
Sven Lichtenfeld (links) mit ehemaligen JA Vorstand und jahrelang im Umfeld der IB aktiven Marvin Mergard und Ex-Landesvorstand Frank Magnitz auf dem Bundesparteitag der AfD in Hannover 2017. Lichtenfeld war 2016 nach und nach in der AfD Bremen aufgestiegen und nach Streitigkeiten vorübergehend ausgetreten. Bildquelle: FB, AfD Bremen. (Abgerufen 2017).
Sven Lichtenfeld: Spitzenkandidat trotz ungeklärter Wahlkampfhilfe aus dem rechten Milieu
Sven Lichtenfeld zog 2023 für Bürger in Wut in die Bremische Bürgerschaft und die Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung ein. Kurz nach der Wahl schloss ihn die Wählervereinigung aus. Nach Darstellung ihrer Führung hatte er wissentlich Wahlkampfhilfe aus dem rechtsextremen Milieu angenommen. Lichtenfeld bestreitet die Vorwürfe. Art und Umfang der damaligen Unterstützung sowie die beteiligten Personen sind öffentlich bis heute nicht abschließend aufgeklärt.
Im Dezember 2024 trat Lichtenfeld erneut in die AfD ein. Seit Mitte Juni 2026 führt er gemeinsam mit Claudia Baltrusch die „AfD Bremerhaven Gruppe“ in der Stadtverordnetenversammlung. Rechtlich blieben seine Mandate durch die Parteiwechsel unverändert. Es handelt sich um persönliche, freie Mandate; ihre Wahlherkunft liegt weiterhin bei Bürger in Wut. Politisch verschaffte Lichtenfelds AfD-Beitritt der Partei dennoch wieder eine Vertretung in der Bremischen Bürgerschaft, obwohl die AfD zur Wahl 2023 nicht zugelassen worden war. Auch die beiden Mandate der heutigen „AfD Bremerhaven Gruppe“ stammen nicht aus einem AfD-Kommunalwahlergebnis. Im Vorfeld der Bürgerschaftswahl 2027 hat sich Lichtenfelds Stellung innerhalb der Partei deutlich erweitert. Am 22. August 2026 wählte ihn die AfD auf Platz eins ihres Wahlvorschlags für den Wahlbereich Bremerhaven. Damit führt der amtierende Bürgerschaftsabgeordnete die Bremerhavener AfD in die kommende Bürgerschaftswahl.
Gleichzeitig unterstützt Lichtenfeld die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland Bremen. Ende August 2026 bezeichnete ihn die Organisation gemeinsam mit dem Bremer AfD-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Sergej Minich ausdrücklich als „Förderer“. Der Fördererstatus ist in den Organisationsregelungen der Generation Deutschland mit einem finanziellen Förderbeitrag verbunden; welche konkrete Summe Lichtenfeld leistet, ist öffentlich nicht bekannt. Lichtenfeld gehört weiterhin nicht zu den programmatisch besonders profilierten Köpfen der Bremer AfD. Seine Bedeutung liegt vielmehr in der Bündelung verschiedener institutioneller und organisatorischer Funktionen. Er vertritt die Partei in der Bremischen Bürgerschaft, führt eine parlamentarische AfD-Gruppe in Bremerhaven, ist dort Spitzenkandidat für 2027 und unterstützt zugleich die neue Parteijugend finanziell. Seine politische Rolle reicht damit inzwischen deutlich über die Wirkung seines ursprünglich für Bürger in Wut gewonnenen Mandats hinaus.
Vom SPD-Ortsverein zur AfD
Sven Lichtenfeld gehörte bis November 2016 dem Vorstand des SPD-Ortsvereins Leherheide an. Anschließend wechselte er in den AfD-Kreisverband Bremerhaven. 2018 war er Beisitzer im Landesvorstand der Bremer AfD. Bei der Bürgerschaftswahl 2019 kandidierte er im Wahlbereich Bremerhaven auf Listenplatz drei und erhielt nach den bei Abgeordnetenwatch dokumentierten Wahldaten 1.319 Personenstimmen, verfehlte aber ein Mandat im Landesparlament. Im September 2020 schied der AfD-Stadtverordnete Pascal Hiller aus der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung aus. Nach der amtlichen Bekanntmachung über die Berufung des Listennachfolgers rückte Lichtenfeld über die AfD-Liste nach. Bereits 2021 verließ er infolge parteiinterner Auseinandersetzungen die AfD und wechselte zu Bürger in Wut. Sein kommunales Mandat behielt er. Der Wechsel schwächte die damalige AfD-Fraktion und vergrößerte zugleich die parlamentarische Vertretung der Bürger in Wut.

Man kennt sich und organisiert sich gemeinsam im Hintergrund. Hier auf der AfD-Kundgebung in Stuhr 2017. Zu diesem Zeitpunkt AfD-Vorstandsmitglied Sven Lichtenfeld (links) gemeinsam mit „IB“-Akteur und Neonazi Oliver Osterloh (mitte) sowie „IB“-Akteur Sebastian Quindt (rechts). Bildquelle: isso.media.
Dokumentierte Begegnungen im extrem rechten Umfeld
Das Redaktionsarchiv von AfD Watch Bremen dokumentiert Lichtenfeld 2017 auf dem AfD-Bundesparteitag in Hannover gemeinsam mit Marvin Mergard und Frank Magnitz. Mergard gehörte damals zur Führung der Jungen Alternative und fiel durch seine Nähe zur Identitären Bewegung auf. Ein weiteres Foto zeigt Lichtenfeld bei einer AfD-Veranstaltung in Stuhr zusammen mit Oliver Osterloh und Sebastian Quindt, die dem damaligen Umfeld der Identitären Bewegung zugerechnet wurden.
Öffentlich belegt ist, dass Lichtenfeld sich innerhalb eines AfD-Veranstaltungsumfeldes bewegte, in dem identitäre und extrem rechte Akteur:innen ohne erkennbare Abgrenzung auftreten konnten. Eine Mitgliedschaft Lichtenfelds in der Identitären Bewegung oder einer neonazistischen Organisation ist nicht belegt. Ebenso wenig ist eine öffentliche Auseinandersetzung Lichtenfelds mit den damaligen Begegnungen oder eine nachvollziehbare politische Distanzierung dokumentiert.
Mit Bürger in Wut in die Bürgerschaft
Zur Bürgerschaftswahl am 14. Mai 2023 kandidierte Lichtenfeld für Bürger in Wut auf Listenplatz drei im Wahlbereich Bremerhaven. Nach dem amtlichen Ergebnis der Bürgerschaftswahl erhielt er 1.461 Personenstimmen und gewann sein Mandat durch Personenwahl. Bei der getrennten Wahl zur Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung kandidierte er auf Listenplatz vier. Dort entfielen nach dem amtlichen Kommunalwahlergebnis 1.328 Personenstimmen auf ihn. Auch dieses Mandat gewann er als BIW-Kandidat durch Personenwahl.
Der damalige BIW-Vorsitzende Jan Timke erklärte, eine interne Auswertung des Wahlkampfs habe ergeben, dass Lichtenfeld wissentlich Unterstützung von Personen aus dem rechtsextremen Milieu angenommen habe, um seine Personenstimmen zu erhöhen. Nach Timkes Darstellung habe Lichtenfeld die Kontakte zunächst eingeräumt. Lichtenfeld bestreitet die Vorwürfe. Die taz dokumentierte die Anschuldigungen und ihre parteipolitischen Folgen; eine unabhängig veröffentlichte Beweissammlung, anhand derer sich Art und Umfang der Wahlkampfhilfe vollständig überprüfen ließen, liegt nicht vor. Belegt sind der Ausschluss, Timkes öffentliche Darstellung und Lichtenfelds Zurückweisung. Nicht abschließend geklärt ist, welche Personen ihn konkret unterstützten, welche Tätigkeiten sie übernahmen und was Lichtenfeld über deren politischen Hintergrund wusste. Er war schwerwiegend genug, dass die eigene rechte Partei Lichtenfeld unmittelbar nach seinem Wahlerfolg ausschloss und ihn aufforderte, sein Mandat nicht anzunehmen.
Das freie Mandat und seine politische Wirkung
Lichtenfeld behielt seinen Sitz. Das war rechtlich zulässig. Nach Artikel 83 der Bremischen Landesverfassung sind die Mitglieder der Bürgerschaft Vertreter:innen der gesamten bremischen Bevölkerung, nur ihrem Gewissen unterworfen und nicht an Weisungen gebunden. Ein Parteiausschluss führt deshalb nicht automatisch zum Verlust eines parlamentarischen Mandats. Parteien können Abgeordnete aus ihren Organisationen und Fraktionen ausschließen, ihnen aber den durch die Wahl erworbenen Sitz nicht entziehen.
Die rechtliche Zulässigkeit beantwortet jedoch nicht die politische Frage nach der Wirkung des Parteiwechsels. Im Dezember 2024 trat Lichtenfeld wieder in die AfD ein. Dadurch erhielt die Partei nachträglich eine parlamentarische Vertretung, obwohl sie bei der Bürgerschaftswahl 2023 nicht zugelassen worden war. Zwei konkurrierende Lager der Bremer AfD hatten unterschiedliche Wahlvorschläge eingereicht und konnten nicht zweifelsfrei nachweisen, wer die Partei rechtswirksam vertrat. Die Wahlausschüsse mussten diesen innerparteilichen Machtkampf nicht anstelle der Partei entscheiden und ließen deshalb keinen der Wahlvorschläge zu. Radio Bremen dokumentierte sowohl die Nichtzulassung als auch Lichtenfelds Wiedereintritt.
Einzelabgeordneter im Landesparlament
Nach dem aktuellen Profil der Bremischen Bürgerschaft gehört Lichtenfeld der AfD an, bleibt im Landesparlament aber fraktionslos. Die AfD verfügt durch ihn weder über eine Fraktion noch über eine parlamentarische Gruppe. Lichtenfeld besitzt weiterhin ein Mandat sowie Rede-, Antrags- und Stimmrechte, kann jedoch nicht auf die personellen, finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten einer Fraktion zurückgreifen. Als parlamentarische Funktion führt die Bürgerschaft derzeit lediglich eine Gastmitgliedschaft im Ausschuss für Angelegenheiten der Häfen im Lande Bremen auf.
Radio Bremen berichtete 2025, Lichtenfeld beteilige sich nur selten an Plenardebatten. Er begründete dies mit der begrenzten Redezeit für Einzelabgeordnete und erklärte, seinen Schwerpunkt auf die Ausschussarbeit zu legen. Die Geschäftsordnung beschränkt die Redezeit und die parlamentarischen Handlungsmöglichkeiten fraktionsloser Abgeordneter tatsächlich. Sie verhindert Wortmeldungen jedoch nicht. Lichtenfelds geringe Plenarpräsenz ist daher nicht ausschließlich eine institutionelle Folge, sondern auch eine politische Entscheidung über die Nutzung seines Mandats.
Der gescheiterte Versuch einer neuen Fraktion
Im November 2025 versuchte Lichtenfeld, gemeinsam mit Kevin Schäfer und Claudia Baltrusch eine Fraktion unter dem Namen „Alternative für Deutschland plus Schäfer und Baltrusch“ zu bilden. Die drei zeigten den Zusammenschluss mit Datum vom 1. November an. Nur Lichtenfeld war AfD-Mitglied; Schäfer und Baltrusch wurden in der damaligen Berichterstattung als parteilos bezeichnet. Lichtenfeld bezeichnete das Vorhaben gegenüber der taz als „Zweckbündnis“. Der Fraktionsstatus hätte längere Redezeiten, weitergehende Ausschussrechte und zusätzliche gesetzliche Beiträge für die parlamentarische Arbeit ermöglicht.
Seit Juni 2026 Sprecher einer neuen AfD-Gruppe
Der gescheiterte Fraktionsversuch war nicht das Ende von Lichtenfelds kommunaler Neuorganisation. Mitte Juni 2026 schloss er sich mit Claudia Baltrusch zur „AfD Bremerhaven Gruppe“ zusammen. Das Ratsinformationssystem führt Lichtenfeld als Gruppensprecher seit dem 11. Juni und Baltrusch als stellvertretende Gruppensprecherin seit dem 15. Juni. Eine amtliche Vorlage vom 16. Juni dokumentiert den Zusammenschluss und einen Antrag der Gruppe vom 13. Juni auf Neubildung der Ausschüsse.
Am 18. Juni beschloss die Stadtverordnetenversammlung die neue Ausschussbesetzung. Der Status als parlamentarische Gruppe ist damit amtlich dokumentiert. Eine gesonderte Abstimmung über die Anerkennung ist in den veröffentlichten Unterlagen nicht ausgewiesen. Lichtenfeld bleibt in der Bremischen Bürgerschaft fraktionsloser AfD-Einzelabgeordneter. In der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung ist er dagegen kein Einzelstadtverordneter mehr. Dort führt er die parlamentarische Gruppe. Diese Unterscheidung ist wichtig. Landes- und Kommunalmandat unterliegen unterschiedlichen Geschäftsordnungen und vermitteln unterschiedliche organisatorische Rechte. Baltrusch gehört der parlamentarischen Gruppe an. Daraus folgt nicht automatisch eine Mitgliedschaft in der AfD. Im Dezember 2025 wurde sie in der unabhängigen Berichterstattung als parteilos bezeichnet. Eine spätere Aufnahme in die Partei ist öffentlich nicht dokumentiert.
Mehr Ausschussrechte und gesetzliche Beiträge
Die Gruppe verfügt pro Tagesordnungspunkt grundsätzlich über zehn Minuten Redezeit. Der entscheidende institutionelle Unterschied zum Einzelstatus liegt jedoch in der Ausschussarbeit. Nach Paragraf 41 der Geschäftsordnung erhält die Gruppe in jedem Ausschuss einen zusätzlichen Sitz, wenn sie über das reguläre d’Hondt-Verfahren nicht vertreten ist. Einzelstadtverordnete können nur in bis zu vier Ausschüssen beratend mitarbeiten. Seit dem 1. Juli 2026 stehen der Zweiergruppe nach dem Entschädigungsortsgesetz insgesamt 1.434,06 Euro monatlich zu. Das sind zweckgebundene parlamentarische Beiträge, keine persönlichen Einkünfte und keine Parteimittel. Eine Verwendung für Parteiaufgaben ist gesetzlich ausgeschlossen. Anmerkung: Ein Abgeordneter, der gleichzeitig in der Bremischen Bürgerschaft und in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung sitzt, verdient insgesamt 7.880,33 Euro brutto pro Monat.
Wahlherkunft bleibt Bürger in Wut
Lichtenfeld und Baltrusch waren 2023 von Bürger in Wut aufgestellt worden. Der Gruppenname ändert diese Wahlherkunft nicht. Beide üben freie Mandate aus und dürfen sich rechtlich zu einer neuen parlamentarischen Gruppe zusammenschließen. Politisch entsteht dadurch eine besondere Konstellation: Eine Gruppe unter dem Namen der AfD verfügt über Ausschusssitze, Beteiligungsrechte und öffentliche Mittel, obwohl keines ihrer Mandate über den AfD-Wahlvorschlag von 2023 gewonnen wurde und nur bei Lichtenfeld eine AfD-Mitgliedschaft belegt ist.
Sachpolitik und überprüfbare Behauptungen
Lichtenfelds kommunalpolitische Arbeit beschränkt sich nicht ausschließlich auf migrations- oder ordnungspolitische Themen. Dokumentiert sind unter anderem Anfragen zur Stadtentwicklung, zur Wirtschaftlichkeit des Bauvorhabens auf dem ehemaligen Karstadt-Gelände und zu Fragen öffentlicher Finanzierung.
Während der Bremerhavener Haushaltsberatungen im Juni 2026 erklärte Lichtenfeld, in der Stadt fehlten Betreuungsplätze für Kinder. Der zuständige Stadtrat Martin Günthner widersprach und verwies auf eine geplante Auslastung der Einrichtungen von rund 95 Prozent sowie auf noch verfügbare Krippenplätze. Die Pressemitteilung des Magistrats ist die Stellungnahme der kritisierten Verwaltung und damit keine neutrale Instanz. Die darin veröffentlichten Zahlen widersprechen Lichtenfelds pauschaler Aussage jedoch konkret. Der Vorgang belegt nicht automatisch eine bewusste Falschinformation, zeigt aber, dass seine politischen Zuspitzungen anhand überprüfbarer Bedarfs- und Belegungsdaten kontrolliert werden müssen.
Spitzenkandidat 2027 und Förderer der Generation Deutschland
Mit der Vorbereitung auf die Bürgerschaftswahl 2027 hat Lichtenfeld innerhalb der Bremer AfD weiter an Bedeutung gewonnen. Bei der Aufstellung des Wahlvorschlags für den Wahlbereich Bremerhaven am 22. August 2026 wählten ihn die Mitglieder auf Platz eins. Damit führt der amtierende Bürgerschaftsabgeordnete die Bremerhavener AfD-Liste für die kommende Wahl an. Die Spitzenkandidatur knüpft an Lichtenfelds besondere parlamentarische Stellung innerhalb der Bremer AfD an. Durch seinen Wiedereintritt in die Partei im Dezember 2024 erhielt die AfD wieder ein Mitglied in der Bremischen Bürgerschaft, obwohl sie bei der Wahl 2023 selbst nicht zugelassen worden war. Seit Juni 2026 führt Lichtenfeld zudem gemeinsam mit Claudia Baltrusch die „AfD Bremerhaven Gruppe“ in der Stadtverordnetenversammlung.
Ende August 2026 wurde außerdem eine weitere organisatorische Verbindung zur neuen AfD-Jugend sichtbar. Generation Deutschland Bremen teilte auf ihrem offiziellen Social-Media-Kanal mit, Sven Lichtenfeld und den Bremer AfD-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Sergej Minich als „Förderer“ gewonnen zu haben. Der Fördererstatus bezeichnet innerhalb der Generation Deutschland eine finanzielle Unterstützungsform. Das offizielle Förderverfahren sieht regelmäßige Förderbeiträge beziehungsweise Spenden an die Jugendorganisation vor. Welche konkrete Summe Lichtenfeld leistet, ist nicht öffentlich bekannt. Damit unterstützt Lichtenfeld die neue Parteijugend nicht nur politisch, sondern nach deren eigener Darstellung auch finanziell. Gleichzeitig führt er die Bremerhavener AfD in die Bürgerschaftswahl 2027. Seine institutionelle Rolle verbindet damit parlamentarisches Mandat, kommunale AfD-Struktur, Wahlkampf und die neue Jugendorganisation.
Kritische Einordnung
Politisch relevant ist das Gesamtmuster. Lichtenfeld bewegte sich bereits während seiner ersten AfD-Zeit in einem Veranstaltungsumfeld, in dem Akteure der Identitären Bewegung präsent waren. Nach seinem Wechsel zu Bürger in Wut wurde er 2023 ausgeschlossen, nachdem die Parteiführung ihm vorgeworfen hatte, wissentlich Wahlkampfhilfe aus dem rechtsextremen Milieu angenommen zu haben. Eine öffentlich erkennbare Aufarbeitung der dokumentierten früheren Begegnungen oder eine inhaltliche Abgrenzung vom extrem rechten Milieu ist nicht dokumentiert. Stattdessen kehrte Lichtenfeld im Dezember 2024 in eine AfD zurück, deren national-völkische, rassistische und rechtsextreme Zielsetzungen das Deutsche Institut für Menschenrechte anhand ihrer Programmatik und zahlreicher Äußerungen führender Funktionär:innen untersucht hat.
Lichtenfeld ist bislang kein besonders sichtbarer Ideologe der Bremer AfD. Seine politische Bedeutung ist vor allem institutioneller und organisatorischer Natur – diese Rolle hat sich im Vorfeld der Bürgerschaftswahl 2027 jedoch deutlich erweitert. Durch seinen Wiedereintritt erhielt die AfD wieder ein Mitglied in der Bremischen Bürgerschaft. Rechtlich wurde sein über Bürger in Wut gewonnenes Mandat dadurch weder zu Parteieigentum noch rückwirkend zu einem über die AfD errungenen Sitz. In Bremerhaven versuchte Lichtenfeld zunächst, mit zwei parteilosen Stadtverordneten eine Fraktion unter dem Namen der AfD zu bilden. Nach dem Scheitern dieses Vorhabens gründete er mit Claudia Baltrusch eine parlamentarische Gruppe, die ebenfalls den AfD-Namen trägt. Damit verschaffte er der Partei politische Sichtbarkeit, Ausschussrechte und organisatorische Anknüpfungspunkte, obwohl keines der beiden Gruppenmandate aus einem AfD-Kommunalwahlergebnis von 2023 stammt. Mit seiner Wahl auf Platz eins des Bremerhavener AfD-Wahlvorschlags für die Bürgerschaftswahl 2027 ist Lichtenfeld inzwischen zugleich der zentrale Kandidat der Partei im Wahlbereich Bremerhaven. Seine Bedeutung beschränkt sich damit nicht mehr auf die nachträgliche parlamentarische Repräsentanz der AfD durch ein ursprünglich für Bürger in Wut gewonnenes Mandat. Die Partei setzt nun ausdrücklich auf ihn, um bei der nächsten Bürgerschaftswahl ein eigenes Mandat in Bremerhaven zu erringen.
Hinzu kommt seine inzwischen dokumentierte Unterstützung der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland. Ende August 2026 teilte Generation Deutschland Bremen öffentlich mit, Lichtenfeld gemeinsam mit dem Bremer AfD-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Sergej Minich als „Förderer“ gewonnen zu haben. Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine symbolische Bezeichnung. Das Jugendstatut der Generation Deutschland sieht für Förderer ausdrücklich einen Förderbeitrag vor. Welche konkrete Summe Lichtenfeld zahlt, ist öffentlich nicht bekannt. Diese finanzielle Unterstützung ist auch deshalb politisch relevant, weil die Generation Deutschland Bremen personell und politisch an Strukturen und Akteure anknüpft, die bereits im Umfeld der früheren Jungen Alternative dokumentiert wurden. Im August 2026 beteiligte sich die Bremer GD zudem mit einer eigenen Delegation am „Tag der Deutschen Jugend“ in Schwerin. Nach Recherchen von NDR und WDR bewegten sich dort Angehörige der Generation Deutschland und Akteur:innen der Identitären Bewegung in einem gemeinsamen Demonstrationszug. Belegt ist aktuell, dass Lichtenfeld die Bremer Jugendorganisation, die sich an dieser extrem rechten Mobilisierung beteiligte, inzwischen als Förderer finanziell unterstützt.
Lichtenfeld führt eine parlamentarische AfD-Gruppe in Bremerhaven, ist Spitzenkandidat der Partei für die Bürgerschaftswahl 2027 und unterstützt die neue AfD-Jugend finanziell. Seine Bedeutung innerhalb der Bremer AfD liegt damit zunehmend an der Schnittstelle von parlamentarischer Repräsentanz, kommunaler Organisationsstruktur, Wahlkampf und Nachwuchsorganisation.
Redaktion
AfD Watch Bremen
