Information und Unterstützung
Beratungsstellen und Hilfsangebote
Recherchen und Berichte über die extreme Rechte und ihre Netzwerke sind ein wichtiger Teil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Im Mittelpunkt müssen zugleich die Menschen stehen, die von menschenfeindlicher Gewalt und Diskriminierung betroffen sind.
Welche Unterstützung brauchst du? Über die Themenübersicht gelangst du direkt zum passenden Angebot in Bremen, Bremerhaven oder bundesweit. Die verlinkten Namen führen zu den jeweiligen Fachstellen.
Welche Unterstützung bieten die Fachstellen?
In Bremen, Bremerhaven und bundesweit beraten und begleiten spezialisierte Fachstellen Betroffene, Angehörige, Zeug:innen, zivilgesellschaftliche Initiativen und Institutionen. Die Angebote reichen von psychosozialer und rechtlicher Unterstützung über mobile Beratung und Empowerment bis zur Dokumentation menschenfeindlicher Vorfälle, zur politischen Bildung und zur Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements. Die Beratungsstellen arbeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Bei akuter Bedrohung oder Gewalt ist eine Betroffenenberatung die richtige Anlaufstelle. Einrichtungen, Vereine, Schulen oder Initiativen, die Unterstützung im Umgang mit extrem rechten Aktivitäten benötigen, können sich an die Mobile Beratung wenden. Meldestellen und Monitoringprojekte dokumentieren Vorfälle, ersetzen aber nicht in jedem Fall eine individuelle Beratung.
16 Angebote
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Beratung für Betroffene rechter Gewalt
soliport – Betroffenenberatung in Bremen und Bremerhaven
soliport berät, unterstützt und begleitet Menschen, die von rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt betroffen sind. Zum Beratungsbereich gehören neben körperlichen Angriffen auch Bedrohungen und Beleidigungen. Das Angebot richtet sich an unmittelbar Betroffene, ihr persönliches Umfeld sowie an Menschen, die einen entsprechenden Vorfall beobachtet haben.
Die Beratung ist kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym und unabhängig von Polizei, Verfassungsschutz und anderen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden. Die Perspektiven, Bedürfnisse und Entscheidungen der Betroffenen bestimmen den Beratungsprozess. Auf Wunsch begleitet soliport unter anderem bei Behördengängen, Gerichtsverfahren oder der Suche nach therapeutischer und anwaltlicher Unterstützung. Die Beratungsstelle arbeitet auch proaktiv und nimmt Hinweise auf rechte, rassistische und antisemitische Angriffe entgegen.
Beratung für Initiativen und Institutionen
Mobiles Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Bremen und Bremerhaven
Das Mobile Beratungsteam, kurz mbt, unterstützt Menschen, Initiativen und Institutionen im Umgang mit Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Verschwörungsideologien und weiteren Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Beratung können beispielsweise Schulen, Vereine, Betriebe, Jugendhilfeeinrichtungen, Stadtteilgremien und zivilgesellschaftliche Bündnisse in Anspruch nehmen.
Das mbt hilft bei der Einschätzung konkreter Situationen und entwickelt gemeinsam mit den Ratsuchenden Handlungsmöglichkeiten. Das Angebot ist menschenrechtsorientiert, kostenlos, vertraulich, unbürokratisch, bei Bedarf aufsuchend und auf Wunsch anonym. Darüber hinaus beobachtet und recherchiert das Team extrem rechte Entwicklungen im Land Bremen, veröffentlicht fachliche Analysen und bietet Vorträge, Fortbildungen und Diskussionsveranstaltungen an.
Das mbt ist die Nachfolgeeinrichtung der früheren Beratungsstelle „pro aktiv gegen rechts“, die Ende 2019 auslief.
Rechtsextremismus im familiären Umfeld
RuF – Fachstelle Rechtsextremismus und Familie
Die bundesweite Fachstelle Rechtsextremismus und Familie berät Angehörige, die in ihrem familiären Umfeld mit extrem rechten Einstellungen, Radikalisierungsprozessen oder der Hinwendung zu rechten Szenen konfrontiert sind. Außerdem unterstützt sie Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, die in ihrer beruflichen Praxis auf rassistische, menschenverachtende oder extrem rechte Einstellungen stoßen.
Neben der Einzelfallberatung entwickelt RuF fachliche Konzepte, qualifiziert Berater:innen und veröffentlicht Materialien zum Umgang mit Rechtsextremismus im familiären und pädagogischen Kontext. Die Fachstelle befindet sich in Trägerschaft des LidiceHauses.
Aktueller Hinweis: Das LidiceHaus teilte 2026 mit, dass die angekündigte Einstellung der Bundesförderung das Fortbestehen der Fachstelle zum Jahresende 2026 gefährdet. Vor einer Weiterleitung sollte deshalb geprüft werden, ob und in welcher Form das Angebot fortgeführt wird.
Antidiskriminierungs- und queerbezogene Beratung
ADA – Antidiskriminierung in der Arbeitswelt
ADA berät Menschen, die im Arbeitsleben Diskriminierung, Anfeindungen, Ausschlüsse oder Belästigungen erfahren. Das Angebot umfasst Benachteiligungen aufgrund rassistischer Zuschreibungen, ethnischer Herkunft, Geschlecht oder Geschlechtsidentität, Religion oder Weltanschauung, Behinderung oder chronischer Erkrankung, Alter und sexueller Orientierung.
Die Beratung ist unabhängig, vertraulich und kostenlos. Sie orientiert sich an den Standards des Antidiskriminierungsverbands Deutschland und kann neben der Klärung des Erlebten auch bei der Entwicklung konkreter Handlungsschritte und der Prüfung möglicher Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz unterstützen. Beratung ist in Bremen und nach Absprache auch in Bremerhaven möglich. Bei Diskriminierungen außerhalb des Arbeitslebens bietet ADA zumindest eine Erst- und Verweisberatung an.
Rat&Tat – Zentrum für queeres Leben
Das Rat&Tat-Zentrum ist eine Beratungs-, Begegnungs- und Interessenvertretungsstelle für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen. Das Zentrum bietet psychosoziale Beratung, Gruppenangebote, Empowerment, queere Bildungsarbeit und Unterstützung bei Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen.
Ein spezielles Angebot richtet sich an queere Geflüchtete, Migrant:innen und BIPoC. Beratung kann unter anderem bei queer- und trans*feindlichen Angriffen, familiären Konflikten, Fragen zu Asyl und Aufenthalt, Diskriminierung sowie bei psychosozialen Belastungen in Anspruch genommen werden.
Beratung bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung
OFEK – Beratung bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung
OFEK berät Menschen, die von Antisemitismus betroffen sind, sowie Angehörige, Zeug:innen und Institutionen. Das Angebot umfasst psychosoziale Unterstützung, Beratung zu Handlungsmöglichkeiten und die Begleitung im Umgang mit antisemitischen Vorfällen. OFEK bietet eine bundesweit erreichbare Beratung und Hotline an.
Vorfälle dokumentieren und melden
Keine Randnotiz
Keine Randnotiz dokumentiert, recherchiert und analysiert rechte, rassistische, antisemitische und weitere menschenfeindliche Vorfälle im Land Bremen. Die Onlinechronik verortet Vorfälle auf Karten für Bremen und Bremerhaven und macht Entwicklungen sichtbar, die in polizeilichen Statistiken oder der öffentlichen Berichterstattung häufig nicht oder nur unvollständig erscheinen. Ausgangspunkt der Dokumentation sind die Perspektiven der Betroffenen. Ziel ist es, menschenfeindliche Vorfälle sichtbar zu machen, ihre gesellschaftlichen Auswirkungen einzuordnen und ihrer Verharmlosung entgegenzuwirken. Neben rassistischen und antisemitischen Vorfällen erfasst das Projekt unter anderem queerfeindliche, antifeministische, sozialdarwinistische und weitere Ungleichwertigkeitsvorstellungen, soweit ein belastbarer Bezug zum Land Bremen vorliegt.
Betroffene und Zeug:innen können Vorfälle direkt über die Webseite melden. Keine Randnotiz ist ein Dokumentations- und Monitoringprojekt. Wenn weitergehende individuelle Unterstützung erforderlich ist, erfolgt eine Verweisung an spezialisierte Beratungsstellen.
Bundesverband RIAS – antisemitische Vorfälle melden
Über das Portal des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus können antisemitische Vorfälle vertraulich gemeldet werden. Dokumentiert werden auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze. Bis zur Einrichtung einer arbeitsfähigen Bremer Meldestelle bleibt das bundesweite RIAS-Portal ein zentraler Meldeweg.
Claim – antimuslimischen Rassismus melden
Claim erfasst und dokumentiert antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen. Betroffene und Zeug:innen können Vorfälle melden. Das Portal informiert außerdem über kostenlose und anonyme Unterstützungsmöglichkeiten und vermittelt zu regionalen Beratungsangeboten.
MIA – Melde- und Informationsstelle Antiziganismus
MIA erfasst, dokumentiert und analysiert bundesweit antiziganistische Vorfälle. Meldungen können von Betroffenen und Zeug:innen vertraulich und in verschiedenen Sprachen übermittelt werden. Die Stelle bietet Verweisberatung und juristische Erstberatung an und wertet die dokumentierten Vorfälle für ihre Jahres- und Schwerpunktberichte aus.
Meldestelle Antifeminismus
Bei der Meldestelle Antifeminismus können Betroffene und Zeug:innen Erfahrungen mit antifeministischen Vorfällen mitteilen. Auch bei Unsicherheit über die Einordnung kann eine Meldung erfolgen. Die Meldestelle nimmt die Hinweise entgegen und bearbeitet sie. Antifeminismus tritt in vielen Formen auf.
Politische Bildung, Prävention und Orientierung
LidiceHaus – Jugendbildungsstätte der politischen Jugendbildung
Das LidiceHaus ist ein außerschulischer Lernort der politischen Jugendbildung in Bremen. Es richtet sich an Jugendliche, junge Erwachsene, pädagogische Fachkräfte und Multiplikator:innen. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehören historisch-politische Bildung, Antidiskriminierung und Empowerment, Antisemitismuskritik, geschlechterreflektierte Bildung, Jugendbeteiligung und die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus. Der Name erinnert an das tschechische Dorf Lidice, das 1942 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Unter dem Leitgedanken „Erinnern für die Zukunft“ verbindet die Einrichtung die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus mit gegenwärtiger Demokratiebildung.
Im Themenfeld Rechtsextremismus sind beim LidiceHaus unter anderem die Betroffenenberatung soliport, das Mobile Beratungsteam, die Fachstelle Rechtsextremismus und Familie sowie das Monitoringprojekt Keine Randnotiz angesiedelt.
akriba – Antisemitismuskritische Bildungsarbeit
akriba ist ein Bildungsprojekt des LidiceHauses mit Schwerpunkt Antisemitismus. Das Projekt entwickelt pädagogische Angebote, die Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen behandeln und antisemitismuskritische Handlungskompetenzen fördern.
Die Bildungsangebote richten sich insbesondere an Jugendliche, junge Erwachsene und pädagogische Fachkräfte. Sie knüpfen an aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus sowie an die Lebenswelten junger Menschen an. akriba ist eine Fachstelle der politischen Bildung; für die individuelle Beratung nach antisemitischer Gewalt und Diskriminierung sind spezialisierte Betroffenenberatungen zuständig.
Demokratiezentrum Land Bremen
Das Demokratiezentrum koordiniert zentrale Bestandteile der Demokratie- und Präventionsarbeit im Land Bremen. Es informiert über Beratungsangebote, Bildungsprojekte und die kommunalen Partnerschaften für Demokratie. Auf der Webseite finden Ratsuchende und Fachkräfte eine Übersicht verschiedener spezialisierter Beratungsstellen, unter anderem zu Rechtsextremismus, Verschwörungsideologien und religiös begründetem Extremismus.
Das Demokratiezentrum eignet sich insbesondere als erste Orientierung, wenn unklar ist, welche Fach- oder Beratungsstelle für einen konkreten Fall zuständig ist.
Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements
Partnerschaft für Demokratie Bremen Mitte/Viertel/Findorff
Die Partnerschaft für Demokratie Bremen Mitte/Viertel/Findorff unterstützt seit 2011 zivilgesellschaftliche Projekte finanziell und fachlich. Gefördert werden unter anderem Vorhaben zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung, zur Stärkung der Selbstorganisation von Migrant:innen und Schwarzen Menschen sowie Projekte gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus, Sexismus, Queer- und Trans*feindlichkeit, Antiziganismus und die Abwertung wohnungsloser Menschen.
Initiativen und engagierte Einzelpersonen können sich über Projektförderungen und Mikrofonds informieren. Die Partnerschaft ist Teil der kommunalen Umsetzung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.
Amadeu Antonio Stiftung
Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt bundesweit Initiativen, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sowie für den Schutz von Minderheiten und eine demokratische Zivilgesellschaft engagieren. Sie fördert lokale Projekte, veröffentlicht Analysen und Bildungsmaterialien und unterstützt Engagierte beim Umgang mit Hass, Bedrohungen und extrem rechten Mobilisierungen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung kleinerer zivilgesellschaftlicher Initiativen, die vor Ort gegen menschenfeindliche Ideologien arbeiten und häufig nur über begrenzte finanzielle oder organisatorische Ressourcen verfügen.

