Rechte Rockerszene in Bremen: Kutten, Kontakte und politische Macht
In Bremen verbinden sich Teile des Rockermilieus mit Neonazis, rechten Hooligans und politischen Akteur:innen. Die Verbindungen reichen von Veranstaltungsräumen über persönliche Netzwerke bis zu gemeinsamem Auftreten. Ihre Bedeutung zeigt sich dort, wo die Beteiligten einander Öffentlichkeit, Infrastruktur und Rückhalt verschaffen. Ein Blick auf Bremen, Bremerhaven und das eng verflochtene Umland.
Bremer Sicherheitsbehörden beschreiben eine seit Langem bestehende „Mischszene“ aus gewaltorientierten Rechtsextremen, Hooligans und Rockern. Frühere Hooligans wirken darin als Vernetzer:innen zwischen verschiedenen Milieus. Der Bericht benennt die Gefahr, dass Rechtsextreme gewaltbereite Kontakte für politisch motivierte Straftaten mobilisieren. Entscheidend ist deshalb, welche Beziehungen bestehen und wie sie genutzt werden.
Zu diesem Geflecht gehören Motorradclubs mit dokumentierten rechten Kontakten, ausdrücklich neonazistische Bruderschaften in Rockerästhetik und politische Akteur:innen, die Räume oder Unterstützung bereitstellen. Ihre Rollen unterscheiden sich. Gemeinsam organisierte Veranstaltungen und verlässliche Treffpunkte schaffen Gelegenheiten, Beziehungen zu festigen und neue Kontakte aufzubauen.
Das Etikett „unpolitisch“ hält der Geschichte nicht stand
Bereits im Jahresrückblick 2014 der Mobilen Beratung „pro aktiv gegen rechts“ stehen die Verflechtungen von Rockern, Neonazis und Hooligans im Mittelpunkt. Die Fachstelle beschrieb rechtsextreme Beteiligte in Gruppen, die nach außen Freizeitgemeinschaften oder Bruderschaften darstellten. Politische Bedeutung erhielt dieses Umfeld unter anderem durch Beteiligung an der Mobilisierung von „Hooligans gegen Salafisten“: Bremen war ein organisatorischer Knotenpunkt, die Band „Kategorie C“ lieferte Musik und Merchandising. Gemeinschaftspflege, politische Mobilisierung und Geschäft verbanden sich.
Auch staatliche Quellen dokumentieren konkrete Überschneidungen. In einer Antwort der niedersächsischen Landesregierung vom 18. Dezember 2014 wurden einzelne Mitglieder von „Legion Bremen“ als rechtsmotivierte Straftäter beschrieben. Einige hatten zuvor dem Red Devils MC „West Side“, einem Unterstützerclub der Hells Angels, angehört. Mitglieder verschiedener Hells-Angels-Charter besuchten Clubabende. Das Vereinsheim lag damals in Weyhe, also in Niedersachsen. Zugleich verneinte die Regierung seinerzeit Erkenntnisse über strukturelle Verbindungen und eine daraus erkennbare Gefährdungslage. Die Behörden hielten damit konkrete Überschneidungen fest, bewerteten deren strukturelle Bedeutung damals jedoch zurückhaltend.
Der Boxring als Treffpunkt
Ein deutlich jüngeres Beispiel liegt ebenfalls unmittelbar außerhalb Bremens. Beim „Open Air Boxing“ am „West Side Place“ in Dünsen im Juli 2025 trafen Hells-Angels-Angehörige und Akteure der extremen Rechten zusammen. Otto Belina dokumentierte für Endstation Rechts unter anderem die Anwesenheit des „Kampf der Nibelungen“-Organisators Alexander Deptolla und von „Kategorie C“-Sänger Hannes Ostendorf. Der Bericht beschreibt Christoph Mohrmann, früher bei der extrem rechten Bremer Hooligangruppe NSHB aktiv, als einen der an der Entstehung des Events beteiligten Hells Angels. Michael Wellering moderierte die Veranstaltung.
Der Bremer Verfassungsschutzbericht 2025 führt die Veranstaltung als „West Side Cup“ auf und bestätigt die Teilnahme von Rechtsextremen aus der Region und dem Bundesgebiet neben Rockern und Personen ohne erkennbare Szeneanbindung. Das Boxevent bot diesen unterschiedlichen Beteiligten einen gemeinsamen Treffpunkt. Für die Bremer Szene war es ein Kontaktangebot im nahen Umland – organisiert in der Infrastruktur eines Rockerclubs.
Neonazistische Bruderschaften tragen ihre Politik auf der Kutte
Mit „Brigade 8 – Bremen Crew“ wurde 2013 eine ausdrücklich rechtsextreme Gruppierung öffentlich bekannt. Eine damalige Information des Landesamtes für Verfassungsschutz beschreibt das Auftreten als hierarchische Bruderschaft mit Kutten und entsprechende Verbindungen über Mitglieder der Bands „Endlöser“ und „Strafmass“. Die Behörde verwies auf eindeutige rechtsextreme Selbstdarstellungen im Internet. Die für Juni geplante Party wurde in Bremen untersagt; auch der Ausweichversuch in einer Schützenhalle in Horstedt scheiterte nach einem zeitgenössischen Bericht der Kreiszeitung. Der Vermieter löste das Mietverhältnis auf, nachdem die Polizei ihn über den Hintergrund informiert hatte.
Wie solche Gruppen in einen Stadtteil hineinwirken, zeigte „Nordic 12“. Die taz berichtete im Juli 2015 über deren Beteiligung an rassistischer Mobilisierung gegen eine geplante Unterkunft in Woltmershausen: Transparente, Auftritte auf einer Einwohnerversammlung und eine digitale Protestplattform. Der damals zitierte Fachberater Fabian Jellonnek beschrieb den Versuch, öffentlichen Raum zu besetzen. Andrea Röpke dokumentierte außerdem die Verbindungen über Andreas und Robert Lohei zu „Endlöser“ und „Legion Germania“. Damit wurden die Beziehungen zwischen Bruderschaft, Musik und politischer Aktion personell greifbar. Laut Verfassungsschutzbericht 2025 ging „Nordic 12“ aus „Brigade 8 – Bremen Crew“ hervor, trat aber in den letzten Jahren nicht mehr öffentlich in Erscheinung.
Bremerhaven und Bremen: Räume verschaffen Rückhalt
Für Bremerhaven dokumentiert ein ursprünglich 2003 erschienener Bericht von Andrea Röpke ein Konzert von „Kategorie C“ beim Gremium MC. Der heute bei Belltower.News zugängliche Nachdruck beschreibt damit einen frühen Fall, in dem ein Rockerclub einer rechten Hooliganband einen Veranstaltungsort verschaffte. Für Bremerhaven fehlen in den hier herangezogenen Quellen vergleichbar konkrete jüngere Belege für eine solche Konzertpraxis.
Auch in Bremen sind entsprechende Räume dokumentiert: Endstation Rechts berichtete 2016 über eine 2014 im Findorffer Clubhaus der „Wild Vikings“ gefeierte Hochzeit eines „Endstufe“-Bandmitglieds mit Gästen aus Rocker-, Rotlicht- und Neonazimilieu. Derselbe Bericht behandelte Gerald Höns’ Kontakte zu Hells Angels, Raumangebote sowie ein Treffen von 27 Motorradgruppen in seinem Bunker. Bei dem heutigen BIW-Akteur Gerald Höns verbindet sich diese Vorgeschichte mit seiner ausdrücklich erklärten Unterstützung für die AfD. Der Bunker in Walle war zuletzt auch Anlass für antifaschistischen Protest gegen eine angekündigte AfD-Wahlfeier. In seiner der Redaktion vorliegenden E-Mail vom 10. September 2026 erklärt Höns, der AfD weiterhin Räume zur Verfügung stellen zu wollen.
Am selben Standort werben Veranstaltungsplakate unter dem Namen „Bunker F76 Bremen“ mit einem eigenen Motorradmotiv für Partys. Wer hinter diesem Veranstaltungsauftritt steht und wie sich die Beteiligten politisch positionieren, ist bislang ungeklärt. Konkret erklärt ist dagegen die Haltung des Raumgebers: Höns will die AfD unterstützen. Seine Raumvergabe verschafft der Partei praktische Handlungsmöglichkeiten und macht seine politischen Sympathien organisatorisch wirksam.
Ein Verbot beendet keine persönlichen Netzwerke
Das Verbot des Hells Angels MC Charter Bremen von 2013 gehört zur Geschichte der staatlichen Auseinandersetzung mit dem Rockermilieu. 2023 scheiterte eine weitere Beschwerde im gerichtlichen Verfahren. Die Senatsmitteilung beschreibt Brutalität und kriminelles Machtverhalten; zugleich macht sie deutlich, dass die beteiligten Menschen durch ein Vereinsverbot nicht verschwinden. Der Beschluss von 2023 betraf verfahrensrechtliche Fragen; das in der Mitteilung behandelte Vereinsverbot richtet sich gegen den konkret benannten Bremer Zusammenschluss.
Bei den neonazistischen Hammerskins ist eine jüngere Änderung zu berücksichtigen: Das Bundesverwaltungsgericht hob am 19. Dezember 2025 das bundesweite Verbot einschließlich der erfassten Chapter auf. Es sah eine den regionalen Gruppen übergeordnete nationale Vereinigung als nicht hinreichend nachgewiesen an; einzelne Chapter können bei Vorliegen der Voraussetzungen gesondert verboten werden. Der Bremer Verfassungsschutzbericht 2025 vermerkt eine Auflösungserklärung des Bremer Chapters vom 28. Dezember 2025. Eine Auflösungserklärung beantwortet allerdings noch nicht, welche persönlichen Verbindungen anschließend fortbestehen.
Die dokumentierten Fälle zeigen, woran eine kritische Öffentlichkeit ansetzen muss: an Organisatoren, Raumgeber:innen und den Verbindungen, die politische Handlungsmöglichkeiten schaffen. Die rassistische Mobilisierung in Woltmershausen macht sichtbar, wen das betrifft: Menschen, deren Aufnahme und Sicherheit im Stadtteil öffentlich angegriffen werden. Wo Neonazis Rückhalt, Bühnen und Räume erhalten, ist „unpolitisch“ keine überzeugende Beschreibung – sondern eine Behauptung, die sich am tatsächlichen Handeln messen lassen muss.
Redaktion
AfD Watch Bremen
Unser Dossier wird fortlaufend erweitert. Weitere Recherchen vertiefen die Gruppen, Akteur:innen und Treffpunkte in Bremen und Bremerhaven sowie ihre Verbindungen ins Umland. Im Mittelpunkt stehen belegte politische Beziehungen, Veranstaltungsorte und personelle Überschneidungen. Neue Erkenntnisse ergänzen diese Übersicht; ausführliche Einzelrecherchen zum Schwerpunkt werden hier verlinkt.
