Olaf Kappelt: AfD-Organisator zwischen Kirchenpolitik, Wahlkämpfen und Täuschungsmanöver
Der frühere Bremer AfD-Spitzenkandidat Olaf Kappelt organisierte die Partei in evangelikal-christlichen, gewerkschaftlichen und kommunalpolitischen Zusammenhängen. In Brandenburg und Niedersachsen verlor er gewonnene Kommunalmandate wegen nicht erfüllter Wohnsitzvoraussetzungen. Ende 2023 trat er mit Perücke, falschem Vornamen und falschen Angaben beim entstehenden Bündnis Sahra Wagenknecht auf. Noch 2025 kandidierte er als AfD-Mitglied für das Bürgermeisteramt im brandenburgischen Vetschau.
Olaf Kappelt ist Publizist, Historiker und AfD-Politiker. Für Bremen wurde er vor allem als Spitzenkandidat der AfD bei der Bundestagswahl 2021 sichtbar. Seine politische Biografie reicht jedoch wesentlich weiter: von einer hauptamtlichen Funktion in der Bremerhavener CDU über Tätigkeiten in Gewerkschafts- und Literaturverbänden bis zur Aufbauarbeit in mehreren AfD-nahen Organisationen. Wiederkehrend suchte Kappelt politische Betätigungsfelder an Schnittstellen der Partei zu gesellschaftlichen Milieus – unter Arbeitnehmer, Schriftsteller und konservativen Christ. Seine dokumentierte Laufbahn verbindet vier zentrale Bereiche: die politische Nutzung einer christlich-konservativen Identität, die organisatorische Arbeit für die AfD, wiederholte Kandidaturen in verschiedenen Bundesländern und mehrere Konflikte um seine kommunalrechtliche Wählbarkeit. Hinzu kommt ein verdeckter Annäherungsversuch an das Bündnis Sahra Wagenknecht, bei dem Kappelt seine Identität und seine AfD-Mitgliedschaft verschwieg.
Vom DDR-Historiker zum Parteifunktionär
Hans Olaf Kappelt wurde 1953 in Altdöbern in Brandenburg geboren. Bekannt wurde er zunächst als Autor zeitgeschichtlicher Veröffentlichungen. Zu seinen Arbeiten gehört das erstmals 1981 erschienene und später neu aufgelegte „Braunbuch DDR – Nazis in der DDR“, das personelle Kontinuitäten ehemaliger Nationalsozialisten in der DDR behandelt. Bibliografische Daten zu dem Werk führt die Deutsche Digitale Bibliothek. 1997 wurde Kappelt mit einer Arbeit über die Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone und frühere NSDAP-Mitglieder in der DDR promoviert. Parallel war Kappelt parteipolitisch tätig. Eine Dokumentation des Archivs für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung führt ihn von 1984 bis 1988 als Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Bremerhaven. Damit besaß er bereits Jahrzehnte vor seinem Auftreten für die AfD Erfahrung in Parteiorganisation und Wahlkampfarbeit.
Später arbeitete Kappelt als Autor, Verleger und historischer Stadtführer. In Berlin trat er als Darsteller Friedrichs II. auf. Zugleich übernahm er Funktionen in literarischen und gewerkschaftlichen Zusammenhängen. Er gehörte dem Vorstand des Berliner Landesverbandes des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di an. Die damalige Vorsitzende Astrid Vehstedt erklärte 2017 ihren Rücktritt, nachdem Kappelts Tätigkeit für die AfD öffentlich geworden war. In einem Interview schilderte sie außerdem, Kappelt habe sich für den Vorstand eines neu aufzubauenden Friedrich-Bödecker-Kreises angeboten; bei dessen Gründungsversammlung seien weitere AfD-Sympathisant:innen erschienen. taz: „AfD-Mitglieder in Literatenverbänden“
AfD-Aufbauarbeit im Arbeitnehmermilieu
Im Februar 2017 beteiligte sich Kappelt an der Gründung einer Berliner AfD-Arbeitnehmergruppe. Zu diesem Zeitpunkt gehörte er nach Angaben des Tagesspiegels dem Landesbezirksvorstand von ver.di an. Gemeinsam mit den AfD-Abgeordneten Gunnar Lindemann und Jeannette Auricht bereitete er den Zusammenschluss konkurrierender parteinaher Arbeitnehmerorganisationen vor. Das erklärte Ziel bestand darin, Arbeitnehmerpositionen in das Bundestagswahlprogramm der AfD einzubringen. Tagesspiegel: „Berliner AfD will bei Beschäftigten punkten“
Diese Tätigkeit war ein Versuch, die AfD in einem gesellschaftlichen Bereich zu verankern, in dem die Partei damals nur schwach organisiert war. Kappelt verband dabei eine vorhandene gewerkschaftliche Funktion mit dem Aufbau einer parteieigenen Arbeitnehmerstruktur. Sein Auftreten im Schriftstellerverband und in der Gewerkschaft war deshalb nicht nur biografischer Hintergrund, sondern Teil seiner politischen Organisationspraxis.
„Christen in der AfD“: Gegen Schwangerschaftsabbrüche und die Ehe für alle
Eine weitere zentrale Rolle übernahm Kappelt bei den „Christen in der AfD“ (ChrAfD). Nach dem Berliner „Marsch für das Leben“ vom 16. September 2017 gründete sich ein Regionalverband für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Kappelt wurde zum evangelischen Sprecher gewählt, Michael Adam zum katholischen Sprecher. Die Gruppierung erklärte, den christlichen Einfluss innerhalb der AfD stärken zu wollen. Kappelt begründete die politische Nähe mit dem Einsatz der Partei für ungeborenes Leben und traditionelle Familienmodelle. Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bezeichnete er als „Versündigung gegen die christliche Familie“. apabiz: „Christen in der AfD jetzt auch in Berlin“
Kappelt unterstützte den „Marsch für das Leben“, eine zentrale Mobilisierung der sogenannten Lebensschutzbewegung gegen Schwangerschaftsabbrüche. In seiner ChrAfD-Funktion verband er diese Position mit der Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehe und einem exklusiven Verständnis von Familie. Queere Gleichstellung erschien in dieser Argumentation nicht als Grundrecht, sondern als Verstoß gegen eine religiös definierte gesellschaftliche Ordnung. 2018 gehörte Kappelt außerdem zu den Autor des Sammelbandes „Bekenntnisse von Christen in der Alternative für Deutschland“, der später unter dem Titel „Warum Christen AfD wählen“ neu aufgelegt wurde. Das Buch enthielt Beiträge mehrerer AfD-Mitglieder, ein Vorwort von Beatrix von Storch und die Grundsatzerklärung der ChrAfD. Inhaltsverzeichnis der Deutschen Nationalbibliothek
Das „christliche Abendland“ als AfD-Kirchenstrategie
Im Juni 2018 leiteten Kappelt und weitere ChrAfD-Funktionäre eine Tagung in den Räumen der AfD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern. Das Thema lautete „Christenverfolgung in Deutschland und in der Welt“. Die Veranstaltung verband Berichte über tatsächliche Christenverfolgung mit einer pauschalisierenden rassistischen Darstellung des Islams als Bedrohung. ChrAfD: Tagungsbericht aus Schwerin. Im September 2018 nahm Kappelt an der Tagung „AfD und Amtskirchen – gemeinsam für ein christliches Abendland?“ in der brandenburgischen AfD-Landtagsfraktion teil. Als Gastredner trat der damalige brandenburgische AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Andreas Kalbitz auf. Kappelt unterzeichnete dort die „Potsdamer Erklärung“ gemeinsam mit weiteren ChrAfD- und AfD-Funktionär, darunter Beatrix von Storch, Waldemar Herdt, Steffen Kotré und Verena Hartmann.
Die Erklärung richtete sich gegen die kritische Haltung der evangelischen und katholischen Kirchenleitungen zur AfD. Unter dem Begriff des „christlichen Abendlandes“ wurden christliche Identität, nationale Zugehörigkeit und die Abwehr einer behaupteten „Islamisierung“ miteinander verbunden. Kappelt war daran nicht nur als Teilnehmer beteiligt, sondern als ChrAfD-Vorstandsmitglied und Unterzeichner.
Die Verbindung zur Bremer St.-Martini-Gemeinde
Für seine Bremer Rolle war Kappelts Verhältnis zur St.-Martini-Gemeinde besonders bedeutsam. Nach eigenen Angaben fühlte er sich der Gemeinde eng verbunden. AfD Watch Bremen dokumentierte diese Selbstzuordnung sowie öffentliche Sympathiebekundungen während des Bundestagswahlkampfs 2021.
St. Martini steht für ein konservativ-evangelikales Bibel- und Familienverständnis. Kappelts politische Positionen bei den „Christen in der AfD“ – gegen die Ehe für alle, gegen Schwangerschaftsabbrüche und für ein religiös begründetes traditionelles Familienmodell – entsprechen zentralen Themen dieses Milieus. Seine Bezugnahme auf die Gemeinde verlieh seiner AfD-Kandidatur in Bremen eine kirchlich-konservative Verortung. Am 16. August 2021 kam die damalige stellvertretende AfD-Bundessprecherin Beatrix von Storch zur Unterstützung Kappelts nach Bremen. AfD Watch Bremen dokumentierte ein Zusammentreffen im Umfeld von St. Martini und den anschließenden Auftritt der Gruppe am Rathaus und beim damaligen Klimacamp. Neben Kappelt und von Storch waren Mertcan Karakaya und der frühere Bremer AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Thomas Jürgewitz anwesend. AfD Watch Bremen: „Ohne Relevanz“
Von Storch war zugleich prominente Unterstützerin des „Marsches für das Leben“, Verfasserin des Vorworts im ChrAfD-Sammelband und Mitunterzeichnerin der „Potsdamer Erklärung“. Der Bremer Wahlkampfauftritt führte damit mehrere Stationen von Kappelts christlich-nationalistischer Parteiarbeit zusammen.
Mitarbeiter eines AfD-Bundestagsabgeordneten
Kappelt arbeitete im Bundestagsbüro des AfD-Abgeordneten Jörn König. Im Zusammenhang mit dem späteren Streit um sein Kreistagsmandat bezeichnete ihn die Lausitzer Rundschau 2019 als Königs Berliner Büroleiter. Lausitzer Rundschau: „OSL-Kreistag entscheidet über Einspruch von AfD-Mann“
Damit gehörte Kappelt nicht nur zu den ehrenamtlichen Vorfeldorganisatoren der AfD. Er war auch beruflich in die parlamentarische Infrastruktur der Partei eingebunden. Seine Tätigkeit umfasste Parteimilieus außerhalb der Parlamente ebenso wie die Arbeit im Umfeld eines Bundestagsmandats.
Brandenburg 2019: Drei Wahlen und der Verlust der Mandate
Bei den Kommunalwahlen im Mai 2019 trat Kappelt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz an. Er wurde in den Kreistag, in die Stadtverordnetenversammlung Senftenberg und in den Ortsbeirat Hosena gewählt. Im Kreistag übernahm er den Vorsitz der AfD-Fraktion. Die Mandate waren an gesetzliche Wohnsitzvoraussetzungen gebunden. Der Kreiswahlausschuss Oberspreewald-Lausitz stellte im Juli 2019 einstimmig fest, dass Kappelt zum Zeitpunkt der Wahl nicht wählbar gewesen war. Sein Kreistagssitz ging daraufhin an eine Ersatzperson. Landkreis Oberspreewald-Lausitz: Entscheidung des Kreiswahlausschusses
Das Verwaltungsgericht Cottbus bestätigte die Entscheidung im Eilverfahren. Nach der gerichtlichen Prüfung hatte Kappelt in den drei Monaten vor der Wahl keine ständige Wohnung im Landkreis. Der von der AfD-Fraktion gestellte Antrag wurde zurückgewiesen. Verwaltungsgericht Cottbus: „Kreistagsmandat nur bei Wohnsitz im Landkreis“. Auch die kommunalen Vertretungen in Senftenberg und Hosena entzogen ihm die Rechtsstellung als gewählter Vertreter. Damit endeten alle drei bei derselben Kommunalwahl errungenen Mandate aufgrund der fehlenden Wählbarkeitsvoraussetzung.
Bremer Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2021
Zwei Jahre später führte Kappelt die Landesliste der AfD Bremen zur Bundestagswahl 2021 an. Der Landeswahlausschuss ließ die Liste zunächst nicht zu, weil eine vorgeschriebene eidesstattliche Versicherung der Schriftführung fehlte. Nach einer Beschwerde der Partei hob der Bundeswahlausschuss die Entscheidung auf und ließ die Liste zu. Tagesspiegel zur ersten Zurückweisung, ZEIT zur Zulassung durch den Bundeswahlausschuss
Kappelt kandidierte gleichzeitig als Direktbewerber im niedersächsischen Wahlkreis Cuxhaven–Stade II. Dort erhielt er 10.227 Erststimmen beziehungsweise 7,3 Prozent und belegte den vierten Platz. Tagesschau: Ergebnis im Wahlkreis 29. In Bremen erreichte die AfD 6,9 Prozent der Zweitstimmen. Vier Jahre zuvor waren es 10,0 Prozent gewesen. Die Partei verlor damit 3,1 Prozentpunkte und erhielt über die Bremer Landesliste kein Bundestagsmandat. Statistisches Landesamt Bremen: Bundestagswahl 2021. AfD Watch Bremen beschrieb den Wahlkampf als von den anhaltenden Konflikten im Landesverband geprägt. Beim öffentlichen Termin mit Beatrix von Storch blieb Kappelthinter der bundesweit bekannten AfD-Akteurin zurück. Nach der Wahl dokumentierte AfD Watch, dass der Landesverband ihn nur schwach bis gar nicht unterstützt hatte, Wahlwerbung spät erschien und die innerparteiliche Gruppe um Frank Magnitz ihm die Unterstützung verweigerte. AfD Watch Bremen: „Nazis sind raus“. Kappelt blieb damit ohne Bundestagsmandat. Seine Bremer Kandidatur war die sichtbarste Rolle seiner politischen Laufbahn auf Landesebene, endete aber mit deutlichen Stimmenverlusten für die AfD Bremen.
Cuxhaven 2021: Erneuter Mandatsverlust wegen des Wohnsitzes
Parallel zur Bundestagskandidatur trat Kappelt bei den niedersächsischen Kommunalwahlen an. Am 12. September 2021 wurde er in den Rat der Stadt Cuxhaven und in den Ortsrat Altenwalde gewählt. Für den Ortsrat erhielt er 185 Stimmen. Amtliches Wahlergebnis der Stadt Cuxhaven. Kurz nach der Wahl wurde öffentlich, dass die Stadt Cuxhaven Kappelt rückwirkend ab November 2020 von Amts wegen abgemeldet hatte. Ausschlaggebend war die Feststellung, dass er unter der angegebenen Anschrift nicht wohnte. Kappelt ging gerichtlich gegen die Abmeldung vor. Die zuständigen Verwaltungsgerichte bestätigten die Entscheidung der Stadt. Im November 2021 schlossen Rat und Ortsrat ihn wegen der nicht erfüllten sechsmonatigen Wohnsitzvoraussetzung aus ihren Vertretungen aus. CNV Medien: Rückblick auf die Cuxhavener Mandate
Damit verlor Kappelt nach Brandenburg zum zweiten Mal innerhalb von gut zwei Jahren mehrere gewonnene Kommunalmandate wegen fehlender wohnsitzbezogener Wählbarkeit. In Brandenburg betraf dies Kreistag, Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeirat, in Niedersachsen Stadtrat und Ortsrat.
Mit Perücke und falschem Namen beim BSW
Am 11. Dezember 2023 traf Kappelt in einem Berliner Hotel Sabine Zimmermann, die damals den Aufbau des Bündnisses Sahra Wagenknecht in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern koordinierte. Ein ZDF-Team filmte das Kennenlerngespräch mit seinem Einverständnis. Kappelt stellte sich als „Hans Kappelt“ vor, trug eine Perücke und behauptete, zuvor noch nie Mitglied einer Partei gewesen zu sein. Er gab an, aus Schwerin zu kommen, ein weiteres Standbein in Binz zu haben und sich an Protesten gegen das dort geplante LNG-Terminal zu beteiligen. Im Gespräch erklärte er seine Übereinstimmung mit Wagenknechts Positionen, erkundigte sich nach der Parteigründung und der Organisation von Wahllisten und sagte seine Bereitschaft zu, beim Aufbau der neuen Partei mitzuarbeiten. Zimmermann lud ihn zum Gründungsparteitag ein. In einer WhatsApp-Gruppe früher Unterstützer:innen wurde er anschließend als Olaf Kappelt erkannt. Seine AfD-Mitgliedschaft bestätigte die Partei 2024 gegenüber dem ZDF. Nach der Enttarnung wurde Kappelt nicht in das BSW aufgenommen. Auf Fragen des ZDF zu seinem Vorgehen reagierte er nicht. ZDF: „Wie ein AfD-Mann zum BSW wollte“, buten un binnen: Bremer Einordnung des Falls
Der Vorgang war eine gezielte Täuschung über Name, Erscheinungsbild, Wohn- und Tätigkeitsorte sowie die eigene Parteibiografie. Er knüpft an Kappelts langjährige Erfahrung mit Parteiaufbau, Kandidaturen und Listenverfahren an: Gerade nach der inneren Organisation und der Aufstellung von Wahllisten fragte er bei dem Treffen ausdrücklich.
Bürgermeisterkandidat in Vetschau 2025
Bei der Bürgermeisterwahl in Vetschau/Spreewald am 28. September 2025 trat Kappelt als Einzelbewerber an. Im Wahlkampf wurde er weiterhin als AfD-Mitglied bezeichnet. Die offizielle Kandidat:innenvorstellung führte ihn mit dem Geburtsjahr 1953 und der Berufsangabe „Büroleiter/Geschäftsführer“. Kappelt erhielt 517 Stimmen beziehungsweise 14,0 Prozent. Chris Mielchen von der Wählergruppe der Ortsteile gewann mit 3.176 Stimmen und 86,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug 58,8 Prozent.
Kritische Einordnung
Olaf Kappelt ist kein auf Bremen begrenzter ehemaliger Wahlbewerber. Seine politische Tätigkeit erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte, Parteien, Bundesländer und gesellschaftliche Organisationen. Er sammelte zunächst als CDU-Geschäftsführer in Bremerhaven Erfahrungen im Parteiapparat, übernahm später Funktionen in ver.di und im Berliner Schriftstellerverband und nutzte diese organisatorische Erfahrung ab 2017 für den Aufbau von AfD-Strukturen. Innerhalb und im Umfeld der AfD arbeitete er an zwei gesellschaftlichen Schnittstellen: im Arbeitnehmermilieu und im konservativ-christlichen Spektrum. Bei den „Christen in der AfD“ vertrat er die Ablehnung der Ehe für alle und unterstützte die Mobilisierung gegen Schwangerschaftsabbrüche. Mit der „Potsdamer Erklärung“ beteiligte er sich an einer Strategie, die Kritik der Kirchenleitungen an der AfD zurückzuweisen und den Begriff des „christlichen Abendlandes“ mit der Warnung vor einer angeblichen Islamisierung zu verbinden.
In Bremen trat Kappelt als Spitzenkandidat, als Unterstützer der St.-Martini-Gemeinde und gemeinsam mit Beatrix von Storch auf. Die von AfD Watch Bremen dokumentierten Stationen fügen sich in seine überregionale ChrAfD-Arbeit ein: St. Martini bot den lokalen religiös-konservativen Bezug, von Storch verband den Bremer Wahlkampf mit der Bundesebene der AfD und der sogenannten Lebensschutzbewegung. Kappelts Wahlbiografie ist zugleich von wiederholten Konflikten mit grundlegenden Voraussetzungen kommunaler Repräsentation geprägt. 2019 verlor er drei Mandate in Brandenburg, 2021 zwei Mandate in Niedersachsen. In beiden Fällen war der erforderliche Wohnsitz im jeweiligen Wahlgebiet nicht gegeben. Behörden, Wahlausschüsse und Gerichte bestätigten die daraus folgenden Mandatsverluste. Der Auftritt beim BSW im Dezember 2023 ging darüber hinaus. Kappelt veränderte sein Erscheinungsbild, verwendete einen falschen Vornamen und machte falsche Angaben zu Parteierfahrung, Herkunft und politischer Tätigkeit. Zugleich interessierte er sich gezielt für Parteiaufbau und Listenaufstellung. Das Täuschungsmanöver scheiterte erst, als andere Beteiligte ihn erkannten.
Seine Kandidatur in Vetschau 2025 schließt diese politische Entwicklung vorläufig ab. Kappelt ist weiterhin der extrem rechten AfD verbunden und bewarb sich erneut um ein kommunales Spitzenamt. Der Wahlanteil von 14 Prozent reichte deutlich nicht aus. Insgesamt zeigt seine Laufbahn einen erfahrenen Parteiorganisator, der wiederholt neue regionale und gesellschaftliche Zugänge für seine politische Arbeit suchte – in Bremen vor allem über die Bundestagskandidatur, die evangelikale St.-Martini-Nähe und den gemeinsamen Auftritt mit Beatrix von Storch.
Redaktion
AfD Watch Bremen
