Natalia Bodenhagen. Von BiW zur AfD und letztlich zur CDU. Bildquelle: Screenshot, FB,

Natalia Bodenhagen: Die AfD-Funktionärin, die der CDU willkommen war

Erst Bürger in Wut, dann AfD, schließlich CDU: Natalia Bodenhagens politische Laufbahn führt durch mehrere Parteien der Bremerhavener Rechten. Als bildungspolitische Sprecherin und Landesvorstandsmitglied vertrat sie die AfD öffentlich. Im Oktober 2020 nahm die örtliche CDU sie samt Kommunalmandat auf. Der schnelle Wechsel löste Kritik aus. Eine anschließende Recherche über Chatnachrichten verschärfte die Frage, welche politische Abgrenzung dieser Aufnahme vorausgegangen war.

Von BIW in den AfD-Landesvorstand

Bodenhagens politische Laufbahn begann bei Bürger in Wut. Bei der Kommunalwahl 2015 kandidierte sie auf Listenplatz fünf für die Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung und erhielt 238 Personenstimmen. 2017 trat sie nach eigener Darstellung der AfD bei. Seit Ende 2018 war sie deren bildungspolitische Sprecherin im Land Bremen. Die Journalistin Andrea Röpke beschrieb sie im November 2019 außerdem als Mitglied des AfD-Landesvorstands. Bodenhagen übernahm damit organisatorische Verantwortung und vertrat ein zentrales Politikfeld der Partei.

2019 trat sie für die AfD sowohl zur Bürgerschaft als auch zum Bremerhavener Kommunalparlament an, jeweils auf Listenplatz zwei. Bei der Bürgerschaftswahl erhielt sie 1.154 Personenstimmen, bei der Kommunalwahl 976. Anschließend gehörte sie der Stadtverordnetenversammlung an. Ihre Kandidaturen und Funktionen dokumentieren einen konkreten personellen Übergang von BIW zur AfD, wie er die Entwicklung der politischen Rechten in Bremerhaven wiederholt geprägt hat.

Fachlichkeit als Anspruch, Pauschalisierung als Methode

Die Biologie- und Chemielehrerin begründete ihre politischen Forderungen mit beruflicher Erfahrung. In ihrem Wahlprofil von 2019 verlangte sie höhere Leistungsanforderungen, strengere Benotung und gesonderte Förderklassen an Regelschulen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. In einer öffentlichen Antwort zur Schulpolitik machte sie vermeintlich realitätsferne Schulversuche für schlechtere Berufschancen verantwortlich. Ihrem Anspruch einer sachorientierten Politik stand eine pauschalisierende Darstellung der Konkurrenz gegenüber: Die anderen Parteien erschienen als weitgehend gleichförmiger Block, der unbequeme Positionen abwehre.

Auch beim Klimawandel trat Bodenhagen mit dem Anspruch auf, vermeintliche Gewissheiten zu hinterfragen. In einer Antwort vom 16. Mai 2019 stellte sie entgegen gut belegter Faktenlage internationaler Forschungsarbeiten die menschliche Hauptverantwortung für die Erwärmung, die Belastbarkeit von Klimamodellen und den Einfluss von CO₂ infrage. Zugleich rückte sie mögliche Gewinne von Unternehmen, Banken und Politiker:innen durch Klimaschutzmaßnahmen in den Vordergrund. Ihre Argumentation verband Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen mit dem Verdacht wirtschaftlicher Interessen. Damit ging sie deutlich über legitime Kritik an einzelnen Maßnahmen der Klimapolitik hinaus.

Die CDU öffnete die Tür

Ende September 2020 verließen Bodenhagen und Pascal Hiller die AfD und ihre Fraktion. Die Partei verlor dadurch ihren Fraktionsstatus im Bremerhavener Stadtparlament. Bereits am 13. Oktober beschlossen CDU-Kreisvorstand und CDU-Fraktion Bodenhagens Aufnahme. Ihr bestehendes Mandat führte sie fortan für die Christdemokrat:innen weiter. Das bestätigten Kreisvorsitzender Torsten Neuhoff und Fraktionsvorsitzender Thorsten Raschen gegenüber der zeitgenössischen Berichterstattung. Die damalige Grünen-PP-Fraktionsvorsitzende Doris Hoch kritisierte die Geschwindigkeit des Wechsels und bezweifelte, dass Gespräche allein eine klare politische Abgrenzung belegten. Ihre Stellungnahme vom 14. Oktober warnte außerdem davor, knappe Koalitionsmehrheiten zum Maßstab solcher Entscheidungen zu machen.

Im November verschärfte eine Recherche von Andreas Speit in der taz die Kontroverse. Die Zeitung berichtete über zugespielte, Bodenhagen zugeschriebene Chatprotokolle mit rassistischen Abwertungen, herabsetzenden Äußerungen über Schüler:innen und Beiträgen gegen Pandemiemaßnahmen. Nach Darstellung der taz reagierte Bodenhagen auf deren Anfrage auch nach zwei Wochen nicht. Neuhoff lehnte Antworten auf Einzelfragen ab. Raschen hatte den Wechsel zuvor mit politischen Übereinstimmungen unter anderem in der Schulpolitik begründet. Ob die CDU die Chatprotokolle bereits kannte, blieb laut Zeitung ausdrücklich unbestätigt. Politisch stand damit die Frage im Raum, welchen Stellenwert die Auseinandersetzung mit Bodenhagens bisherigen Positionen bei ihrer Aufnahme gehabt hatte.

Bodenhagen gehört der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung heute nicht mehr an; der amtliche Sitzplan vom Juli 2026 weist sie nicht mehr aus. Ihr Übertritt bleibt ein aufschlussreicher Vorgang der lokalen Parteiengeschichte: Eine ehemalige AfD-Funktionärin fand innerhalb weniger Wochen Aufnahme in der CDU. Wie überzeugend diese Entscheidung politisch begründet war, bemisst sich auch daran, wie ernst ihre bisherigen Positionen dabei öffentlich verhandelt wurden.

Redaktion
AfD Watch Bremen