gemeindeeigene Mediathek nennt ihn neben Olaf Latzel und dem Theologen Christian Grethlein als Referenten des Wochenendes. Hahne ist damit sowohl in Jägers digitalem Publikationsraum als auch auf einer Bremer Gemeindebühne dokumentiert. (Gespräch Jäger–Hahne; St.-Martini-Mediathek). Die Beziehungen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Das Gespräch mit Riemenschneider überträgt eine ausdrückliche AfD-Wahlempfehlung in einen Kanal mit Hunderttausenden Follower. Das Kurzvideo mit Latzel macht den Bremer Pastor zum Gegenstand von Jägers Social-Media-Kommunikation. Peter Hahne erscheint in zwei getrennten Öffentlichkeiten: als Gesprächspartner Jägers und als Referent der St.-Martini-Gemeinde.
Die Reichweite ist dabei nicht nur eine technische Größe. WDR und MONITOR dokumentieren, dass Jägers Beiträge christliche Selbstvergewisserung mit politischen Feindbildern und AfD-Werbung verbinden. Die Theologin Sarah Vecera beschreibt in der Recherche die Berufung auf „Gottes Wort“ als besonders starke Legitimation politischer Ziele. Die Kriminologin und Soziologin Eva Groß verweist darauf, dass starre Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit über Scham und Wut gegen queere oder linke Gruppen mobilisiert werden können. Diese fachlichen Einschätzungen erklären, weshalb die Plattformbeziehungen journalistisch relevant sind: Sie verbreiten nicht nur Personen, sondern auch religiös aufgeladene politische Deutungen. (WDR/MONITOR)
Übersetzt, verbreitet und politisch aufgewertet
Die Verbindungen zur US-amerikanischen Christian Right bestehen aus unterschiedlichen Formen des Transfers. Inhalte werden übersetzt, Reden nachgedruckt, Reisen für Social Media dokumentiert und einzelne US-Akteure in deutschen Parlamentsreden zu politischen Vorbildern erhoben. Im Bremen-relevanten Recherchepfad lassen sich diese Vorgänge besonders beim Gemeindehilfsbund, bei Leonard Jäger und bei Beatrix von Storch nachvollziehen.
Ein früher Beleg führt zur US-Lobbyorganisation Center for Family and Human Rights, kurz C-Fam. Am 29. Mai 2018 veröffentlichte das Gemeindenetzwerk einen Beitrag von Susan Yoshihara zur Anti-Abtreibungspolitik der ersten Trump-Regierung. Der Text lobte unter anderem die Wiedereinführung und Ausweitung der sogenannten Mexico-City-Policy, mit der US-Mittel für ausländische Organisationen an Vorgaben zum Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen geknüpft wurden. Als Quelle nannte das Gemeindenetzwerk den C-Fam-Newsletter „Friday Fax“; die deutsche Übersetzung stammte von Johann Hesse. Damit ist der vollständige Weg eines politischen Textes von einer US-Lobbyorganisation über einen identifizierten Übersetzer in die Publikationsplattform des Gemeindehilfsbundes dokumentiert. (Gemeindenetzwerk)
Nach der Tötung Charlie Kirks im September 2025 entstand ein weiterer Transferweg. Das Gemeindenetzwerk veröffentlichte eine wenige Monate zuvor gehaltene Rede des Gründers von Turning Point USA. Die „Junge Freiheit“ hatte sie nach Angaben der Seite gekürzt erstmals ins Deutsche übertragen; das Gemeindenetzwerk übernahm sie mit Genehmigung. Der Text propagiert religiös begründete hierarchische Geschlechterrollen, wertet egalitäre Partnerschaften ab und richtet sich besonders an junge Frauen mit der Aufforderung, Ehe, Haushalt und Mutterschaft über berufliche Selbstständigkeit zu stellen. (Gemeindenetzwerk)
Auch Leonard Jäger stellte über seine Social-Media-Kanäle persönliche Nähe zur US-amerikanischen Rechten her. Zur Amtseinführung Donald Trumps reiste er gemeinsam mit dem YouTuber Beat Zirpel in die USA. WDR und MONITOR dokumentieren Begegnungen mit Beatrix von Storch, Trump-Berater Steve Bannon und Donald Trump auf dessen Anwesen Mar-a-Lago. Jäger und Zirpel veröffentlichten die Reise auf ihren Kanälen. Die politische Begegnung wurde so zugleich zum reichweitenorientierten Social-Media-Inhalt für ein deutsches Publikum. (WDR/MONITOR)
Beatrix von Storch verlieh dem Bezug auf Charlie Kirk parlamentarisches Gewicht. Am 11. September 2025 nahm sie gemeinsam mit der Berliner AfD-Politikerin Kristin Brinker an einer Gedenkveranstaltung vor der US-Botschaft in Berlin teil. Knapp zwei Wochen später sprach sie im Bundestag ausführlich über Kirk. Sie erklärte, seine Ideen würden nach seinem Tod mächtiger werden, bezeichnete die Entwicklung in den USA als „spirituelle Revolution“ und sagte voraus, auch Europa werde sich „im Geiste der Ideen und des Glaubens von Charlie Kirk“ wenden – hin zu Freiheit, Familie, Vaterland und Jesus Christus. (Associated Press; Plenarprotokoll des Bundestages, S. 2854). Diese Rede ging über Anteilnahme an einem getöteten politischen Aktivisten hinaus. Von Storch stellte Kirks politisch-religiöse Ideen als kraftvolle Zukunftsbewegung dar und übertrug sie ausdrücklich auf Europa. Damit normalisierte sie zentrale Begriffe und Selbstdeutungen der US-amerikanischen Christian Right als legitimen politischen Bezugspunkt für die AfD. Der Vorgang steht zudem in einem konkreten organisatorischen Kontext: Im Oktober 2025 war von Storch Gastgeberin der Veranstaltung der „Christen in der AfD“, bei der Tobias Riemenschneider für einen „christlichen Staat“ warb.
Die Vorgänge zeigen vier Transferformen: Johann Hesse übersetzte US-Lobbycontent, das Gemeindenetzwerk verbreitete eine von einem rechten deutschen Medium übertragene Kirk-Rede, Leonard Jäger verwandelte Begegnungen mit Akteuren der US-Rechten in Social-Media-Inhalte, und Beatrix von Storch erhob Kirks Ideen im Bundestag zum Vorbild für Europa. Programme und Deutungen der US-amerikanischen Christian Right werden so für deutsche religiöse, mediale und parteipolitische Öffentlichkeiten anschlussfähig gemacht.
Vom Gemeindebrief zur Busfahrt
Wie aus religiösen Positionen gemeinsame politische Mobilisierung wird, zeigt der „Marsch für das Leben“. Der Bundesverband Lebensrecht organisiert die Demonstration jährlich in Berlin und inzwischen auch in Köln. Er bezeichnet sie selbst als überkonfessionell und überparteilich. Im Mittelpunkt stehen Forderungen gegen Schwangerschaftsabbrüche sowie gegen Formen der Sterbehilfe; Gottesdienste, Jugendangebote und organisierte Busfahrten gehören zum Umfeld der Veranstaltung. (Bundesverband Lebensrecht). Für die St.-Martini-Gemeinde ist der Marsch seit Jahren ein wiederkehrender Termin. Im Gemeindebrief vom Frühjahr 2022 kündigte sie an, ihre gesamte Jugendgruppe werde ein Wochenende in Berlin verbringen und an der Demonstration teilnehmen. Der spätere Bericht nennt mehr als 50 mitgereiste Gemeindeglieder; die Jugendgruppe war bereits am Freitag angereist. Zugleich lud die Gemeinde schon zum Marsch des folgenden Jahres ein. (Gemeindebrief Nr. 136, S. 7; Gemeindebrief Nr. 139, S. 9)
2023 fuhr erneut ein Reisebus vom Parkplatz der St.-Martini-Gemeinde nach Berlin; die Mitfahrt war kostenlos. Ein späterer Bericht aus dem gemeindeeigenen Team „Junge-Reporter“ schildert, dass die Jugend schon am Vorabend angereist war und sich Gemeinde- und Jugendgruppe zur Kundgebung vor dem Brandenburger Tor trafen. Nach dem Demonstrationszug fuhr der Bus zurück nach Bremen. Der Bericht beginnt mit den Worten „Wie auch in den Jahren zuvor“ und beschreibt die Teilnahme selbst als wiederkehrende Gemeindepraxis. (Gemeindebrief Nr. 142, S. 27; Gemeindebrief Nr. 143, S. 7). Auch für 2024 und 2025 kündigte St.-Martini gemeinsame Fahrten an. 2024 sollte die Reise um sechs Uhr morgens auf dem Gemeindeparkplatz beginnen; 2025 hieß es im Gemeindebrief erneut, man fahre „wieder gemeinsam“ nach Berlin. Für September 2026 ist bereits die nächste Fahrt angekündigt. Damit dokumentieren die Gemeindebriefe für jedes Jahr von 2022 bis 2026 eine Teilnahme oder einen eigenen Mobilisierungsaufruf aus Bremen. (Gemeindebrief Nr. 146, S. 13 und 29; Gemeindebrief Nr. 150, S. 29; Gemeindebrief Nr. 153, S. 29)
In denselben Mobilisierungsraum wirken die „Christen in der AfD“ hinein. In einer für den Bundesvorstand gezeichneten Grußbotschaft vom 4. September 2025 rief der Verein zur Teilnahme in Berlin und Köln auf und erklärte eine rege Beteiligung aus den eigenen Reihen für „sehr wünschenswert“. Joachim Kuhs und Ulrich Oehme verbanden den Marsch ausdrücklich mit der AfD: Die Partei gebiete der von ihnen beschriebenen „Erosion des Lebensrechts“ politisch Einhalt und vertrete eine „Willkommenskultur des ungeborenen Lebens“. (Redaktionell gesicherte Eigenveröffentlichung der Christen in der AfD vom 4. September 2025; Veranstalterseite zum Marsch)
Damit erfüllt dieselbe Veranstaltung für verschiedene Akteure unterschiedliche Funktionen. St.-Martini macht aus einer überregionalen Demonstration einen festen Bestandteil des Bremer Gemeindelebens und bindet dabei gezielt die Jugend ein. Die „Christen in der AfD“ nutzen den Marsch, um religiöse Sprache mit parteipolitischer Selbstvergewisserung zu verbinden. Der vom Veranstalter als überparteilich bezeichnete Raum wird so zugleich zu einem Ort, an dem Gemeindegruppen, kirchliche und freikirchliche Akteure sowie Parteimitglieder dieselbe politische Forderung öffentlich tragen.
Rote Standarten in Bremen: Aktion SOS Leben und TFP
Am 14. August 2026 dokumentierte AfD Watch Bremen eine weitere Form der Anti-Abtreibungs-Mobilisierung in der Bremer Innenstadt. Eine Gruppe von mindestens 20 sichtbar Beteiligten zog mit Trommeln, Blechblasinstrumenten und roten Standarten durch das Zentrum und trat vor dem St.-Petri-Dom auf. Die Standarten trugen die Aufschrift „Tradition – Familie – Privateigentum“. Auf einem Transparent von „Aktion SOS Leben“ wurde Schwangerschaftsabbruch als „Sünde“ bezeichnet; das verteilte Flugblatt stellte ihn als Verstoß gegen das fünfte Gebot und als Tötung unschuldiger Menschen dar. Die Redaktion hat Auftritt, Material und mehrere Stationen fotografisch dokumentiert. (Eigenbeobachtung und Fotodokumentation der Redaktion, 14. August 2026)
Hinter „Aktion SOS Leben“ steht die Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur, kurz DVCK. Die Deutsche Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum – TFP – ist ein eigener Verein. Auf ihrer Website führt die TFP die DVCK und deren Kampagne SOS Leben unter den deutschen „TFPs, inspirierten und verwandten Gruppen“ auf. Im Januar 2026 berichtete sie zudem über eine gemeinsam mit SOS Leben organisierte „Lebensschutzkarawane“ in zahlreichen deutschen Städten. Damit sind organisatorische Kooperation und ein gemeinsames Straßenkampagnenformat durch die beteiligten Strukturen selbst dokumentiert. (SOS Leben; TFP-Strukturübersicht; TFP zur Lebensschutzkarawane)
Die Kampagne gegen Schwangerschaftsabbrüche steht in einem breiteren politischen Programm. Die DVCK verbindet ihre Forderung nach einer „christlichen Ordnung“ und „Rekristianisierung“ mit Kampagnen gegen sogenannte „Gender-Ideologie“, schulische Sexualbildung und eine Veränderung traditioneller Geschlechter- und Elternrollen. Veröffentlichungen der internationalen TFP-Strukturen richten sich außerdem gegen Pride-Veranstaltungen, gleichgeschlechtliche Beziehungen und trans* Sichtbarkeit. Die Bremer Aktion brachte damit einen transnational organisierten, antifeministischen und gegen sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung gerichteten Kampagnenraum in die lokale Öffentlichkeit. (DVCK; TFP Student Action Europe). Ein publizistischer Transfer führt zu den „Christen in der AfD“. Die Bundesvereinigung verbreitete 2018 einen im Namen von SOS Leben und DVCK versandten Aufruf und forderte Mitglieder, Förderer und Freund zur Beteiligung an der Kampagne auf. 2022 veröffentlichte sie erneut einen Beitrag mit ausgewiesener Quelle DVCK und Verlinkung zu SOS Leben. Zwei zeitlich getrennte Veröffentlichungen dokumentieren damit eine wiederkehrende Medien- und Plattformbeziehung sowie die Weitergabe von Kampagneninhalten. (ChrAfD 2018; ChrAfD 2022)
Weitere Beziehungen führen in den Medienraum der Familie von Storch. Der „Tagesspiegel“ dokumentierte 2023, dass der deutsche TFP-Vorsitzende Mathias von Gersdorff mehr als 100 Beiträge auf „Freie Welt“ veröffentlicht hatte und 2013 von Beatrix von Storch interviewt worden war. Eine Fachstudie des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen führt außerdem Paul von Oldenburg als Mitglied der deutschen TFP und Leiter des Brüsseler Büros der Fédération Pro Europa Christiana; zugleich ist er ein Cousin Beatrix von Storchs. Die Belege zeigen zwei unterschiedliche Relationen: eine wiederkehrende Plattformbeziehung von Gersdorff sowie eine familiäre und personelle Verbindung über Paul von Oldenburg. (Tagesspiegel; EIGE-Studie „Foundation of the Nation“, S. 30–31). Auch zum Bremer Mobilisierungsstrang besteht eine konkrete publizistische Bezugnahme. SOS Leben berichtete 2024 über die Blockade eines Reisebusses aus dem Umfeld der St.-Martini-Gemeinde auf dem Weg zum „Marsch für das Leben“. Zusammen mit den in den Gemeindebriefen dokumentierten Busfahrten zeigt dies, dass SOS Leben die Bremer Gemeinde in der eigenen Berichterstattung als Teil dieses überregionalen Mobilisierungsgeschehens aufgriff. (SOS Leben)
Der Bremer Auftritt erweitert den bisher rekonstruierten Pfad deshalb an einer entscheidenden Stelle: Ein zu SOS Leben, DVCK und TFP gehörendes Aktionsformat war nicht nur überregional publizistisch präsent, sondern trat mit seinem eigenen Kampagnenrepertoire im Zentrum Bremens auf. Von dort lassen sich konkrete Transferwege zu ChrAfD, in den von-Storch-Medienraum und zum bereits bestehenden Bremer „Lebensschutz“-Mobilisierungsraum nachvollziehen.
Eine Unterschrift und mehrere institutionelle Rollen
Die Ablehnung sexueller Vielfalt findet in Bremen auch außerhalb der AfD konkrete politische Anschlussstellen. Ein früher Beleg führt zur Bremer CDU-Abgeordneten Sigrid Grönert. Sie unterstützte 2014 die Online-Petition „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“. Der Aufruf richtete sich gegen den Plan der baden-württembergischen Landesregierung, die Akzeptanz sexueller Vielfalt als Bildungsziel zu verankern, und sprach von „Umerziehung“ sowie einer „propagierenden neuen Sexualmoral“. (taz; Landtag Baden-Württemberg). Die zeitgenössische taz-Recherche dokumentiert Grönerts eigene Begründung. Sie sagte, Ehe und Familie seien besonders förderungswürdig, und erklärte, sie lehne den Bildungsplan ab, weil dieser eine Verdrängung der Mann-Frau-Beziehung propagiere. Zugleich räumte sie ein, den Entwurf selbst nicht gelesen zu haben. Unter den Bremer Unterzeichner befand sich auch Henrik Ostendorf, den die taz damals als NPD-Kader beschrieb. (taz)
Grönert gehört weiterhin der Bremischen Bürgerschaft an und ist sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Innerhalb der Partei wirkt sie als stellvertretende Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU in Bremen; im Bundesvorstand des EAK wird sie als Beisitzerin geführt. Nach ihrem offiziellen CDU-Profil ist sie zudem seit 1994 Mitglied und Mitarbeiterin der evangelisch-freikirchlichen Paulus-Gemeinde in Bremen-Habenhausen. Die Gemeinde beschreibt sich selbst als evangelikal und gemäßigt charismatisch sowie als Mitglied der Evangelischen Allianz Bremen. (CDU Bremen: Sigrid Grönert; EAK-Bundesvorstand; Paulus-Gemeinde) Der Evangelische Arbeitskreis ist in der Bremer CDU personell sichtbar verankert. Die aktuelle Vorstandsseite nennt mit Claas Rohmeyer, Sigrid Grönert und Michael Jonitz drei Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft an der Spitze seines Landesvorstands. Diese formalen Parteifunktionen bilden einen institutionellen Raum, in dem evangelische Perspektiven in die CDU-Arbeit eingebracht werden. (CDU Bremen: EAK-Landesvorstand)
Für den Beitrag liegt die journalistische Bedeutung in der Verbindung konkreter Ebenen: Grönert unterstützte eine Petition gegen die schulische Akzeptanz sexueller Vielfalt; zugleich besitzt sie langjährige Funktionen in Parlament, CDU, Evangelischem Arbeitskreis und einer evangelikalen Bremer Freikirche. Die Relation ist eine personelle Verbindung und eine dokumentierte politische Positionierung. Die parallele Unterzeichnung derselben offenen Petition durch Grönert und Henrik Ostendorf dokumentiert eine punktuelle ideologische Überschneidung in dieser Kampagne.
Was die Verbindungen zeigen
Die Recherche zeigt mehrere konkret nachvollziehbare Transferwege mit unterschiedlichen Beziehungsformen. In Bremen verbindet Jürgen Fischers Doppelrolle die St.-Martini-Gemeinde mit dem Gemeindehilfsbund. Johann Hesse trägt als Geschäftsführer und Übersetzer Inhalte in dessen publizistische Infrastruktur. Tobias Riemenschneider erscheint zunächst in einem gemeinsamen christlichen Organisationsraum, anschließend auf einer Bühne der „Christen in der AfD“ und später in einem reichweitenstarken Gespräch bei „Ketzer der Neuzeit“. Andere Verbindungen entstehen durch Medien und Veranstaltungen. Leonard Jäger bezieht Olaf Latzel, Riemenschneider und Peter Hahne in seine Social-Media-Öffentlichkeit ein und dokumentiert Begegnungen mit Akteuren der US-amerikanischen Rechten. Das Gemeindenetzwerk übersetzt oder übernimmt Inhalte von C-Fam, Charlie Kirk und der „Jungen Freiheit“. Beatrix von Storch gibt diesen Bezügen politische Reichweite, indem sie Kirks Ideen im Bundestag als Vorbild für Europa aufwertet und eine ChrAfD-Veranstaltung im Reichstagsgebäude eröffnet.
Der „Marsch für das Leben“ zeigt eine weitere Ebene: St.-Martini macht die Teilnahme durch Gemeindebriefe, Busfahrten und Jugendangebote zu wiederkehrender Praxis; die „Christen in der AfD“ werben mit einem eigenen Aufruf für denselben überregionalen Veranstaltungsraum. Die Bremer Aktion von SOS Leben und TFP ergänzt diesen Befund um ein lokal dokumentiertes Straßenkampagnenformat. Publizistische Transfers zu ChrAfD und „Freie Welt“ sowie die Berichterstattung von SOS Leben über den St.-Martini-Bus machen sichtbar, wie sich dieser Mobilisierungsraum über Organisationen, Medien und Parteien hinweg erweitert. Das Seitenfenster zur Bremer CDU belegt zugleich, dass die politische Anschlussfähigkeit queerfeindlicher Positionen über die AfD hinausreicht.
Die Knotenpunkte dieses Recherchepfades entstehen durch nachweisbare Funktionen und Handlungen: eine Doppelrolle, eine gemeinsame Veranstaltung, eine Übersetzung, einen Nachdruck, einen Auftritt, eine Wahlempfehlung, einen Mobilisierungsaufruf oder eine parlamentarische Rede. Diese Unterscheidung macht sichtbar, wie religiös begründete Deutungen zwischen Gemeinde, Verein, Medienplattform und Partei zirkulieren.
Wer diese Transferwege einzeln nachvollzieht, gewinnt demokratische Handlungssicherheit. Eine präzise Öffentlichkeit kann politische Einflussnahme erkennen, Verantwortlichkeiten den dokumentierten Handlungen zuordnen und Widerspruch auf überprüfbare Tatsachen stützen.
Im dritten Teil der Serie untersuchen wir, wie staatliche und kirchliche Institutionen diese Entwicklungen wahrnehmen, kategorisieren und bearbeiten und an welchen Stellen ihre Zuständigkeiten und Beobachtungskategorien Grenzen setzen. Den Schluss dieser Serie setzen wir an die Perspektive von Betroffenen queer- und transfeindlicher Gewalt.
Redaktion
AfD Watch Bremen

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